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Mittelalter - 20. Jh.

Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.

Das Kloster, das später Kreuzlingen den Namen geben sollte, lag (wohl ab 1123) wenig ausserhalb der Stadt, im Gebiet zwischen der heutigen Freie- und der Zollstrasse.

Die klösterlichen Dienstleute siedelten sich zwischen der Stadtmauer (Schnetztor) und dem Kloster an; es entstand die Vorstadt Stadelhofen. Weit ausserhalb der Stadtmauern, beim heutigen Hirschen­platz, richtete Konstanz ein Asyl für die Aussätzigen ein.

Nach 1650 wurde in dessen Nähe das 1633 zum zweitenmal zerstörte Kloster wieder aufgebaut.

Noch 1838 bestand Kreuzlingen aus lediglich 13 Häusern und war bis 1874 ein Ortsteil von Egelshofen. Erst der Bau der Eisenbahn leitete die rasante Entwicklung des Ortsteils Kreuzlingen ein, und 1874 wechselte der Ortsname Egelshofen in Kreuzlingen, das gleichzeitig an Stelle von Gottlieben Bezirkshauptort wurde.

Ursprünglich dienten die Schulen fast ausschliesslich der Heranbildung von Geistlichen. Erst die Reformation um 1524 ermöglichte auch Bürgerkindern eine gewisse Schulbildung. So wurden 1527 Spital und Rat der Stadt Konstanz angewiesen, einen geschickten und gelehrten Schulmeister zu halten, der die Kinder in christlicher Zucht und ehrsamen Künsten zu unterrichten hatte, und 1547 gab es in der Stadt eine lateinische und zwei deutsche Schulen. Erst 1774 jedoch wurde die sogenannte Normalschule eingeführt, für deren Besuch kein Schulgeld mehr zu entrichten war. Im folgenden Jahr richtete das Zoffinger Frauenkloster am Rhein eine Schule für Mädchen ein, die bis heute besteht.

Während Gottlieben seinen ersten Schulbau bereits 1580 erhielt, besuchten Kinder aus dem Gebiet des späteren Kreuzlingens noch lange Zeit die Schulen in Konstanz... oder in Scherzingen, siehe auch Schulbesuch Konstanz

Im Oktober 1632 erhielten die Thurgauer Kapitel-Dekane (Katholische Kirche) und Pfarrer (evangelisch) Anleitung zur Einrichtung und Führung von Schulen. In rein evangelischen Gemeinden sollten weltliche (und tugendhafte!) Schulmeister angestellt werden, welche regelmässig zu inspizieren waren. Der Schulbesuch war nach wie vor freiwillig, und der Unterricht wohl in der Regel wenig attraktiv. Als Schulmeister amteten nämlich oft Taglöhner, Handwerker oder ehemalige Söldner. Nicht selten war eine Bedingung für deren Anstellung als Lehrer, dass sie über eine Stube als Unterrichtsraum verfügten. Zudem sah die Schule ihre Hauptaufgabe in der religiösen Unterweisung ihrer Zöglinge.

Bis 1730 verfügte Egelshofen über keine eigene Schule. 1647 gründete Pfarrer Collin (Sein Grossvater hiess noch Büelmann; doch klingt „Colline“ wesentlich eleganter als „Büel“.) im Pfarrhaus Scherzingen eine Schule, die nicht nur aus dem eigenen Dorf sondern auch aus den Gemeinden Bottighofen (Kurz-)Rickenbach und eben Egelshofen Kinder anzog. In seinen besten Zeiten brachte es der Pfarrer damit auf ein komfortables Jahresgehalt von 60 bis 80 Gulden, die damals üblichen Geschenke nicht eingerechnet.
Konkurrenz liess nicht lange auf sich warten: 1651 begann Konrad Bollmann in Bottighofen zu unterrichten, 1655 der St. Galler Achilles Meyer in Rickenbach.
Pfarrer Collins vielseitiger Einsatz als Lehrer wurde zwar lang geduldet aber nicht überall gern gesehen und er musste 1676 den Schuldienst aufgeben. Seine Nachfolge trat Jakob Muggensturm-Beusch an, der jedoch vorerst nicht mehr in Rickenbach sondern in der Römerburg an der Remisbergstrasse unterrichtete.

Die Römerburg nach dem Umbau im 18. Jahrhundert

Egelshofen und Kurzrickenbach machten sich einige Jahre später mit der Gründung einer eigenen Schule von Scherzingen unabhängig. Um das Zusammengehen nicht durch Rivalitäten zwischen den beiden Dörfern zu gefährden fand der Unterricht im Sommerhalbjahr in Kurzrickenbach mit etwa dreissig Schülern statt, im Winter mit über 60 Schülern in Egels­hofen. Damit führten die beiden Gemeinden eine der ersten Ganzjahresschulen im Thurgau!
Um 1730 richteten die beiden Gemeinden je eine eigene Schule ein.

