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PSZ Wehrli

Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.

Erst 1952 erbaut, ist das Wehrlischulhaus das Nesthäkchen unter den Primarschulzentren, und die Gesamtansicht aus dem Entstehungsjahr zeigt, dass sich in der Pädagogik während der ersten Jahrhunderthälfte einiges verändert haben muss: Statt eines in sich geschlossenen und für Manche wohl auch verschlossen wirkenden repräsentativen Gebäudes ist die Anlage in mehrere Bauten gegliedert, die sich in ihre Umgebung einbetten ohne sie zu dominieren. Diesem Schulhaus fehlt das Repräsentative, aber die Fenster der Schulzimmer gewähren Kindern und Lehrkräften mitten in der Stadt den Ausblick ins Freie, in die (gestaltete) Natur.


Links im Bild von 1952 die Turnhalle, im Vordergrund der Kindergarten, dahinter die beiden zweistöckigen Schultrakte (jener rechts mit Hauswartwohnung), verbunden durch die Pausenhalle.

[Anm. d. Verf.: Die folgenden Abschnitte sind Auszüge aus dem enthusiastischen Aufsatz von Otto Fröhlich, Übungslehrer, in der Gedenkschrift zum Bau des Wehrlischulhauses.]

Das Schulhaus als pädagogisches Milieu

(...) Hier ist ein Milieu mit geistigem Wertgehalt in künstlerischer Gestaltung geschaffen worden. (...)
Auch die zehn lichtdurchfluteten Klassenzimmer mit ihren schmucken Eschenholz-Türen und –Schränken sind ruhig und stimmungsvoll gehalten. Sie scheinen in Tönung und Raumlösung der Altersstufe der darin sich aufhaltenden Kinder und deren Seelen- und Gefühlsleben trefflich angepasst zu sein. (...)
Gemäss den heutigen pädagogischen und hygienischen Forderungen weisen sämtliche Klassenzimmer bei ca. 8 x 9 m Bodenfläche eine annähernd quadratische Bauform auf, welche die ungehemmte Mitarbeit eines jeden Schülers an der Karte, an der Wandtafel und am Lehrertisch mit Leichtigkeit ermöglicht und die auch die demonstrative Arbeit des Schülers vor der Klasse, die Einzelarbeit in manueller und rein geistiger Beziehung sowie die schriftliche und zeichnerische Betätigung ausreichend gewährleistet. (...)
Das frühere „Hauptstück“ des Schulzimmers, das erhöhte Lehrerpult, ist verschwunden, an seine Stelle trat der einfache, unauffällige Lehrertisch. (...)
Auch ein erzieherischer Einfluss wird durch den Neubau zu spüren sein, denn die Pflege des Ordnungssinnes in der Schule ist gar nicht zu denken ohne das ästhetisch-objektive Milieu des Schulzimmers, welches in den vielen Stunden seines Aufenthaltes das Kind unmittelbar und nachhaltig beeinflusst. (...)
Bei aller Wertschätzung des wohlgelungenen Baues dürfen wir aber nicht übersehen, dass mit den sonnigen Räumen und ihren sinnvollen Einrichtungen nur die äussere Voraussetzung für die erzieherische Förderung unserer Jugend geschaffen worden ist. Das Schwerste und Ausschlaggebende bleibt der Lehrerschaft vorbehalten. (...)
[Anm. d. Verf.: Als einziges Primarschulhaus trägt dieses den Namen eines Pädagogen, was sowohl Ehrerbietung als auch Auftrag bedeutet. Worin könnte dieser bestehen?]

Johann Jakob Wehrli (1790 – 1855)

Während zwanzig Jahren, von 1833 bis 1853, fügte der erste Seminardirektor das Fundament der thurgauischen Lehrerbildung. Er legte grossen Wert auf das Zusammenleben der Seminaristen im Konvikt als wichtige Möglichkeit Gemeinschaft zu erfahren: Soziales Lernen, Rücksicht nehmen und geben.


