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SSZ Pestalozzi

Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.

19. Jahrhundert

In Kreuzlingen wurde eine der letzten Thurgauer Sekundarschulen eingerichtet. Das ist nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Name Kreuzlingen Mitte des 19. Jahrhunderts nur den Gebäudekomplex des Klosters mit seiner Umgebung meinte. Noch 1849 zählte man vom Kloster bis zur Landesgrenze gerade einmal 13 Wohnhäuser.
1833, also 6 Jahre nach dem Tod jenes Pädagogen, der zum Namenspatron der Kreuzlinger Sekundarschule werden sollte, wurde im damaligen Bezirkshauptort Gottlieben eine Sekundarschule eingerichtet, die allerdings nur während 6 Jahren Bestand hatte. Dem im gleichen Jahr in Kreuzlingen gegründeten Lehrerseminar war eine längere Lebenszeit ver­gönnt.
1854 ist das eigentliche Gründungsjahr unserer Sekundarschule. Bildungsfreundliche Bürger veranlassten die Eröffnung einer solchen Schule in Tägerwilen. Sie nahm Schüler (und selten wohl auch Schülerinnen) aus den Orten Altishausen, Alterswilen, Bottighofen, Egelshofen, Emmishofen, Kreuzlingen, Kurzrickenbach, Lippoldswilen, Oberhofen und Tägerwilen auf. Das weite Einzugsgebiet verunmöglichte die Einhaltung der Forderung, der Schulweg dürfe nicht länger als 1½ Wegstunden sein. Darum zog 1863, zwei Jahre nach dem Erlass des ersten kantonalen Gesetzes über das Sekundarschulwesen, die Sekundarschule nach Emmishofen in das spätere Pfarrhaus an der Bernrainstrasse um.
1873 wurde Kreuzlingen zum neuen Bezirkshauptort bestimmt. Gleichzeitig vereinigte sich die Ortsgemeinde Egelshofen mit Kreuzlingen.
Die Sekundarschule in Emmishofen war stark gewachsen und platzte aus allen Nähten.

Der neue Bezirkshauptort errichtete darum ein stolzes Schulhaus an der Pestalozzistrasse (damals Bahnhofstrasse), so gross, dass es neben der Primarschule Raum für die Sekundarschule bot, die denn 1885 auch hier einzog.

Nachdem der Grosse Rath des Kantons Thurgau in seiner Sitzung vom 22. Febr. 85 die Verlegung der Sekundarschule Emmishofen nach Kreuzlingen und die Creierung des neuen Schulkreises Tägerwilen beschlossen hat, wird die neue Sekundarschule Kreuzlingen auf das Frühjahr 1885 eröffnet.

Die beiden Schullokale befinden sich im ersten Stockwerk des neuen Schulhauses daselbst.

Lehrer:
- Herr J. Schühlin von Beggingen
„     Conr. Uhler von Uttwil.

Das Hr. Schühlin bis Mitte August an einem Fortbildungskurs für gewerbliches Zeichnen in Winterthur Teil nimmt, werden die drei Klassen bis dann im gleichen Zimmer vereinigt und von Hrn. Uhler in allen Fächern unterrichtet.

Schülerzahl:
I. Klasse   =   27
II. Klasse  =   23
II. Klasse  =   16
Total        =   66 (Verzeichnis siehe hinten im Buche.)

Lehrziele damals

Der Besuch der Sekundarschule dauerte drei Jahre, ging also um ein Jahr über das Schul­obligatorium hinaus. Den 12- bis 15-Jährigen sollte sie einen höheren Grad geistiger Bildung und zusätzliche Kenntnisse für das bürgerliche Berufsleben vermitteln als dies die Primarschule konnte. Der Fächerkanon war von Anfang an recht umfangreich: Religion, Deutsche Sprache, Arithmetik und Geometrie, Geographie, Geschichte, Vaterländische Staatseinrichtung, Naturkunde mit besonderer Betonung von Landwirtschaft und Gewerbe, Schönschreiben und Zeichnen. Als Freifächer kamen dazu Latein, Englisch, Italienisch und Stenographie. [Anm. d. Verf.: N’y manque-t-il pas une matière?] Gearbeitet wurde während 28 Wochenstunden, unterbrochen durch 8 Wochen Ferien.
Einer der ersten Lehrer war A. Imhof; er wurde 1891 gewählt und blieb blieb bis zu seiner Pensionierung 1928 seiner Schule treu.

