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SSZ Egelsee

Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.

Von der Repetier-  zur Sekundarschule
1875 führte der Thurgau die sechsjährige Primarschule als Alltagsschule ein. Für die Mädchen folgten zwei, für die Knaben drei Jahre Sommerrepetier- und Winteralltagsschule. Kreuzlingen führte 1914 das Ganzschuljahr für die Oberschule, also die siebte und achte Klasse ein. Schon 1885 war im Pestalozzischulhaus für den bildungsbeflisseneren Teil der Jugend eine Sekundarschule eingerichtet worden. Für lange Zeit wurden auf der Oberstufe die mehr intellektuell von den eher handwerklich begabten Jugendlichen (auch räumlich) getrennt unterrichtet.
Jahrzehnte später erst setzte sich die Erkenntnis durch, dass auch für jene Kinder, die nicht den Anforderungen der Sekundarschule gewachsen sind (Botschaftstext 1975) ein Unterricht zu gestalten war, der ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen entsprach.
Wie der Entwurf für die Botschaft betr. Errichtung einer neuen Lehrstelle für die Primarschul-Oberstufe (im Zusammenhang mit dem Ausbau derselben) aus dem Jahr 1946 zeigt, sollten damals die Weichen gestellt werden, dass auch solchen Schülern, welche die Sekundarschule nicht besuchen können, eine Ausbildungsmöglichkeit geboten wird, die ihnen den Eintritt ins Berufsleben ermöglicht.
Die Einrichtung einer dritten Lehrstelle im Sinne eines Ausbaues des Oberschulunterrichtes soll diesen neuzeitlichen Unterricht ermöglichen. Mit Herrn E. Oberhänsli ist auch ein Lehrer gefunden, der die nötigen Qualifikationen, sowie die wünschenswerte Hingabe besitzt.
Die Botschaft führt unter anderem aus: Schon wiederholt ist in der Presse und in der Öffentlichkeit hingewiesen worden auf das Bedürfnis, den Unterricht an unserer Primarschuloberstufe (7. & 8. Kl.) zeitgemäss auszubauen, wie dies schon an verschiedenen Orten unserer Nachbarkantone mit Erfolg geschehen ist. Eine im Frühjahr 1946 gebildete Kommission konnte sich durch Schulbesuche von der Zweckmässigkeit und dem grossen Nutzen dieser Einrichtung für die Abschlussklassen überzeugen (...). Eine Umstellung des Unterrichtes von einseitig theoretischer auf vermehrt werktätige Grundlage soll (...) für die heranwachsenden jungen Leute beiderlei Geschlechtes (...) die Gelegenheit (...) verschaffen, sich auf den Eintritt in eine Berufslehre des Handwerkes oder des Gewerbes vorzubereiten. (...)
Um dieses, vom sozialen Standpunkt aus erstrebenswerte Ziel zu erreichen, hat sich unsere Behörde einmütig entschlossen, an den Ausbau der Oberschulen heranzugehen, wobei sie es nicht für ausgeschlossen erachtet, dass später auch Schülern aus den Nachbargemeinden Gelegenheit geboten werden, kann, an dieser neuen Einrichtung unserer Schule teilzunehmen. (...)
Damit war schon Wesentliches über die spätere Realschule formuliert, die in den folgenden Jahrzehnten einen weiten Weg zurücklegen sollte: Von der Primarschuloberstufe (7. und 8. Klasse) über die Abschlussklassenschule zur Realschule bis hin zur „Durchlässigen Sekundarstufe“, der durchmischten Sekundarschule 1, ab August 2007.
Mit dem Abschlussklassengesetz von 1964 wurden das 7. und 8. Schuljahr als eigen- und selbständige Schulstufe anerkannt und die Schulgemeinde stimmte der Schaffung der freiwilligen dritten Abschlussklasse für Knaben (!) zu. Diese begann im folgenden Jahr im alten Sekundarschulhaus.