Johann Jakob Wehrli 1790 - 1855

Die Seminaristen hatten neben Unterricht und Studium in Haus, Werkstatt und Garten praktisch zu arbeiten. So wurden sie bestens auf ihr späteres Lehrerleben vorbereitet, gehörte doch zur geringen Besoldung in aller Regel ein Stück Land, das es gut zu nutzen galt. In Umkehrung des schulkritischen Seneca-Zitats „Non vitae, sed scholae discimus“ (Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.) sollten angehende Lehrer für das Leben lernen, nicht für die Schule („Non scholae, sed vitae discimus.“), auch dies eine wesentliche Aufgabe jeder Bildungsstätte.
Das Seminar sollte sie dazu befähigen ihr Leben selber zu meistern.
Wie Pestalozzi verfolgte Wehrli das Ziel einer ganzheitlichen Entwicklung der Persönlichkeit: Kopf (Intellekt), Herz (Sittlichkeit, Soziales) und Hand (praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten) sollten gleichermassen gefördert werden.
Wehrlis Leben und Wirken zeichnete sich aus durch Bescheidenheit und Gradlinigkeit, die stete Bereitschaft Neues zu lernen und zu wagen und durch sehr hohe Ansprüche an sich selbst.
[Anm. d. Verf:... also ein würdiger und passender Namenspatron für eine Schule. Seine Wahl bedeutet für eine Schule einen hohen Anspruch. Da haben es jene Schulen einfacher, deren Namen sich von der Geografie ihrer Lage herleiten; doch ist es glücklicherweise nicht der Name, welcher den Verantwortlichen ihr Tun und Lassen diktiert.]
Mehr als 50 Jahre lang zierte eine Gipsbüste Wehrlis die grosszügige Eingangshalle des Schulhauses. 2005 wurde sie das Opfer eines verbotenen Indoor-Fussballspiels...

Bau-Vorgeschichte 1941 – 1950

[Anm. d. Verf.: Die Baugeschichte vermittelt auch einen Eindruck vom Funktionieren der Demokratie im vergangenen Jahrhundert. Im Folgenden einige Auszüge aus dem Bericht von Emil Knus, Präsident der Baukommission (Gedenkschrift zum Bau des Wehrlischulhauses).]
Als im August 1938 das neue Sekundarschulhaus eingeweiht und dem Betrieb übergeben wurde, glaubte man, für unsere Schulen für eine lange Zeit vorgesorgt zu haben. Das Schreiberschulhaus stand wieder ganz der Primarschule zur Verfügung (...). (Doch) die nachfolgenden Kriegsjahre brachten eine unterwartete Wendung, indem die Zahl der Geburten von 1940 an dauernd stark anstieg. Die Schulbehörde sah sich nach einem Gelände für ein neues Schulhaus um und entschied sich für das bereits 1908 als Möglichkeit diskutierte Areal am damals noch offen fliessenden Schoderbach. Am 2. Dezember 1941 entschloss sich die Schulvorsteherschaft, das erwähnte Areal am Schoderbach im Ausmass von 11‘613 m² von der Schweiz. Volksbank zum Preise von Fr. 7.50 pro Quadratmeter = total Fr. 87‘097.50 zu erwerben. Der damalige Kaufvertrag wurde jedoch in der Urnenabstimmung vom 25. Januar 1942 mit 1070 Nein gegen nur 380 Ja abgelehnt.
Die Schülerzahlen stiegen weiter. Am 25. Juni 1946 schlug die Behörde an einer öffentlichen Versammlung den Bau eines Schulhauses an der Stählistrasse vor. (Die Munizipal- und Schulgemeindeversammlungen waren 1934 abgeschafft worden. Alle Gemeindeabstimmungen und Wahlen werden seither an der Urne entschieden.) Mittlerweile war die Notwendigkeit eines Neubaus unbestritten, er sollte jedoch nicht so weit vom Zentrum entfernt ausgeführt werden! Spontan und einstimmig beauftragten die an der Versammlung anwesenden Stimmbürger die Schulbehörde, über den Kauf des vor vier Jahren abgelehnten Areals neu zu verhandeln. Auf der Basis eines um Fr. 2 erhöhten Preises pro Quadratmeter gegenüber 1941 kam bald ein neuer Kauf für total Fr. 110‘000 zustande, dem in der Urnenabstimmung vom 3. November 1946 die Stimmbürger dann mit 1008 Ja gegen 371 Nein überzeugt zustimmten.
1947 lehnten die Stimmbürger die zwei Kreditbegehren für den Bau einer Turnhalle in Emmishofen und die Erweiterung des neuen Sekundarschulhauses (!) ab, was die Behörde als Auftrag interpretierte, die Mittel und Kräfte für eine grosszügige Schulhausanlage auf dem hierfür erworbenen Schoderbach-Areal zu reservieren.
Die Behörde entschied sich für die Durchführung eines Projektwettbewerbs für den Bau eines Schulhauses, eines Kindergartens und einer Turnhalle, was im August 1948 von den Stimmbürgern mit 675 Ja gegen 600 Nein knapp bewilligt wurde.

