Geschichte
Vorschule
Hort und Krippe
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Die beiden Begriffe sind nur schwer voneinander abzugrenzen. Meist werden unter der Bezeichnung Kinderkrippe oder Kindertagesstätte berufskompatible Angebote verstanden, welche die Kinder in der Regel den ganzen (Arbeits-)Tag über betreuen.
Horte, Kinderhorte, Mittagshorte betreuen Schulkinder ausserhalb der Schulzeiten. Ursprünglich waren die Kinderhorte für sozial benachteiligte Kinder gedacht. Deren heutige Nutzung ist mehr eine Folge des veränderten Rollenverständnisses: Die Berufstätigkeit beider oder allein erziehender Eltern erfordert eine ausserhäusige Kinderbetreuung. Für viele Eltern ist eine gute das Familienleben ergänzende Betreuung selbstverständlich geworden.
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1940 |
entstand auf private Initiative hin eine Kinderkrippe, die in der Rosenegg untergebracht wurde. Der erste Kinderhort, ebenfalls privat geführt, war eine Zeit lang im Lokal der Evangelischen Gemeinschaft am Bachweg beheimatet. |
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1942 |
Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges führte zu einer Zunahme der Erwerbstätigkeit der Frauen. Dies wiederum hatte eine starke Inanspruchnahme der Kinderkrippe zur Folge. Der Platzbedarf stieg, so dass ihr das alte Pfarrhaus bei der evangelischen Kirche zur Verfügung gestellt wurde. |
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1944 |
erfolgte die Gründung des Vereins Kreuzlinger Kinderkrippe. Die Schulgemeinde stellte diesem das ehemalige evangelische Pfarrhaus an der Bärenstrasse zur Verfügung; der Hort verblieb im Rosenegg-Schulhaus. |
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1946 |
wurde das Kinderheim gegründet. Es war bis im Herbst 1955 im Haus „Tannegg“ im Bellevue-Park untergebracht. |
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1950 |
mussten 12 bis 15 Kinder des Kindergartens und der 1. Klasse, deren Mütter während des Tages ihrer Berufsarbeit nachgingen, ausserhalb der Schulzeit in der ohnehin überfüllten Kinderkrippe betreut werden. Der Versuch, die zu betreuenden Kinder privat zu platzieren, misslang kläglich. Deshalb richtete die Schulvorsteherschaft auf Antrag des Vereins Kreuzlinger Kinderkrippe einen eigenen Kinderhort ein. |
Drei Gründe waren im Antrag des Vereins besonders hervorgehoben worden:
Zunehmender Strassenverkehr
Zunehmende Berufstätigkeit der Mütter. Gegen diese unerfreuliche Entwicklung können wir nichts ausrichten. (!)
Die Eltern schenkten seit dem Krieg der Erziehung grössere Beachtung; dabei würden sie ihre Kleinen häufig verwöhnen.
Der Kinderhort sollte zwar eine Abteilung der Kinderkrippe doch von dieser räumlich getrennt sein. Die Betreuung durch eine qualifizierte Kraft erfolgte von 06.30 - 08.30 und von 16.30 - 18.30 Uhr. Von den Eltern wurde pro Kind und Tag eine Taxe von 50 Rappen erhoben.
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1951 |
stellte die Schulbehörde bis auf weiteres für die Errichtung eines Kinderhortes die Wohnung im Roseneggschulhaus zur Verfügung. |
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1955 |
erfolgte der Kauf der „Felsenburg“ für Fr. 220 000; für 130 000 Fr. wurde diese dem Verein überlassen, der ihn bis heue nutzt. |
Immer mehr Eltern nutzten Kinderkrippe und Kinderhort; deren Raumbedarf stieg entsprechend an.
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1962 |
bewilligten die Stimmbürger den Bau einer Kinderkrippe/Kinderhort an der Bärenstrasse. |
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1968 |
wurde der Kauf der Liegenschaft Hafenstrasse 14 bewilligt. Darin sollte eine Kinderkrippe eingerichtet werden. |
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Seit 2007 |
führt der Verein Kreuzlinger Kinderkrippe in enger Zusammenarbeit mit der Schulgemeinde in jedem der vier Primarschulzentren von Montag bis Freitag während der Schulwochen Horte. Diese bieten ausserhalb der Schulzeit eine Kinderbetreuung mit Mittagstisch. |
Ein zentraler, von der Primarschulgemeinde finanzierter Hort in der Rosenegg nimmt das ganze Jahr über von 6.30 Uhr bis 18.30 Uhr Kinder auf.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Kindergarten
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
[Anm. d. Verf.: Die einzelnen Kindergärten sind in die Chroniken ihrer Primarschulzentren integriert.
Hier folgt eine Übersicht über die Entwicklung des Kindergartenwesens in Kreuzlingen.]
Die Schweizerische Bundesverfassung führte 1874 die allgemeine Schulpflicht ein.
Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich die Art der Berufsarbeit für einen Grossteil der Bevölkerung stark verändert: Eine zunehmende Anzahl Werktätiger arbeitete in Betrieben fern ihrer Wohnstätte. Die Abwesenheit des Vaters Tags über wurde selbstverständlich, auch viele Mütter arbeiteten in Fabriken und Werkstätten. Daraus entstand das Bedürfnis nach Betreuung und Miterziehung der noch nicht schulpflichtigen Kinder.
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1872 |
Im Dorf Kurzrickenbach wird erstmals die Einrichtung eines Kindergartens angedacht, doch scheitert dessen Einführung am Mangel eines geeigneten Lokals. |
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1894 |
Im Dorf Emmishofen bildet sich unter Führung des Pfarrerehepaars Vömel ein „Comité“, das im Januar 1894 eine Kleinkinderschule für Mädchen und Knaben von 3 bis 6 Jahren eröffnet. Es wird darin wohl in christlichem Sinne unterrichtet, doch werden die Kinder ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit oder sozialen Schicht aufgenommen. Das Schulgeld, anfangs wöchentlich 25 cts., wird in der Folge nach den Vermögensverhältnissen bemessen.
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1912 |
gelangt Pfarrer Vömel mit der Bitte an die Schulbehörden, „seinen“ Kindergarten mit einem jährlichen Beitrag zu unterstützen. Wahrscheinlich wird dem Begehren statt gegeben. Kreuzlingen selber führt seit 1907 zwei Kindergartenabteilungen. |
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1926 |
Mittlerweile hat die Schulgemeinde die Verantwortung und damit verbunden auch die Finanzierung der Kindergärten übernommen: Am 26. Mai verabschiedet die Schulvorsteherschaft Statuten für den Kindergarten Kreuzlingen. Auszüge daraus: Die Kindergärten stehen unter der Oberaufsicht der Primarschulvorsteherschaft. (...)
Die unmittelbare Aufsicht führt eine von der Schulvorsteherschaft gewählte Frauenkommission von 5 – 9 Mitgliedern. (...) Die Kindergärten stehen unter der Leitung von fachmässig ausgebildeten und diplomierten Kindergärtnerinnen, welche verpflichtet sind, während der angesetzten Stunden sich gewissenhaft und ganz der Beaufsichtigung und erzieherischen Pflege der ihnen anvertrauten Kinder zu widmen. . (...) Zur Förderung im Berufe ist den Kindergärtnerinnen gestattet, viermal im Jahre die Schule je einen Tag einzustellen zum Besuche von Kindergärtnerinnenkonferenzen oder auswärtigen Kindergärten. (...) Es ist darauf Bedacht zu nehmen, dass Kinder, welche im Laufe des ersten Schuljahres wegen Schwachheit aus der Primarschule zurückgewiesen werden müssen, im Kindergarten noch Aufnahme finden. Der Besuch der Schule ist für alle Kinder unentgeltlich.. Für jede Abteilung (...) soll die Kinderzahl in der Regel nicht mehr als 40 betragen. Liegen zu viele Anmeldungen vor, so entscheiden das Alters und besonders auch die häuslichen Verhältnisse, wie zum Beispiel Arbeit der Mutter ausserhalb des Hauses, Krankheit oder Tod derselben usw. (...) Die Eltern sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Kinder stets in ganzen und reinlichen Kleidern, gewaschen und gekämmt in der Schule erscheinen. (...) |


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1933 |
Im Untergeschoss des Schulhauses eröffnet Kurzrickenbach seinen Kindergarten. Der zweite Weltkrieg und andere Bauaufgaben der Schulgemeinde sorgen dafür, dass dieses Provisorium über viele Jahre hinweg Bestand haben wird... |
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1934 |
Der Kindergarten Emmishofen wird ins Erdgeschoss der Weinburg verlegt. Das bisherige Kindergartengebäude wird verkauft; der Erlös soll für den Um- und Ausbau des Kindergartens Bachweg verwendet werden. |
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1935 |
Im Herbst kann der vollständig erneuerte und um eine Abteilung erweitere Kindergarten am Bachweg wieder bezogen werden. (PSZ Wehrli). Insgesamt 164 Kinder besuchen die vier Kreuzlinger Kindergärten. |
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1946 |
Im April erscheint im Thurgauer Volksfreund ein Bericht, der eine Diskussion auslöst, die zeigt, dass sich seit der Gründung der „Kleinkinderschule zu Emmishofen“ Aufgaben und Ziele des Kindergartenunterrichts ebenso geändert haben, wie die sozialen Gegebenheiten:
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1947 |
228 Kinder besuchen die Kindergärten in 5 Abteilungen; 15 Kinder werden wegen Platzmangels zurückgestellt. Auf Antrag der Kindergartenkommission wird eine neue provisorische Abteilung geschaffen. |
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1950 |
Frl. Doris Loehle, Kindergärtnerin in Frauenfeld, informiert in einem Vortrag vor dem „Bund der thurgauischen Frauenvereine“ über die Situation der Kindergärten im Thurgau. Danach führen die 174 Schulgemeinden insgesamt 58 Kindergartenabteilungen, von denen 35 in eigens dafür erstellten Gebäuden installiert sind und somit auch mehr oder weniger zweckentsprechend eingerichtet sind.
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1951 |
Die Kindergartenkommission weist darauf hin, dass 1952 die Eröffnung einer siebten Abteilung dringend sein wird. |
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1953 |
Zu Beginn des Schuljahres 52/53 werden 42 Kinder wegen mangelnder Schulreife nicht in die erste Klasse aufgenommen, 10 Kinder müssen während des ersten Schuljahres zurückgestellt werden. Für die grossen Kindergartenklassen bedeuten diese Kinder eine zusätzliche Belastung. Die Idee eines „Schulkindergartens“ kommt auf. Darin sollen diese Kinder in kleineren Klassen besser gefördert und auf die Anforderungen der 1. Klasse vorbereitet werden. |
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1957 |
Eröffnung des Kindergartens Paulisgut mit zwei Abteilungen an der Ecke Kamor-/Rebenstrasse (PSZ Seetal). |


Im Paulisgut
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1963 |
Eröffnung des ebenfalls zweiteiligen Kindergartens Freieweg (PSZ Schreiber). |

Freieweg
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1966 |
Abbruch des Kinderkrippengebäudes an der Bärenstrasse. |
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1969 |
In ihrem Planungsbericht hält die Primarschulvorsteherschaft fest sie strebe an, dass der Kindergarten während zwei Jahren besucht werden können. |
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1970 |
Zusammen mit der neuen Schulanlage Seetal wird der Doppelkindergarten Kurzrickenbach eingeweiht. |
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1971 |
Die Einführung eines Schulreifetests für Kindergartenkinder wird abgelehnt, weil die Abklärungen der fraglichen Kinder beim Schulpsychologischen Dienst zu lange dauern. In der Rosenegg sind neben zwei Unterstufenklassen eine Kindergartenabteilung und der Kinderhort untergebracht, siche auch Hort und Krippe. |
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1972 |
Eröffnung des zweiteiligen Kindergartens an der Finkernstrasse (PSZ Wehrli). Auch findet ein in einem Pavillon untergebrachter provisorischer Kindergarten am Zoll Erwähnung. |
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1974 |
Eröffnung der beiden Doppelkindergärten an der Burgstrasse 21 (PSZ Seetal) und beim Schulhaus Weinburg an der Rosgartenstrasse 53 (PSZ Bernegg). |
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1975 |
Zur Abklärung der Schulfähigkeit im Rahmen der normalen Kindergartenarbeit kann vom Schulpsychologischen Dienst ein entsprechendes Arbeitsheft bezogen werden. Über Jahre hinweg wird die Art und Weise diskutiert werden, mit der Schulreife und Schulbereitschaft zum Zeitpunkt des vorgesehenen Übertritts in die erste Klasse festgestellt werden sollen. |
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1980 |
Mit der Inkraftsetzung des neuen Unterrichtsgesetzes werden die Kindergärten Teil der öffentlichen Schule, und die Kindergärtnerinnen gelten endlich als Lehrerinnen. Der Thurgauische Kindergärtnerinnenverband wird gegründet.
Im Schuljahr 1980/81 beginnt ein dreijähriger Versuch „Deutschunterricht für Ausländerkinder“: Um den fremdsprachigen Kindern die Integration in die Kindergartengruppe und später den Schuleintritt zu erleichtern, (...) erhalten sie zweimal pro Woche während einer halben Stunde, vor oder nach dem Kindergarten, spielerischen Deutschunterricht, erteilt durch die eigene Kindergärtnerin. Der Besuch der Deutschstunden ist freiwillig (...).
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1992 |
In den 90er-Jahren beginnen Kindergärtnerinnen einen wöchentlichen Waldtag oder Seeufertag einzuführen, um die Kinder Natur „hautnah“ erfahren zu lassen... bei jedem Wetter.
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1995 |
Erstmals nehmen die Kindergärten alle angemeldeten 348 Kinder auf. Dies führt in einzelnen Abteilungen zu sehr grossen Klassen, was das Eingehen auf die Bedürfnisse des einzelnen Kindes doch sehr erschwert. |
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1998 |
Eröffnung des zweiteiligen Kindergartens Lummerland an der Storenstrasse (PSZ Wehrli). |
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2000 |
Das freiwillige zweite Kindergartenjahr wird auch in Kreuzlingen eingeführt, was unter anderem dazu führt, dass beim Schulhaus Emmishofen nun ein Pavillon für die dritte Kindergartenabteilung steht. |
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2001 |
Was sich seit langem angekündigt hat, beginnt sich mit Beginn des neuen Jahrhunderts/Jahrtausends zu verwirklichen: Die grosse Bedeutung des Kindergartens als „Sozialisierungsstätte“, als Vorbereitung auf die kommende Schulzeit und für die gezielte Förderung wesentlicher Basisfähigkeiten und Fertigkeiten wird erkannt und anerkannt. Dies führt zur Einführung eines Kantonalen Lehrplans für den Kindergarten und in Kreuzlingen zusätzlich zu einem Pflichtenheft für die Kindergartenlehrkräfte.
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2002 |
Die Schulische Heilpädagogik wird auf den Kindergarten ausgedehnt. |
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2003 |
Eröffnung eines weiteren Kindergartens im PSZ Seetal, südlich der Hauswartwohnung. |