14 Jahre Projektphase
1955 erwarb die Schulgemeinde das gesamte unüberbaute Egelsee-Areal als Bauplatz für ein zukünftiges neues Schulhaus
1958 lag ein erstes Projekt vor; es umfasste:

  • Ein Gewerbeschulhaus mit 6 Klassenzimmern und allen dazu gehörenden Nebenräumen
  • Ein Primarschulhaus mit 12 Klassenzimmern, wovon 6 für Abschlussklassen und allen dazu gehörenden Nebenräumen
  • Ein Singsaal
  • Eine Turnhalle mit Spielwiese und Turnplatz
  • Ein Kindergarten.

Interessanterweise errang mit Edwin Schoch, Zürich, das Projekt desselben Architekten den ersten Preis, der auch das PSZ Wehrli erbaut hatte.

Am dringendsten erschien der Bau des Gewerbeschulhauses; dieses sollte darum als erstes realisiert werden (siehe weiter unten).
13 Jahre später, im Januar 1970 beschlossen die Stimmbürger einen Planungskredit für die Durchführung eines Wettbewerbs zur Erlangung von Entwürfen für ein Abschlussklassenschulhaus mit Sporthalle und Kleinhallenbad im „Egelsee“, und am 5. März 1972 war es so weit: An der Urne wurden mit grossem Mehr rund 15 Mio Fr. für das Projekt der Architekten Scherrer + Hartung bewilligt. Mit dem Bau wurde umgehend begonnen. Noch waren die Bauarbeiten längst nicht abgeschlossen, als 1973, eineinhalb Jahre später, die ersten Klassen einzogen: Der extreme Mangel an Schulraum liess keine andere Wahl.


Modellansicht von Südwesten (rechts das bestehende Gewerbeschulhaus von 1960)

Das verwirklichte Bauprogramm umfasste:

  • 12 Schulzimmer
  • 6 Räume für die Seminarübungsschule für Abschlussklassen
  • 3 Räume für Arbeitsschule und Hauswirtschaft
  • 3 Werkstätten
  • 1 Vortragsraum / Singsaal
  • 1 unterteilbare Dreifach-Turnhalle
  • 1 Hallenbad mit Schwimmer-, Nichtschwimmerbecken und Sprungbucht
  • 1 Abwartwohnung
  • 1 Auto-Einstell­halle, nutzbar auch als Schutzraum für 400 Personen
  • 1 Tuberkulosenuntersuchungsstelle
  • 1 Sauna (zur Verpachtung)

In der Begründung zur Botschaft betonte die Schulvorsteherschaft insbesondere:

  • Wie die Sekundarschule umfassen die Abschlussklassen Schüler des 7./8. und 9. Schuljahres. Jetzt sind diese Klassen auf drei Schulanlagen in Kreuzlingen verteilt. Aus betrieblichen Gründen drängt es sich auf, die Klassen in einem Schulhaus zu­sam­menzufassen. Was für die Sekundarschüler recht ist, ist für die Abschluss­klas­senschüler billig.
  • Auf allen Schulstufen besteht schon jetzt ein grosser Bedarf an neuem Schulraum, sodass der Bau eines Schulhauses unaufschiebbar ist. (...) Durch diesen Schulhausbau werden in den bestehenden Schulzentren Zimmer frei, die für neu zu bildende Primarschulklassen benötigt werden.
  • Zu einer Schulanlage der vorgesehenen Grösse gehören zwei Turnhallen. Es sind in dieser Anlage deren drei vorgesehen, um auch den Schülern des Schreiber- und Wehrlischulhauses sowie des Rosenegg und Felsenschlössli zu ermöglichen ihre Turnhstunden vorschriftsgemäss durchzuführen. (...)
  • Der Schwimmunterricht gehört heute zur unbestrittenen Ergänzung des Schulturnens. Das Hallenbad wird von allen Schulklassen in Kreuzlingen benützt werden.
  • (...) Unsere Schüler und die weitere Öffentlichkeit erhalten durch diese Anlagen gute Möglichkeiten körperlicher Betätigung. (...)