Kombinierte Abteilung

Im Herbst 1907 wurde an der Sekundarschule Kreuzlingen eine 4. Lehrstelle geschaffen u. an dieselbe Hr. S.Lehrer Geiger v. Altnau berufen. Bei diesem Anlasse wurde eine kombinierte Abteilung errichtet. Durch das Los wurden von d. 1. Klasse, den Neueintretenden, 1/3 dieser kombinierten 1. u. 2. Klasse zugewiesen. Bestand pro 1908:

1. Klasse:   9 Knaben u. 8 Mädchen
2. Klasse:   9 Knaben u. 6 Mädchen.

Lehrer der kombinierten Abt.: E. Brenner.
(Es folgt die Auflistung der Schulbesuche und des Examens vom 29. März 1909.)

Die Aufzeichnungen der kombinierten Abteilung enden im April 1914.

Probezeit

Trotz Aufnahmeprüfung sassen immer wieder Schüler mit ungenügender Leistungsfähigkeit in der Sekundarschule. 1929 wurde darum die Probezeit eingeführt, die es erlaubte, nach sechs Wochen sich von jenen Schülern zu trennen, für die diese Schule nicht geeignet war. Damit nicht genug konnten während der ganzen Sekundarschulzeit auch Schüler weggewiesen werden, die Mitglied in einem Verein waren oder wiederholt unbegleitet ein Kino besuchten.

Raumnot

[Anm. d. Verf.: Diese Kapitelüberschrift könnte noch mehrmals wiederholt werden!]
Auch Kreuzlingen wuchs: 1880 zählte der Ort 4046 Einwohner, ein halbes Jahrhundert später und nach der Eingemeindung von Kurzrickenbach 1926 und Emmishofen 1928 hatte sich die Bevölkerungszahl verdoppelt.
Im Schulhaus war es eng geworden. Doch dauerte es Jahre, bis die sich wiederholenden Klagen Folgen hatten: Als die Primarschule 1910 ins neue Schreiberschulhaus ausgezogen war, konnte die Sekundarschule endlich das ganze Schulhaus übernehmen. Es blieb das „Alte Sekundarschulhaus“ bis 1969 die neu gegründete Kantonsschule darin einzog.
Doch dauerte das Aufatmen nicht lang. Bald fehlte es wieder an Schulräumen, insbesondere  auch an den für einen modernen Unterricht auf dieser Schulstufe notwendigen Spezialräumen für Biologie, Geographie, Physik, Singen und Zeichnen. Dabei wirkte an dieser Schule mit Dr. h. c. Wilhelm Fröhlich ein bedeutender Erneuerer des Naturkundeunterrichts, über den der Jahresbericht 1929 vermerkt: Mitte Juni erhielt W. Fröhlich einen viermonatigen Urlaub zu einer Vortragsreise über „Das Arbeitsprinzip im Naturkundeunterricht auf der Sekundarschulstufe“. (...) Die Neuerungen Fröhlichs sind in Theorie und Praxis bahnbrechend und bedeuten gegenüber dem bisherigen Unterrichtsbetrieb einen ausserordentlichen Fortschritt. (...). Seine über den deutschen Kosmos-Verlag vertriebenen Experimentierkästen haben wohl unzähligen Kindern und Jugendlichen Naturphänomene nahe gebracht.



[Anm. d. Verf.: Ob die ungenügenden Raumverhältnisse an seiner Schule mit dazu beigetragen haben, Experimentieranordnungen zu entwickeln, die auf kleinstem Raum und mit wenig Material durchzuführen sind?]
Oft und während Jahren wurde über einen Neu- oder Anbau gesprochen... und dann die Frage bis auf weiteres zurückgelegt. Das Sekundarschulhaus bot Raum für fünf Abteilungen. 1926 mussten von den sieben Klassen zwei im Schreiberschulhaus untergebracht werden, 1934 bereits deren drei. Dafür wurden Primarklassen in die Kellerräume verbannt. Die Sekundarschule umfasste nun 8 Klassen, die in zwei Schulhäuser verteilt unterrichtet wurden.
An einer der letzten Schulgemeindeversammlungen, siehe auch Schulgeschichte Kreuzlingen, hatte die Schulbehörde 1933 den Antrag gestellt, auf dem Sallmann’schen Areal ein modernes Sekundarschulhaus zu errichten. Knapp lehnte die Versammlung „in Anbetracht der unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse“ ab.
Die Diskussion setzte sich Jahre lang fort. Im Jahresbericht 1935 heisst es lakonisch: Sodann wurde mit wichtiger Mehrheit das Sekundarschulhaus-Bauprojekt Hess endgültig begraben und mit grosser Mehrheit das Kreditbegehren von Fr. 7000.- zur Ausarbeitung von neuen Plänen zurückgewiesen, um dann am 22./23. Februar d. J. mit schwacher Mehrheit den Kredit von Fr. 5000.- für einen unter die Kreuzlinger Architekten beschränkten Wettbewerb für ein neues Sekundarschulgebäude mit Turnhalle an der verlängerten Schulstrasse zu gewähren. Dies war ein erstes Zeichen für den unter dem jungen Schulpräsidenten Emil Knus einsetzenden Sinneswandel. Noch im Oktober desselben Jahres hiessen die Stimmbürger das Projekt des Architekten Heinz A. Schellenberg gut. Keine Selbstverständlichkeit: Ende September war der Schweizer Franken abgewertet worden, was zusammen mit den Preissteigerungen auf den Weltmärkten unweigerlich zu einer Verteuerung führen würde.