Kurzrickenbach

Als eine der ersten Gemeinden im Thurgau richtete Kurzrickenbach 1828 eine Freischule ein: Die Kinder der Gemeindebürger waren von der Bezahlung eines Schulgeldes befreit. Bis 1843 führten die Lehrer den Unterricht in einer Stube ihres eigenen Hauses durch. Im Februar 1842 dann verpachtete die politische Gemeinde Rickenbach der evangelischen Schulgemeinde Schulstube und Lehrerwohnung im Gemeindehaus an der Romanshorner­strasse 65.

Bald zeigte sich, dass dies keine glückliche Lösung war, und 1844 wurde der Neubau eines Schulsaales hinter dem Gemeindehaus in die Wege geleitet. Er bot bis hundert Kindern (wohl wenig) Platz, diente über sechzig Jahre lang und wurde 1913 abgerissen, nachdem das neue Schulhaus mit 4 Klassenzimmern und einer Hauswartwohnung erbaut worden war, das heutige Schulhaus KURIBA.

Die Verfassung von 1869 bedeutete das Ende der konfessionellen und ortsbürgerlichen Schulen. 1870 übernahm die Einwohnergemeinde die Dorfschule.

Egelshofen

Auch Egelshofen bekam 1730 seine eigene Schule, die auch von evangelischen Kindern aus Emmishofen besucht wurde. Die Schulmeister unterrichteten in der eigenen Wohnstube,  bis Hans Georg Bächler-Neuweiler 1769 dieses Amt übernahm.
Da er noch im elterlichen Haus wohnte, verfügte er über keinen geeigneten Raum und ersuchte darum die Gemeinde, ihm einen solchen zur Verfügung zu stellen. Vorübergehend wurde ihm ein Raum im Gemeinde­ haus zugewiesen, bis das elterliche Haus in seinen Besitz überging und er in dessen Erdgeschoss unterrichten konnte.
Die katholische Schule im Schoderschulhäuschen wurde 1799 aufgehoben.
1830 schloss sich Bätershausen an die Egelshofer Schule an. Neben der Alltagsschule führte der Lehrer die Repetierschule, eine Nachtsingschule und eine Nachtschule. In dieser wurden die Kinder unterrichtet, die Tags über in Konstanzer Fabriken arbeiteten und darum die reguläre Repetierschule nicht besuchen konnten. Von 1835 an hatte auch Egelshofen seine Freischule.

Lehrerlohn im 18./19. Jh.
Schultypen im 19. Jh.

1845 war die Schulklasse hoffnungslos überfüllt und Egelshofen ersuchte die katholische Schule im Felsenschlössli, einige evangelische Kinder zu übernehmen. Gesuch abgelehnt! So blieb Egelshofen nichts anderes übrig, als eine zweite Abteilung einzurichten, nun wieder im Gemeindehaus. Als die Schule im Felsenschlössli 1859 schliessen musste, wurden deren Schüler, Ironie der Geschichte, in Egels­hofen aufgenommen.
Wiederholt ersuchte Egelshofen um Vereinigung seiner Schulgemeinde mit jener von Kreuzlingen, doch auch 1784, anlässlich der Umbenennung in „Kreuzlingen“, lehnte die mittlerweile finanziell wesentlich besser gestellte Gemeinde einen Zusammenschluss ab. Kreuzlingen selber verfügte bis zur Jahrhundertwende ausser der Seminarübungsschule im Felsenschlössli lediglich über eine Ober- und eine Unterschule im Schulhaus an der Bahnhofstrasse (heute Pestalozzistrasse, altes Sekundarschulhaus).

Felsenschlössli

Das Fehlen einer eigenen Schule schmerzte die katholische Gemeinde. Nach einer Kollekte für die Äufnung eines Schulfonds konnte 1811 das Felsenschlössli, das dem Kloster gehörte, erworben und darin ein Schullokal und eine Lehrerwohnung eingerichtet werden. 43 Jahre lang versah Jakob Gagg-Gäng hier den Schuldienst. Wegen Schülermangels und Diffenzen zwischen seinem Nachfolger und dem Schulpräsidenten, wurde die katholische Schule aufgehoben. Damit existierte die „Schulgemeinde Kreuzlingen“ nicht mehr, und für mehrere Jahre blieb die Schulgemeinde Egelshofen für alle Kinder der Ortsgemeinde zuständig. Damit das Lehrerseminar sich eine eigene „Musterschule“ angliedern konnte, entschied der Regierungsrat im Herbst 1861 eine selbständige Schulgemeinde Kreuzlingen einzu­rich­ten. Wieder wurde das Schullokal im Felsenschlössli bezogen und seither dient es der Lehrerbildung als Muster- oder Übungsschule, siehe auch Lehrerausbildung in Kreuzlingen.