Der Zusammenzug der in ganz Kreuzlingen verteilten Abschlussklassen ermöglicht es, das Anschauungsmaterial und die Apparate rationeller einzusetzen. Er wertet aber auch die Abschlussklassen als Teil unserer Oberstufen auf. Es gilt als selbstverständlich, dass die Sekundarschulklassen in einem eigenen Schulhaus zusammengefasst sind. Als Parallelstufe haben die Abschlussklassen ein Anrecht darauf, unter ähnlichen Voraussetzungen unterrichtet zu werden.
[Anm. d. Verf.: Der vorstehende Abschnitt wirft ein Licht auf die Situation der Abschlussklassen zu Beginn der 1970er-Jahre: Sie wurden von jenen Jugendlichen besucht, die es nicht in die Sekundarschule geschafft hatten; diese schlossen ihre Schulzeit während zwei oder drei Jahren nach der Primarschule ab. Noch hatte sich die Erkenntnis nicht allgemein durchgesetzt, dass sie Anspruch auf einen eigens auf sie zugeschnittenen Unterricht hatten. Erst wirtschaftliche Bedürfnisse und pädagogische Entwicklungen führten schliesslich dazu, dass das Potential dieser Jugendlichen und ihr Anspruch auf entsprechende eigene Schulformen erkannt wurden.]



1974/75 wurde die Schulanlage Egelsee erstellt. Der Raummangel war so gravierend, dass sie schon während des Baus etappenweise bezogen wurde. Kaum fertig, war die Anlage voll ausgelastet, erwies sich aber alltags- und zukunftstauglich: Als dreissig Jahre später die Durchmischung der Oberstufe eingeführt wurde, waren nur wenige Umbauten nötig, um die Anlage den neuen Strukturen anzupassen.
Mit einem Volksfest in der Dreifachturnhalle konnte das Egelseeschulhaus im August 1975 eingeweiht werden, und die feierliche Enthüllung des Reliefs von Morandini über dem Eingang zum Hallenbad schloss den Bau des Zentrums endgültig ab. Das neue Schulzentrum markierte auch die Entwicklung der Oberstufe zu einer eigenständigen und vollwertigen Schulart.
Damit war jedoch die Schulraumnot der Oberstufe keineswegs gebannt: Die Sekundarschule platzte aus allen Nähten... noch für Jahre! Die wirtschaftlich schwierigen Jahre liessen das Volk nur noch sehr zurückhaltend Krediten für Schulbauten zustimmen.

Drei Turnhallen und ein Hallenbad!
Das Unterrichtsgesetz von 1875 schrieb zwei wöchentliche Turnstunden vor. Es hatte jedoch einige Zeit und viel Überzeugungsarbeit gebraucht, bis davon auch die Mädchen profitieren konnten. Für die Knaben kam im Lauf der Zeit eine dritte Turnstunde hinzu.
Im Botschaftstext hiess es dazu: Es steht fest, dass weder im Wehrli- noch im Schreiberschulhaus die Turnstunden für die Schüler den Vorschriften gemäss erteilt werden können. (...) Den beiden Klassen im Rosenegg und der Übungsschule im Felsenschlössli steht kein eigener Turnraum zur Verfügung. (...)

Aus einem Schulaufsatz im eben bezogenen Schulhaus: Als wir am zweiten Tag in die Schule kamen, störte uns der Lärm von der Baustelle. Wenn wir aber zum Fenster hinaus schauen, sehen wir einen grossen Kran, der Sand, Teer, Werkzeuge und Holz transportiert und jedesmal hupt, wenn er irgendwo etwas abladen muss. An dem gegenüberliegenden Gebäude sind noch Gerüste angemacht. Dann muss der Lehrer uns ermahnen, wir sollen schreiben und nicht zum Fenster hinaus „gaffen“. Wenn wir dann Pause haben und in den Gang hinaustreten, ertönen die Fräsen und Hämmer. Dann schauen wir den Arbeitern ein bisschen zu und gehen auf den Pausenplatz, der gleichzeitig Veloplatz und Strasse ist. (...)