Neubau 1938

Das neue Sekundarschulhaus mit Turnhalle kam an der verlängerten Schulstrasse auf das Areal zwischen dem alten Sekundarschulhaus und dem Seminarsportplatz zu stehen.

Geplant waren:
Erdgeschoss

- Eingangshalle

- Lehrerzimmer

- Besuch- und Arztzimmer

- 5-Zimmer-Wohnung von 100 m² für das Hauswartpaar

Darunter

- Velokeller

- Kellerraum

- Werkstatt und Lager für Hauswart

1. Stock

- 3 Klassenzimmer (für je max. 36 SS)

- 1 Physik-Chemie-Zimmer, ansteigend bestuhlt

- Sammlungsraum

- 1 Zeichensaal

2. Stock

- 3 Klassenzimmer

- 1 GG-Biologie-Zimmer mit Projektionseinrichtung

- Sammlungsraum

- 1 Singsaal (Platz für 120 SS)

Verbindungsbau

- mit Schulküche

- Lehrsaal für Hauswirtschaftsunterricht

- 2 Werkstatträume

 Turnhalle

- 1 geschlossene Halle von 316 m2

- 1 offene gedeckte Freilufthalle 220 m2

- Geräteraum und Geräteraum für das Lehrerseminar

- 2 Garderobenräume mit anschl. Duschen

- 1 Turnlehrerzimmer

Abortanlagen in Schulhaus und Turnhalle.
Dazu kamen Renovationen im alten Schulhaus, wo zwei Schulräume von der Kaufmännischen Berufsschule und der Gewerbeschule genutzt wurden; diese dienten der Sekundarschule als Reserve.

Bilder aus den Abstimmungsunterlagen:


Ansicht vom Hafenbahnhof aus
 
Ansicht von der Pestalozzistrasse aus
     

Ansicht vom Seminarsportplatz aus
 
Im Treppenhaus

Am 29. August 1938 konnte das Pestalozzischulhaus eingeweiht werden. Der „Thurgauer Volksfreund“ schrieb von einem Prachtstag. Schüler- und Lehrerschaft, Vereine und Behörden hatten zusammengearbeitet, um für die Gemeinde ein Volksfest zu gestalten.
Aus dem Programm:

  • Der Vormittag war den geladenen Gästen vorbehalten, die sich anschliessend im Löwen zu einem Mittagessen einfanden.
  • 2 Uhr: Offizieller Weiheakt mit Schlüsselübergabe und Reden. Der Erziehungschef, Dr. Müller, befand zum Neubau: Was diese Schulbaute besonders auszeichnet, ist die Tatsache, dass mit sparsamen Mitteln ein zweckdienlicher und allen Anforderungen genügender Bau geschaffen wurde. Das Äussere des Baues ist in neuzeitlichen Formen gehalten und es ist auch hier jegliche Baugeldvergeudung vermieden worden.

  • ab 3 Uhr: Sportlich-spielerische Darbietungen der Sekundarschüler und Seminaristen auf dem Sportplatz und unterhaltende Darbietungen der Primarschüler beim Schreiberschulhaus.
  • 6 Uhr: Schülerspeisung
  • 8 Uhr: Abendunterhaltung durch die Vereine auf dem Schreiberschulhausplatz.
    Feuerwerk.


Auf dem Turn- und Pausenplatz finden nicht alle der vielen Besucherinnen und Besucher Platz.
Diese halten den neu angelegten Rasenplatz respektvoll frei.