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2005 |
Um auch auf der Kindergartenstufe den deutschen Spracherwerb aktiv zu unterstützen, wurde das sogenannte „Kon-Lab-Programm“ eingeführt, mit welchem auf spielerische Art und Weise eine frühe Sprachförderung möglich ist. Mit Hilfe des gezielten Einsatzes spielerischer Mittel sollen der Spracherwerb unterstützt und Sprachentwicklungshemmungen ausgeglichen werden. |
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2009 |
Die rege Bautätigkeit im Westen führt zur Eröffnung eines Kindergartens am Zeppelinring im Quartier Ribi/Brunegg. |
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2010 |
Ein neues Lehrmittel: „Lezus“ arbeitet gezielt an der Sprachförderung in Vorschule und Kindergarten und begleitet die Lauterfassung bis zur Schrift indem es sich am normalen kindlichen Spracherwerb orientiert. |
Quellen:
- Jahresrechnungen und Jahresberichte der Schulgemeinde Kreuzlingen
- Diverse Akten Schularchiv
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Kreuzlinger Schulen
Ende 19. Jh.
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Schwierige Anfänge
1875 wurde im Thurgau die sechsjährige Primarschule als Alltagsschule eingeführt. Daran anschliessend mussten die Mädchen zwei, die Knaben drei Jahre lang die Sommerrepetier- und Winter-Alltagsschule besuchen. Kreuzlingen erklärte schon 1914 das Ganzschuljahr für die siebte und achte Klasse für obligatorisch. Die Mädchen hatten nach acht Jahren ihre Schulpflicht erfüllt, nicht aber die Burschen: Diese besuchten bis zum 18. Altersjahr im Winter während vier Unterrichtsstunden pro Woche die Fortbildungsschule, siehe auch Schultypen im 19. Jh..
Der Schulunterricht erfolgte unter äusserst schwierigen Bedingungen. So waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts Klassengrössen von 80 und mehr Kindern verschiedener Jahrgänge durchaus normal (s. weiter unten). Erst als an den beiden erwähnten Schulen an der Bahnhofstrasse über 200 Kinder zu unterrichten waren, wurde eine dritte Lehrkraft angestellt, die im Erdgeschoss des Felsenschlössli einquartiert wurde.
Der Bau des Schreiberschulhauses 1908 ermöglichte schliesslich eine Reduktion der Klassengrössen auf rund 60 Kinder.
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Schul-Fond der Schulgemeinde Kreuzlingen pro 1890 |
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| Die Jahresrechnung gibt einige Hinweise auf Kosten und Geldwert jener Zeit. | |
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So listet der „Rechnungsgeber“ unter eingenommenen Mietzinsen auf (in Franken): |
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| Für den Schulhauskeller | 100.- |
| Für ein Unterrichtszimmer | 40.- |
| Für die Schulreben | 15.75 |
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Auf der Ausgabenseite fallen die Entschädigungen für Lehrkräfte auf: |
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| Besoldung und Wohnungsentschädigung an die Lehrer | 3450.- |
| Besoldung der Arbeitslehrerinnen | 392.50 |
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Entschädigung der Lehrer der obligatorischen und
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467.- |
| Beitrag an die Besoldung des Lehrers der Übungsschule | 600.- |
| Beitrag der Schulgemeinde an die Sekundarschule | 952.- |
| Beitrag der Schulgemeinde an die Alterskasse der Lehrer | 60.- |

Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
1900 - 1909
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift
Erster Zusammenschluss
Egelshofen + Kreuzlingen = Kreuzlingen
Am 21. Juli 1906 ordnete der Regierungsrat die Vereinigung der Schulgemeinden Egelshofen und Kreuzlingen an. Letztere erhob dagegen Rekurs. Doch wies das Bundesgericht diesen am 23. Mai 1907 ab, und die beiden Schulgemeinden vereinbarten:
- Vollständige Vereinigung zur neuen Schulgemeinde „Kreuzlingen“
- Zusammenführung der beiden Schulfonds und sämtlichen Grundbesitzes
- Führung von Schulen in beiden Ortsteilen
- Übernahme der Rechte und Pflichten hinsichtlich der Seminarübungsschule
Bereits in ihrem ersten Jahr beschäftigte der Bau eines Schulhauses die neue Behörde: Das Schreiberschulhaus. Beide Ortsteile zählten je vier Lehrer, die insgesamt etwa 700 Schüler unterrichteten – unter prekärsten Raumverhältnissen.

1908 wurde das „Legat Marschner sel.“ zur Unterstützung armer, braver Schulkinder der Primarschule gestiftet. Es war mit rund 600 Fr. dotiert...
1909 beschloss Kreuzlingen die unentgeltliche Abgabe der obligatorischen Lehrmittel in allen Klassen.
Nicht nur Primar- und Sekundarschule fielen in den Verantwortungsbereich der Behörde:
- Die Arbeitsschule wurde von 251 Schülerinnen in 20 Abteilungen besucht.
- Mittwoch nachmittags von 1 – 5 Uhr fand die Obligatorische Fortbildungsschule statt; sie umfasste 4 Abteilungen mit insgesamt 81 Schülern. Schüler der kaufmännischen oder gewerblichen Fortbildungsschule waren vom Besuch dispensiert.
- Im Rechenschaftsbericht pro 1914 heisst es: Hier sind die Zustände immer dieselben unerfreulichen. Gewisse Elemente können nur mit Zwang zur Schule getrieben werden. (...)
- Die Gewerbliche Fortbildungsschule bezweckt, die Aneignung derjenigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, welche als Vorbildung für den Betrieb eines Gewerbes, besonders eines Handwerks, wünschenswert sind. Die Schule kann besucht werden von Jünglingen des hiesigen und benachbarter Schulkreise. Neben den obligatorischen Fächern (Gesundheitslehre, Buchhaltung, Lesen und Aufsatz) wurden Kurse in Geometrischem Zeichnen, Projektions-Zeichnen, Freihandzeichnen, Bautechnischem Zeichnen und Mechanisch-Technischem Zeichnen angeboten ... teilweise auch am Sonntag. Mit dem Primarlehrer Heinrich Schaub unterrichtete ab 1955 hier erstmals ein hauptamtlicher Gewerbelehrer. Nebst seinem Pensum von 30 Wochenstunden oblag ihm die organisatorische Leitung der Schule!
- Seit 1907 führte Kreuzlingen eine freiwillige Töchter-Fortbildungsschule. Diese bezweckt, Mädchen vom 15. Altersjahre an Gelegenheit zu bieten, sich in weiblichen Handarbeiten, im Kochen etc. weiter auszubilden. Es wurden Kurse in Nähen und Bügeln erteilt.
- 1936 kam das freiwillige hauswirtschaftliche neunte Schuljahr dazu mit dem Ziel die jungen Mädchen wieder mehr dem Haushalt zuzuführen, bevor sie eine Berufslehre antreten konnten. Der praktische Unterricht in Kochen, Hauswirtschaft, Nähen, Glätten, Gartenbau, Säuglingspflege und der theoretische in Deutsch, Französisch, Rechnen, Buchhaltung, Lebenskunde, Gesundheits- und Ernährungslehre fördern die körperliche und geistige Entwicklung, wie auch die praktischen Fähigkeiten.
Zu Beginn der Sommerschule wurde an den Oberschulen das sogen. Zweiklassensystem eingeführt, d. h. ein Lehrer erhält jeweils nur zwei Klassen, statt wie bisher deren 3 bis 4. So kann der Unterricht viel intensiver betrieben werden, was namentlich für schwächere Schüler ein Vorteil ist (...)
Die Oberschule umfasste nun 6 Abteilungen, die Unterschule 5. In der Übungsschule wurden nach wie vor die Klassen 1 bis 9 gemeinsam unterrichtet, weil dies der Schulrealität vieler Gemeinden entsprach.
Die durchschnittliche Klassengrösse war vorübergehend von 80.5 (1907/08) auf 57 gesunken, was als durchaus komfortabel galt.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
1910 -1919
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
I. Weltkrieg (1914 – 1918)
Ab 1913 galt das Zweiklassensystem auch für die Primarschule und für die Kinder italienischer Muttersprache wurde eine eigene Abteilung eingerichtet.
Der 1914 im August plötzlich ausbrechende europäische Völkerkrieg führte zu einer starken Abwanderung der ausländischen Elemente in unserer Gemeinde. Die italienische Klasse musste darum durch deutsch sprechende Kinder ergänzt werden. Auch verlangsamte sich der begonnene Bau der Schreiberturnhalle, da die benötigten Arbeiter fehlten.
Die Abwanderung vieler Ausländer und der Geburtenrückgang während des Krieges liessen die Schülerzahlen sinken. Auch nach dem Krieg hielt der Rückgang noch einige Jahre lang an. Der Schülerhöchststand von 1913 sollte erst durch die Vereinigung mit den Schulgemeinden Kurzrickenbach (1926) und Emmishofen (1928) wieder erreicht werden.
Schon im ersten Kriegswinter wurde an die Schulkinder Pausenmilch abgegeben (für insgesamt Fr. 65.20). Aus dem „Legat Marschner sel.“ zur Unterstützung armer, braver Schulkinder der Primarschule wurden Fr. 12.- für den Kauf eines Paars Holzschuhe bezogen.

Die Abgabe von Milch und Brot im Winter wurde, ebenso wie jene von Schuhen, Jahrzehnte lang weitergeführt und gern genutzt: Bis im 1971 erhielten jährlich rund 30 bis 50 Kinder ein Paar währschafte Schuhe. Den wenigen noch daran interessieren Kindern wurde 1965 zum letzten Mal Pausenmilch abgegeben.
Frl. Marie Bächler demissionierte 1917 als Arbeitslehrerin... nach 40 Jahren Berufstätigkeit! Ihr wurde von der Schulvorsteherschaft der wohlverdiente Dank ausgesprochen und eine Gratifikation in Gold überreicht.
Dank eines Vermächtnisses und jährlicher Zuschüsse der Schulgemeinde konnte 1918 für die Schulkinder Kreuzlingens eine vorteilhafte Krankenversicherung abgeschlossen werden. Nicht unnötig bei dem schlechten Gesundheitszustand der Bevölkerung! So wurden z. B. 1923 bei der Kasse 459 Krankmeldungen gebucht, die sich auf 332 Mitglieder verteilen (bei etwas über 600 Schülern!). Zwei Kinder mussten hospitalisiert, 5 in ein Sanatorium gebracht werden. An 470 Schüler wurden 18‘800 Jodstarin-Tabletten verabfolgt mit dem Erfolge, dass bei 129 Kindern vollständige Heilung eintrat und bei 177 Kindern eine merkliche Besserung des Kropfleidens konstatiert werden konnte.
In der Botschaft von 1935 zur Statutenrevision der Kasse schrieb die Behörde: Diese (...) hat sich seither als äusserst segensreiche Institution für unsere Schulkinder erwiesen. Sie ist die einzige ihrer Art im Kanton Thurgau. (...)
Das Tätigkeitsgebiet der Kasse hat sich in der Folge nicht nur auf die statutengemässe Übernahme der Arztkosten beschränkt, man ist zur Gewährung von Beiträgen an die Anschaffung von Brillen übergegangen und heute ist eine sehr wichtige Aufgabe der Kasse die Finanzierung von Kuraufenthalten unserer schwächsten Kinder. (...)
In den dreissiger Jahren begann man mit der Röntgendurchleuchtung aller Drittklässler und der aus der Schule austretenden Jugendlichen, um tuberkulöse Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen. Lehrkräfte wurden regelmässig durchleuchtet...
In den 40er Jahren stiegen die Heilungskosten rapide an. Die Mitgliederbeiträge mussten angehoben werden, 1947 von 70 cts. auf Fr. 1.- pro Monat. Dennoch waren Defizite nicht mehr zu vermeiden, dies auch weil immer mehr Eltern ihre Kinder schon vor Erreichen des Schulalters freiwillig gegen Krankheit versicherten, eine an sich erfreuliche Entwicklung. Während Jahren sank der Mitgliederbestand und 1965 wurde die Kasse schliesslich aufgelöst.
Eine weitere soziale Einrichtung verdient Erwähnung: Zur Durchführung von Ferienkolonien erwarb die Schulgemeinde Kreuzlingen 1918 das Ferienheim im Fünfländerblick bei Grub (SG). Es sollte auch Kindern Erholung und Erlebnisse ermöglichen, die sonst während der Sommerferien zu Hause bleiben mussten.
Es wurde renoviert und schon im Juli/August für die ersten zwei Ferienkolonien benutzt. Diese Lagerwochen wurden von Lehrern (meist zusammen mit deren Frauen) geleitet und erfreuten sich bald grosser Beliebtheit. Während mehrerer Jahre wurden während der Sommerferien drei Lager durchgeführt. Es bürgerte sich ein, dass eine Mittelstufenlehrkraft wenigstens einmal in ihrer „Laufbahn“ ein solches Ferienlager leitete. Als die Bereitschaft dazu abnahm, wurde sie zu einem Thema bei Bewerbungsgesprächen...
1931 traten während der ersten Lagerwoche in der Nähe des Heims Fälle von Kinderlähmung auf, worauf die beiden folgenden Abteilungen an anderen Orten untergebracht wurden. Dabei zeigte es sich, dass die Unterbringung in fremden Ferienheimen nicht teurer kam als im eigenen Heim.

Zum „zwanzigjährigen Jubiläum“ der Ferienkolonie hielt die Behörde fest: (So) liegt das Heim an ruhiger und schöner Lage und bietet gute Spielmöglichkeiten, wie sie wenige Kolonien der Umgebung besitzen. ... fährt dann aber fort: Genügt unser Heim für die Versorgung bedürftiger Schulkinder? Die Antwort fällt verneinend aus, weil der Aufenthalt auf dem Fünfländerblick keine Luftveränderung bietet. (...) Soll das Heim verpachtet oder verkauft werden? (...) Immer wieder spielte die Schulvorsteherschaft mit dem Gedanken, den Fünfländerblick zu verkaufen und sich für die Ferienlager in anderen Heimen einzumieten. Nur: Während der Ferienwochen waren diese in der Regel nicht frei...
Mit den Jahren wuchs das Bedürfnis im Winter Ferienlager anzubieten. Die Schulgemeinde suchte darum nach einem Ferienheim, das sowohl im Sommer wie im Winter für Lager genutzt werden konnte.
1962 glaubte man sich am Ziel: Die Stimmbürger genehmigten den Ankauf eines Grundstücks in Oberberg/Parpan. Hier sollte ein Kreuzlinger Ferienheim in höherer Lage mit gesünderem Klima entstehen, das sich auch für Winterlager eignete. Nach dem Kauf wurde die Bauplanung hinausgeschoben, weil in Kreuzlingen andere dringende Bauaufgaben anstanden ... der Bau kam jedoch nie zu Stande.
Seit Jahrzehnten wird der Fünfländerblick nicht mehr nur für Ferienlager sondern auch während der Schulwochen für Schulverlegungen genutzt.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
1920 - 1938
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Die Schule Kreuzlingen entsteht
Auf Antrag der Lehrerschaft wurde 1920 die Schulsparkasse gegründet, in der die Schulkinder ihren Sparbatzen zu günstigen Zinskonditionen anlegen konnten. Während einiger Jahre waren fast die Hälfte aller Primarschüler Mitglieder der Kasse, doch in den 30er-Jahren konnte sie gegen die Konkurrenz der Banken nicht mehr bestehen. Schliesslich entschieden Behörde und Lehrerschaft, die Kasse auf den 1. Januar 1936 zu liquidieren.
| Schon früh hatte sich die Behörde mit dem Thema „Kinder mit Schulschwierigkeiten“ auseinandergesetzt. So führt die Rechnung für 1914 die Ausgabe von Fr. 1.75 für einen „Bericht über die Erziehung von Geistesschwachen“ auf.
[Anm. d. Verf.: Sprachregelung und Urteil haben sich glücklicherweise geändert.] |
Im Frühjahr 1921 beschloss die Schulgemeindeversammlung die Eröffnung einer Spezialklasse für schwachbegabte Kinder, (...) als Versuch gedacht. Als Beginn einer Hilfe für jene Kinder, die in den regulären Klassen dauernd mit den mannigfaltigsten Schwierigkeiten zu kämpfen haben und unterrichtlich niemals zu folgen vermögen, weil ihre Entwicklung andere Wege nimmt, als Eltern und Lehrer es sich wünschen. Diese „Sammelklasse“ sollte auch die grossen Klassen von den schwächsten Schülern entlasten und jene Kinder gezielt fördern, die dem Unterricht in Regelklassen nicht zu folgen vermochten. 39 Jahre lang betreute Albert Verdini allein diese Klasse, die erst 1960 durch eine zweite ergänzt wurde, dies namentlich auch weil die Gutbegabten ein Recht auf allseitige Förderung während ihrer Schulzeit hätten. 2010 bestanden je drei Sonderklassen (auch Kleinklassen genannt) an der Primar- und Sekundarschule.
1924 wurde die Schulzahnklinik eingerichtet. Die Untersuchung aller Schulkinder, erste Massnahme nach der Eröffnung, ergab das traurige Bild wie in der ganzen Ostschweiz, nämlich rund 98 % kranke Gebisse. Im zweiten Betriebsjahr wurden 278 Zähne gezogen (159 davon ohne Einspritzung), 36 Nerven getötet, erfolgten 8 Gangränbehandlungen (abgestorbenes Gewebe), 38 Kanalfüllungen, 12 Zahnbeinbehandlungen, 69 provisorische Füllungen, 164 Silikatfüllungen, 316 Amalgamfüllungen, 7 Zahnreinigungen und 1 Kronenersatz und 178 diverse Behandlungen ... bei einem Bestand von 683 Schulkindern.
Wenige Jahre später fand sich eine erfreuliche Anzahl gesunder Gebisse, auch waren die Zähne der Erstklässler unbedingt weniger schlecht (...).
Der Wechsel in der Leitung der Schulzahnklinik Ende 1932 veränderte deren Wirkungsweise: Zur Behandlung defekter Zähne kam nun die Aufklärungsarbeit über die richtige Ernährung und die Erziehung zu regelmässiger Zahnpflege. Rasch zeigten sich erste Erfolge.
| Es wiesen gesund bleibende Zähne auf: | ||
|---|---|---|
| 1933: | 1.2% aller Schüler | |
| 1934: | 22.7% aller Schüler | |
| 1935: | 25.8% aller Schüler | |
| 1936: | 27.3% aller Schüler | |
1971 bezog die Schulzahnklinik eigene Räumlichkeiten. Damit konnte der schulzahnärztliche Dienst der steigenden Schülerzahl angepasst und weiter ausgebaut werden. Geplant war, jede Klasse zweimal jährlich zu untersuchen, vorbeugende Massnahmen gegen Karies waren einzuführen und auch Kindergartenkinder mussten behandelt werden können.
Im Februar 1985 bezog die Schulzahnklinik ihre neuen Praxisräume im ehemaligen Haus Fumolini an der Pestalozzistrasse 15.
1926: Kurzrickenbach + Kreuzlingen = Kreuzlingen
Die erzwungene Ehe zwischen Egelshofen und Kreuzlingen war für Schule und Gemeinde von grossem Nutzen und Segen. So verwundert es nicht, dass beide Schulgemeinden gern der Vereinigung mit Kurzrickenbach zustimmten. Die Lehrerschaft bestand nun aus 17 Personen.
Drei Mitteilungen lassen aufmerken:
- Neuerdings wird festgelegt, dass durch die Schüler keinerlei Geschenke an Lehrer und Arbeitslehrerinnen gemacht werden dürfen, weder auf Weihnachten, Neujahr, Geburtstag, Namenstag noch beim Austritt aus der Schule. Weihnachtsfeiern sind untersagt.
- Die Inspektoren berichten wieder über viele schöne Unterrichtserfolge (...). Auch die Disziplin wird sehr gut gehandhabt, und wenn die Lehrer dem Betragen der Schüler ausserhalb der Schule wieder etwas mehr Aufmerksamkeit schenken, so können sie des aufrichtigsten Dankes von Behörde und Eltern versichert sein; denn die Schülerdelikte mehren sich.
- Alle Kinder, die nur ein Paar schlechte Schuhe haben (sollten) ein Paar genagelte gute Rindlederschuhe erhalten. Es sind dann 105 Paar abgegeben und damit mancher Not gesteuert worden. Die Rechnung der Schuhfabrik Rigi AG belief sich auf lediglich Fr. 1170.-.
Die Abgabe von Milch, Brot und Schuhen wurde für viele Winter weitergeführt.
1928: Emmishofen + Kreuzlingen = Kreuzlingen
Trotz einiger Opposition in Emmishofen hatten die beiden Schulgemeinden den Zusammenschluss beschlossen. Die Lehrerschaft bestand nun aus 21 Personen.