Und: Es kann als sicher angenommen werden, dass den Mädchen in Zukunft aufgrund gesetzlicher Vorschriften drei statt zwei Turnstunden erteilt werden müssen. Damit würden Buben und Mädchen gleich behandelt. (...) Im Schuljahr 1973/74 wurde dies endlich realisiert.
[Anm. d. Verf.: Vielen Thurgauern, auch vielen Lehrern waren solche Forderungen nach Gleichbehandlung von Mädchen und Knaben noch suspekt; da war dann rasch von Gleich-Schaltung die Rede, wurden die unterschiedlichen Bedürfnisse der beiden Geschlechter betont, und nicht selten wurde Nase rümpfend auf den kommunistischen Osten verwiesen.]
Mit dem Bau des Hallenbades mit einem Schwimmbecken von 25 x 11 m bewies Kreuzlingen Weitsicht: Es erlaubt einen vielfältigen Schwimmunterricht das ganze Jahr hindurch und steh der Bevölkerung ausserhalb der Schulzeit zur Verfügung. Das Angebot wurde und wird gut genutzt, und 2012 erscheint vielen Kreuzlingern der Ausbau zu einem Hallenbad mit 50m – Becken als dringend. 

 

 

Gewerbeschule
Ende des 19. Jahrhunderts besuchten die jungen Männer nach Beendigung der obligatorischen Schulzeit bis zum 18. Altersjahr die obligatorische Fortbildungsschule. Die meisten taten dies nur widerwillig, entsprechend häufig waren Klagen über Störefriede.
Die Gewerbliche Fortbildungsschule hingegen diente Lehrlingen zur Aneignung derjenigen Kenntnisse und Fertigkeiten (...), welche als Vorbildung für den Betrieb eines Gewerbes, besonders eines Handwerks, wünschenswert sind.
Der Unterricht wurde von Primarlehrern erteilt, zusätzlich zur Führung ihrer Schulklasse. Ab 1955 unterrichtete an der Gewerbeschule erstmals ein hauptamtlicher Gewerbelehrer: Primarlehrer Heinrich Schaub. Nebst seinem Pensum von 30 Wochenstunden oblag ihm auch die organisatorische Leitung der Schule!
In den 50er-Jahren wuchs der Schülerbestand stetig, und die Raumnot wurde unerträglich.


Gewerbeschulhaus (Modellansicht 1961)

Mit dem neuen Gewerbeschulhaus an der Gaissbergstrasse erhielt diese Schule 1962 den ihrer Bedeutung entsprechenden Raum... und die Abschlussklassen durch die Aufstockung des Neubaus um ein fünftes Stockwerk zwei dringend benötigte Schulzimmer.
Während der 70er-Jahre begann auch die Gewerbliche Berufsschule, wie sie nun hiess, unter Raummangel zu leiden. Den Kredit für einen Architektenwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein neues Gewerbliches Berufsschulhaus östlich der Rosenegg lehnten die Stimmbürger 1978 ab.
1986 erst konnte wenigstens der An- und Ausbau des bestehenden Schulhauses an der Gaissbergstrasse realisiert werden: Damit erhielt die Berufsschule einen zweckmässigen, voll ausgerüsteten Informatikraum (...). Im Anbau wurde im Parterre eine völlig neue „Cafeteria“ geschaffen, in welche die mächtige Betonplastik geschickt integriert wurde. Darüber konnten zwei zusätzliche Schulräume eingerichtet werden.
Nach dem Umzug der Berufsschule in den Neubau an der Gaissbergstrasse 8 bei der Rosenegg „erbte“ die Realschule 1997 den Informatikraum. Das Schneiderinnen-Lehratelier, das während vieler Jahre an der Bergstrasse eingemietet war, zog ebenfalls in den Neubau, der heute als Bildungszentrum für Bau und Mode (www.bbm.tg.ch) firmiert.
1993 beschloss der Gemeinderat der Stadt Kreuzlingen die Zusammenlegung der Volksbibliothek mit jener der Gewerblichen Berufsschule und 1996 löste die Stiftung Stadtbibliothek Büecherbrugg den Verein Volksbibliothek ab. Die Nutzung der verschiedenen Ausleihmedien stieg in der Folge rasant.
2002 wurden die Berufsschulen kantonalisiert, was für Kreuzlingen zu einer gewissen finanziellen Entlastung führte, da die Defizitbeiträge nun vom Kanton zu berappen waren. Seither leistet die Schulgemeinde Kreuzlingen einen Beitrag von maximal 120 000 Fr. an die jährlichen Betriebskosten (40 % davon die Oberstufengemeinde).