 


Das Pestalozzischulhaus, ganz neu; im Hintergrund der Altbau, zur Renovation eingerüstet

Aus einem Protokoll 1938: Herr Howald teilt mit, dass vor Schulfunksendungen dem Telefonamt mitgeteilt werden soll, es mögen Gespräche auf später verschoben werden, sofern sie nicht sehr dringlich sind. Im Besuchszimmer wird durch ein Täfelchen das Telefon als besetzt bezeichnet.

Im Sommer 1945 schuf der Diessenhofener Kunstmaler C. Rösch das Wandgemälde Jugendleben im sonnigen Raum“ in der Eingangshalle. Im Tagebuch der Sekundarschule heisst es dazu: (28. Juli 1945) Abnahme des Wandgemäldes v. C. Rösch, Kunstmaler, Diessenhofen, durch die Primar- und Sekundarschulvorsteherschaft, im Sekundarschulhaus - Nachm. 4 Uhr. Nach Begrüssung der Eingeladenen erläuterte der Künstler sein Werk, das der Sek’Schule übergeben wurde. Ein Imbiss im „Besmer“ beschloss die Feier. (Als 1942 die Frage der Erstellung eines Freskogemäldes an der Nordwand unserer Halle aufkam, wandte die Lehrerschaft ein, sie zögen einen Kredit zur Anschaffung von Schulmaterial und die Erstellung eines kleinen Trinkbrunnens in der Halle vor.)
Dr. Willi Schohaus erwähnte 1952 in einem Aufsatz zu Carl Roeschs Mosaik im Wehrlischulhaus das Gemälde im Sekundarschulhaus so: Es liegt uns Einwohnern von Kreuzlingen nahe, diese neue Schöpfung Roeschs mit seinem schönen Wandgemälde in der Eintrittshalle unserer Sekundarschule zu vergleichen. Auch das letztere ist dem Erleben des jungen Menschen gewidmet. Es stellt die Jugend in ihrer gesunden Sport- und Körperfreude dar. Durchwegs erscheinen in diesem Bilde aber zwei Gestalten zusammenkomponiert und seelisch aufeinander bezogen: es geht um den Menschen mit seinem Du, um die Urbeziehung der Gemeinschaft. (...)

Im April 1946 berichtete der Thurgauer Volksfreund: Nachdem die Heizmaterialvorräte nahezu aufgebraucht sind und auch für den kommenden Winter 1946/47 nur kleine Zuteilungen an Kohle in Aussicht stehen, beabsichtigt die Schulvorsteherschaft für das Sekundarschulhaus die Installation der Ölfeuerung. Damit konnten dann auch Altbau und Turnhalle wieder beheizt werden, was während des Krieges nicht möglich gewesen war.

Aus dem Protokoll der Pausensitzung vom 23. Januar 1947: Am 3. II. soll der Telephon­unterricht für die 3. Kl. durchgeführt werden: 07.45 – 08.30 Vortrag, nachher Übg. (...)

 

 

 

 

 

Ebenfalls 1946 wurde eine dritte Lehrstelle an der Oberschule (7. und 8. Klassen) eröffnet und alle drei Klassen in das alte Sekundarschulhaus verlegt. Damit musste die Sekundarschule die zwei bis anhin dort genutzten Schulzimmer aufgeben und erteilte nun ihren Unterricht ausschliesslich im Pestalozzischulhaus.

Aus einem Protokoll 1948: K. Rauch wird wegen Werfen von 2 Stinkbomben während einer Geographiestunde von den Lektionen des Herrn Völker ausgeschlossen (bis auf Weiteres) und hat während dieser Zeit sich in dem Zimmer aufzuhalten, in welchem sein Klassenlehrer unterrichtet.
(Namen geändert)

Doch begann die Schulbehörde bereits mit der Planung eines Anbaus um vier Klassenzimmer; die grossen Schülerzahlen in der Unterstufe der Primarschule liessen deren baldigen Bedarf unschwer voraussehen.
Das Stimmvolk sah dies anders und verwarf 1947 den entsprechenden Kredit.

Kinobesuch in Konstanz!

