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PSZ Seetal

Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.

Wir können davon ausgehen, dass seit 1655 in Kurzrickenbach ohne Unterbruch Schulen geführt wurden, siehe auch Mittelalter bis 20. Jahrhundert.

19. Jahrhundert

Aus der Stapferschen Schulchronik von 1799 ist zu entnehmen, dass die Kurzrickenbacher Kinder in drei Klassen eingeteilt Buchstabieren, Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen lernten. Dabei wurde dem Auswendiglernen grosses Gewicht beigemessen. Der Unterricht dauerte vormittags und nachmittags je drei Stunden. Er wurde im Winter von bis zu 60, im Sommer von 26 Kindern besucht.
Schulmeister Johannes Bär unterrichtete in seiner eigenen Wohnstube, wofür er keinen Zins erhielt und für deren Unterhalt er selber aufkommen musste. Der Visitator, Pfarrer Breilinger aus Ermatingen berichtete: "(...) die Stube des Lehrers ist freilich lang, aber sehr niedrig, so dass man, wenn auch ein paar Fenster öffnet, vor Dampf dennoch ersticken möchte."
[Anm. d. Verf.: Der Schreibende hatte noch 1991 Gelegenheit, im Kanton Freiburg eine Gesamtschule zu besuchen, deren Schulzimmer am Ende eines langen Flurs lag, welcher die ganze Lehrerwohnung durchquerte. Neben der Klingel trennte eine Karte Privates vom Öffentlichen: „Ecole: Sonnez 1 x“ – „Famille: Sonnez 2 x“.]
Kurzrickenbach wuchs im 19. Jahrhundert stark, so dass hier die Schulstube des Lehrers zu eng wurde. Für einige Zeit fand darum der Unterricht im Gemeindehaus statt. In Frankreich war es bis weit ins 20. Jahrhundert selbstverständlich, dass die Schule im gleichen Gebäude wie die Mairie, das Rathaus, untergebracht war, häufig „Filles“ links und „Garçons“ rechts der Gemeindeverwaltung. In Kurzrickenbach jedoch führte räumliche Nähe und Enge wiederholt zu Konflikten.


Postkarte von 1905, mit Gemeindehaus und Schulsaal (vor dem Kirchturm)

Darum errichtete die Schulgemeinde 1844 ihr erstes Schulhäuschen, einen fabrikähnlichen Lehrsaal, 9 m lang und fast 8 m breit, der die bis zu 60 Kinder recht gut zu fassen vermochte. Das nicht zu Unrecht „Schup­pen“ genannte Lehrgebäude diente der Schule bis 1913.
Der Schulbesuch erfolgte oft wenig konsequent: Manche Kinder blieben häufig dem Unterricht fern, weil sie im Haus oder in der Landwirtschaft arbeiten mussten. Allerdings wurden solche Schulversäumnisse gar nicht so ungern gesehen, stellten doch die „Schul- und Absenzenbussen“ einen willkommenen Zustupf an das Einkommen des Lehrers dar. Dessen reguläres, äusserst karges Gehalt setzte sich zusammen aus den 3 Kreuzern, die jedes Kind Woche für Woche mitbrachte, den 4 Kreuzern, welche jene Kinder bezahlten, die im Winter kein Holz mitbringen konnten und den Entschädigungen für weitere Unterrichtstätigkeiten. Kein Wunder, dass der Lehrer „neben dem Lehramte“ eine Landwirtschaft betrieb! Fiel das Einkommen eines Schulmeisters gar zu mager aus, konnte er aus dem Armengut unterstützt werden, siehe auch Lehrerlohn im 18./19. Jahrhundert.
[Anm. d. Verf.: Interessant: In der nicht immer so „guten alten Zeit“ waren in aller Regel neben Pfarrer und Arzt die Lehrer im Ort hoch geachtet. Offenbar hing damals der soziale Status einer Person kaum von deren finanzieller Situation ab.]