Die neuen Bauten sollten umfassen:

  • 10 Klassenzimmer
  • 2 Arbeitsschulzimmer (Textiles Werken)
  • 1 Lehrer- und Bibliothekzimmer (ein Raum für beides)
  • 1 Kindergartenzimmer
  • 1 Schulküche mit Hauswirtschaftsraum
  • 2 Handfertigkeitswerkstätten (Holz / Papier, Karton)
  • 1 Abwartwohnung
  • 1 Pausenhalle
  • 1 Turnhalle


Modellansicht von Norden mit dem ursprünglich geplanten dreigeschossigen Schultrakt

Das Preisgericht entschied im März 1949, den Zürcher Architekten des siegreichen Projekts „Sonne über der Schule“, Edwin Schoch, mit dem Bau zu beauftragen.
Im Frühjahr 1950 lagen die Projektpläne und der Kostenvoranschlag von Fr. 2‘050‘000 für den Bau eines Primarschulhauses mit Kindergarten und Turnhalle auf dem der Schulgemeinde gehörenden Schoderbachareal (Text Stimmzettel) vor.

8./9. Juli 1950

Mit dem unerwartet guten Abstimmungsresultat von 1188 Ja gegen 417 Nein wurde der Schulhausneubau beschlossen (...). Doch bevor zum ersten Spatenstich geschritten werden konnte, beantragte der Architekt eine wichtige Abänderung des Projektes. Herr E. Schoch äusserte auf Grund neuer Studien den Wunsch, den dreistöckig vorgesehenen Schulhaustrakt zur zweistöckig zu bauen, ihn dafür aber um zwei Klassenzimmer zu verlängern, so dass jedes der beiden Stockwerke je fünf Schulzimmer zählt. Diese Lösung verbesserte das architektonische Bild der ganzen Anlage.
Anlässlich einer Schulgemeindeversammlung wurde den interessierten Stimmbürgern die Projektänderung vorgestellt. Da sie die Kosten nicht beeinflusste, liess sich die Versammlung von deren Vorteilen überzeugen und stimmte zu. Dadurch fühlte sich jedoch die Schulvorsteherschaft dermassen düpiert, dass sie in corpore demissionierte... glücklicherweise aber bald auf ihren Entscheid zurückkam und im Amt verblieb.
Wenige Wochen vor Baubeginn galt es, einen weiteren wichtigen Beschluss zu fassen. Die unsichere weltpolitische Lage und der im Sommer 1950 ausgebrochene Krieg in Korea veranlassten unsere Bundesbehörden in jener Zeit, neue Vorschriften für den obligatorischen Einbau von Luftschutzräumen in Neubauten grosser Ortschaften zu erlassen. Auf Antrag der Baukommission beschloss die Schulvorsteherschaft in letzter Stunde, den Schulzimmer-Trakt ganz zu unterkellern und die so gewonnenen Kellerräume als Luftschutzräume auszubauen. (...) Die nun geschaffenen Luftschutzräume bieten Platz für 400 bis 500 Personen und stehen im Bedarfsfalle auch der Einwohnerschaft zur Benützung offen. (...)


Neuzeitlich eingerichtetes Schulzimmer (40 Schülerplätze!)

Die Gesamtkosten der Schulhausanlage samt Möblierung macht 2‘191‘680 Fr. aus. (...) Die Mehrkosten machen 66‘680 Fr. oder 3 % des Kostenvoranschlages aus, was gewiss nicht viel ist, wenn man in Betracht zieht, dass die Baukosten (...) während der Bauzeit um nahezu 10 % gestiegen sind.
Am 17. Juni 1952 erfolgte die Schlüsselübergabe.