Im Herbst 1933 fand die letzte Schulgemeindeversammlung statt.
Der Aktuar der Schulgemeinde, Konrad Gonzenbach, bezeichnete diese demokratie-geschichtlich bedeutsame Versammlung als „Landsgemeinde“.
Über 1000 Anwesende nahmen daran teil. In geheimer Abstimmung sprach sich eine grosse Mehrheit für die Einführung des Prinzips der Urnenabstimmung aus.
Am 29. August 1938 konnte die grösste aller Thurgauischen Sekundarschulen endlich ein ihren Bedürfnissen entsprechendes Schulhaus einweihen.
Sekundarschule Pestalozzi
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
1939 - 1945
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
II. Weltkrieg
Das abgelaufene Schuljahr (1939/40) war ein sehr bewegtes und der Schulbetrieb häufig gestört. Der Kriegsausbruch und die dadurch bedingte wiederholte Mobilisation des Grenzschutzes und der ganzen Armee hat die vorübergehende Einstellung der Schulen notwendig gemacht, indem fast die Hälfte unseres Lehrkörpers entweder zum Militär- oder Luftschutzdienst einzurücken hatte. Während die Luftschutzmannschaften jeweils nur während kurzer Zeit aufgeboten waren, mussten für die monatelang unter den Fahnen stehenden aktivdienstpflichtigen Lehrer Vikare und Vikarinnen eingestellt werden. Das Lehrerseminar bewies seine Verbundenheit mit der Kreuzlinger Schule, indem es wenn nötig rasch Studentinnen und Studenten als Ersatzlehrkräfte abordnete.
Ganz im Sinne der „geistigen Landesverteidigung“ besuchten 1939 alle Mittel- und Oberstufenklassen die Schweizerische Landesausstellung in Zürich und aus Anlass der Feier des 650jährigen Bestehens der Schweizerischen Eidgenossenschaft wurde am 22. Juli 1941 eine Schülerreise auf das Rütli mit rund 700 Teilnehmern durchgeführt. Die gesamte Primarschule, die Schüler des 7. Schuljahres und viele Erwachsene nahmen daran teil. (Pro Schüler betragen die Reisekosten Fr. 5.-, für Kinder unbemittelter Eltern ist die Schulreise unentgeltlich.)
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Einerseits Schule wie gewohnt ... |
... andrerseits kriegsbedingte Störungen |
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Die 1936 begonnene Renovation des Rosenegg-Schulhauses wurde fortgeführt und 1941 beendet. Die Klasse Straub und die Spezialklasse Verdini zogen aus dem baufälligen Schulhaus Egelshofen ins Schreiberschulhaus um. Anstelle von gekochter konnte erstmals pasteurisierte Milch an die Kinder abgegeben werden. Im Herbst des ersten Kriegsjahres trat in ganz Kreuzlingen eine ziemlich starke Mumpf- und Masernepidemie auf; Grippeerkrankungen werden fast in jedem Winter erwähnt. Wurde 1941 der Kauf eines Bauplatzes für ein Schulhaus am Schoderbach (Wehrlischulhaus) abgelehnt, stimmte der Souverän 1942 dem Erwerb von 14 Aren Land für einen Turnplatz in Emmishofen zu, der noch im selben Jahr eingerichtet wurde. Die sozialen Leistungen der Schulgemeinde wurden nicht nur uneingeschränkt weitergeführt: Milch- und Schuhabgabe, Ferienkolonie, Schulzahnklinik, Schülerkrankenkasse (einmalig im Thurgau!), sondern sogar ausgebaut: 1942 erhielten minderbemittelte Familien als Znünibeigabe für ihre Kinder je einen Harras Äpfel. 1942 erfolgten Renovationsarbeiten in den Schulhäusern Schreiber und Emmishofen. Jahr für Jahr schloss die Schulrechnung positiv, sogar 1945 wurde statt des prognostizierten Defizits von Fr. 69.- ein Vorschlag von Fr. 4568.91 erzielt. Schulreisen, Maibummel und traditionelle Wandertage fanden meist in gewohntem Rahmen statt.
Schon im Sommersemester 1946 verlief der Schulbetrieb wieder ungestört, ... |
Die Abwesenheit vieler Väter und die hohe Arbeitsbelastung der Mütter führte zu einer starken Zunahme der Disziplinlosigkeit der Jugend. Da kam der Einsatz der Oberstufenschüler als Helfer bei der Kartoffel- und Obsternte nicht ungelegen. Häufig fiel Unterricht aus, weil Lehrer Militärdienst leisten mussten und kein Vikar verfügbar war, und 1945 störten häufige Fliegeralarme den Schulalltag. Eher als willkommene Abwechslung empfanden die Kinder das obligatorische Maikäfersammeln im Frühling 1942 und im Herbst die Wildfrüchte-Sammlungen. Als nationale Pflicht galt der tatkräftige Einsatz während der jährlichen Altstoffsammlung. Im Rahmen der „Anbauschlacht“ diente ein Grossteil der Wiesen und Rasenplätze dem Gemüseanbau. Kohlenmangel: Während der kalten Jahreszeit wurden die beiden Schulen im Westen und Osten ins Schreiberschulhaus verlegt. Die Kinder wurden halbtags unterrichtet und der Samstag war unterrichtsfrei. Zulasten der Herbstferien wurden die Winterferien („Kälteferien“ genannt) verlängert. Die Stundenpläne änderten sich immer wieder, und am Jahresende entfielen zum Teil Schulexamen und die Ausstellung der Handarbeiten. Besonders beansprucht wurden die Oberstufenschüler: Wanderungen (Mädchen und Knaben getrennt) ersetzten einen Teil der Turnstunden, Handarbeitskurse wurden als Gartenbaukurs geführt ... und immer wieder erfolgten Hilfseinsätze unterschiedlichster Art, vorwiegend in der Landwirtschaft. Militärische Einquartierungen verunmöglichten immer wieder die Benutzung der Turnhallen. Nach der Bombardierung von Schaffhausen am 1. April 1944, wurden in allen Schulhäusern behelfsmässige Luftschutzräume eingebaut.
... während im Winter weiterhin wegen der Brennstoffknappheit fast durchgehend der Halbtagsbetrieb galt. |

| Aus einem Protokoll im Frühling 1942. Die Schulgemeinde ist als Grundeigentümerin zum Maikäferfang verpflichtet. Die Schülerschaft unserer Schule soll an einem der nächsten Tage morgens 5.45 klassenweise unter der Führung ihrer Klassenlehrer auf Maikäferfang gehen. (...) Der finanzielle Ertrag soll in die Reisekasse fliessen. |
Als am 8. Mai 1945 die Glocken zur Feier des Waffenstillstandes erklangen, endigte die Periode der vielfältigen Störungen im Schulbetrieb und eine wohltuende Zeit ununterbrochener und zielbewusster Arbeit begann. Konzentrationsfähigkeit und Lerneifer wurden besser und trotz der Lücken im Wissen und Können konnten die Klassenziele in befriedigender Weise erreicht werden.
Einige Jahre lang wurden gemeinnützige Veranstaltungen weitergeführt, an die man sich während der Kriegsjahre gewöhnt hatte: Altstoff- und Altpapiersammlungen, Sammlungen für Winterhilfe, Pro Juventute, die Pestalozzi-Feier, die Kinderkrippe und die Beckeli-Aktion für kriegsgeschädigte Kinder. Bei dieser kauften Geschäfte und Betriebe ein Sammelkässeli in Form einer Milchtasse und stellten dieses auf. Nach einer bestimmten Zeit holten Kinder die gefüllten „Beckeli“ ab. Diese wurden in der Schule zerschlagen und der Erlös verbucht. Die Betriebe erhielten als Spendenbescheinigung eine Dankesurkunde.
Auch nahm die Schweiz während einiger Jahre ausländische Ferienkinder auf, die dann für 2 bis 3 Monate in einer hiesigen Familie lebten und hier auch die Schulen besuchten.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
1950 - 1959
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Steigende Schülerzahlen
Seit Beginn der 40er-Jahre stieg die Geburtenzahl stark an und 1950 besuchten über tausend Kinder die Kreuzlinger Schulen. Folgen: Grosse Klassen, Neuanstellung von Lehrkräften, zunehmende Raumnot, ständiger Raumbedarf und damit verbunden steigende Kosten. 1954 überschritten die Ausgaben der Schulgemeinde erstmals die Millionengrenze!
Frühzeitig plante die Behörde die entsprechende Raumbeschaffung und informierte die Bevölkerung über die absehbaren Bedürfnisse. Dennoch zogen die Stimmbürger nicht immer mit. Umso wärmer bedankte sich der Schulpräsident 1949 für die Annahme des Kredits für den Bau des Schoderbach-Schulhauses (Wehrli).
Die Klassen wuchsen wieder auf 40 bis über 50 Schülerinnen und Schüler. Umso bemerkenswerter ist, dass die Klassenzimmer im künftigen Wehrlischulhaus für die Aufnahme von maximal 48 Schülern geplant waren. Erklärtes Ziel war es die Klassenbestände in der Primarschule auf 40 und auf der Oberstufe auf 30 zu beschränken. (Das Unterrichtsgesetz von 1875 hatte eine Klassenteilung beim Stand von über 80 verlangt.)
Im Oktober 1955 nahm Xaver Grüter als erster hauptamtlicher Schulpfleger die Arbeit auf. Sein Büro befand sich im Gebäude der Schweizerischen Volksbank an der Hauptstrasse.
Jahr um Jahr waren neue Lehrstellen einzurichten und weitere Lehrkräfte zu wählen. Beide Geschäfte wurden jedes Mal durch Volksabstimmung an der Urne entschieden! Dabei war es nicht leicht, genügend qualifizierte Lehrkräfte zu finden: In den 50er-Jahren herrschte Lehrermangel; das Lehrerbesoldungsgesetz von 1958 verbesserte die Besoldung der Lehrkräfte der Landgemeinden, sodass angesichts der höheren Mietzinsen und Bodenpreise in Kreuzlingen es finanziell völlig uninteressant geworden war, hierher zu ziehen. Das Problem wurde dadurch verstärkt, dass für Lehrkräfte Residenzpflicht herrschte, sie also in ihrer Schulgemeinde wohnen mussten.
Beispiel eines Wahlvorschlags
Nach dem Ausbau des Pestalozzischulhauses um 5 Klassenzimmer konnte 1955 wenigstens die Sekundarschule aufatmen und die Schulgemeinde erwarb das gesamte unüberbaute Egelsee-Areal als Bauplatz für ein zukünftiges neues Schulhaus. In einer ersten Phase sollte ein Gewerbeschulhaus mit 6 Klassenräumen gebaut werden.
Mit einem Volksfest wurde im Sommer 1957 das Wehrlischulhaus eingeweiht.
Wehrli: Verbindungsgang/Pausenhalle
1958 versuchsweise und ab 1959 dauerhaft wurde Wintersportwoche eingeführt. Einmal mehr fällt dabei auf, wie sehr sich die Behörden über ihre Aufgabe hinaus für Bedürfnisse einzelner Familien und deren Kinder einsetzen: So wurden während dieser Woche nicht nur für die 6.- bis 8.-Klässler Skilager organisiert sondern auch Skis angeschafft zur leihweisen Überlassung an Kinder, deren Eltern nicht in der Lage sind, für die kurze Zeit der Benützung Ski anzukaufen.
Ab 1960 stand es den Lehrkräften der 6. bis 8. Klassen frei, mit ihrer Klasse während der Schulzeit ein Wintersportlager durchzuführen. Diese „Skilager“ bilden bis heute einen kaum wegzudenkenden Teil des Schuljahres, allerdings bei erweitertem Angebot der Sportmöglichkeiten.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
1960 - 1969
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Lehrermangel
Ende der 50er Jahre wurde es zunehmend schwieriger, die Stellen mit ausgebildeten Lehrkräften zu besetzen. Viele junge Lehrerinnen und Lehrer arbeiteten in anderen Berufen, studierten weiter oder verliessen den Lehrerberuf nach kurzer Zeit. Eine phantasievolle Massnahme zur Linderung des Lehrermangels war die Einführung des Praktikumsjahres: Alle „Semis“ führten nach ihrem dritten Ausbildungsjahr während eines Jahres eine Schulklasse und sammelten so Praxiserfahrungen, die ihr letztes Ausbildungsjahr befruchten sollten. So war sichergestellt, dass alle am Seminar Studierenden wenigstens ein Jahr lang unterrichteten. Nicht selten konnte ein regulärer Schulbetrieb nur Dank dem Entgegenkommen der ansässigen verheirateten Lehrerinnen sichergestellt werden. Viele Kinder erlebten während ihrer Schulzeit häufig wechselnde Lehrer und die mit dem Mangel einhergehenden häufigen Lehrerwechsel bereiteten Jahre lang grosse Sorgen. Im Sommer 1963 stellte der neue Schulpräsident, Peter Perini, fest: Zehn Um- und Neubesetzungen auf den gleichen Zeitpunkt! (...) Gleich den kantonalen Schulinstanzen atmet auch unsere Schulbehörde jedesmal erleichtert auf, wenn wieder – wenigstens für ein Jahr – jede Klasse mit einer Lehrkraft versorgt ist.
| 1966 verliess Julius Billinger seine Berufsarbeit. (Anmerkung des Autors: Dazu lese ich: Mit ihm nahm der letzte Lehrer an unseren Unterstufen Abschied. Es ist keineswegs zu begrüssen, dass sich heute kein Lehrer mehr bereit findet, an der Unterstufe zu unterrichten. Gerade für die Kinder in diesem Alter könnte eine Persönlichkeit mit Lebenserfahrung nachhaltig einwirken. (...)
[Anm. d Verf.: Kein Kommentar!] |
(Anmerkung des Autors: Nebenbei erwähnt: Im Februar 1963 fror der Bodensee vollständig zu!)
Der Brand des Seminars hatte für einige Jahre zusätzliche Provisorien zur Folge: Werkräume, Räume im Gewerbeschulhaus und Turnhallen wurden benötigt, um die Lehrerausbildung aufrecht zu erhalten.
| Blockflötenkurse, meist in einem Schulzimmer nach dem Nachmittagsunterricht angeboten, liessen manche Mädchen und Buben zum ersten Mal Freuden und Leiden anspruchsvolleren Musizierens erleben: 1968 besuchten 400 Kinder die entsprechenden Kurse. Heute erteilt die Musikschule den zusätzlichen Musikunterricht. |
Es hatte sich eingebürgert, dass sich die Schulbehörde mindestens einmal jährlich mit der gesamten Lehrerschaft zusammenfindet, um Fragen der Gestaltung des Schulbetriebes miteinander zu besprechen. Nach einer solchen Aussprache beschloss die Behörde 1964 auf Wunsch der Lehrerschaft [Anm. d. Verf.: vornehmlich der Mittelstufenlehrer!], die dritte Klasse weiterhin zur Mittelstufe zu zählen. Vier Jahre später wurden die Wochenstundenzahlen in der Unterstufe erhöht und die Arbeitsschule (Textiles Werken) ab 2. Schuljahr eingeführt...
[Anm. d. Verf.: natürlich nur für die Mädchen; die Knaben konnten in der Mittelstufe freiwillig Kartonage- und Holzbearbeitungskurse besuchen.]