Lehrerbeurteilung

Walter Greuter erwähnt in seiner Kurzrickenbacher Schulgeschichte 1970 auch einige Lehrer im 19. Jh.:Über den im Jahre 1848 angestellten Lehrer Johannes Huber lautete das Urteil: „Die Inspektionsprüfung war sehr befriedigend“. 1854 stellte die Behörde aber fest, „dass er es mit dem Anfang und Ende der Schulzeit nicht so genau nehme.“ Es scheint, dass die äussere Not, trotzdem seine Frau mit einem Geschirrladen noch etwas Geld verdiente, seine Schaffensfreudigkeit lähmte. Er bezog 1858 ein Jahresgehalt von 700 Franken; daneben stand ihm ½ Juchart (ca. 18 Aren) Pflanzland zur Verfügung. Das war wenig für die kinderreiche Familie.
1866 erfolgte eine Gehaltserhöhung von 100 Franken, „mit Rücksicht, dass des Lehrers Leistungen zufriedenstellend seien.“ Aber die Spannung nahm wieder zu, als der Lehrer wegen religiöser Versammlungen und Theateraufführungen im Schullokal beim Erziehungsdepartement Beschwerde einreichte. Das erzürnte den Männerchor. Unterschriften wurden gegen ihn gesammelt, und es kam am 8. Dezember 1876 zur Abberufung.“

Widerspenstige Kurzrickenbacher

Ende des 19. Jahrhunderts war die Schülerzahl so weit angewachsen, dass das Erziehungsdepartement eine Schulgemeindeversammlung anberaumte: Nach Artikel 7 des Schulgesetzes musste nämlich eine Schule geteilt werden, wenn sie während vier Jahren 80 oder mehr Kinder zählte. In Kurzrickenbach dauerte dieser Zustand schon zehn Winterhalbjahre lang an, stieg der Bestand einmal gar auf 99 Kinder! Die Gemeinde glaubte jedoch, sich eine Zweiteilung nicht leisten zu können und überredete den Lehrer, Alfred Hofer, allein weiter zu machen. Eine Gehaltserhöhung um 200 auf 1600 Franken pro Jahr war dabei wohl das wesentlichste Argument. Doch das Erziehungsdepartement lehnte diesen Kuhhandel ab, und Hofer wechselte 1899 nach 16 Jahren in Kurzrickenbach nach Basel. Hier unterrichtete er an einer Klassenschule (in Unter- und Oberstufe unterteilt) bei einem Gehalt von 3600 Franken... Das Erziehungsdepartement bewies damals beachtlichen Langmut, die Schule blieb wie sie war, und auch der Nachfolger, ebenfalls ein hoch angesehener Lehrer, verliess nach sechs Jahren seine rund 100 Schulkinder wieder. Der nächste hielt es noch drei Jahre lang aus.

Frühes 20. Jahrhundert

Endlich handelte das Erziehungsdepartement (das damals noch „Departement für das Kirchen- und Erziehungswesen“ hiess): Am 8. Januar 1908 forderte es die Schulbehörde auf, eine Klassenschule einzurichten und die nötigen Schullokalitäten bereit zu stellen.
Darauf beschloss die Gemeindeversammlung vom 15. Februar 1908 die Aufteilung in je eine Unter- und Oberschule.
Walter Greuter: Am 26. Oktober 1908 nahm Emma Ramseier als erste Lehrerin der ABC-Schützen die Tätigkeit im Gemeindehaus auf. Wegen Verehelichung trat sie nach sechs Jahren vom Lehramt zurück. Ihre Nachfolgerin wirkte hierauf von 1914 – 1916, ebenso führte Lina Kugler die Unterstufe nur sechs Jahre. Der häufige Stellenwechsel, der bei Lehrerinnen unvermeidlich ist, veranlasste die Gemeinde, die Anstellung eines Lehrers zu begehren. Von 1921 – 1923 hielt Rudolf Bickel Schule. Er wanderte nach Amerika aus.“


Der enge Dorfplatz von Kurzrickenbach. In der Mitte das Gemeindehaus. Das Haus Nr. 67 rechts davor, die Sattlerei Bütler,  wurde noch vor dem Gemeindehaus abgebrochen; es stand auf dem späteren Platz vor dem alten Schulhaus Kurzrickenbach.

[Anm. d. Verf.: Offenbar war für die Verweildauer an einer Lehrstelle nicht nur das Geschlecht der Lehrperson ausschlaggebend!
Mit Pfarrer und Arzt gehörten die Lehrer zu jenen Berufsleuten, die in vieler Hinsicht mehr wussten als „gewöhnliche Leute“. Sie verfügten über einen vertieften Einblick in die Familien und erfuhren durch ihre Arbeit auch Dinge, von denen man eigentlich gar nicht wollte, dass andere Leute sie wussten. Die Dorfbewohner waren auf sie angewiesen, konnten sie jedoch nicht frei auswählen. Es  war für sie darum wichtig, dass sie die Lehrer gut kannten, dass sie ihnen vertrauen und ihr Verhalten in etwa einschätzen konnten. Dabei durften diese „Respektspersonen“ neben ihren Stärken durchaus Schwächen haben, entscheidend war, dass die Leute wussten, mit wem sie es zu tun hatten.]