„Jugend und Kosmos“

Der Seminardirektor (1928 – 1962) und Kunstkenner Dr. Willi Schohaus stellte in der erwähnten Publikation ausführlich Carl Roeschs Mosaik in der Eingangshalle des Schulhauses vor. Einige Auszüge aus seinem Aufsatz:
Im Gegensatz zum nicht ortsgebundenen Kunstwerk (...) tritt das Mosaik als architektonisches Element in Erscheinung und will als solches verstanden sein. Seine Aufgabe wird ihm in formaler Hinsicht durchaus von dem Raum gestellt, dem es durch seinen Gegenstand (seine Thematik) die geistige Atmosphäre gibt. Der grossen, anspruchsvollen Form solcher Werke hat auch ein bedeutsamer, gewichtiger Inhalt zu entsprechen. Das Idyllische würde nicht als gemäss empfunden; für das Mosaik kommt wohl nur ein Thema in Frage, das zur geistigen Mitte des Menschen engsten Bezug hat. (...)
Carl Roesch hat unser Mosaik (die Arbeit eines halben Jahres), das eine Länge von 6 und eine Höhe von 2½ Metern aufweist, aus 112 Tafeln aufgebaut und dazu rund 60 000 Steine verwendet. Und diese Steine hat er alle selbst aus Abfällen von Naturmarmor gebrochen. Einzelne polierte Stücke geben den Flächen, die im Ganzen aus den gebrochenen (rauen) Seiten der Steine zusammengesetzt sind, besonders belebende Akzente. – Die Skala der Farben ist einfach: Grau-, Grün- und gedämpfte Rottöne dominieren. Blaue Steine fehlen, aber graue Stücke erscheinen durch die Nachbarschaft von Gelb in schieferblauem Tone. (...)


Der Bildgegenstand bewegt sich im Bereiche einer philosophischen Thematik. Es geht um die Auseinandersetzung des zur Bewusstheit erwachenden Menschen mit dem Kosmos. Sechsmal begegnen wir im Bildraume dem geistigen Leitmotiv, dem staunenden jungen Menschen, der die Schöpfung erlebt. Hier versenkt er sich in die Geheimnisse der Mutter Erde, dort in das Urelement Wasser, dort in das Mysterium des Feuers. Hier wird er beglückt das geordnete Reich der messbaren Formen inne, dort erahnt er die Weite und Gewalt unseres Planeten, und schliesslich erhebt er sich zur ergriffenen Betrachtung des gestirnten Himmels. (...)
Ich könnte mir gerade für ein Schulhaus keine glücklichere Themawahl denken. Es ist in diese Darstellung das Wesentliche eingeschlossen, um das sich wahre Bildung bemüht. (...)

Vier Impressionen zum Neubau


Wir hoffen, dass in der neuen hellen Schulküche wieder mehr junge berufstätige Töchter und Bräute ihre Vorbereitung für die häusliche Tätigkeit suchen werden. (...) Die hauswirtschaftliche und menschliche Ausbildung der Mädchen, der zukünftigen Mütter, ist nicht nur eine Sache der Eltern, sondern auch eine bedeutende Angelegenheit des Staates. (M. Zingg)


Die Brunnenfigur von Friedel Grieder zeigt ein selbstvergessen mit dem Wasser spielendes Mädchen: Ob all der pädagogischen Überlegungen und Bemühungen soll Raum bleiben für das zweck- und absichtsfreie kindliche Spielen.


Dem gesunden Prinzip des Zusammenwirkens von geistiger Ausbildung und körperlicher Ertüchtigung dient eine vermöge ihrer bruchsicheren Sekurit-Glaswand sonnendurchflutete, nach Süden gerichtete Turnhalle, (...).


In der Festschrift wird ganz kurz auch der Kindergarten erwähnt: Dass die imposante Schulhaus-Anlage ein zweites Bijou mit ausgesuchter praktischer und künstlerischer Ausgestaltung in sich schliesst, sei in vorliegender Abhandlung nur nebenbei erwähnt.