Die Urnenabstimmung vom 16./17. Februar 1963 machte in Kreuzlingen als erster Schulgemeinde im Thurgau den Weg frei für die Errichtung einer Heilpädagogischen Hilfsschule und schon 1964 konnte das Ehepaar Scholiet diese im Haus an der Säntisstrasse 6 eröffnen. Sie entwickelten ihre Schule in kurzer Zeit zu einer bedeutenden Einrichtung ihrer Art, die bald auch Kindern umliegender Gemeinde offen stand.
Nach 22-jähriger Tätigkeit stellte sie aufgrund des neuen kantonalen Sonderschulkonzepts 1986 ihre Tätigkeit ein. Die Liegenschaft an der Säntisstrasse 6 wurde in der Folge verkauft; heute steht hier ein Mehrfamilienhaus.
| 1927 waren zwei solcher Kinder in eine Anstalt versetzt worden, und hatte die 3. Seminarklasse die Spezialklasse besucht, um die psychopathischen Minderwertigkeiten zu studieren sprachen Joliets von „seelenpflegebedürftigen Kindern“.
[Anm. d. Verf.: Wie viel hatte sich da verändert!] |
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
1970 - 1979
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Raummangel
Je vier neue Schulklassen 1969 und 1970, drei neue Klassen im Frühjahr 1971, dazu vier Sekundarschulklassen, die das alte Sekundarschulhaus zu Gunsten der Kantonsschule verlassen mussten. So viel Raumbedarf! Dazu schien es oft ein Ding der Unmöglichkeit, genügend Lehrkräfte zu finden und der Einsatz von Praktikanten wurde ebenso gang und gäbe wie die Benützung provisorischer Schulräume.
Das neue Jahrzehnt begann mit der Einweihung der Schulanlage Seetal. Ein Jahr später folgten das Berneggschulhaus, die Aufstockung des Verbindungstrakts der Sekundarschule sowie der Bau der neuen Kantonsschule. Doppelkindergärten entstanden an der Finkernstrasse, im Burgquartier und bei der Weinburg. Das Abschlussklassenschulhaus Egelsee wurde 1974/75 etappenweise bezogen während noch gebaut wurde.
Weitergeführt wurden die Planungen für eine zweite Sekundarschule, wenn möglich im Rothausquartier. Rückschläge blieben nicht aus: So wurde 1975 das Budget zweimal abgelehnt, ebenso die Errichtung von fünf neuen Lehrstellen (letzteres mit 7 Stimmen Unterschied).
René Imesch, Vizepräsident der Primarschulgemeinde, stellte 1980 fest, dass wenigstens an der Primarschule die Raumnot bis auf weiteres behoben sei, träten doch die letzten geburtenstarken Jahrgänge in die Oberstufe über... [Anm. d. Verf.: arme Sekundarschule!]
Seit Beginn der 70er Jahre wurde der Wunsch nach Aufgabenhilfe laut. 1976 konnte sie eingeführt werden. Lehrkräfte und Mütter führten die Aufgabenhilfe durch... und mussten bald feststellen, dass sie nicht nur wie geplant schwächeren Kindern als Hilfe diente, sondern gern als Betreuung während der Freizeit genutzt wurde. Diese „Kinderkrankheiten“ konnten behoben werden. 2000 wurde die Aufgabenhilfe auch auf die Oberstufe ausgedehnt und hat heute ihren festen Platz im Schulalltag gefunden.

Erstmals ziert ein Foto das Titelblatt
1979 erfolgte der Kauf der Liegenschaft Pestalozzistrasse 15 „zur Arrondierung des Areals“. Das 1893 erbaute stolze Haus wurde nach dem Kauf vorerst wenig genutzt: Die Wohnung im 1. Stock war vermietet, im Erdgeschoss war eine Spielgruppe untergebracht.
1984 konnte es umgebaut, renoviert und einer neuen Zweckbestimmung zugeführt werden: Schulpräsidium, Schulpflege und Schulzahnklinik zogen ein, in die kleine Wohnung im Dachgeschoss das Hauswart-Ehepaar und im Keller fanden ein Archiv und zwei Werkstätten für die Sekundarschule Platz.
Liegenschaft Pestalozzistrasse 15, links hinter dem Schreiberschulhaus (rechts: altes und neues Sekundarschulhaus)
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
1980 - 1989
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Viele Neuerungen
Zwei Ereignisse bestimmten den Beginn des neuen Jahrzehnts: Im April 1981...
- ...wurde mit der Wahl der Behörde die neue Oberstufengemeinde Kreuzlingen (Bottighofen, Kreuzlingen und Lengwil-Oberhofen) handlungsfähig.
- ...erfolgte die Wahl Theo Beelis als erster Kreuzlinger Schulpräsident im Vollamt. Sicher hatte die aus gesundheitlichen Gründen sehr kurze Amtszeit von August Höhener den Systemwechsel befördert. Vor allem jedoch schien es unsinnig, Primarschule und Oberstufe parallel durch je ein nebenamtliches Präsidium führen zu lassen.
Die Zeiten, als fast alle Immigrantenkinder aus Italien kamen, waren vorbei; nun stammten sie aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Sprachen und oft waren sie der deutschen Sprache kaum mächtig. Im Kindergarten erhielten sie einen zusätzlichen spielerischen Deutschunterricht und mit der Einschulung wurden sie neben ihrer Stammklasse zur sprachlichen Förderung auch der Eingliederungsklasse oder Einführungsklasse zugeteilt.
Die Berichte des Schulpräsidenten befassten sich zunehmend mit Problemkindern, die trotz guter Begabung und Gesundheit durch unterschiedliche Schulschwierigkeiten auffielen.
| 1985 schrieb der Schulpräsident:
Schulprobleme können die Familie belasten! Aber Familienprobleme belasten nach meiner Feststellung viel mehr die Schule! |
Seit 1978 lief in den Mittelstufen der Primarschule die zweite Phase der „Früh“-Französischversuche: Waren in der ersten Phase die Französisch-Halbstunden zusätzlich zur regulären Schulzeit erteilt worden, wurden sie nun in den Unterricht der 5. und 6. Klassen integriert. Die Lehrkräfte hatten dabei selber zu entscheiden, welche Unterrichtsinhalte sie dafür preisgaben. Gegen den vehementen Widerstand eines Grossteils der Lehrerschaft lehnte das Volk 1988 ein Verbot des Primarschulfranzösischs ab.
Logopädischer Dienst
Seit 1984 können Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung, Stotterer, Stimmstörung, lateralen Zischlauten, s-sch-Differenzierungsschwächen, Gaumenspaltenoperierte sowie Zischlautfehlbildungen in der damals Sprachheilambulatorium genannten Einrichtung schulbegleitend therapiert werden, ebenso Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie. In den folgenden Jahren nahm die Beanspruchung dieser Einrichtung massiv zu, sodass 2010 vier Logopädinnen mit insgesamt 250 Stellenprozenten hier arbeiteten.
| Aus dem Jahresbericht 1985/86:
Auf der einen Seite wird (der Schule) vorgeworfen, sie orientiere sich nur an überlebten Traditionen. Fast im gleichen Atemzug wird geklagt, die vielen Neuerungen brächten eine schädliche Unruhe in den Unterricht und überforderten die Schüler. |
Zehntes Schuljahr
1986 übernahm der Reallehrer Hannes Bollinger die Leitung des neu eingerichteten freiwilligen 10. Schuljahres. Dieses bietet Jugendlichen nach Erfüllung ihrer Schulpflicht Berufswahl- und Berufsvorbereitungsklassen sowie ein Hauswirtschafts- und ein Sozialjahr an.
Im ersten Jahr ihres Bestehens wurden 51 Schülerinnen und Schüler, aus einem Einzugsgebiet von Güttingen bis Eschenz und dem angrenzenden Seerücken, in zwei Berufsvorbereitungsklassen und in einer Hauswirtschafts- und Sozialjahrklasse unterrichtet. Das 10. Schuljahr war während vieler Jahre im Wehrlischulhaus untergebracht und nutzte die Spezialräume von Schulhäusern in ganz Kreuzlingen, ein dauerhaftes Provisorium, das erst 1997, nach der Errichtung des Oberstufenzentrums Remisberg mit dem Umzug ins oberste Geschoss des Schulhauses Egelsee ein Ende fand.
Mit der Überführung in die Sekundarstufe II übernahm 2007 der Kanton die Verantwortung über das Zehnte Schuljahr als sogenanntes „Brückenangebot“.
Am Samstag, 29. August 1987 weihte der traditionelle Schulsporttag den neuen Sportplatz „Burgerfeld“ ein: Ein geglücktes Gemeinschaftswerk von Stadt und Oberstufengemeinde.
1985 an der Urne entschieden, erfolgte 1989 der Wechsel des Schuljahresbeginns vom Frühling auf die 33. Woche im August. Mit einem Langschuljahr wurde der Übergang für alle Beteiligten erträglich gestaltet.
1988 lehnten die Stimmbürger die Einführung der 5-Tage Woche in der Volksschule ab.
1989 führten Sekundar- und Realschulen den Informatikunterricht ein... und die Lehrerschaft wird sich bemühen, dass trotz Begeisterung für Elektronik und Bildschirm die übrigen Fächer und die Gemütsbildung auch in Zukunft nicht vernachlässigt werden.
In den 80er-Jahren trat ein Lehrerüberfluss ein, was den auswählenden Behörden neue Schwierigkeiten bereitete: Nach welchen Kriterien sollte sie aus der Flut von Bewerbungen die geeignetsten Lehrerinnen und Lehrer aussuchen?
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
1990 - 1999
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Umwälzungen
[Anm. d. Verf.: Ab 1990 wird in den Jahresberichten das (noch wenig konsequente) Bemühen um geschlechtsneutrale Formulierungen sichtbar. Ich lese: die Mithilfe aller PartnerInnen oder allen MitarbeiterInnen; aber 1121 Schüler besuchen unsere Schulen.]
Die Anzahl Unterrichtender war auf 157 gestiegen, von denen die meisten im Vollamt arbeiteten: 1991 wurden die 54 Primarschullehrstellen von 56 Lehrkräften geführt, 39 weiblichen und 17 männlichen. Erstes Jobsharing wurde versuchsweise erlaubt, z.B. im Kindergarten Freieweg.
Auch die Lehrinhalte unterschieden immer weniger zwischen den Geschlechtern: 1993 war der für Knaben und Mädchen gemeinsam erteilte Unterricht für Textiles Werken in ganz Kreuzlingen eingeführt.
| Aus dem Jahresbericht 1990: (...) wurde uns allen klar, dass die Zeit der Umwälzung noch lange nicht abgeschlossen sein wird und dass die Computer-Revolution unsere Gesellschaft tiefgreifend und nachhaltig verändern wird. Die breite Einführung der Datenverarbeitung wird zu Veränderungen führen, die mit denjenigen der Entwicklung des Buchdruckes oder sogenannten Industrialisierung vergleichbar sind. (...) |
Eingangsbereich des Oberstufenzentrums Remisberg, in Betrieb seit 1997 (Bild: Thomas Brütsch)
An Informationsveranstaltungen versuchte die Behörde den Eltern aus Jugoslawien und der Türkei unser Schulsystem nahezubringen; die Lehrkräfte ihrerseits wurden über schulrelevante kulturelle Besonderheiten einiger Herkunftsländer ihrer Schulkinder unterrichtet.
Auf Beschluss des Grossen Rats führte der Thurgau im Sommer 1998 die Fünftagewoche an den Schulen ein... [Anm. d. Verf.: was in der Folge entgegen der Befürchtungen einiger Schwarzmaler nicht zu einem Geburtenrückgang führte, weil den Eltern nun die trauliche Zweisamkeit am Samstag Vormittag genommen war.]
Abbruch oder Umbau?
Die Liegenschaft an der Romanshornerstrasse 61 war 1980 zur Arrondierung des Schulareals Seetal gekauft worden. Das baufällige Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert sollte abgebrochen werden. Der Kanton jedoch stufte 1993 das Gebäude als wertvoll ein, womit der Schulgemeinde beträchtliche Kosten drohten.

