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Lehrerlohn 18./19. Jh.

Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.

Den Egelshofer Lehrer Hans Georg Bächler-Neuweiler (1740 – 1814) zitiert der Historiker Hermann Strauss in seinem Aufsatz „Die Schulen von Kreuzlingen“ (Vereinigung Heimatmuseum Kreuzlingen: Beiträge zur Ortsgeschichte, S. 16 im Heft VI, 1952) unter anderem so:
Das väterliche Haus gehöre nun ihm und es stehe im untern Stock eine Schulstube zur Verfügung, wofür er aber keinen Hauszins erhalte; auch müsse er das Lokal selbst unterhalten. Er stehe jetzt im 59. Altersjahr (1799) und habe 6 Söhne. Im Nebenberuf besorge er den Mesmerdienst und auch das Vorsingen in der Kirche.
Die Schule bestand aus drei Klassen, und der Unterricht dauerte von 8 bis 11 und von 1 bis 4 Uhr. Zur Sommerszeit kamen 25 bis 30, im Winter 64 Kinder. Dazu hielt er von Martini bis Ende Februar die Winternachtschule, die von 30 Kindern besucht wurde.
Jedes Kind hatte wöchentlich drei Kreuzer Schulgeld zu zahlen und im Winter das übliche Scheit Holz mitzubringen, oder an dessen Stelle für den ganzen Winter vier Kreuzer zu entrichten. Ein Rechner* zahlte sechs Kreuzer und jeder Nachtschüler für den ganzen Winter 20 Kreuzer. Unvermöglichen Kindern wurde der Schullohn schon seit 1716 aus dem Armenfonds bezahlt. Rechnet man Bächlers Verdienst als Lehrer und Mesmer zusammen, so ersieht man bald, dass er mit achtzig Gulden Jahresverdienst ein recht spärliches Einkommen hatte. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn der Egelshofer Lehrer damals aus dem Armengut Unterstützung bezog (...).
(* In der Regel wurde in den Schulen kein Rechnen-Unterricht erteilt.)

(und S. 11):
(Das von den Kindern entrichtete) Schulgeld war die einzige Entlöhnung an den Lehrer. (...) Nicht umsonst schrieb Lehrer Bär am Schlusse seines Berichtes vom 20. Februar 1799: „Ich wünsche von Herzen, dass daran gearbeitet werde, dass für die Schulwohnung, wie auch für das Schulgeld möchte gesorgt werden, weilen selbige sehr gering und schlecht sind, wie sie es selbstern werden einsehen können.“

Da wundert es denn nicht, dass viele Schulmeister ihr mageres Einkommen anderweitig aufbesserten:

  • Anton Rentzemeyer in Götighofen arbeitete als Schreiner
  • Joseph Fridolin Ott, Bischofszell, war auch Chirurgus
  • Hans Ulrich Gsell, Schocherswil, „hat die Freiheit, den Gemeindsbürgern alle Mittage in die Runde zu Mittag zu essen“
  • Johann Huber (ab 1848), Kurzrickenbach, war daneben Photograph, und seine Frau betrieb einen Geschirrladen.
  • Geschenke, welche die (Bauers-)Kinder mitbrachten, waren hoch willkommen.

Walter Greuter, von 1920 bis 1966 Lehrer in Kurzrickenbach, schreibt dazu im Thurgauer Volksfreund vom 4. September 1970: Zu den guten Zeiten zählten die Lehrer die Einladung zum Wurstmahl. Ja, es war eine Ehre für eine Familie, dass sie den Dorflehrer zum Mittagstisch einladen durfte. Diese Sitte herrschte in Kurzrickenbach bis zum Jahre 1925. Wenn man bedenkt, mit welch kargem Lohn eine Lehrersfamilie auszukommen hatte, so zeigten doch solche Einladungen, dass der Schulbürger die Not erkannte, aber für Abhilfe an der Gemeindeversammlung nie sorgte. Ich mag mich noch gut erinnern, dass mein Vater, der Landwirt und Sticker war, einmal sagte, er verdiene den Taglohn des Lehrers bis zum Morgenessen. Es war ein Glück für die damaligen Lehrer, dass sie im Herbst von den Bauern mit Früchten reich bedacht wurden. Aber das arme Dorfschulmeisterlein stand dafür in hohen Ehren: Er war immerhin der Herr Lehrer.

Aus der Rechnung der Kleinkinderschule Emmishofen (gegründet 1894) geht hervor, dass die Lehrerin 900 Franken Jahresgehalt bezog. Die weiteren Kosten für den Betrieb des Kindergartens summierten sich auf Fr. 491.-

Das Schulgeld der 30 bis 40 Kinder belief sich, Beiträge für Spiele u. Beschäftigungsgegenstände inbegriffen, auf Fr. 342.85. Dazu kamen Jahresbeiträge, Geschenke, Legate und andere Einnahmen von insgesamt Fr. 1187.78.

Die Jahresrechnung 1907, dem Jahr des Zusammenschlusses der beiden Schulgemeinden Egelshofen und Kreuzlingen, gibt Auskunft über die Gehälter der Lehrpersonen.

 

 

 

Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013

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