Als grosses Problem erschien den Behörden der Kinobesuch in Konstanz durch Sekundar- und Primarschüler. [Anm. d. Verf.: Ein Problem, das sich mit der Verbreitung des Fernsehens und später von Computer und Internet dadurch „erledigte“, dass es in die von aussen nicht einsehbare Privatsphäre der Familie entschwand.] Im Mai 1951 erhielten die „Lieben Eltern!“ darum ein langes Schreiben der Primar- und Sekundarschulvorsteherschaft; Auszüge daraus: Wir glauben Ihnen einen Dienst zu erweisen, wenn wir Sie auf einige unerfreuliche Erscheinungen bei unserer Schuljugend aufmerksam machen, welche uns in der letzten Zeit öfters beschäftigt haben.
Wie Sie wissen, ist unserer Schuljugend der Kinobesuch verboten*. Kinder-Vorstellungen dürfen nur mit Bewilligung des Schulpräsidenten zur Aufführung gelangen. Bevor eine solche Bewilligung erteilt wird, sehen sich einige Schulvorsteher und Lehrer den betreffenden Film an. Massgebend für die Beurteilung ist uns nicht nur die sittlich einwandfreie Darstellung aondern auch die moralische Haltung, die im Inhalt zum Ausdruck kommt und die künstlerische Gestaltung, die der Einbildungskraft des Kindes entsprechen soll. (...)
[Anm. d. Verf.: Offensichtlich stellten die Behörden wesentlich höhere Anforderungen an die Qualität des Medienkonsums der Kinder und Jugendlichen, als dies heute üblich und möglich ist.]

Rudolf Weber, damals Schulvorstand der Sekundarschule, schrieb 1968: Anlässlich einer Umfrage musste festgestellt werden, dass rund 40% unserer Schüler während der Schulwochen einer regelmässigen und meist gut bezahlten Erwerbstätigkeit nachgehen. Selbstverdientes Taschengeld in Ehren, aber es ist doch wohl nicht die Meinung, dass dies auf Kosten einer sorgfältigen Schul­arbeit geht. (...)

Aus dem Schreiben geht weiter hervor, dass das Verweilen von Kindern und Jugendlichen in Konstanz als problematisch angesehen wurde und darum unerwünscht war.
Wir haben auch festgestellt, dass einzelne Kinder gelegentlich ohne Bewilligung ihrer Eltern nach Konstanz gehen. Zu diesem Zwecke nehmen sie ihre oder die Grenzkarte der Eltern, auf welcher auch ihre Name vermerkt ist, aus der Schublade. Wir empfehlen Ihnen deshalb, die Grenzkarten gut zu versorgen. (...)

* Laut Verordnung des Regierungsrates über den Betrieb von Kinotheatern vom 3. August 1948 war Kindern unter 16 Jahren der Besuch von Kinovorstellungen, auch in Begleitung der Eltern oder erwachsener Aufsichtspersonen untersagt.

Anbau 1954

Während der 40er-Jahre wuchs Kreuzlingen rasant. Die Schülerzahl stieg entsprechend, parallel dazu der Raumbedarf. Für die Sekundarschule konnten durch den gefälligen Anbau an das Sekundarschulhaus an der Schulstrasse 5 neue Klassenzimmer bereit gestellt werden, sodass diese Stufe wohl für längere Zeit versehen ist, obwohl die neue erste Klasse zu Beginn des Schuljahres 1955/56 126 Schüler, die ganze Sekundarschule nun 293 Schüler zählt und jetzt von 10 Lehrern betreut wird. [Anm. d. Verf.: Noch waren es wirklich nur Lehrer, noch galten Frauen als lediglich für den Unterricht an der Unterstufe geeignet.]

Die Hoffnung, diese Stufe sei nun für längere Zeit versehen trog: In den 60er- und 70er-Jahren wurde es zunehmend eng in der Sekundar- wie in allen anderen Schulen und die Schaffung neuen Schulraums bildete bis zum Bau des Sekundarschulzentrums Remisberg 1995 bis 1997 eine leider nur allzu begründete Sorge.


Wandertag wahrscheinlich 1956, hier in Weinfelden.
Noch war den Mädchen das Tragen von Hosen untersagt. (In manchen ländlichen Sekundarschulen hatten sie zudem während des Unterrichts eine Schürze zu tragen.)
(Foto: Raimund Rüegge)


Geografieunterricht (Foto: Raimund Rüegge, wahrscheinlich 1956)

Aufnahmeprüfung ja oder nein?