In einer pfiffigen Aktion holte die Schulbehörde die Meinung der Stimmbürger über das weitere Vorgehen ein: Dem Jahresbericht 1996 lag eine pauschal frankierte Umfragekarte bei, die es den Stimmbürgern ermöglichte, ihre Meinung über Abbruch oder Art der Weiterverwendung des Gebäudes kund zu tun. Das Ergebnis war eindeutig und führte zu einem neuen Abbruchgesuch, dem 2002 schliesslich stattgegeben wurde.
1996 erklärte die Behörde das Tragen von Velohelmen während Radtouren obligatorisch und stellte die benötigte Zahl von Klassensätzen zur Verfügung. Zudem erhalten die Eltern seither jedes Jahr die Gelegenheit für ihre Kinder einen stark verbilligten Helm anzuschaffen.
Schulische Heilpädagogik
Heute versucht man Kinder mit Lernschwierigkeiten in den Regelklassen zu belassen und zu fördern: Schulische Heilpädagogen oder (sehr viel häufiger) –pädagoginnen beobachten und fördern Kinder mit besonderen Bedürfnissen, unterstützen, beraten und begleiten die Lehrkräfte und Eltern. Sie arbeiten mit einzelnen Kindern, in Gruppen oder Halbklassen, häufig neben der Regellehrkraft im selben Schulzimmer, bei Bedarf in einem anderen Raum. Der intensive Austausch zwischen Heilpädagogin und Lehrkräften hat sich bald zu einem wesentlichen Mittel der Qualitätssicherung – und Förderung des Unterrichts entwickelt.
Nach den seit 1993 im Wehrlischulhaus gemachten guten Erfahrungen mit der Schulischen Heilpädagogik beschloss die Behörde diese in allen Kreuzlinger Schulen einzuführen: 1999 erhielt das PSZ Schreiber „seinen“ Heilpädagogen, 2000 das PSZ Seetal und 2004 das PSZ Bernegg je eine Heilpädagogin.
Die Schulische Heilpädagogik ersetzt die Klein- oder Sonderklassen nicht; sie ermöglicht es aber viel mehr Kindern und Jugendlichen mit Förderbedürfnissen in den Regelklassen zu bleiben. 2011 bestanden auf Primarschul- und Sekundarschulstufe noch je drei Sonderklassen, deren geringe Klassengrösse eine den individuellen Bedürfnissen angepasste optimale Schulung und Erziehung ermöglicht. In den Sekundarschulzentren hat die Durchmischung der früheren Real- und Sekundarschule eine Zusammenarbeit mit den anderen Klassen ermöglicht, was für Kleinklassenschüler den Übergang in die Berufswelt erleichtert: Wo es sinnvoll und möglich ist, arbeiten die Kleinklassen mit den Stammklassen G (vormals Realschule) zusammen.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Das neue Jh./Jt.
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Das neue Jahrhundert/Jahrtausend
[Anm. d. Verf.: Wie dem ersten sahen manche auch dem zweiten Millenium-Wechsel seit Christi Geburt mit Bangen entgegen: Hatten Ende 999 zahlreiche Christen nichts weniger als das Ende der irdischen Welt erwartet, befürchteten 1999 nicht wenige eine weltweite Computerkatastrophe ... so sehr hatten sich mittlerweile die Prioritäten verändert! – Wie zu erwarten war drehte sich die Welt jedoch in gewohnter Weise weiter... auch die Welt der Schule mit ihren Gewohnheiten und Veränderungen. Deren gab es viele. In manchen Bereichen hatte die Schule (und hat wohl noch) Veränderungsbedarf: Viel Gewohntes hatte sich über die Jahre hinweg wenig verändert, entsprechend der Neigung der Menschen „gewohnt“ mit „bewährt“ gleichzusetzen, entsprechend auch unserer Scheu vor dem Unbekannten und der daraus erwachsenden Frage: Können wir das Kindern und Eltern gegenüber verantworten? Aber auch: Muss sich gleich so Vieles ändern?]
Schon das Jahr 2000 brachte manche Neuerung:
- Kreuzlingen führte vom 1. bis zum 9. Schuljahr Blockzeiten ein: Damit wurde dem seit Jahren geäusserten Wunsch vieler Eltern entsprochen, dass ihre Kinder die Schule während definierter Zeitspannen gleichzeitig besuchten.
Auf Ebene des Kantons erfolgte die Einführung der Blockzeiten von 2010 bis 2013. Danach findet für Kinder in der Primarschule der Unterricht am Vormittag in Blöcken zu dreieinhalb Stunden, für Kinder im Kindergarten zu drei oder dreieinhalb Stunden statt. - Vorerst vor allem an der Oberstufe führten die gesellschaftlichen Veränderungen immer häufiger zu Situationen, die von den Lehrkräften nicht mehr allein gemeistert oder verantwortet werden konnten. Die Behörde verpflichtete darum einen Schulberater. Sie hoffte damit auf den Ebenen Prävention, Intervention und Koordination bei Jugendlichen mit Schulschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten die Weichen neu stellen zu können.
- Oberstufe und Schulverwaltung wurden ans Internet angeschlossen und in den Oberstufenzentren eine schulhausinterne EDV-Vernetzung eingerichtet.
- Ein bunter Strauss angepeilter Entwicklungen und Erneuerungen versprach auch für die folgenden Jahre wenig Langeweile: Qualitätssicherung, Geleitete Schule, Neuregelung der Schulaufsicht, Lehrerqualifikation, Teilautonomie, Englisch auf der Primarschule, Vorschulstufe, Oberstufenreform, Sprachenkonzept, neues Finanzierungsgesetz, Entwicklung von Leitbildern, Kantonalisierung der Berufsschulen, Präsenzzeiten der Lehrkräfte und mehr...
- Seit 1998 ist in den Jahresberichten die Rede nicht mehr von „Sekundar- und Realschule“ sondern von Oberstufenzentren. Dies macht deutlich, dass die Durchmischung dieser Schulstufen bereits eingeläutet war. Heute heissen sie Sekundarschulzentren; in diesen wird Mathematik und Englisch in Niveauklassen unterrichtet.
Ab 2001 erfolgte die sukzessive Einführung des Deutsch-Niveauunterrichts auf der Mittelstufe: Während 2 bis 3 Lektionen/Woche werden die Kinder zweier Klassen in drei Leistungsgruppen aufgeteilt unterrichtet. Das Modell war im Wehrlischulhaus entwickelt worden und hatte sich bewährt. Die Ergebnisse führten dazu, dass ab 2005 auch auf der Unterstufe Deutsch in Lerngruppen unterrichtet wird.
Auch die drei Sekundarschulzentren trugen mit Niveau- und Vertiefungsunterricht den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler Rechnung.
2002 begann im Egelsee als erstem Schulzentrum die Einführung der Geleiteten Schule: Im Zuge der Dezentralisation und der Stärkung der Schulen wurde mit der Schulleitung eine zusätzliche Leitungsebene eingerichtet, welche im Auftrag der Schulbehörde ihre Schule in operativer, pädagogischer, personeller und administrativ-organisatorischer Hinsicht führt. Die Schulqualität kann so vor Ort gesichert und entwickelt werden, im Schulalltag und aus diesem heraus. Die Verantwortung für die Personalführung obliegt weitgehend der Schulleitung; sie begleitet die Lehrkräfte in der Erfüllung ihres Auftrags, sie bildet die Schnittstelle zwischen Lehrkräften, Eltern und Behörden, sie verantwortet die Erfüllung der Qualitätsanforderungen, entwickelt Konzepte und Ziele für die Positionierung und das Profil der eigenen Schule und moderiert deren Umsetzung.
[Anm. d. Verf.: Geleitete Schulen sind nicht mehr nur Lehr- und Lernorte sondern ihrerseits lernende Organismen, die sich selber, bewusst gezielt und stetig um ihre Weiterentwicklung bemühen.]
2003 wurde die Schulberatung an der Oberstufe durch eine Schulberaterin für die anderen Stufen ergänzt: Neben der mittlerweile eingeführten kantonalen Beratung unterstützt die lokale Schulberatung auf niederschwelliger Basis Betroffene und Beteiligte bei Lern- und Leistungsschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten, Mobbing, Konflikten und anderen Krisen und Notfällen.
Gewalt wurde in den 1980er-Jahren zunehmend Thema. 1992 schrieb der Schulpräsident Theo Beeli: Wir stellen (...) immer wieder fest, dass die Gewalt in der Schule vor allem ein gesellschaftliches und erzieherisches Problem darstellt, das von der Schule allein nicht zu lösen ist. Mit Erschrecken müssen wir feststellen, dass es Eltern gibt, welche nicht mehr wissen, wie sie mit den eignen Kindern umgehen sollen (...).
1995 wurden erstmals verhaltensauffällige Jugendliche ausgeschult, was wohl den betroffenen Klassen nicht aber den ausgeschlossenen Jugendlichen half. Zusammen mit dem Arbeitsamt der Stadt konnte das Projekt „Jugend und Arbeit“ lanciert werden: Der Jugendliche verpflichtete sich, während zweier Wochentage einen eigens zusammengestellten Kurs zu besuchen und während der übrigen Woche zu arbeiten.
Im folgenden Jahr schuf die Behörde eine sogenannte Interventionsgruppe, bestehend aus Familien- und Drogenberater, Jugendanwalt, Psychologe, Arzt. An diese interdisziplinäre Gruppe konnte sich jede Lehrkraft bei Bedarf formlos (und formularlos!) wenden. Ein ausgezeichnetes Angebot, das jedoch nur wenig genutzt wurde.
Jugendliche, die durch ihr Verhalten einen regulären Unterricht im Klassenverband verunmöglichen, können heute in die Befristete Externe Lernschulung (BEL) eingewiesen werden. Mit Hilfe von Verhaltens- und Lernzielvereinbarungen sowie vielfältiger Unterstützung sollen sie hier im Rahmen einer Tagesschule so gestärkt werden, dass sie in der Regel nach 12 Wochen wieder in ihre Stammklassse integriert werden können.
Neues Logo... und farbiges Titelblatt
2004 hielt die Informatik auf der Primarschulstufe Einzug: Jede Mittelstufenklasse erhielt 4 PCs und einen Drucker (Kleinklassen 2 Geräte) und die Lehrkräfte wurden sorgfältig in deren Nutzung eingeführt.
Die Oberstufenzentren Remisberg und Pestalozzi sowie das Primarschulzentrum Seetal erhielten ihren ersten Schulleiter. Den Oberstufen stand darüber hinaus ein anspruchsvoller Systemwechsel bevor: Innert fünf Jahren war im ganzen Kanton eine stufenübergreifende Zusammenarbeit zu verwirklichen... die durchmischte Sekundarstufe entstand, in Kreuzlingen wirksam ab dem Schuljahr 2007/08; seither wird auf dieser Stufe von Sekundarschulzentren (SSZ) gesprochen.
2005 erhielt das Primarschulzentrum (PSZ) Bernegg seinen ersten Schulleiter.
Ab 2006 waren auch Schreiber und Wehrli geleitete Schulen. In allen vier Primarschulzentren führten die Schulleiter eine kleine aber für die Eltern bedeutsame Regelung ein: Schule findet statt, d. h. auch Erkrankungen von Lehrkräften führen nicht zu Schulausfällen, da die Kinder innerhalb des Schulzentrums betreut werden, bis der Schulleiter eine Stellvertretung organisiert hat.
Nicht nur für die Schulen (Pestalozzi und Kanton) sondern auch für die Bevölkerung der Stadt und ihrer Umgebung von grosser Bedeutung war die Einweihung des Dreispitz, einem Bau mit einer Dreifachturnhalle und einem Kulturzentrum.
2007 war in allen drei Sekundarschulzentren (SSZ) die durchlässige Sekundarschule realisiert: Seither werden die Schülerinnen und Schüler einer Stammklasse E (vormals Sekundarschule) oder einer Stammklasse G (vormals Realschule) zugeteilt. Daneben besuchen sie in wenigstens zwei Fächern den Unterricht in Niveaugruppen, G- und E-Schüler gemischt. Jedes SSZ verfügt auch über eine Sonderklasse, deren Schülerinnen und Schüler teilweise zusammen mit den G-Schülern unterrichtet werden.
Seit 2007 bietet der Verein Kreuzlinger Kinderkrippe in jedem Primarschulzentrum ausserhalb der Schulzeit eine Kinderbetreuung mit Mittagstisch an, siehe auch Hort und Krippe.
Im selben Jahr richtete die Schulgemeinde die Familienhilfe ein: Erfahrene Familienhelferinnen unterstützen und begleiten Eltern, die sich durch den Erziehungsalltag überfordert fühlen.
2008 wurde die neue Behördenstruktur wirksam: Je zwei Behördemitglieder bilden das Bindeglied zwischen Behörde und „ihrem“ Schulzentrum. Sie begleiten „ihre“ Schule, stehen in engem Kontakt mit der Schulleitung, kontrollieren, evaluieren und beraten.
Im selben Jahr stellte die Schule den Eltern mit dem Schul ABC erstmals eine Übersicht über die Angebote, Bestimmungen und Richtlinien der Schule Kreuzlingen zur Verfügung.
Die Schulgemeinden wurden verpflichtet Qualitätssicherung und –entwicklung für Organisation, Führung und Unterricht in jeweils dreijährigen Zyklen zu planen.
[Anm. d. Verf.: Die Arbeit mit Mehrjahresplänen hat in zentral verwalteten Wirtschaften eine lange Tradition: Der erste Fünfjahresplan wurde 1928 in der Sowjetunion eingeführt. Deren letzter dauerte von 1985 bis 1990. (Nach Wikipedia)]
2009 setzte für die ersten dritten Klassen der Englischunterricht ein und gleichzeitig begann die Einführung des Europäischen Sprachenportfolios, mit dem in Zukunft jedermann seine Lerngeschichte im Bereich Sprachen wird dokumentieren können.
2010 brachte die Einführung des Internet in die Klassenzimmer der Primarschule und die Sicherstellung der entsprechenden Kompetenzen der Lehrkräfte.
Ein auf drei Jahre angelegtes Projekt Islamischer Religionsunterricht führt Kinder der vierten und fünften Klassen aus islamischen Familien in ihre Religion ein.
Die Schulleiter haben nun auch die lohnwirksame Mitarbeiterbeurteilung der Lehrpersonen umzusetzen.
[Anm. d. Verf.:
Bei der Durchsicht der Jahresberichte von über 100 Jahren fiel mir Vieles ein und auf.
Drei Facetten beeindruckten mich dabei besonders:
- Behörden und Lehrpersonen bemühen sich seit der Einführung der Schulpflicht 1874 in immer wieder beeindruckender Weise ihren Auftrag im Dienst an den Kindern, Eltern, ja der ganzen Gesellschaft zu erfüllen. Sehr viele Mitwirkende setzen sich unablässig und in ungewöhnlich starkem Ausmass für das Gedeihen „ihrer“ Schule ein.
- Die Schule als Ganzes hat es verstanden, sich immer wieder den sich wandelnden Bedürfnissen zu stellen ohne dabei ihre Aufgabe gegenüber dem einzelnen Schulkind aus den Augen zu verlieren. Sie war und ist erfreulich innovativ und gleichzeitig verantwortungsvoll konservativ.
- Alle gesellschaftlichen Veränderungen wirken sich auf die Schule aus. Mit der steigenden Zahl von in Erziehungsfragen unsicheren und wenig gefestigten Eltern nimmt die Erziehungsaufgabe der Schule zu und scheint der Wille zur Mitarbeit daran bei immer mehr Eltern zu schwinden. Dies erschwert das Bemühen der Lehrkräfte, allen Kindern gute Lern- und Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Der Schulgemeinde Kreuzlingen ist es immer wieder gelungen die sich stellenden Probleme frühzeitig zu erkennen und anzugehen.]
Quellen:
- Jahresrechnungen und Jahresberichte der Schulgemeinde Kreuzlingen
- Walter Berger, Schulblatt Schaffhausen und Thurgau, Nummer Juli/August 2005 (Geleitete Schulen)
- Persönliche Notizen aus der Tagespresse
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Schulpräsidenten / Schulpfleger
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Schulpräsidenten / Schulpfleger
Die Schulpräsidenten versahen ihre Aufgabe lange Zeit im Nebenamt.
Sekundarschule
Im Frühjahr 1885 kam die Sekundarschule Emmishofen nach Kreuzlingen. Im Tagebuch der Secundarschule Kreuzlingen erfahren wir: Die beiden Schullokale befinden sich im ersten Stockwerk des neuen Schulhauses daselbst [Anm. d. Verf.: An der Pestalozzistrasse, die damals Bahnhofstrasse hiess], siehe auch SSZ Pestalozzi.
Zuerst übernahmen zwei Seminardirektoren das Schulpräsidium:
| 1885 – 1897 | Johann Ulrich Rebsamen und |
| 1897 – 1903 | Jakob Frey, der zuvor schon als Sekundarschulinspektor
gewirkt hatte |
| 1903 – 1922 | Gerichtspräsident A. Beerli |
| 1922 – 1924 | Dekan A. Keller |
| 1924 – 1938 | Gerichtspräsident A. Beerli |
| 1938 – 1951 | Pfarrer W. Bissegger |
| 1951 – 1956 | Pfarrer B. Schmid |
| 1956 | Pfarrer H. Vogel (ad interim) |
| 1956 – 1959 | Dekan Alfons Gmür |
| 1959 – 1961 | Pfarrer Paul Grunder |
| 1961 – 1964 | Dr. Willi Rüedi |
| 1964 – 1973 | Dekan Alphons Gmür |
| Ab 1965 | Volkswahl auch der Sekundarschulbehörde |
| 1973 – 1977 | Dr. Willi Rüedi |
| 1977 – 1981 | Dr. Peter Lindt |
Primarschule
Nach dem Zusammenschluss der beiden Schulgemeinden Egelshofen und Kreuzlingen wurden im August 1907 die ersten neun Mitglieder der Schulvorsteherschaft (heute Schulbehörde) gewählt:
- Pfarrer J. Schlatter, Präsident
- Staatsanwalt Dr. Deucher, Vizepräsident
- C. Bürgi-Gassmann, Aktuar
- J. Perron, Schulpfleger
- Seminardirektor Dr. Häberlin
- Statthalter Stierlin
- Gemeinderat Graber
- Kaufmann Hubmann
- Konsumverwalter Wartmann
Bevor die Schulbildung in die Verantwortung des Staates überging (Schulpflicht seit 1874), hatten in der Regel die Pfarrherren für die Führung einer Schule im Ort gesorgt und oft auch selbst den Unterricht erteilt. Mit der Wahl eines Pfarrers zum ersten Präsidenten der Primarschule Kreuzlingens fand diese Tradition eine Fortsetzung; die Sekundarschule stand noch während Jahrzehnten „unter klerikaler Obhut“. Die enge Verbindung zwischen dem Seminar und der Kreuzlinger Schule belegt die Übernahme des ersten Sekundarschulpräsidiums durch den Seminardirektor und dessen Wahl in die Primarschulbehörde. Diese enge Zusammenarbeit hielt sich Jahrzehnte lang, auch wenn das Seminar nicht immer durch seinen Direktor in der Behörde vertreten war.
Die Seminardirektoren Rebsamen, Frey und Schohaus fungierten auch als Sekundarschulinspektoren.
| 1907 – 1934 | Pfarrer J. Schlatter (bis 1940 in der Schulvorsteherschaft) |
| 1934 – 1962 | Emil Knus |
| 1962 – 1977 | Peter Perini |
| 1977 | Kurt Bollinger (ad interim) |
| 1977 – 1980 | August Höhener (Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen) |
| 1980 – 1981 | René Imesch |
Die Belastungen, die das Amt des Schulpräsidenten mit sich brachte, wurden so gross, dass spätestens nach der schweren Erkrankung A. Höheners die Notwendigkeit eines Vollamtes allgemein anerkannt wurde.
Von 1981 – 1993 amtete Theo Beeli als erster vollamtlicher Schulpräsident.
Primarschule und Oberstufe
Mit der Zusammenführung von Sekundar- und Realschule zur Oberstufe (heute Sekundarstufe) auf den 1. Januar 1982 wurde die ganze Volksschule der gleichen Schulbehörde unterstellt.
Theo Beeli war nun Präsident der Primar- und der Oberstufengemeinde Kreuzlingen.
| 1982 - 1993 | Theo Beeli |
| 1993 - 2015 | Jürg Schenkel |
| 2015 - 2018 | René Zweifel |
| seit 2019 | Seraina Perini Allemann |
Schulpfleger
Die älteste Jahresrechnung im Archiv ist die Rechnung über den Schul-Fond der Schulgemeinde Kreuzlingen pro 1890, unterschrieben von C. Hagmann, Schulpfleger.
Die nächste betrifft 1907; der Rechnungsgeber ist hier O. Brunschweiler. ist hier O. Brunschweiler.
Erst ab 1910 sind die Jahresberichte und –rechnungen annähernd lückenlos archiviert.
| 1907 (?) – 1931 | J. Perron, Pfleger |
(Erstmals wird er erwähnt, als er der im Herbst 1907 eingerichteten kombinirten Abteilung der Sekundarschule am 9. März 1908 einen Schulbesuch abstattet.)
| 1931 – 1936 | Kd.Gonzenbach |
(In Emmishofen versah bis zur Vereinigung mit Kreuzlingen 1928 X. Seitz die Funktion des Schulpflegers, erstmals erwähnt 1915.)
| 1936 – 1955 | H. A. Ziegler |
| 1955 – 1975 | Xaver Grüter |
| 1975 – 1997 | Susanne Spörri |
| 1997 – 2003 | Urs Schär |
| 2003 – 2013 | Paul Sonderegger |
| seit 2013 | Susanne Burgmer |
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Primarschulen
Bernegg
Primarschulzentrum Bernegg
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.