[Anm. d. Verf.: Zwar werden Farbfotos in Werbung, Industrie- und Modefotografie seit den 1930er-Jahren, im Fotojournalismus ab 1945 verwendet, doch genügten Schwarz-weiss-Aufnahmen noch Jahrzehnte lang den Ansprüchen der Betrachter. Erst in den 1980er-Jahren begann sich die Farbfotografie allmählich „flächendeckend“ durchzusetzen.]

Dienstag, 17. Juni 1952

Der „Thurgauer Volksfreund“ vom 21. 6. 1952 beschreibt die Einweihung des Wehrlischulhauses als  unvergesslichen Tag, der für Kreuzlingen zu einem eigentlichen Volksfest wurde. Aus dem Programm:

  • Am Vorabend sangen die Schüler der verschiedenen Schulhäuser auf ihren Schulplätzen.
  • Anschliessend zogen Seminaristen in einem Fackelzug durch die Stadt und sangen auf der Hauptstrasse.
  • Die Bevölkerung war eingeladen worden, am Festtag die Häuser zu beflaggen und konnte den ganzen Tag über das Schulhaus besichtigen.
  • Beim Weiheakt am Vormittag spielte die Stadtmusik, sang ein Schülerchor und hielten der Architekt und der Schulpräsident, Eugen Knus ihre Ansprachen.
  • Der Nachmittag wurde als Kinderfest gestaltet: Nach einem Umzug der Kinder sämtlicher Schulen durch die Stadt und der Ansprache von Regierungsrat Dr. E. Reiber gelangte das Theaterstück „Wir bauen ein Schulhaus“ zur Aufführung, verfasst und eingeübt von Lehrer Albin Beeli, dem getreuen Kreuzlinger Geschichten- und Geschichtsschreiber.
  • Es folgte die Eröffnung einer Budenstadt, turnerische Darbietungen auf dem Seminarsportplatz,
  • Abends wurden Ballone fliegen gelassen,
  • und für die Erwachsenen war ab 20 Uhr Unterhaltung mit Tanz auf dem Schreiberschulhausplatz angesagt.

Folgende Klassen und Lehrkräfte nahmen das Wehrlischulhaus am Schoderbach „in Betrieb“:

1./2. Klasse Unterstufe Fräulein Landolf
3./4. Klasse Mittelstufe Lehrer H. Müller
4./6. Klasse Mittelstufe Lehrer M. Rohner
4./6. Klasse Mittelstufe Lehrer R. Signer
7. Klasse Oberstufe Lehrer A. Loher
7. Klasse Oberstufe Lehrer A. Abegg
8. Klasse Oberstufe Lehrer E. Oberhänsli
1.-8. Klasse Förderklasse Lehrer A. Verdini

Zwei Zimmer bleiben reserviert für später neu zu schaffende Lehrstellen.

Rosenegg

Das Anwesen besteht aus drei Teilen:

  • Wohntrakt aus dem 17. Jahrhundert, in dessen Obergeschoss das Heimatmuseum untergebracht ist,
  • der 1759 angebaute, von der Alpstrasse etwas zurückstehende Mitteltrakt,
  • der Frontbau, der dem älteren Teil der Liegenschaft vorgelagert ist. Er wurde wahrscheinlich um 1780 erbaut.

Die Ökonomiegebäude kamen später an die Stadt, die sie als Werkhof nutzte.
1895 hatte die Schulgemeinde Egelshofen das Patrizierhaus Rosenegg gekauft und darin einen Schulraum für die Oberschule und eine Lehrerwohnung eingerichtet, denn das Schulhaus am Gemeindeplatz war zu klein geworden. Einige Jahre später kam ein zweites Schulzimmer dazu.
Lange blieb die Zweckbestimmung der Rosenegg unklar. 1955 kam sogar die Idee auf, die Schulklassen ganz herauszunehmen und in einem neuen Schulzentrum auf dem Egelseeareal unterzubringen.
In den 50er-Jahren musste das Schulhaus aussen und innen dringend renoviert werden. Nicht zuletzt der vor dem 2. Weltkrieg erfolgte Einbau von Luftschutzräumen hatte dem Gebäude schwer zugesetzt. Eine weitere Renovation erfolgte zu Beginn der 70er-Jahre: 1971 waren in der Rosenegg 2 Schulklassen der Unterstufe, 1 Kindergartenabteilung und der Kinderhort untergebracht. In 3 Etappen wurde die Anlage renoviert. Dabei sollten die im Laufe der Jahrzehnte getätigten Um- und Einbauten der Schule noch einiges Kopfzerbrechen bereiten: Während der Gesamtrenovation in den 70er-Jahren musste der Bau praktisch ausgehöhlt und statisch vollständig saniert werden.
Die Abstimmung im Dezember 1992 erlaubte neben dem Bau des Berufsschul- und Kurszentrums (mit integriertem Feuerwehrdepot) den Ausbau der Primarschule Rosenegg und des Torggels wie auch die Umnutzung des Ökonomiegebäudes als Schulhaus. Heute sind hier drei Unterstufenklassen untergebracht, die Rosenegg selber ist „schulfrei“; sie ging 1998 an die Stadt im Tausch gegen eine Spielwiese für den Kindergarten Lummerland an der Storenstrasse. Dies bescherte dem Heimatmuseum, das seit den 40er-Jahren hier seine Sammlungen in passendem Ambiente präsentieren kann, dringend benötigte zusätzliche Räume.