1895 kaufte die Schulgemeinde Egelshofen das Patrizierhaus Rosenegg und richtete darin vorerst einen Schulraum für die Oberschule ein, dem einige Jahre später ein zweites Schulzimmer folgte.


Das Landhaus Rosenegg um 1900

Es sollte bis 1906 dauern, bis der Regierungsrat die Vereinigung von Egelshofen mit Kreuzlingen verfügte. Doch erst nachdem das Bundesgericht die Beschwerde gegen diesen Entscheid abgewiesen hatte, konnte die Planung eines gemeinsamen Schulhauses in Angriff genommen werden: 1909 wurde es eingeweiht: das Schreiberschulhaus

Emmishofen bildete seit 1460 eine eigene Gerichtsherrschaft der eidgenössischen sieben Alten Orte. Kirchlich gehörte das Dorf zur Stiftskirche St. Stephan in Konstanz und wurde erst 1831 zu einer selbständigen Pfarrei erhoben. Die Beziehungen zu Konstanz blieben eng, und viele Kinder gingen in die Stadt zur Schule. Dabei besass Emmishofen schon früh eine eigene katholische Schule. Diese findet erstmals Erwähnung, als Schulmeister Josef Burkart am 9. Februar 1765 starb. Das erste Schulhaus an der Esslenstrasse 28 war von einem Bürger gestiftet worden. Haus und Garten konnten vom Lehrer zinsfrei genutzt werden. 1818 zog die Schule in das grössere Haus an der Lohstrasse 1 um.
1825 entstand das Esslenschulhaus an der Esslenstrasse 33, das bis 1917 der Schule diente.

1861 beschloss der Erziehungsrat des Kantons die Aufhebung der katholischen Schulen und die Einführung der paritätischen Klassenschule. Emmishofen mit seinen 700 Einwohnern erhielt eine Ober- und eine Unterschule und konnte 1862 ein Wohnhaus an der Bernrain­stras­se kaufen, in das 1863 vorerst die Oberschule und 1883 auch die Unterschule einzogen. Noch heute (oder heute wieder) finden im Schulhaus Weinburg zwei Klassen Platz. Ursprünglich war es im Norden mit einer Wirtschaft und Metzgerei gleichen Namens zusammengebaut. Diese musste 1978 wegen des schlechten baulichen Zustands abgebrochen werden. Der Intervention des Quartiervereins Egelshofen ist zu verdanken, dass das Schulhaus diesem Schicksal entging. Es wurde 1979/1980 um- und ausgebaut.


Das Schulhaus Weinburg vor dem Umbau

Um der zunehmenden Platznot zu begegnen, wurde anfangs des 20. Jh. schräg gegenüber und  oberhalb der 1903 geweihten Kirche St. Stephan das Schulhaus Emmishofen errichtet und im Juli 1917 eingeweiht.


Ehemaliges Sekundarschulhaus Emmishofen

Damit nicht genug, verfügte Emmis­hofen während 12 Jahren auch über eine Sekundarschule: Auf das Schuljahr 1863/64 hin wurde nämlich die Sekundarschule Tägerwilen nach Emmishofen verlegt, da dieses zentraler lag. Die Gemeinde mietete dafür das Wohnhaus an der Bernrainstrasse 5, das sie dann 1869 für 15‘000 Franken kaufen konnte.

Kreuzlingen wurde 1874 Bezirkshauptort. Als solcher wünschte er eine eigene Sekundarschule. Diese wurde 1875 gegründet, ebenso jene von Tägerwilen, und 1882 konnte das Schulhaus an der Pestalozzistrasse eingeweiht werden, das zunächst sowohl der Sekundar- als auch der Primarschule diente.
Das Sekundarschulhaus in Emmishofen aber wurde zum katholischen Pfarrhaus.

 

Literatur:

Vereinigung Heimatmuseum Kreuzlingen: Beiträge zur Ortsgeschichte:

  • Hermann Strauss: Kreuzlinger Häuser; Heft. IV, 1951
  • Hermann Strauss: Die Schulen in Kreuzlingen; Heft. VI, 1952
  • Emil Heeb: 50 Jahre Einheitsgemeinde Kreuzlingen; Heft XIX, 1978
  • Anton Hopp: Das Chorherrenstift St. Ulrich und Afra zu Kreuzlingen; Heft XXV, 1990
  • H.-U. Wepfer: Das Revolutionsjahr 1798 im Kloster Kreuzlingen – Thurgauische Lehrerbildung 1798 – 1848
  • Kreuzlinger Mosaik. Ein Quellenbuch der Grenzstadt Kreuzlingen bis ca. 1960, Bodan AG, 1991
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Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013

Schulgemeinde Kreuzlingen | Pestalozzistrasse 15 | 8280 Kreuzlingen | 071 677 10 00