Eine schöne Ansicht des Schulhauses Emmishofen, der Kirche St. Stefan und rechts der Weinburg.
Zu Beginn ein Todesfall
Der Tod von Schulmeister Josef Burkart am 9. Februar 1765 war Anlass für die erste Erwähnung einer (katholischen) Schule in Emmishofen. Ein Bürger hatte das Haus an der Esslenstrasse 28 gestiftet, das dem Lehrer als Wohn- und Arbeitsstätte diente, siehe auch Mittelalter bis 20. Jh.
1818 zog die Schule in das grössere Haus an der Lohstrasse 1 um.
1825 entstand das Esslenschulhaus an der Esslenstrasse 33. Es diente der Schule bis 1917.
1861 wurden im Thurgau die katholischen Schulen aufgelöst und die paritätische Klassenschule eingeführt. Emmishofen kaufte 1862 ein Wohnhaus an der Bernrainstrasse, in das 1863 die Oberschule und 1883 auch die Unterschule einzogen.
Im Archiv der Schulgemeinde Kreuzlingen finden sich einige Besitzkurkunden aus Emmishofen, darunter
-
ein Einhändigungs-Brief von 1829, der die Übereignung eines Grundstücks an den Löbl. kathol. Schulfond Emishofen ebenso belegt wie dessen Zugehörigkeit zum Stift St. Stephan in Konstanz von 1829, der die Übereignung eines Grundstücks an den Löbl. kathol. Schulfond Emishofen ebenso belegt wie dessen Zugehörigkeit zum Stift St. Stephan in Konstanz
-
und der Kaufbrief von 1862 für das heutige Schulhaus Weinburg, bereits auf vorgedrucktem Formular ausgefertigt.
Weinburg
Seit 1863 nutzt die Schule das „alte Schulhaus Emmishofen“. Es diente erst der Oberschule. Im Erdgeschoss wies es ein Schulzimmer auf, während im Obergeschoss die Lehrerfamilie wohnte. Die Unterschule war damals noch im 1825 erbauten Esslen-Schulhaus untergebracht, zog aber 1883 auch in die Weinburg um. Auf Beschluss des Regierungsrates war zur Tilgung der auf der Liegenschaft lastenden Schuld eine jährliche Schulsteuer zu erheben. Diese betrug z. B. 1898 ein Promille des Steuerkapitals, siehe auch Steuerrodel.
Um 1860 zählte Emmishofen rund 700 Einwohner, doch stetig stieg die Einwohnerzahl, so dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Bau eines neuen Schulhauses unumgänglich wurde. Nach Plänen der Architekten Weideli und Kressebuch entstand südlich der Kirche das Schulhaus Emmishofen. Im Juli 1917 konnte es eingeweiht werden (s. unten).

1928 vereinigte sich die Schulgemeinde Emmishofen mit Kreuzlingen.
Über 100 Jahre lang diente die Weinburg der Schule. 1971, nach deren Umzug ins neue Schulhaus Bernegg befand sie sich zwar in schlechtem Zustand, wurde jedoch weiterhin genutzt, beherbergte während Jahren einen Kindergarten, diente der Arbeitsschule, bot Raum für Kurse in italienischer und in türkischer Sprache und Kultur, für ein Malatelier und manch anderes mehr.
Auf seiner Nordseite war das alte Schulhaus Emmishofen, also die Weinburg, mit einem Restaurant/Metzgerei zusammengebaut. In einem Brief der Kindergartenkommission aus dem Jahre 1951 kommt letztere zur Sprache: Auf dem Spielplatz beim Kindergarten Emmishofen ist der Drahthag vor dem Anwesen der Metzgerei in sehr schlechtem Zustand. Dahinter befindet sich das Schlachthaus mit einem Fenster nach Süden, das die Kinder benützen, um zuzusehen beim Schlachten der Tiere. Sie sind sicher auch der Ansicht, dass dieser Anblick für die Kleinen ungünstig ist und ausgeschaltet werden muss.
Das Schulhaus Weinburg vor dem Umbau
Das baufällige Gebäude wurde 1961 von der Schulgemeinde erworben mit der Auflage es abzubrechen, damit die Einmündung der Rosgarten- in die Bernrainstrasse übersichtlicher ausgebaut werden konnte. Der Abbruch erfolgte jedoch erst 1978 und zwar aus Sicherheitsgründen.
Gegen den geplanten Abbruch auch des Schulhauses Weinburg opponierte vor allem der Quartierverein Egelshofen. Da die Schulen ohnehin unter grosser Raumnot litten, fiel es der Behörde leicht, dem Volk statt des Abbruchs eine Renovation vorzuschlagen: Im Erd- und Obergeschoss entstanden zwei grosszügige Schulzimmer und im Dachgeschoss ein Werkraum. Mit dem Schuljahr 1980/81 zogen in das renovierte Schulhaus eine Sonderklasse der Oberstufe und eine Mittelstufenklasse ein.
Kinderfestfonds Emmishofen
1868 stiftete Othmar Anderwert Fr. 300.- für die Ausrichtung eines Kinderfests. Ein Jahr später kamen weitere Fr. 300.- dazu. Der Fond erhielt in der Folge immer wieder Beiträge, sodass er 1927 ein Vermögen von fast 4000 Franken aufwies. Allerdings wurde die Zweckbestimmung grosszügig interpretiert: Die Jahresrechnungen erwähnen Ausflüge, Spaziergänge, Eisenbahnfahrten, Bewirtungen der Schüler, und anderes mehr. Eine Ausnahme bildete 1909, als der Fond einen Beitrag von Fr. 283.50 an das Kinderfest zur Einweihung des Schreiberschulhauses leistete.
1927 ging die Verwaltung des Fonds an die Primarschulgemeinde Kreuzlingen über.
Dieser Fonds blieb nicht der einzige private finanzielle Beitrag an die Schule: Ab 1909 taucht in den Jahresrechnungen der Schulgemeinde Kreuzlingen die Molly Ammann’sche Stiftung auf. Sie dürfte 1905 mit Fr. 5000.- eröffnet worden sein. Die Zinsen wurden jedes Jahr der Schulreisekasse gutgeschrieben, so dass das Stiftungsvermögen sich nicht veränderte.
Aus dem Legat des Marschner sel. zur Unterstützung armer braver Schulkinder wurden wiederholt Holzschuhe für bedürftige Kinder angeschafft, letztmals 1918, als das gesamte Stiftungsvermögen von noch Fr. 771.15. hiefür verwendet wurde, womit der Fonds aufgehoben war.
Kindergarten
Am 16. Oktober 1894 gründete das „Comité der Kleinkinderschule zu Emmishofen“ einen privaten Kindergarten, der sich bald regen Zuspruchs erfreute. zu Emmishofen“ einen privaten Kindergarten, der sich bald regen Zuspruchs erfreute.
Kleinkinderschule Emmishofen
Das unterzeichnete Comité beabsichtigt zu Anfang des nächsten Jahres in Emmishofen eine Kleinkinderschule ins Leben zu rufen.
Diese Schule soll in positiv christlichem Sinne geleitet werden, ist aber nicht als Gemeindesache der „unabhäng. evang. Kirchgemeinde Emmishofen“, sondern als Privatangelegenheit des Comité’s zu betrachten, daher auch Kinder ohne Unterschied der Konfession aufgenommen werden können.
Knaben und Mädchen im Alter von 3 bis 6 Jahren sollen als Schüler angenommen werden. Die Kinder bezw. deren Eltern haben sich der Ordnung der Schule zu fügen; auch sollen die Kinder in geordneter Kleidung zur Schule kommen.
Das Schulgeld beträgt für die Woche 25 Cts. pro Kind.
Der Unterricht (Spielen, Spazierengehen inbegriffen) soll stattfinden am Vormittag von 9.00 - 11.30 Uhr und am Nachmittag von 14.00 – 16.00 Uhr, Mittwoch und Samstag Nachmittag ist frei.
Als Lehrerin ist bereits ein Fräulein engagiert das uns für diese Arbeit besonders geeignet erschien. Dasselbe macht gegenwärtig einen Kleinkinderlehrer Kursus durch und kann mit Neujahr ihren Posten bei uns antreten.
Die Kleinkinderschule wird, s. G. w., Donnerstag, den 3. Januar, vormittags ½9 Uhr eröffnet. Anmeldungen nehmen entgegen die unterzeichneten Vorstandsmitglieder.
Beiträge für dieses Werk nimmt gerne entgegen:
das Comité der Kleinkinderschule zu Emmishofen.
| a. Damen-Comité | b. Herren-Comité |
|---|---|
| gez. Elisabeth Voemel | gez. A. Voemel, Pfarrer |
| gez. Euphrosine Wendel | gez. Grob, Girsberg |
| gez. Augusta von Langenne | gez. Johannes Blanke, Prokurist |
| gez. Anna von Braun |
Die Abkürzung s. G. w. meint: „so Gott will“.
Schulhaus Emmishofen
Die zunehmende Platznot machte anfangs des 20. Jh. den Bau eines neuen Schulhauses nötig: Oberhalb der 1903 geweihten Kirche St. Stephan wurde das Schulhaus Emmishofen errichtet.
Es umfasste vier Schulzimmer, einen Raum für Textiles Werken (im Dachgeschoss rechts) eine Wohnung für den Hauswart (die vier Fenster links und Mitte im Dachgeschoss) und im Untergeschoss einen Raum für den Werkenunterricht, die Waschküche, Technik, einen Lagerraum. Das stolze Schulhaus konnte unter reger Beteiligung der wohl ebenso stolzen Bevölkerung im Juli 1917 eingeweiht werden, siehe auch Einweihung 1972.
Aus dem Programm der Einweihungsfeier vom Samstag, 29. Juni 1968:
| 12.00 Uhr | Sammlung der Schuljugend und Behörden auf dem alten
Schulhausplatz |
| 13.00 Uhr | Festzug durch das festlich geschmückte Dorf (7 Gruppen mit 250
Darstellern) |
| 14.00 Uhr |
Weiheakt:
|
| 15.00 Uhr | Beginn der turnerischen, theatralischen und musikalischen
Produktionen durch die Schüler: Blumenreigen (Mädchen), Schauspiel für die Jugend: „Nikolaus von der Flüe oder die Tagsatzung zu Stans“, ein Stabreigen |
| 17.00 Uhr | Speisung der Kinder im Rebstockgarten und Besichtigung
des Schulhauses |
Nach dem Abendessen setzte sich die Feier fort:
Auf ein Singspiel folgten Gesänge, Deklamationen, Spiele und Belustigungen in angenehmer Abwechslung. Die Zwischenpausen wurden von der bestens bekannten Musikgesellschaft Kreuzlingen in vortrefflicher Weise ausgefüllt.
Der zweite Teil des Festes fand nach der Entlassung der Schuljugend im Rebstocksaale statt.
Turnhallen-Projekte
Zur Zeit des Schulhausbaus kam dem Sportunterricht nur geringe Bedeutung zu, weshalb wie auch in Kurzrickenbach auf den Bau einer Turnhalle verzichtet wurde. 1940 erst, kurz nach Beginn des 2. Weltkrieges verlangte die „Freie bürgerliche Vereinigung Emmishofen“ den Bau einer solchen. Das Anliegen wurde aufgenommen, offenbar aber nicht als allzu dringlich erachtet: Erst 1944 lag ein Projekt für den mittlerweile von Lehrern und Vereinen dringlich angemahnten Bau einer Turnhalle in Emmishofen vor.
Projekt 1944 von Architekt A. Ilg
Die Fotomontage aus dem Jahresbericht zeigt, dass zwischen Schulhaus und Kirche ein wuchtiger zweistöckiger Hallenbau vorgesehen war. Das Untergeschoss sollte je einen grossen Velo- und Reserveraum und dazwischen einen Raum für Vereine umfassen. Dieser hätte das Schulhaus und vor allem die Abwartfamilie entlastet, wurde doch der an deren Wohnung angrenzende Raum für Textiles Werken von Vereinen und Chören abends als Übungsraum genutzt. Die Pläne von 1957 für die Renovation und den Ausbau dieses Raumes tragen den Vermerk „Krach mit Ortsvereinen“, wohl ein Hinweis darauf, dass die Umgestaltung den Übungsbetrieb erschwerte.
Noch bevor das fertig ausgearbeitete Projekt zur Abstimmung gelangen konnte, reduzierte die Zentralstelle für Arbeitsbeschaffung des Kantons Thurgau die Zementzuteilung für dringende Schulhausbauten drastisch und das Geschäft musste vertagt werden.
1947 Schulhaus Emmishofen mit projektierter Turnhalle
Im Dezember 1947 kam ein wesentlich verändertes Projekt zur Abstimmung, der Kredit von 212 000 Fr. wurde jedoch wuchtig verworfen, ebenso, wenn auch weniger deutlich, jener für den Anbau am neuen Sekundarschulhaus.
Während Jahren konnte ein Teil der Turnstunden in der Halle des Erziehungsheims Bernrain erteilt werden. Dies bedeutete jedes Mal eine unangenehme Wanderung mit der ganzen Klasse die Bernrainstrasse hinauf und wieder zurück. Lehrkräfte und Kinder waren darum erleichtert, als im Juli 1965 die Stimmbürger einen Kredit für einen Pavillon mit zwei Schulzimmern und den Bau zweier Turnhallen als erster Etappe einer neuen Schulanlage guthiessen. Ab 1968 konnten die neuen Turnhallen in Emmishofen benutzt werden ... und wie sie genutzt wurden! Von Beginn weg waren sie durch die Schulen und das Seminar, durch Vereine und andere Organisationen voll belegt. Für Veranstaltungen aller Art wird bis heute die untere als Mehrzweckhalle mit einer Theaterbühne ausgestattete Halle verwendet, während der Schwingraum nicht mehr als Übungsraum der Schwinger genutzt wird.
Der Bau der beiden Hallen bildete die erste Etappe einer geplanten neuen Schulanlage über dem Saubach westlich des Schulhauses Emmishofen.
Titelfoto: Einladung zur Einweihung
[Anm. d. Verf.: Wohl hatte die Realisierung des Turnhallenbaus ungehörig lang gedauert, doch ist das Ergebnis sicher erfreulicher, als dies die Projekte von 1944 und 1947 waren.]
Schüler aus Tägerwilen
Die Häuser westlich des Ziegeleiweihers und an der Hochstrasse stehen auf Tägerwiler Boden. 1950 beantragten erstmals Eltern dieses Quartiers, ihre Kinder in die Primarschule Emmishofen schicken zu dürfen. Es stellte sich die Frage ob die betreffenden Grundstücke der Schulgemeinde Kreuzlingens zugeteilt werden sollten. Der Regierungsrat entschied jedoch, dass die Eltern ihre Kinder auf Gesuch hin in die Primarschule Kreuzlingen schicken könnten. Die Schulgemeinde Tägerwilen hatte ein jährliches Schulgeld von Fr. 200.- pro Kind zu bezahlen, dafür blieben die Gesuchsteller weiterhin in Tägerwilen schulsteuerpflichtig.
Papa Moll
Seit 1952 war in der ganzen Schweiz die Figur des Papa Moll bekannt und bei den Kindern beliebt. So durfte Richard Moll es sehr wohl als Ehre betrachten, dass er von Kindern und Eltern ebenso genannt wurde. 45 Jahre lang, von 1923 bis zu seiner Pensionierung 1968 wirkte er mit Leib und Seele als Lehrer in Emmishofen. In seinem Realienunterricht (Heimat- und Naturkunde, Geografie und Geschichte) ging er wo immer möglich vom direkten Erleben aus. Er unternahm mit seinen (grossen!) Klassen Exkursionen, erkundete die Unterrichtsthemen vor Ort, und war damit den meisten Lehrern seiner Zeit weit voraus. Noch während vieler Jahre wurden seine „Unterrichtsblätter zur Heimatkunde des Kantons Thurgau“ von Lehrerinnen und Lehrern der Mittelstufe gern und ausgiebig genutzt.
Schulhaus Bernegg - ein Wechselbad
Modellansicht der Schulanlage in der Botschaft für die Urnenabstimmung vom 3./4. Juli 1965.
In der Ecke Bernrain-/Rosgartenstrasse ist zu erkennen, dass die Weinburg auf der Nordseite mit einem weiteren Gebäude zusammengebaut war, dem gleichnamigen Restaurant, zu dem früher auch eine Metzgerei gehörte.