Wachstum ... Provisorien

Von 1940 bis 1950 stieg Kreuzlingens Einwohnerzahl von rund 9000 auf über 10‘000 Einwohner, in den nächsten 10 Jahren kamen über 2500 dazu und 1970 erreichte sie knapp 16‘000. Erst 1974, mit knapp 17‘000 Einwohnern, begann sich das rasante Wachstum der Stadt etwas abzuschwächen. Bis dahin stieg die Schülerzahl Jahr für Jahr um rund hundert Kinder.
Schulbehörde und Stimmbürgerschaft hatten also häufig über die Errichtung neuer Lehrstellen abzustimmen, und es verging kaum ein Jahr, an dem die Stimmbürgerinnen und –bürger an der Urne nicht über die Wahl neuer Lehrkräfte befinden mussten, Wahlen übrigens, die stets positiv, das heisst dem Antrag der Behörden folgend, entschieden wurden.
Weniger zuverlässig verhielten sich die Kreuzlinger Stimmbürger, wenn es um die Gewährung von Krediten für die Schaffung neuer Schulräume ging: Wiederholt musste ein Projekt begraben oder verschoben werden, und manche Verlegenheitslösung drohte zum Dauerzustand zu werden.
1962 musste eine neu geschaffene Schulklasse im Kartonnageraum untergebracht werden. Im selben Jahr zog auch die Spezialklasse von Hans Baumberger aus dem Provisorium im katholischen Vereinshaus ins Wehrlischulhaus; der Umzug einer hier provisorisch untergebrachten Abschlussklasse ins alte Sekundarschulhaus hatte den Platz dafür frei gemacht...
Der Raumbedarf wurde zur Raumnot, Notlösungen waren allgegenwärtig. Als rasche, einfache und kostengünstige Lösung bot sich eine Aufstockung des Wehrlischulhauses an: Zusätzliche fünf Klassenzimmer und je einen Bibliothek- und Sammlungsraum! Doch wurde die entsprechende Vorlage klar abgelehnt.

Es brennt!

Am späten Nachmittag des 21. Februar 1979 brach im Pavillon beim Wehrlischulhaus ein Brand aus, der in beiden Klassenzimmern beträchtlichen Schaden anrichtete. Die Kinder schätzten anschliessend ihren persönlichen Verlust selber ein:

     


Bild Thomas Brütsch, April 2011

1986 wurden der Turn-Geräteraum erweitert und die Pausenhalle vom Schulhaus zur Turnhalle hin ergänzt, und 1991 erfuhr die Anlage eine Aussenrenovation. Dabei wurden auch die Glasbausteine in der Eingangshalle durch eine Isolierverglasung ersetzt.