Sechstklässler und Kinder der 1. Abschlussklasse, die in die Sekundarschule übertreten wollten, hatten eine Aufnahmeprüfung zu bestehen. In aller Regel bereitete ihr Lehrer sie über Wochen hinweg darauf vor, und in manchen der beteiligten Klassen fokussierte sich während dieser Zeit der Unterricht (sehr) stark auf die sogenannten Kernfächer.
1962 führte eine erste Thurgauer Schulgemeinde versuchsweise den prüfungsfreien Übertritt ein, was in Kreuzlingen aufmerksam verfolgt und in den folgenden Jahren heftig diskutiert wurde. Die überwiegend positiven Erfahrungen mit der Aufnahmeprüfung und die Befürchtung ein prüfungsfreier Übertritt führe dazu, dass nicht mehr nur die geeigneten sondern möglichst viele Kinder in die Sekundarschule aufgenommen werden müssten, liessen Lehrerschaft und Behörde noch lange am eingespielten Verfahren festhalten. Nach jahrelangen intensiv Abwägungen trat 1992 in Kreuzlingen der erste Schülerjahrgang prüfungsfrei in die Sekundarschule über, bei einer auf zwölf Wochen verdoppelten Probezeit.
Anfangs hatte das neue System zur Folge, dass (zu) viele Kinder nach der Probezeit in die Realschule wechseln mussten. In vielen Gesprächen und mit Hilfe von Vergleichsarbeiten konnten diese Anfangsschwierigkeiten überwunden werden.

Neuerungen

  • 1964 wurden die Abschlussklassen als eigen- und selbständige Schulstufe anerkannt. Auch die Sekundarschule erhielt ein eigenes Gesetz, und neu wurde auch die Sekundarschulbehörde durch das Volk gewählt.
  • 1965 eröffnete im alten Sekundarschulhaus die erste freiwillige Abschlussklasse für Knaben.
  • Das neue Gesetz über die Kantonsschulen verpflichtete die Stadt, von 1968 bis 1983 der Kantonsschule Kreuzlingen Schulraum zur Verfügung zu stellen. Dafür wurde vorerst ein Teil des alten Sekundarschulhauses geräumt.
  • Das Unterrichtsgesetz von 1978 verpflichtete Kreuzlingen, Bottighofen und Lengwil zur Bildung einer Oberstufengemeinde. Mit der Wahl der Behörde im April 1981 wurde diese handlungsfähig.
  • Zum Abschluss des Schuljahres 1982/83 führte die Sekundarschule erstmals eine Projektwoche durch, während welcher die Schülerinnen und Schüler konzentriert ein selbst gewähltes Thema bearbeiten konnten.
  • Immer mehr Schülerinnen und Schüler wählen das Freifach Englisch, während das Interesse an Italienisch rapide sinkt.
  • 1988 startete an der Sekundarschule der dreijährige Schulversuch „Bessere Bildung durch Musik“. Intensives Musizieren teilweise anstelle des üblichen Unterrichts sollte die beteiligten Schulkinder sowohl in musischen als auch in den traditionellen Unterrichtsbereichen fördern. Der Erfolg des Versuchs führte dazu, dass ab dem Schuljahr 1991/92 die Musikklasse (...) als Variante zur regelkonformen Stundentafel weitergeführt wurde.
  • Einzug der Technik:
    1957 verfügte die Sekundarschule über je einen Kleinbildprojektor und eine Schreibmaschine. 1958 kam ein Tonbandgerät dazu, so schwer, dass es zweier Schüler bedurfte, es (unter Aufsicht eines Lehrers) zu transportieren. Es folgten Nass- und später Trockenkopierer und in den 60er-Jahren hielten die Hellraumprojektoren zaghaft Einzug in die Klassenzimmer. 1969 wurde ein Filmprojektor angeschafft. Hingegen wurde kein Sprachlabor eingerichtet... wegen Raummangels.

Eine neue Sekundarschule!

Dies und die steigenden Schülerzahlen vor allem in der Unterstufe machten den Bedarf an zusätzlichem Schulraum absehbar. Doch nicht nur dies. Der Sekundarschulpräsident, Dekan Gmür schrieb 1971: Damit ist nun die Sekundarschule restlos ausgelastet. Wir stellen fest, dass mit dem Schreiberschulhaus, dem Pavillon und der erwähnten Kantonsschule eine Massierung von Schülern zu beobachten ist, die geradezu beängstigend wirkt. Ein sehr ausgewogenes Projekt im Burg- oder Remisbergquartier liegt nun vor, dessen Verwirklichung wir in nächster Zeit nur begrüssen können. (...)
Tatsächlich waren die ersten Schritte zum Bau eines neuen Zentrums viel versprechend: 1970 wurden sowohl der Kredit für einen Wettbewerb für ein Sekundarschulzentrum und der Kauf eines Grundstücks beim Roten Haus hoch angenommen und im Januar 1972 genehmigten die Stimmbürger den Kredit für Detailplanung und Kostenvoranschlag. Dann: Vorlagen wurden verworfen, Stillstand. Die Raumnot wurde so gross, dass die Behörde 1976 und 1977 auf die Eröffnung einer bewilligten Klasse verzichtete. Die drangvolle Enge verursachte unterrichtliche, organisatorische und disziplinarische Probleme... für lange Jahre noch. 1979 schrieb der Primar­schulpräsident August Höhener dazu: ein Schulhaus gebaut für neun Klassen soll nun für den Unterricht für zur Zeit 17 Klassen (...) genügen, und wiederholt vermerkt der Jahresbericht der Sekundarschule: Auf Ende des Schuljahres verlässt wegen der ungefreuten Raumverhältnisse Herr (...) unsere Schule (...).