Das alte Schulhaus Kurzrickenbach

Die 1908 beschlossene Aufteilung der Gesamtschule führte dazu, dass der Saal im Gemeindehaus wieder, wie vor 1844, als Schulstube herhalten musste. Nicht für lang!
Bald erwies er sich als zu klein für die auf rund 60 Kinder angewachsene Unterstufe, und die Architekten Weideli und Kressibuch wurden mit der Projektierung eines Schulhauses beauftragt. Von der kleinlichen Widerspenstigkeit Ende des vorigen Jahrhunderts war nun nichts mehr zu spüren: 1911 stimmten die Schulbürger dem Kredit von 110‘000 Franken für den Bau des Schulhauses mitten im Dorf zu.
Am 20. Oktober 1913 wurde es mit einem Volksfest eingeweiht: Beflaggung der Häuser, Umzug, Reden, Schlüsselübergabe, Darbietungen der Kinder und Vereine, Festwirtschaft. Der Schuppen von 1844 hatte ausgedient und war im September abgebrochen worden; Kurzrickenbach verfügte nun für seine Schule über ein hochwertiges Gebäude, dessen eigenständige Architektur sich noch heute harmonisch ins Dorfbild einfügt, das aber auch die hohe Wertschätzung deutlich macht, welche die Schule genoss.
Mit 64 Unter- und 84 Oberschülern begann am 21. Oktober 1913 der Unterricht.
Das Schulhaus hatte mit Landankauf, Kosten für den Abbruch des alten Schulhauses, Umgebungsarbeiten, Bauleitung und Bauzinsen, Mobiliar, Einweihung 110‘802.40 Franken. Dreissig Jahre später setzte die Gebäudeschätzung den Wert mit Fr. 216'000.- fest.
Renovationen, Um- und Ausbauten haben das Schulhaus immer wieder den sich ändernden Bedürfnissen angepasst, ohne dabei sein harmonisches Erscheinungsbild zu beeinträchtigen. So finden sich heute im Kellergeschoss zwei Schulzimmer, neben der Hausmeisterwohnung wird in einem „heimeligen“ Schulraum Textiles Werken unterrichtet... nur die heutige Bezeichnung KURIBA mag nicht recht zu dem stolzen Gebäude passen.


Einweihung am 20. Oktober 1913

Drei Lehrerpersönlichkeiten

Nach einigen Lehrerwechseln übernahm Hans Hubmann im Frühjahr 1915 die über 70 Schüler der oberen Klassen. Rasch erarbeitete er sich eine hohe Wertschätzung. Während 42 Jahren wirkte er in Kurzrickenbach, und dies nicht nur in der Schule. Daneben unterrichtete er Lehrlinge an der Gewerbeschule, war Gemeinde- und Stadtrat, Präsident der Schützengesellschaft und des Quartiervereins, Dirigent des Männerchors, Präsident und Kassier des Evangelischen Kirchenchors und Gründer des Singkreises Kurzrickenbach.
1920 musste eine dritte Lehrstelle eröffnet werden. Im gleichen Jahr erfolgte die Einführung der Ganzschuljahre für die Dauer der acht Schuljahre, siehe auch Schulpflicht ab 1874.

Mit Walter Greuter wurde 1920 auch für diese Stelle ein aussergewöhnlich ausdauernder und vielseitig wirkender Lehrer gewonnen. Während 46 Jahren wirkte er in Schule und Gemeinde, dirigierte Damen- und Männerchor, diente als Organist und leitete den evangelischen Kirchenchor, lehrte an der Kaufmännischen Berufsschule und unterrichtete Stenografie und im Lehrerseminar Schreibmaschineschreiben.
Die Unterstufe war ebenfalls gut und lang „versorgt“: Von 1923 bis 1955 wirkte hier Heinrich Schaub. Auch er fand Zeit für weitere Tätigkeiten, unterrichtete an der Gewerbeschule, präsidierte Schützengesellschaft und Turnverein, sass im Vorstand des Quartiervereins, sang im Männerchor und setzte sich aktiv für die Entwicklung des Berufsbildungswesens ein. 1955 wechselte Schaub als hauptamtlicher Lehrer an die Berufsschule.