Nach dem Bau von Turnhalle, Mehrzweckhalle und Hauswartwohnung 1965 bedurfte es zweier Abstimmungen ehe das neue Schulhaus in Emmishofen verwirklicht werden konnte: Das im September 1969 verworfene Projekt wurde vier Monate später komfortabel angenommen, trotz des auf Grund der Bauteuerung kräftig gestiegenen Preises! 1971 konnte es eingeweiht und „getauft“ werden. Ein Jahr später war auch die „Aula“ fertig gebaut. Diese diente vorwiegend als Singsaal, für den Unterricht mit zwei oder mehr Klassen, kam aber auch als Video- und Filmraum, als Klassenzimmer, Schulungsraum, Kinderhort, Kurslokal, Gruppenraum ... zum Einsatz, kurz: Der Singsaal erwies sich als ausserordentlich nützlicher, vielfältig nutzbarer Raum.
| Der Name des neuen Schulhauses sollte über einen öffentlichen Wettbewerb gefunden werden. Kopfzerbrechen bereitete dabei der von der Emmishofer Lehrerschaft eingereichte Vorschlag:
Saubachschulhaus. Die Behörde war zwar erleichtert als sie erfuhr, dass es sich dabei um einen Jux handelte, fand den Spass aber nicht so lustig... |
Oh happy day –
Kreuzlingen 3. Juli 1971
... heisst das kreisrunde drehbare Bild, das der Kreuzlinger Maler (und damals Mittelstufenlehrer in Emmishofen) Anton Bernhardsgrütter für den Eingangsbereich des neuen Schulhauses schuf.

Es vereinigt und vermischt eine Fülle von Abbildungen der nahen Umgebung und Heimat sowie der weiten Welt, zeigt realistisch, bunt und ironisch gebrochen Alltägliches und Festliches, Kleines und Grossartiges, Gestriges und Heutiges... vieles eben, was an diesem Tag zu sehen, zu wissen, zu denken sein konnte. Immer wieder stehen Kinder davor, lassen das Bild kreisen, weisen einander auf Szenen hin, vergleichen mit ihren Erfahrungen.
Ein Wimmelbild? Ja, es wimmelt nur so von fröhlichen, feiernden Menschen, Menschen die einen glücklichen Tag als Teil eines hoffentlich glücklichen Lebens verbringen.
Ein Mandala? Das lichtdurchflutete Zentrum von Bild und Himmel ist streng gevierteilt, erinnert so an die vier Himmelsrichtungen, die vier Elemente, die vier Charaktertypen/Temperamente, usw. Säulenhaft steif ragt eine langhaarige männliche Gestalt in die Scheibe, mönchartig gekleidet, die Rechte gesenkt, die Linke nach oben zeigend. Zwei Paare, langhaarig und bunt gekleidet erinnern an die weltweiten Bewegungen junger Menschen, ihr Leben ganz anders zu gestalten als dies ihre Eltern taten, und locker seitwärts hingekniet ruft eine junge Frau zu „Make Love not War“ auf, siehe auch Einweihung 1972.
Schulleitung
Seit 2005 ist das PSZ Bernegg eine Geleitete Schule. Damit begannen auch hier parallel zueinander zwei nicht immer einfache Entwicklungsprozesse:
- Teambildung und Teamentwicklung (Die Klassen waren auf drei Schulhäuser und zwei Kindergärten verteilt.)
- Gezielte qualitative und strukturelle Entwicklung der Schule.
Um- und Anbau
Wie alle Schulhäuser wurde auch das Berneggschulhaus laufend unterhalten und den sich ändernden Bedürfnissen der sich entwickelnden Schule angepasst ... soweit es die vorhandenen Räume zuliessen. So wurde z. B. 2005 das Lehrerzimmer in den ehemaligen Kartonage-Raum transferiert, weil das bisherige als Büro für die neu eingerichtete Schulleitung benötigt wurde.
Von 2007 bis 2008 dann erfuhr die Anlage eine grosse Veränderung: Parallel zum laufenden Schulbetrieb wurde ein Anbau mit 5 Gruppenräumen, einem zusätzlichen Schulzimmer und einem Arbeitsraum gleicher Grösse für die Lehrpersonen errichtet. Östlich der Turnhalle kam eine Bibliothek hinzu, welche endlich das in einem Luftschutzkeller eingerichtete feuchte Provisorium ablöste. Das erweiterte Pausendach vermag viel mehr Kinder vor der Unbill des Wetters zu schützen und der ehemalige Kartonnageraum, seit 2005 Lehrerzimmer, dient nun als Hort und Mittagstisch.

Erneutes Wachstum
Dank der regen Bautätigkeit im Westen Kreuzlingens nahmen die Schülerzahlen im PSZ Bernegg gegen Ende des ersten Jahrzehnts zu. Darum wurde 2009 am Zeppelinring ein neuer Kindergarten eröffnet und im Schulhaus Emmishofen eine Einführungsklasse für fremdsprachliche Kinder eingerichtet.
Quellen:
- Pfarrer B. Schmid: Aus der Schulgeschichte von Emmishofen (Gedenkschrift zum Bau des Wehrlischulhauses, Kreuzlingen 1952)
- Sonderbeilage des „Thurgauer Volksfreund“, 28. Juni 1968
- Vereinigung Heimatmuseum Kreuzlingen: Beiträge zur Ortsgeschichte:
- Hermann Strauss: Die Schulen in Kreuzlingen; Heft. VI, 1952
- Diverse Botschaften und Abstimmungsunterlagen
- Mündliche und schriftliche Informationen
- Kunstkoffer von Nadja Rubli, August 2009
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Einhändigungsbrief 1829
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
[Anm. d. Verf.: Meine nur teilweise erfolgreichen Versuche einer wortgetreuen Transkription vervollständigte in verdankenswerter Weise Frau Katharina Koller-Weiss, Zürich (Namenbücher Thurgau).]



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Canton Thurgau Amtsbezirk Gottlieben
Zu wissen, dass bey der unterm 28.ten October 1829 auf Anna Maria Enz, gebohrne Burkart in Emishofen stattgehabten Verrechtfertigung dem Löbl.[lichen] Katholischen Schulfond Emishofen – als Briefs.Creditor – folgende Liegenschaft anheimgefallen, und heute den 5.ten Novem.ber 1829 vor versammeltem Kreisgericht Gottlieben in Form einer Einhändigung richterlich als Eigenthum zugefertiget worden seye.
Nämlich:
Ca[circa] ½ Jauchart* Reben im Neusatz. Stossen Morgen an die Pfrund Bernrain, Abend an Sebastian Anderwert. – Giebt vier Mässlj Kernen in das Stift St: Stephan in Konstanz, und den Zehnten. –
Mit allen bisherigen Rechten und Beschwerden.
Für f 247.35. x [rsp. Zeichen für „id est“ = das heisst, sind] Gulden Zweyhundert Vierzig und Sieben und Dreissig und Fünf Kreuzer. –
Werden angewiesen:
Wenn nun diess alles wird berichtiget seye, so kann die obbemeldte Löbl.[iche] Kathol. [lische] Schulpflegschaft über obige Liegenschaft nach Willkühr verfügen. _________________
Urkundlich dessen ist gegenwärtige Einhändigung von der Amts=Canzley in das Kauffertigungs=Protokoll des Kreises Gottlieben unter No 522, Bag[für pagina]: 115 eingetragen, von dem hochgeehrten Herrn Ober=Amtmann mit dem Amtssigill gesigelt, und von ihm sowohl, als dem Herrn Amtsschreiber Frölich eigenhändig unterschrieben worden.
Wöschbach den 16ten Novem.ber 1829
Der Oberamtmann des Bezirks Gottlieben: B. Egloff Der Amtsschreiber desselben: Frölich
|
Anmerkung:
Ein Juchart bezeichnete ursprünglich die Fläche eines in einem Tag pflügbaren Stücks Ackerland. Je nach Lage und Bodenbeschaffenheit variierte die Quadratmeterzahl.
1836 wurde in der Schweiz die Juchart einheitlich auf 36 Aren / 3600 m² festgelegt.
Worterklärungen (nach Frau Koller-Weiss):
Einhändigungsbrief
Rechtskräftige Urkunde, in der die Übertragung eines Guts angeordnet und bezeugt wird. Also hier Einweisung der/des Gläubigers durch das Gericht in den ihnen/ihm zugesprochenen Anteil an der Konkursmasse. Vgl. Schweizerisches Idiotikon 2, 1409 "einhändigen" : übergeben, übertragen, s. aneignen.
Verrechtfertigung
Gerichtliche Verteilung des Vermögens des insolventen Gesamtschuldners an seine sämtlichen Gläubiger im Rahmen eines Gantverfahrens (Konkurs). Siehe auch Schweizerisches Idiotikon 1, 1011 "verrechtfertigen": den Konkurs gegen einen Falliten durchführen.
Abkürzungen
Gulden: f oder fl (mit oder ohne folgenden Punkt), d.h. Floren (das mittelalterliche Goldstück).
Kreuzer: x (üblichste Abkürzung, aber auch andere bzw. abgewandelte Formen von x).
Der Gulden entspricht 60 Kreuzern.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Kaufbrief 1862
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
[Anm. d. Verf.: Der Kaufbrief aus dem Jahr 1862 vereint Amtshandlung mit grosser Gestaltungsfreude - für ein Dokument, das anschliessend zwischen Aktendeckeln verschwand! Welche Freude für den Betrachter! Doch erschweren die Schleifen und Kringel die Lesbarkeit ganz erheblich.
Frau Katharina Koller-Weiss, Zürich, (Namenbücher Thurgau) ergänzte freundlicherweise meine lückenhafte Transkription, die ich in der damaliten Schreibung belasse.]



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Kanton Thurgau
Kaufbrief
Zu wissen sei, dass bei der Notariatskanzlei des Kreises Gottlieben
Den 24.ten August 1862 verkauft: Frau Anna Hinterskirch von Konstanz
1 Kataster No. 501. Das Wohnhaus No. 35 in Emmishofen, stost
2. Kataster No. 502. C[korrigiert aus „K“]irca zwey Quart Gemüssgarten bejm Haus
Für Frk. 9500.
Bedingungen.
Verpfändung No 602 Seite 146 Band a[?] z[u]. G. Pfleg.[schaft]. Commission Emmishofen.
Nachdem die Kontrahenten diesen Kaufvertrag bestätigt und als nach seinem Inhalte abgeschlossen erklärt haben, ist derselbe gutgeheissen und von der Notariatskanzlei des Kreises Gottlieben unter No 1783 Seite 202 Band 3 des Kaufprotokolls eingetragen worden. Urkundlich dessen ist gegenwärtiger Kaufbrief von dem Notar des Kreises Gottlieben unterschrieben und von dem Präsidenten des Bezirksrathes des Bezirks Gottlieben besiegelt und mitunterzeichnet worden. Tägerweilen den 27.ten December 1862
Eingesehen und besiegelt,
Der Präsident des Bezirksrathes Gottlieben Alt[meyer?] Anmerkungen:
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Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Steuer-Rodel (Steuerregister)
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
...zur Abzahlung der auf dem Schulhaus Emmishofen haftenden Passiven


Unerhebliche Posten, weil vor dem Bezug fortgezogen („unerheblich“ meint „nicht erhebbar, nicht einzutreiben“).
Offenbar konnte ein Steuerpflichtiger die Bezahlung der Steuerschuld vermeiden, indem er den Wohnort wechselte.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Kleinkinderschule Emmishofen
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Eine private Inititative ermöglichte im Januar 1895 die Eröffnung einer Kleinkinderschule in Emmishofen. Diese erfreute sich bald regen Zuspruchs.