Seit 1938 (Bild) hatte sich die Turnhalle praktisch nicht verändert.

Wenigstens die Turnhalle, während 40 Jahren von der Sekundarschule, dem Seminar und vielen Vereinen genutzt, konnte 1982 saniert und um je einen Raum für Turnlehrer und Geräte erweitert werden.
1987 erfolgte der Spatenstich zur Sportanlage zwischen Seminar und Hafenstrasse. Nach zähen und langwierigen Verhandlungen war 1984 der Baurechtsvertrag zwischen Kanton und Oberstufengemeinde zustande gekommen, welcher die Planung der Anlage ermöglichte. Die „Aussen-Sportanlage mit Trockenplatz“ dient allen umliegenden Schulen, vielen Vereinen und ermöglicht die Durchführung vielfältiger sportlicher Anlässe.
Die Verwirklichung des heutigen SSZ Remisberg aber zog sich so lange hin, dass schliesslich doch ein weiterer Anbau ans Pestalozzischulhaus beschlossen wurde.

Wenigstens eine Erweiterung

 

So verzweifelt begann im Januar 1992 die Botschaft zum Kreditbegehren von knapp 4 Mio Franken zur Optimierung der Schulanlage Pestalozzi: Warum?
Wegen Einsprachen aus der Nachbarschaft verzögerte sich der Baubeginn der Schulanlage Remisberg. Darum konnte die Oberstufenbehörde nicht, wie vorgesehen, die Optimierung des Pestalozzischulhauses erst nach dessen Fertigstellung angehen. Spätestens 1994 müssten zwei Pavillons dem Erweiterungsbau der Kantonsschule weichen, den dritten brauchte das Schreiberschulhaus. Die Schulzimmer im Pestalozzischulhaus wiesen nur zwei Drittel der vorgeschriebenen Fläche auf.
In drei Bauphasen sollte das Sekundarschulhaus vergrössert und den Bedürfnissen angepasst werden:

  1. Anbau mit 6 Klassenzimmern
  2. Erweiterung und Umbau des Lehrerzimmerbereichs, der WC-Anlagen, Lift
  3. Veränderte Raumaufteilung der bestehenden Klassenzimmer.


aus den Abstimmungsunterlagen, Januar 1992
Der Souverän zeigte sich einsichtig und stimmte mit überwältigem Mehr dem Projekt zu.

Der auf Stelzen sitzende Neubau löste die Raumprobleme für mehrere Jahre. Weitere Anpassungen und Ausbauten erfolgten Jahr für Jahr, sodass sich die Schule auch von der Infrastruktur her laufend den sich verändernden Bedürfnissen anpassen konnte.

Zusammenarbeit

Das 1997 (endlich) bezogene Oberstufenzentrum Remisberg vereinigte je sechs Real- und Sekundarschulklassen unter dem selben Dach. Hier sollten diese einander nicht nur räumlich näher kommen: Eine zunehmende Zusammenarbeit sollte einerseits harmonisch wachsen und war gleichzeitig Ziel einer gemeinsamen Kommission von Behörde und Lehrerschaft.
In der Sekundarschule im Pestalozzischulhaus waren sich die meisten Lehrkräfte noch darin einig, die Trennung der beiden Oberstufen sei für den Erhalt der Unterrichtsqualität an der Sek förderlich.
Doch verschloss man sich den Veränderungen nicht grundsätzlich, was ab 1998 die Durchführung von Projektwochen gemeinsam mit den Realklassen Egelsee bewies.
Der Auszug von sechs Klassen bot die Gelegenheit im Pestalozzischulhaus die letzten Schulraumoptimierungen durchzuführen.

Peter Müller formulierte die Vorbehalte an einem Klassentreffen im Mai 2000 so: Die Zeit, da es eine Realschule und eine Sekundarschule gibt, scheint abgelaufen zu sein. Geplant ist, dass Realklassen vom Egelsee hier Einsitz nehmen und umgekehrt Sekundarklassen ins Egelsee ziehen. Wie weit dies sinnvoll ist, übelasse ich Ihnen zu entscheiden. Für uns Unterrichtende ist klar, dass eine Zeit der Umstellung bevorsteht, die viel Unruhe bringt, und wie uns scheint, wenig Gewinn. (...)