Ende der Selbständigkeit

Im Mai 1925 sprach sich eine grosse Mehrheit der Kreuzlinger und Kurzrickenbacher Stimmbürger für einen Zusammenschluss der Schulgemeinden aus. So vermied Kurzrickenbach eine Erhöhung des Schulsteuerfusses.
Damit waren jedoch auch wesentliche Verbesserungen des schulischen Angebots verbunden: Ab dem Schuljahr 1926/27 besuchten nun die Schülerinnen und Schüler des 7. und 8. Schuljahres die Oberschule in Kreuzlingen, was für die Primarlehrer in Kurzrickenbach bedeutete, dass sie nur noch zwei Klassen gleichzeitig zu unterrichten hatten. Kinder, die der normale Unterricht überforderte, konnten nun die Spezialklasse in Kreuzlingen besuchen. Auch wurden neu Handarbeitskurse und Schwimmunterricht erteilt. Die Kurzrickenbacher Kinder profitierten sowohl von der 1918 eingeführten Schülerkrankenkasse, bei welcher Schulkinder zu günstigen Bedingungen versichert werden konnten, als auch von der 1924 eröffneten Schulzahnklinik.

Wachstum

Nach den drei oben erwähnten, während mehr als drei Jahrzehnten hier wirkenden Lehrern, erlebte die Schule häufige Lehrerwechsel.
Und sie wuchs: 1954 wurde eine zweite Unterstufe eröffnet; damit war die Primarschule auf vier Klassen angewachsen. Die Einrichtung der dritten Mittelstufe 1963 bedeutete eine doppelte Zäsur: Nun konnte im Einklassen-System unterrichtet werden, und mit Monika Riedle übernahm diese Stelle erst noch eine Frau... keine Selbstverständlichkeit, herrschte doch in den sechziger Jahren noch die Meinung vor, Lehrerinnen gehörten an die Unterstufe!
Im Juni 1957 bewilligte der Souverän einen Kredit für die Neuanlage der Pausen- Turn- und Spielplätze beim Schulhaus Kurzrickenbach. Der Ausbau der Strassen im Dorfkern hatte dazu geführt, dass die Schule das Wohnhaus Romanshornerstrasse 65 zum Abbruch frei geben und Land abtreten musste.
Ein Ausbau der Aussenanlagen wurde nötig, um den 4 Primarschulklassen und dem Kindergarten Sport und Spiel im Freien zu ermöglichen ... dies um so mehr, als keine Turnhalle zur Verfügung stand.
Das Wachstum führte zu Raummangel. 1963 kaufte die Schulgemeinde darum Bauland nördlich des bestehenden Schulgeländes, und liess als Notlösung für 144‘540 Franken einen Schulpavillon mit zwei Klassenzimmern aufstellen.
Schon 1964 folgten eine vierte, 1968 eine fünfte und 1970 eine sechste Mittelstufenklasse. Die Unterstufe erhielt 1969 die dritte, und 1970 die vierte Klasse. Im gleichen Jahr wurde in Kurzrickenbach eine Spezialklasse eingerichtet.

1968 bis zum Bezug des Schulhauses Egelsee 1975 fanden auch drei, ab 1969 vier Abschlussklassen (7. bis 9. Schuljahr) in Kurzrickenbach Gastrecht, von denen zwei bis zur Eröffnung des Oberstufenzentrums Remisberg 1995 hier blieben.
Mehrere dieser Klassen wurden während Jahren in behelfsmässigen Schulräumen unterrichtet, Platzmangel war ein beherrschendes Thema und beeinträchtigte die unterrichtlichen Möglichkeiten erheblich.
Auch während dieser wechselvollen Jahre hielten drei Lehrkräfte Kurzrickenbach Jahrzehnte lang die Treue: An der Unterstufe wirkte 1969 bis 2002 Ruth Brack, an der Mittelstufe Peter Tanner 1955 bis 1993 und August Holenstein 1964 bis 2001.