Heilpädagogik

Nicht nur Gebäude und Anlagen erfahren Veränderungen; noch wichtiger sind innere Entwicklungen. Eine solche wurde 1993 im Wehrlischulhaus wirksam, als der erste schulische Heilpädagoge seine Arbeit aufnahm: Durch gezielte Massnahmen wie Stützunterricht oder Förderstunden, einzeln oder in Kleingruppen, kann den Lernschwierigkeiten aber auch Verhaltensauffälligkeiten von Kindern entgegengewirkt werden. Mittlerweile sind Heilpädagoginnen aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken: sie beobachten und fördern Kinder mit besonderen Bedürfnissen, sie unterstützen, beraten und begleiten die Lehrkräfte und Eltern.
Nach den positiven Erfahrungen der Testphase wurde 1995 Im Wehrlischulhaus die Heilpädagogik definitiv eingeführt.
[Anm. d. Verf.: Für manche Lehrkraft mit langjähriger Erfahrung als „Einzelkämpfer“ war es nicht leicht, nun mit dem Heilpädagogen gemeinsam im Schulzimmer zu arbeiten, mit diesem das eigene Unterrichtsverhalten zu reflektieren, gegebenenfalls Absichten und Ziele einzelner Massnahmen begründen zu müssen. Die Schulbehörde war klug genug, bei der Einführung der schulischen Heilpädagogik geduldig abzuwarten, bis die einzelnen Schulzentren für die entsprechende Entwicklung „reif“ waren.]
Im Wehrlischulhaus führte die gemeinsame Arbeit von Lehrkraft und Heilpädagoge im Schulzimmer bald zu bemerkenswerten pädagogischen Entwicklungen: Unter anderem wurde Team-Teaching praktiziert, und in der Mittelstufe bildeten wir aus zwei Parallelklassen drei Niveaugruppen im Fach Deutsch, wovon der schulische Heilpädagoge eine Gruppe übernahm. Diese Neuerung bewährte sich so gut, dass die Schulbehörde beschloss, in allen Mittelstufen zwei bis drei Wochenstunden Deutsch in Niveaugruppen durchführen zu lassen.
[Anm. d. Verf.: Wieder hatten sich die Lehrenden dieses Schulhauses als „pädagogische Vorhut“ erwiesen.]

Ab 2000

Mit Bauvisieren endete das Jahrhundert, und im ersten Jahr des neuen Jahrtausends konnten die neuen Gruppenräume bezogen werden. Einmal mehr machte die Architektur innere Veränderungen ihrer Nutzer sichtbar: Der Unterricht in Ganzklassen wird immer wieder unterbrochen für die Arbeit in Halbklassen und in Gruppen; oft arbeiten parallel zum Klassenunterricht Kinder allein oder in Gruppen von ihrer Klasse getrennt, und manchmal bekommt es einem Kind und seiner Klasse ganz einfach, wenn es für sich allein arbeiten kann. Differenzierung und Individualisierung des Unterrichts machen die Einrichtung von Gruppenräumen unumgänglich.


Bild Thomas Brütsch 1999
   
Bild Thomas Brütsch 2000

1998 wurde nach einem Gestaltungsvorschlag von Natur Konkret das Areal nordöstlich des Kindergartens umgestaltet: Pergola, Kriechröhre, Spielhügel, Weidenhaus, Rutschen und anderes mehr...

Neue Nutzungen

Die Volksabstimmungen vom März 2011 und 2012 ermöglichten einen Neubau an der Stelle der Baracke. Dieser umfasst keine herkömmliche Klassenzimmer, sondern schafft Raum, der als Folge der Schulentwicklungen der letzten Jahrzehnte nötig wurde: Psychomotorik, Schulleiterbüro und Sitzungszimmer, Räume für Förderunterricht und Gruppenarbeit, ein Singsaal und im Untergeschoss ein Archiv.
Dem Zeitgeist und den entsprechenden gesetzlichen Vorgaben folgend, erfüllt der Neubau die Minergie-Standards bei öffentlichen Bauten.


Titelbild der Botschaft zur Volksabstimmung vom 10./11. März 2012

 

 

Quellen:

  • Gedenkschrift zum Bau des Wehrlischulhauses, Kreuzlingen 1952
    Schriftleitung: Albin Beeli
    Herausgeber Schulvorsteherschaft Kreuzlingen
  • Hermann Alfred Schmid: 150 Jahre Thurgauisches Lehrerseminar Kreuzlingen (1983)
  • Jahresberichte der Primarschulgemeinde Kreuzlingen
  • Diverse Abstimmungsunterlagen

 

 

Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013

Schulgemeinde Kreuzlingen | Pestalozzistrasse 15 | 8280 Kreuzlingen | 071 677 10 00