Eine besondere Form des Unterrichts in Niveaugruppen hielt 1998 im Pestalozzischulhaus Einzug: In sogenannten Vertiefungsklassen wurden Themen in den Fächern Deutsch, Französisch und Mathematik während je einer Wochenstunde in Leistungsgruppen vertieft.

Geleitete Schule

Ab 2004 leitete ein Schulleiter das Oberstufenzentrum Pestalozzi; dabei war das erste Grossprojekt bereits vorgegeben: Innert fünf Jahren war im ganzen Kanton eine stufenübergreifende Zusammenarbeit (Durchmischung) zu verwirklichen. Schon im ersten geleiteten Jahr erarbeiteten Schulhausteam und Behörde das Leitbild des Zentrums Pestalozzi und mit der Elterngruppe einen Leitfaden für die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Eltern und Schule.

 

                              
Foto Thomas Brütsch, April 2009                      Foto Thomas Brütsch, Mai 2010

 

„Reinschrift“

Ab 2006 begann der Prozess der Einführung der durchlässigen Oberstufe: Neben dem Unterricht in ihrer Stammklasse (E für ehemals Sekundarschüler, G für Realschüler) besuchen die Jugendlichen in wenigstens zwei Fächern den Unterricht in Niveaugruppen. Das Oberstufenzentrum Remisberg war von Anfang sowohl Real- als auch Sekundarschule. Für diese gestaltete sich darum der Übergang zur neuen durchmischten Sekundarschule weniger aufwändig als für die Lehrkräfte der Realschule Egelsee und insbesondere jene der Sekundarschule Pestalozzi. Diese beiden Zentren mussten einen Teil der Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler austauschen, ein Prozess der 2005 bis 2008 sorgfältig vorbereitet und realisiert wurde.
Für das 1939 erstellte Pestalozzischulhaus wurden mit der Systemänderung auch bauliche Anpassungen notwendig. Ein Anbau (dem Zeitgeist entsprechend mit energetischen Sanierungsmassnahmen verbunden) entlang dem Stelzenbau ergänzte die Schulhausanlage um die fehlenden Räume:

  • Lernraum für die integrative Förderung musikalisch Begabter. Seit dem Schuljahr 2008/09 können diese Jugendlichen zugunsten einer intensivierten musikalischen Ausbildung bis zu sechs Lektionen vom Unterricht befreit werden. (Im Thurgau existieren zwei solcher Schulen für „Begabtenförderung Musik“). Im Lernraum arbeiten sie den versäumten Lernstoff auf. Dieser Raum kann von allen Schülerinnen und Schülern genutzt werden.
    (1939 hatte die Schulvorsteherschaft an die Eltern appelliert, ihre Kinder vermehrt das Geigenspiel lernen zu lassen; sie sei das unentbehrlichste (!) Instrument für alle Formen echter Hausmusik und das vornehmste zur Entwicklung und Veredelung der musikalischen Kräfte im Kinde.)
  • Räume für Textilarbeit, Kochen, Werken, Informatik, Bibliothek und Schulische Heilpädagogik und für Niveauunterricht.
  • Aufenthaltsraum mit Mittagstisch

Nach Abschluss dieser Anbaute mit dem programmatischen Namen verfügt Kreuzlingen nun seit 2008 über drei gleichwertige Sekundarschulzentren... eine „Reinschrift“ anstelle all der Entwürfe und Provisorien.


Foto Thomas Brütsch, Mai 2010

 

Quellen:

  • Oberstufenkommission der Schulgemeinden Bottighofen, Kreuzlingen, Oberhofen: Botschaft zum Organisationsreglement der der Oberstufengemeinde Kreuzlingen, 1980
  • Jubiläumsschrift 100 Jahre Sekundarschule Kreuzlingen 1885 – 1985
  • Jahresrechnungen und Rechenschaftsberichte seit 1907
  • Verschiedene Abstimmungsunterlagen
  • Schultagebücher
  • Protokolle der Lehrerschaft
  • Festschrift „100 Jahre Sekundarschule Kreuzlingen 1885 – 1985 (Oberstufengemeinde Kreuzlingen)

 

Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013

Schulgemeinde Kreuzlingen | Pestalozzistrasse 15 | 8280 Kreuzlingen | 071 677 10 00