„Nähschulunterricht“

Bis zur Einführung des Schulgesetztes von 1853 war der Besuch der Mädchenarbeitsschule freiwillig aber sehr erwünscht, und der Pfarrer sollte von der Kanzel aus die Eltern ermahnen, ihren Töchtern deren Besuch zu ermöglichen. Die zukünftigen Hausfrauen sollten Stricken und Nähen können, deshalb wurde der „Nähschulunterricht“ für obligatorisch erklärt. Die erste Lehrerin, Elisabeth Lang, hatte sich auf ihre Aufgabe an einem Arbeitslehrerinnen-Kurs in Frauenfeld vorbereiten lassen ... zwei Tage lang! Die Geringschätzung dieses Bildungsbereichs zeigte sich auch 1874, als Elisabeth Hafen kündigte, weil die Schulbehörde nicht bereit war, ihr für die Arbeit mit bis zu 37 Schülerinnen eine Gehilfin zu bewilligen.
Zu Beginn des neuen Schuljahres wurde im Frühjahr 1970 die zweite Lehrstelle eingerichtet. Noch immer besuchten nur die Mädchen die „Nähschi“. Seit Mitte der siebziger Jahre erst wird dieser Unterricht koeduziert geführt, hat mit dem Einzug der Knaben auch eine gediegenere Bezeichnung erhalten: „Textiles Werken“, und er wird heute von „Lehrpersonen Textilarbeit/Werken“ erteilt. Natürlich haben sich auch die Aufgaben und Ziele dieses Unterrichts verändert. So heisst es in einer Pressemitteilung des Vereins „pro manu“ 2008: Arbeiten mit der Hand, denkend unterstützt und vom Herzen geleitet, hat eine sehr lange, jahrtausendalte Tradition. Die Grundlagen des manuellen Schaffens sind Kulturtechniken, ein grosses Kulturgut, das nicht verloren gehen darf und welches leben lehrt.
http://www.promanu.ch/

Kindergärten


Foto aus den Werbeunterlagen des Herstellers der beiden Kindergärten.

Erstmals war 1872 die Einrichtung eines Kindergartens beabsichtigt gewesen, doch konnte das dafür vorgesehene Lokal verkauft werden... worauf von einer Gründung wieder Abstand genommen wurde. Erst der 1930 gegründete Quartierverein griff, auf Anregung der Lehrerschaft Kurzrickenbachs, das Thema wieder auf. Er stellte mitttels Umfrage ein grosses Interesse fest. 1933 schliesslich war es so weit: Im Untergeschoss des Schulhauses wurde der Raum, welcher als Turnlokal diente, neu eingerichtet und darin der erste Kindergarten eröffnet. Diese provisorische Lösung sollte möglichst bald durch einen Neubau abgelöst werden, doch verhinderten der zweite Weltkrieg und andere Bauaufgaben der Schulgemeinde diesen.
Weiter westlich, auf halbem Weg in die Stadt, doch immer noch auf Kurzrickenbacher Boden wurde dann 1957 der Doppelkindergarten im Paulisgut errichtet, mitten in einem dicht besiedelten Wohnquartier, und 1970, mit der neuen Schulanlage Seetal, konnte auch der Doppel­kinder­garten Kurzrickenbach eingeweiht werden.
Als wenige Wochen nach der Einweihung der neue Doppelkindergarten von Mauern umgeben wurde, beklagte „ein besorgter Stimmbürger“ im TG Volksfreund die Verschandelung des Dorfbildes, den Verlust von Parkplätzen und die „Einengung des kindlichen Blickfeldes“. Die Schulvorsteherschaft wies auf die Gefahren hin, die sich aus der Nähe der Strassen ergäben und begründete die Mauern mit den „Erfordernissen des Schulbetriebes“. Der Kindergarten sei vom (manchmal lärmigen) Pausenplatz abzuschirmen, und es müsse möglich sein, die Kinder auch im Freien ungestört zu unterrichten.
Dass die Behörde hier von „Schulbetrieb“ und „Unterricht“ im Kindergarten schrieb, beweist dass sie sich der Bedeutung dieser Schulstufe bewusst war und den Kindergarten ernst nahm, ernster wohl als dies damals noch bei vielen Eltern der Fall war.
Kurzrickenbach wuchs weiter: Südlich der Romanshornerstrasse entstanden Wohnblöcke und Einfamilienhäuser.
Schliesslich wurde 1973 der Bau des Doppelkindergartens an der Burgstrasse 21 bewilligt, gleichzeitig mit einem identischen Systembau beim Schulhaus Weinburg an der Rosgartenstrasse 53.
Mit 80 % Ja-Stimmen beschlossen die Kreuzlinger Stimmbürger 1999 die Einführung eines freiwilligen zweiten Kindergartenjahres. (Damit nahm die Stadt nicht etwa eine Vorreiterrolle ein, führten doch bereits rund zwei Drittel aller Thurgauer Schulgemeinden den Zweijahreskindergarten.)
Von dieser Ausweitung des Angebotes machten erwartungsgemäss die meisten Eltern Gebrauch, was die Einrichtung zweier zusätzlicher Abteilungen nötig machte; im Sommer 2004 wurde ein Pavillon in Kurzrickenbach, westlich des Schulhauses KURIBA, und ein zweiter beim Schulhaus Emmis­hofen aufgestellt.