Realschule
Die Primarschul-Oberstufe hatte sich zur Abschlussklassenschule gemausert. Das Unterrichtsgesetz von 1978 führte dazu, dass sich die Oberstufengemeinden Kreuzlingen, Bottighofen und Lengwil zur gemeinsamen Oberstufengemeinde Kreuzlingen zusammenschlossen, siehe auch SSZ Remisberg. Diese wurde 1981 handlungsfähig. Der Zusammenschluss ermöglichte eine Koordination zwischen den drei Schultypen der Oberstufe:

Sekundarschule

+

Realschule
(Abschlussklassen)

+

Sonderklassen
Oberstufe

Der neue Name „Realschule“ markierte deren Anerkennung als eigenständige Schulstufe, und sie bildete einen ersten Schritt hin zur heutigen durchmischten Sekundarschule.
In den folgenden Jahren entwickelte sich die Realschule tiefgreifend: Augenfällig ist dies z. B. im wachsenden Angebot von Frei- und Wahlpflichtfächern, mit dem die Egelseeschule den Interessen ihrer Schülerschaft Rechnung trug. Daneben wurden eine Fülle von Klassenprojekten und Schulhausveranstaltungen durchgeführt. Die 1989 eingerichtete reichhaltig do­tier­te Bibliothek erfreute sich von Beginn weg grossen Zuspruchs... und noch im selben Jahr entwickelte Walter Lüthi ein Programm für die computerisierte Ausleihe.
Ab 1991 wurde, dem neuen Lehrplan entsprechend, der Werkenunterricht koedukativ erteilt.

Mehr Natur!
In den 70er-Jahren galt es als modern, schön, praktisch, usw.; später wurde das Egelsee von manchen als hässliche Betonlandschaft empfunden. 1991 planten Lehrerschaft und Landschaftsgärtner gemeinsam eine naturnahe Begrünung und abwechslungsreiche Gestaltung und Nutzung (Biotop, Brunnen, Sitzecken, Spielmöglichkeiten wie Schach, Mühle und Tischtennis) der Umgebung. Der Schulgarten wurde neu angelegt, erhielt einen Kräutergarten, einen Sträucherlehrpfad und den damals üblichen Teich. Gleichzeitig wurde der Zugangsbereich zu Schulhaus, Turnhallen und Schwimmbad überdacht... als Schutz vor der als Niederschlag sich äussernden Natur.