Schulhaus Seetal

Die rege Bautätigkeit im Osten von Kreuzlingen, die steigenden Geburtenzahlen sowie pädagogische Entwicklungen führten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu einem raschen Wachstum der Schulen. Schulraum war notorisch knapp. Vorhandene Provisorien wurden (oft während vieler Jahre) genutzt, Pavillons erstellt, Notlösungen folgten einander. Zudem verfügte Kurzrickenbach bis zum Bau der Schulanlage Seetal über keine Turnhalle und nur über bescheidene Aussenanlagen. An einen zielgerichteten Turnunterricht war kaum zu denken, reichten doch auch die Sportstätten im Zentrum bei weitem nicht aus.
Das Schulhaus von 1913 sollte durch eine grosszügige Schulanlage ergänzt werden, die den aktuellen Bedürfnissen genügte und mit einer bescheidenen Raumreserve zukünftigen Entwicklungen zu genügen vermochte.
1965 genehmigten die Stimmbürger 2'681'400 Franken für die 1. Etappe. Dem folgten 1968 die Genehmigung von 559'000 Franken für die 2. Etappe und 1969 von 392'000.- für die Erstellung eines Doppelkindergartens.


Modellansicht der Schulanlage in der Abstimmungsbotschaft 1965

Die Schulanlage wurde am 5./6. September 1970 mit einem grossen Volksfest eingeweiht.

Mit dem Bau war 1966 begonnen worden. Allerdings hatte zuvor das Projekt aus dem Jahre 1965 erweitert werden müssen: Die stürmische Bauentwicklung in Kurzrickenbach erforderte eine Ausweitung auf 13 Klassenzimmer, 3 Handfertigkeitsräume, einen kleinen (!) Bibliothek- und Sammlungsraum, das Lehrerzimmer und natürlich die Luftschutzräume, die von den Lehrerinnen und Lehrern so gern als Lagerräume für vorübergehend (und manchmal auch dauernd) nicht im Unterricht eingesetzte Gegenstände genutzt werden.
Drei Handfertigkeitsräume wurden erstellt, nämlich je einer für Arbeiten mit Papier/Karton, Holz und Metall, obwohl Metallbearbeitung nie zum Werkenprogramm der Mittelstufe gehörte. War ursprünglich kein Kindergarten vorgesehen, wurden nun deren zwei in die Anlage integriert... und dafür der ursprünglich vorgesehene Singsaal wieder aus dem Raumprogramm gestrichen.
Der Turnhallentrakt umfasste je eine Turn- und Mehrzweckhalle mit Bühne, 4 Garderoben, 2 Duschräume und 1 Lehrer-Garderobenraum mit Duschen. (EINE Lehrergarderobe: War dies Sparsamkeit, war es Fortschrittlichkeit oder Gedankenlosigkeit, Lehrerinnen und Lehrer sich im selben Raum umkleiden zu lassen?). Dazu kamen Geräteräume, ein Office und ein Stühlemagazin für die Mehrzweckhalle, die ja neben dem Sportunterricht („ohne Gerätebenützung“ steht im Baubeschrieb des Architekten) der Schule und den Vereinen für Unterhaltungen, Chorsingen, Theateraufführungen dienen sollte (Hätte das J. Huber 100 Jahre früher gehabt...!) und auch als Militärunterkunft genutzt wurde.
Der Kindergarten erhielt 2 Schulräume „mit den notwendigen Nebenräumen“.
In die Anlage integriert war eine 4-Zimmer-Wohnung für den Hausmeister, damals noch Abwart genannt.
Der damaligen „Baumode“ entsprechend, bestand die äussere Schicht der Fassaden „aus wartungsfreiem Sichtbeton“ und waren alle Gebäude „flach eingedeckt“. Letzteres sollte in der Folge immer wieder zu Problemen mit eindringendem Wasser führen, so dass 1988 Giebeldächer aufgesetzt werden mussten.
Die grossen Flächen „nackten“ Betons regten gelegentlich den Gestaltungswillen von Lehrkräften und Kindern an. So grüsst uns an der Westfassade eine Tiefseeszenerie, so gestaltete vor vielen Jahren eine Mittelstufenklasse des nun alten Schulhauses die Mauer zum Kindergarten mit geometrisch-farbigen Feldern. An den Malereien nagen die Einflüsse von Wind und Niederschlägen und machen so auf ihre Weise Zeit sichtbar, mögen aber auch zu weiteren Veränderungen anregen.


Im Frühjahr 2000 bewilligte die Schulbehörde die Bemalung einer Aussenwand des Schulhauses durch zwei Klassen. Zur obigen Skizze schrieben die Kinder:
„...sehen Sie, wie wir uns das Gemälde vorstellen. Hoffentlich gefällt es Ihnen!“

Zwei Kunstwerke, beide von André Ramseyer, waren von Anfang an Teil des Schulzentrums und prägen dessen Aussehen und Ausstrahlung mit:

  • Beim nördlichen Zugang schwingt sich eine kühne bronzene Schleife durch den Raum: „Equinoxe“, zu Deutsch „Tag- und Nachtgleiche“. („Brezel“ nennen sie manche). Ohne Anfang und ohne Ende in sich selber ruhend, hält sie doch die Augen des Betrachtenden in Bewegung. Eine Foto davon schmückt die Sondernummer der Zeitung zur Einweihung: Zwei Knaben sind daran hoch geklettert, sitzen darauf und tun so, als ob sie hier Hausaufgaben lösten.
  • Der Brunnen beim südlichen Zugang ist flach wie die Gebäude, vielgliedrig wie diese und lädt die Kinder dazu ein, bespielt und begangen zu werden; wie manches von ihnen ist wohl nach der Pause mit nassen Füssen (und Schuhen) in die Klasse zurück gekehrt?

(André Ramseyer [1914 – 2007] war ein bedeutender Schweizer Bildhauer, der nach einigen Jahren in Paris seit 1942 im Kanton Neuenburg lebte. Werke von ihm finden sich in der ganzen Schweiz, in Frankreich, Italien, den USA und Saudi-Arabien.
[Anm. d. Verf.: Der Thurgauer Volksfreund vom 4.9.1970 schreibt Ramseyer auch die Schaffung des Brunnens zu, was mir nach dem Vergleich mit Abbildungen anderer seiner Werke zweifelhaft erscheint.]
Die Anlagen, welche die Gebäude umgeben und gliedern, umfassen zwei Pausenplätze, eine grosse Spielwiese. Da der Sportunterricht in den Schulen damals und bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts viele olympische Disziplinen abdeckte,  wurde diese Wiese ergänzt durch eine 100 m lange Rasenlaufbahn, einem mit einem federnden Belag versehenen Trockenturnplatz und Anlagen für Hoch-, Weit- und Stabhochsprung sowie Kugelstoss-Anlagen.

Einweihung 1970

Zur Einweihung waren auch rund 1200 Ehemalige aus Kurzrickenbach eingeladen: Das Fest bot einen willkommenen Anlass für Klassenzusammenkünfte früherer Jahrgänge. Rund 500 der Eingeladenen kehrten denn auch an ihre alte Schule zurück und weihten mit einem gemeinsamen Abendessen die neue Turnhalle ein. Eine Geldsammlung unter den Ehemaligen erbrachte den stolzen Betrag von über 11'000 Franken, was die Anschaffung des Wandteppichs „Cordelia“ von Mario Prassinos, einem französischen Künstler, ermöglichte. Dieser verleiht dem Eingangsbereich noch heute mit seiner warmen, lichtdurchflossenen Buntheit  einen fröhlichen Akzent.

Im Archiv finden sich einige vervielfältigte Dankbriefe an „Liebe Ehemalige“. Zwei Auszüge daraus:
Wir danken Euch für diesen farbenfrohen Teppich. Er gefällt zwar nicht allen so gut, aber er erinnert uns an Euch.
(...), wir drängten uns durch die Haupttür. Dann gelangten wir in die Eingangshalle. Dort war die Überraschung: der Teppich! Ich stand da und schaute ihn von allen Seiten an, aber ich kam nicht nach. Jetzt gefällt er mir noch gut.
Zwischen Alt- und Neubau steht eine majestätische Rotbuche; auch sie war ein Geschenk der „Alten“ an die neue Schule, und sie wird hoffentlich noch für viele Generationen von Kindern und Eltern wie selbstverständlich zu ihrer Schule gehören, ein beständiges Element im steten Fluss der Zeit mit ihren Veränderungen.

Gestern – heute - morgen

Das alte Schulhaus KURIBA und das neue Seetal sind markante Beispiele ihrer Zeit, und sie bewähren sich noch immer. Sie waren so angelegt, dass sie über Jahrzehnte den sich verändernden Bedürfnissen weitgehend entsprechen konnten. Ehemalige, die in ihre frühere Schule zurückkehren, finden sich auch nach langjähriger Abwesenheit leicht in ihrer früheren Schulanlage zurecht: Auf den ersten Blick scheint nur wenig sich verändert zu haben. Doch gleich fällt auf, wie gepflegt, wie ansprechend die Gebäude sind. Bei genauerem Hinsehen, beim Durchschreiten der Gebäude wird zudem bald deutlich: Hier wurde nicht nur dem Bestehenden Sorge getragen von den Kindern, den Hausmeistern, Lehrkräften und Behörden; vielmehr wurden die Schulgebäude und deren Umgebung immer wieder den sich verändernden Haltungen und Ansprüchen der Schularbeit angepasst, sorgen die Behörden dauernd für deren Modernisierung, Werterhaltung und Wertsteigerung. Ob rund hundert oder „nur“ vierzig Jahre alt: Die Schulhäuser ermöglichen den Lehrkräften noch immer eine zeitgemässe, der aktuellen Kindergeneration entsprechende Bildungsarbeit.