Zusammenarbeit
Das 1997 (endlich) bezogene Oberstufenzentrum Remisberg vereinigte je sechs Real- und Sekundarschulklassen unter dem selben Dach. Doch sollten diese einander nicht nur räumlich näher kommen: Eine zunehmende Zusammenarbeit sollte einerseits harmonisch wachsen und war gleichzeitig Ziel einer gemeinsamen Kommission von Behörde und Lehrerschaft.
Auch die Lehrkräfte im Egelsee hatten im Schuljahr 1996/97 eine neue Entwicklung ange­stossen, das im Kanton als „Kreuzlinger Modell“ bekannt wurde: Um die Schülerinnen und Schüler gezielter fördern zu können, wurde ein Niveau-System entwickelt: Geometrie und Mathematik wie auch ein Teil der Deutsch- und Französischstunden wurden in fünf Niveaugruppen erteilt, und zur Förderung des sozialen Zusammenhalts organisierte die Schule vermehrt gemeinsame Aktivitäten aller Klassen. Daneben wurde der „Elternstamm“ ins Leben gerufen: An bis zu vier jährlichen Veranstaltungen beschäftigten sich Eltern und Lehrkräfte gemeinsam mit aktuellen Themen.
Auch mit der Sekundarschule Pestalozzi intensivierten sich die Kontakte. Der 1982 erstmals durchgeführte Schulsporttag der gesamten Obertstufe war rasch Tradition geworden. Und ab 1998 führten die beiden Schulen jährlich eine gemeinsame Projektwoche durch.
Die Errichtung des Oberstufenzentrums Remisberg beendete für das 10. Schuljahr auch das langjährige Provisorium im Wehrlischulhaus und in verschiedenen Standorten in Kreuzlingen: Es konnte nun im obersten Geschoss des Schulhauses Egelsee untergebracht werden, siehe auch Kreuzlinger Schulen.
Mehr Lehrkräfte, vermehrte Zusammenarbeit, die geplante Einführung der Schulleitung: Das ursprüngliche Lehrerzimmer genügte den erweiterten Bedürfnissen nicht mehr. Ein im Jahr 2000 errichteter Anbau an der Nordmauer des Hallenbades nahm einen neuen Aufenthaltsraum und Arbeits- und Vorbereitungsräume für die Lehrkräfte auf.

Geleitete Schule
Der Einsatz von Schulleitungen, in den meisten Ländern „schon immer“ selbstverständlich, wurde um die Jahrtausendwende auch in den Schweizer Kantonen Realität. Der Jahresbericht 2002 markiert den Beginn dieser wesentlichen Entwicklung des Thurgauer Schulwesens: Auf Beginn des Schuljahres 2002/03 konnten wir im Oberstufenzentrum Egelsee das Projekt Geleitete Schule in Angriff nehmen. Schwerpunkt dieses kantonalen Projektes ist es, Schulen Handlungs- und Entscheidungsfreiraum und zeitliche als auch finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, damit sie professionell vor Ort geleitet werden können. Mit der Schulleitungsaufgabe wurde Herbert Kammacher (...) beauftragt. Zu den Zielen des OZ Egelsee gehören unter anderem eine vermehrte Zusammenarbeit mit den Eltern und der Berufswelt sowie die Sicherung der Unterrichtsqualität. Das Lehrerteam hat zusammen mit Behördemitgliedern einen dreijährigen Schuentwicklungsplan ausgearbeitet und begonnen, die angestrebten Ziele zu realisieren. (...) Mit dem Schulleiter steht den Eltern nun eine susätzliche Ansprechperson an der Schule zur Verfügung. Schon im ersten Jahr wurde die kollegiale Hospitation (gegenseitige Schulbesuche der Lehrkräfte) eingeführt und konnte ein Elternrat gebildet werden. 2004 regelte das Egelsee die Eltern-Mitarbeit.

Provisorien
Jahre lang wurden in den Schulzentren Pavillons aufgestellt, meist als Notlösung, oft auch mit der Begründung, ein solcher könne bei Bedarf kostengünstig umplatziert werden. Meist dauerten die Pavillonprovisorien sehr lange, doch gelegentlich kam es zu einem Umzug; so wurde 2004 der im Schreiberschulhaus frei gewordene Schulpavillon ins Egelsee versetzt und diente hier nun der neuen Kleinklasse.

 

 

Quellen:

  • Abstimmungsunterlagen 4./5. März 1972
  • M.Bürgi et al. (Hrsg.): Kreuzlingen, 2001
  • Beilage zum Thurgauer Volksfreund, Freitag, 29. August 1975

 

 

Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013

Schulgemeinde Kreuzlingen | Pestalozzistrasse 15 | 8280 Kreuzlingen | 071 677 10 00