Einige Beispiele:

  • 1998 konnte das zu eng gewordene Lehrerzimmer gegen ein grosszügigeres über der Eingangshalle eingetauscht werden; dieses ist über eine Wendeltreppe zu erreichen und wird für Sitzungen, Pausen und gemeinsames Arbeiten vielfältig genutzt. Im gleichen Jahr erfolgte eine Aktualisierung der Hauswartswohnung.
  • 1999 wurden die Pausenplätze umgestaltet. Eine Gruppe von Lehrern hatte Ideen zusammengetragen: Ergänzung oder Umwandlung der weichen und harten Flächen, Hügellandschaft, Erlebniswelt, Spieltümpel, grünes Schulzimmer, Weidentunnel, Spielhügel, Labyrinthgarten, unterschiedliche Bodenbeläge, und anderes mehr. Im Herbst realisierte ein Fachbetrieb für naturnahe Gartengestaltung den Umbau im Rahmen einer Projektwoche, zusammen mit Schülern des Lehrerseminars und des Schulhauses.
  • 2003 konnten die Schulzimmer durch insgesamt fünf Gruppenräume ergänzt werden. Diese ermöglichen den Kindern ein teilweise selbstgesteuertes Arbeiten und Lernen, dienen der Arbeit in Gruppen oder allein und erweitern ganz allgemein die Handlungsmöglichkeiten von Kindern und Lehrkräften.
  • Die Schülerbibliothek war ursprünglich ein kleiner, schmaler Raum. Durch einen Schalter händigte eine Lehrerin oder ein Lehrer den lesefreudigen Kindern die gewünschten Bücher aus.
    Nach wechselnden Provisorien verfügt das Schulhaus seit Februar 2011 in einem Schutzraum im Untergeschoss über eine öffentliche Freihandbibliothek mit angeschlossenem Leseraum.
  • Die ganze Anlage Seetal erfuhr in den vergangenen Jahren eine umfassende Sanierung. Sie wird sich hundert Jahre nach der Einweihung des Schulhauses KURIBA zeitgemäss und für die Zukunft bestens gewappnet präsentieren.

Manche Veränderung entsprang dem Bedürfnis, den Wert der Gebäude zu erhalten, die Benutzung der Räume zu optimieren oder die Technik zu aktualisieren. Besonders wichtig aber sind die sozusagen inneren Anpassungen, jene also, die das Vorhandene den sich verändernden didaktischen und pädagogischen Erfordernissen anpassen. Eine solche grundlegende Erneuerung erfuhr das Primarschulzentrum Seetal, als dessen Lehrkräfte sich als erste Primarschule in Kreuzlingen für die Einführung der Geleiteten Schule entschieden und damit (damals noch freiwillig) den Weg frei machten für eine permanente Qualitätskontrolle, eine selbstverantwortliche Qualitätssicherung und eine gemeinsam gesteuerte Entwicklung ihrer Schule. Seit dem Schuljahr 2003/2004 dient das ehemalige Lehrerzimmer als Büro der Schulleitung.


Die Rotbuche von 1970 im Herbst 2011

 

Quellen:

  • Thurgauer Volksfreund vom 4. September 1970
  • Vereinigung Heimatmuseum Kreuzlingen: Beiträge zur Ortsgeschichte:
    Hermann Strauss: Die Schulen in Kreuzlingen; Heft. VI, 1952
  • Kreuzlinger Mosaik. Ein Quellenbuch der Grenzstadt Kreuzlingen bis ca. 1960, Bodan AG, 1991
  • Diverse Abstimmungsunterlagen
  • Walter Greuter: Aus der Schulgeschichte von Kurzrickenbach (Gedenkschrift zum Bau des Wehrlischulhauses, Kreuzlingen 1952)
  • Mündliche und schriftliche Informationen
  • Wikipedia

 

 

Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013

Schulgemeinde Kreuzlingen | Pestalozzistrasse 15 | 8280 Kreuzlingen | 071 677 10 00