Am 19. Februar 1912 gelangt Pfarrer Vömel mit der Bitte um Unterstützung an die Schulbehörde:
Geehrter Herr Präsident!
Geehrte Herren!
Im Auftrage des Vorstandes der hiesigen Kleinkinderschule gelange ich an Sie mit der höflichen Bitte, ob Sie nicht die Güte haben möchten, unser gemeinnütziges Werk mit einem Beitrag zu unterstützen.
Am liebsten wäre es uns, wenn dieser Beitrag ein regelmässiger Jahresbeitrag sein könnte. Aus der beiliegenden Rechnung ersehen Sie unsere Finanzen. Um dieselben einigermassen günstig zu gestalten, sind wir Jahr für Jahr auf eine unsere Vorstandsdamen stark in Anspruch nehmende Hauskollekte sowie auf ausserordentliche Liebesgaben u. Legate angewiesen, da das Schulgeld nur einen kleinen Teil der Ausgaben deckt. Wir möchten auch gerne unserer bewährten Lehrerin nach 17 Dienstjahren das Jahresgehalt wieder um ca. 100 frs. erhöhen. Wenn Sie die Güte hätten, unserer Werkchen ungefähr mit dieser Summe zu unterstützen, so würden Sie der guten Sache, die allen Kindern in Emmishofen ohne jeden confessionellen oder sozialen Unterschied zugute kommt, einen dankenswerten Beistand leisten.
Entschuldigen Sie, dass die letzte Jahresrechnung, die sich gerade unter der Presse befindet, heute noch erst in dieser unvollkommenen Form vorliegt. Sobald der Druck vollendet ist, werden wir Ihnen ein besseres Exemplar zusenden.
Genehmigen Sie die Versicherung unserer vollkommenden Hochachtung!
Für dem Vorstand der Kleinkinderschule Emmishofen
der derzeitige Präsident
A. Vömel, Pfr.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Schulhaus-Einweihung Bernegg 1972
Anton Bernhardsgrütter schuf nicht nur das drehbare Gemälde im Eingangsbereich des Schulhauses Bernegg, er gestaltete auch die Einladung mit der Programmübersicht für dessen Einweihung.
In „Breitleinwand“ zeichnete er dabei die Schulbauten und die markanten Gebäude in deren Umgebung.
Einladung linke Hälfte,
rechte Hälfte.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Schreiber
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Erbaut MCMIX
Die Schulgemeinden Egelshofen und Kreuzlingen vereinigten sich 1907.
Unmittelbar nach dem Zusammenschluss begannen die Vorarbeiten für den dringend notwendigen Bau eines neuen Schulhauses. Für dieses wurde der freie Bauplatz „Im Schreiber“ oder den „Schriberreben“ gewählt, und schon Ende 1907 bewilligte die Gemeindeversammlung (!) einen Kredit von 230‘000 Franken für die Realisierung des Projekts der Architekten Weideli und Kressibuch, damals eine stolze Summe!
Das Schulhaus erhielt folgende Räumlichkeiten:
- Im Souterrain: Schulküche, Bügelzimmer, 2 Räume für Knabenhandarbeit, Abwartkeller, Bade- und Ankleideraum, Heizung, Waschküche und Archiv.
- Im Parterre: 4 Lehrzimmer, 2 Garderoben und Aborte.
- Im I. Stock: 4 Lehrzimmer, 1 Sitzungszimmer, 2 Garderoben und Aborte.
- Im II. Stock: Die Abwartwohnung, 2 Arbeitsschulzimmer, Zeichnungssaal und Bibliothekzimmer, 1 Garderobenraum und Abort.
Im September 1909 konnte das nach dem Flurnamen seines Standortes benannte Schreiber-Schulhaus verbunden mit einem grossen Jugendfest eingeweiht werden. Über dem westlichen Eingang prangte gross und stolz: Erbaut MCMIX. (Ein wahrscheinlich durch einen Blitzschlag ausgelöster Brand im neuen Schulhaus hatte noch im Juli für Aufregung gesorgt, jedoch nur geringe Schäden verursacht.)
Der Thurgauer Volksfreund vom 2. September 1909 kündigte das Festprogramm so an:

Mittags nach 12 Uhr sammelt sich die gesamte Schuljugend, Sekundarschule inbegriffen, im Seminarhof zur Aufstellung des Festzuges. Von 1 Uhr an bewegt sich sodann ein imposanter Festzug, bestehend aus 860 Kindern und 50 Erwachsenen, durch die Hauptstrassen des Dorfes, voran die Trommler (11 Knaben), dann die ABC-Schützen, Studenten, ein Schulspaziergang, Blumenmädchen, Bäcker und Köche, Schlosser und Schmiede, Fischer, Turner, Armbrust- und Flobertschützen, Fahnenträger, Kantonstrachten, Elfen usw. Als Zugsmusik ist die hiesige Musikgesellschaft engagiert. (...) Sofort nach Ankunft beim neuen Schulhaus findet der eigentliche Weiheakt statt: Weihelied der Sekundarschüler, Ansprache des Architekten und Schlüsselübergabe, Ansprache des Schulpräsidenten und Gesamtchor der Schüler. Darauf wird den Schülern die erste Erfrischung verabreicht. Von 3-4 Uhr werden die Glanznummern vorgeführt; Gesang- u. Reigenaufführungen. (..., 12 Auftritte verschiedener Klassen)
Wenn es möglich ist, begeben sich um 4 Uhr sämtliche Schüler auf den Festplatz, wo sie mit allerlei Spielen und Belustigungen unterhalten werden: Freie Spiele, Wurstgumpen, Sacklaufen, Topfschlagen, Fischschießen, Wiegebalken, Gehen über den Schwebebalken, Klettern, Seilziehen, Wettlaufen, Flobertschiessen. (...)
Die Kosten für den Festumzug mit Fahnen und Musik, die Ansprachen, Wettbewerbe und Spiele, die Festhütte und die Verpflegung der Kinder beliefen sich auf Fr. 4562.43 und wurden über den Schulreisefond bezahlt. Den Löwenanteil von knapp 3700 Franken leistete dabei die Primarschulkasse, 300 Franken stammten von der Sekundarschulreisekasse, fast ebenso viel trug der Kinderfestfonds Emmishofen bei, siehe auch PSZ Bernegg.

Schulpräsident Pfarrer Joseph Schlatter (1866 – 1944), eine treibende Kraft sowohl für die Vereinigung als auch den Bau des neuen Schulhauses, fand in seiner Festansprache Worte, die auch heute nichts von ihrer Bedeutung verloren haben: (...) ... dürfen wir nicht stehen bleiben. Das Rad der Zeit rollt unaufhaltsam vorwärts, und vorwärts kommen müssen auch wir. Die Schule stellt immer grössere Anforderungen an die Gemeinde, wenn wir mit der Zeit Schritt halten wollen. Die Schule soll nicht bloss eine Lernschule, sondern immer mehr eine Erziehungsschule sein. Unsere soz(ialen) Verhältnisse erfordern das immer mehr. Gerade in unserer Gemeinde gibt es viele Eltern, welche den Tag hindurch vom Hause entfernt sind und sich nicht mit der wünschenswerten Sorgfalt der Erziehung ihrer Kinder widmen können. Hier muss die Schule ins Mittel treten und das Elternhaus vielfach unterstützen. Wenn Schule u. Elternhaus Hand in Hand gehen, dann wird die Fortbildung und Erziehung glücken. (...)
Im Winterhalbjahr 1909/10 belegten sieben Klassen mit insgesamt 420 (!) Schülerinnen und Schülern das neue Schulhaus. Zum Vergleich: 100 Jahre später gingen rund 180 Kinder hier zur Schule.
Dass der Bau über 80‘000 Franken teurer zu stehen kam als ursprünglich geplant, führte in der Folge zu hitzigen Diskussionen und zu bitteren Wortmeldungen in Versammlungen und der Tageszeitung, dem Thurgauer Volksfreund. Es konnte ja niemand wissen, dass dieser erste stolze Bau der Primarschule Kreuzlingen auch nach über 100 Jahren aussen wie innen seinen ursprünglichen Chrarakter weitgehend bewahrt sehen würde. Die folgenden Generationen nutzten, pflegten und aktualisierten Räume und Einrichtungen; und das alte Schreiberschulhaus ist zusammen mit den späteren Erweiterungen den aktuellen schulischen Anforderungen auch heute noch gewachsen.
[Anm. d. Verf.: Nicht selten erweisen sich erschreckend hohe Investionen von heute als Schnäppchen der Zukunft!]
Der Bau der 1913 von den Kreuzlinger Stimmbürgern beschlossenen Schreiberturnhalle verzögerte sich [Anm. d. Verf.: sie fehlt in der Postkarte oben zwischen Seminar und Schreiberschulhaus], weil viele der italienischen Bauarbeiter wegen der drohenden Kriegsgefahr in ihre Heimat zurückgerufen wurden. 1914 fertiggestellt, musste sie erst knapp 50 Jahre später einer gründlichen Renovation unterzogen und durch einen Anbau im Westen an die gestiegenen Anforderungen angepasst werden.

Kriegsjahre 1914 - 1918
Die Kriegsjahre hatten erhebliche Störungen des Schulbetriebs zur Folge: Lehrkräfte wurden zum Militärdienst eingezogen, und wiederholt fanden im Schulhaus militärische Einquartierungen statt. Zudem konnten wegen des Kohlemangels die Schulen in den letzten beiden Kriegswintern oft nur ungenügend geheizt werden.
1918 und 1919 breitete sich weltweit die sogenannte Spanische Grippe aus. Diese war wahrscheinlich aus China in die USA gebracht worden. Soldaten der US Army schleppten das Virus nach Europa ein. Die Epidemie betraf zuerst die Soldaten der am Krieg beteiligten Armeen, um sich dann über die Städte und deren Agglomerationen hinaus weiter zu verbreiten. In der Schweiz schien sich die Epidemie im August 1918 nach nur einem Monat wieder zu legen, brach aber im Oktober erneut aus um erst im Frühjahr 1919 wieder abzuklingen. Fast 25‘000 Menschen waren ihr allein in der Schweiz zum Opfer gefallen.



Jahrzehnte ohne Aufhebens
[Anm. d. Verf.: In den Archiven der Schule Kreuzlingen dokumentieren nur wenige Unterlagen seine Geschichte, auch Abstimmungsbotschaften betrafen es nur selten: Es ist offensichtlich, dass es sich beim Schreiberschulhaus um einen „nachhaltigen“ Bau handelt, der über Jahrzehnte den wechselnden Anforderungen der Schule(n) zu dienen und den vielfältigen Beanspruchungen durch Kinder und Erwachsene standzuhalten vermochte.]
1926 wurden erstmals zwei Sekundarschulklassen hier untergebracht. Die Sekundarschule war auf sieben Klassen angewachsen, doch bot das Schulhaus an der damaligen Bahnhofstrasse lediglich Raum für fünf Abteilungen, siehe auch SSZ Pestalozzi.
Kriegsjahre 1939 - 1946
Im Jahresbericht pro 1939 schreibt der Schulpräsident Emil Knus: Das abgelaufene Schuljahr war ein sehr bewegtes und der Schulbetrieb häufig gestört. Der Kriegsausbruch und die dadurch bedingte wiederholte Mobilisation des Grenzschutzes und der ganzen Armee hat die vorübergehende Einstellung der Schulen notwendig gemacht, indem fast die Hälfte unseres Lehrkörpers entweder zum Militär- oder Luftschutzdienst einzurücken hatte. Während die Luftschutzmannschaften jeweils nur während kurzer Zeit aufgeboten waren, mussten für die monatelang unter den Fahnen stehenden aktivdienstpflichtigen Lehrer Vikare und Vikarinnen eingestellt werden. Eine finanzielle Belastung entstand dadurch für die Gemeinde allerdings nicht, indem deren Besoldung durch den Kanton übernommen wurde, dagegen zeigten sich andere Nachteile, obschon im allgemeinen gesagt werden kann, dass die Aushilfskräfte ihre Aufgabe mit dem Einsatz ihres vollen Könnens und Wissens erledigten.
Wenn wir in Kreuzlingen jeweils nur verhältnismäßig kurze Zeit eine Unterbrechung des Schulbetriebes erleiden mussten, so verdanken wir es dem Umstand, dass wir am Platze die kantonale Lehrerbildungsanstalt haben, deren Direktion uns in verdankenswerter Weise jeweilen raschestens junge Ersatzlehrkräfte zugewiesen hat. Außerdem waren nur wenige unserer Schulräumlichkeiten für militärische Zwecke belegt und der Schulbetrieb auch in dieser Hinsicht wenig beeinträchtigt worden.
Die Kriegsjahre beeinflussten den Schulalltag stark: Während der Generalmobilmachungen im September 1939 und im Mai 1940 fiel der Unterricht an den meisten Schulen für gut eine Woche aus, waren damals doch die meisten Lehrkräfte männlich. Ab 1940/41 wurden die Weihnachtsferien wegen der Kohleknappheit auf bis zu 4 Wochen verlängert, zudem wurde im Winterhalbjahr der Halbtagesunterricht eingeführt: Ein Schulzimmer diente zwei Klassen, die eine besuchte den Unterricht vormittags, die andere am Nachmittag. Im folgenden Winter kam die Fünftagewoche dazu. Besonders in den letzten Kriegsjahren waren in den Schulen der Grenzorte kurze Unterbrechungen wegen Fliegeralarms häufig.
Adolf Eberli, der ab 1912 im Schreiberschulhaus die Oberschule (7. und 8. Schuljahr) führte, blieb der Kreuzlinger Schule während 40 Jahren treu. In seinen ausführlichen Schultagebüchern hielt er manch politisches Ereignis fest, sofern es seinen Schulbetrieb beeinflusste. Am 2. September 1939, also einen Tag nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen, hatte er im Rahmen der ersten Generalmobilmachung in den Luftschutzdienst einzurücken. Von diesem wurde er während eines Tages beurlaubt, damit er mit seiner Klasse die Landesausstellung in Zürich besuchen konnte. Während des Krieges fiel Eberlis Unterricht mehr als zwanzig Mal wegen Luftschutzdiensten aus, meist für zwei Tage. Bei längeren Einsätzen unterrichteten Vikarinnen und Vikare seine Klasse.
Der Krieg bewirkte in den Schulen nicht nur Ausfälle, er beeinflusste auch in grossem Masse pädagogische Entscheidungen von Lehrkräften und Behörden:
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Arbeiten für die Gemeinschaft wurden durchgeführt, oft während der Freizeit*, zum Beispiel Altpapiersammlungen, Gartenarbeiten in verschiedenen Gärtnereien, Hilfe in Bauernbetrieben, Obst-, Buchnüsse-, Gemüse-, Kartoffeln-, Tannzapfen- und Maikäfersammlungen, Geldsammlungen für die Flüchtlingshilfe, für Finnland, die Schweizer Nationalspende u.a.m.
[Anm. d. Verf.: * Es wurde befürchtet, die Abwesenheit so mancher Väter und die häufigen Schulausfälle könnten zu einer weitreichenden Lockerung der Disziplin führen; von „Verrohung“ war gar die Rede. Gemeinsame Unternehmungen sollten dieser Entwicklung entgegen wirken, indem sie die Kinder und Jugendlichen während der Freizeit beaufsichtigten und beschäftigen und ihr Verantwortungsgefühl für die Allgemeinheit förderten.] -
Soldaten, die über Weihnachten Aktivdienst leisten mussten, erhielten von den Kindern geschriebene Briefe und selbst gebastelte Geschenklein.
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Der staatsbürgerliche Unterricht wurde ausgebaut; im Schulfunk richteten sich sowohl Bundesrat Rudolf Minger als auch General Henri Guisan an die Jugend. Viele Schulklassen nahmen am 1. August an den Bundesfeiern teil, das Rütli war beliebtestes Schulreiseziel, und kaum ein Schweizer Schulkind das 1939 nicht die „Landi“ in Zürich besucht hätte, viele mehrmals.
Daneben gingen Leben und Alltag ihren gewohnten Gang. So berichtet der Thurgauer Volksfreund im April 1946: Der Vorraum und das Souterrain der Schreiberturnhalle sind in den vergangenen Wochen einer durchgehenden Renovation unterzogen worden. (...) Diese schlug in der Jahresrechnung mit Fr. 3855.55 zu Buche.

Jahrzehnte Frieden und Alltag
1962 waren die Schäden und Mängel an der Schreiberturnhalle so gravierend, dass die Schulgemeinde über einen Renovationskredit von Fr. 260‘000.- abstimmen liess. Im folgenden Jahr konnten neben den eigentlichen Renovationsarbeiten folgende Erweiterungen ausgeführt werden:
Ein Anbau gegen Westen vergrösserte den Eingangsbereich und ermöglichte den Bau eines genügend grossen Geräteraums, eines Turnlehrer- und Sanitätszimmers und einer Dusche für die Lehrkräfte. Im Untergeschoss konnten Garderoben und Duschen eingerichtet und die WC-Anlagen erweitert werden. Zudem wurde die Heizung der Halle mit jener des Schulhauses verbunden. Der auf der Postkarte von 1914 sichtbare direkt in die Halle führende Seiteneingang wurde aufgehoben.
1964/65, also nach 55 Jahren intensiver Nutzung, unterzog man das Schreiberschulhaus für rund Fr. 570‘000.- erstmals einer umfassenden Renovation. Da im wesentlichen nur ausserhalb der Schulzeit und vor allem während der Ferien gearbeitet werden sollte, wurden 1965 auf Antrag der Lehrerschaft dabei auch unkonventionelle Massnahmen getroffen: Bei Beginn der ordentlichen Sommerferien wechselten die Schüler des Schreiberschulhauses ins Wehrlischulhaus und wurden dort noch weitere vier Wochen von ihren Lehrern unterrichtet. Nach diesen vier Wochen begannen für sie die Sommerferien, die auf Kosten der Herbstferien um eine Woche verlängert wurden. Auf diese Weise blieb das Schreiberschulhaus 11 Wochen leer.
1968 wurde auf der Gemeindewiese, südöstlich des Schulhauses ein Schulpavillon mit zwei Schulräumen aufgestellt. Dieser hatte zuvor in Kurzrickenbach gedient, war hier aber durch den Neubau des Schulhauses Seetal überflüssig geworden. Die Raumprobleme nahmen zu; dem Pavillon rechts im Bild wurde später ein zweiter zugesellt, der 2005 im Zusammenhang mit der Errichtung des Sport- und Kulturzentrums Dreispitz den Platz räumen musste.

Während Jahren war der Bau einer Pausenhalle im Gespräch. Ein Projekt von 1970 sah dafür einen flachen Verbindungsbau zwischen Schulhaus und Turnhalle vor. 1992 schliesslich wurde eine frei stehende eigenständige Halle zwischen den beiden Gebäuden errichtet.
Nach den seit 1993 im Schulhaus Wehrli gemachten guten Erfahrungen mit der Schulischen Heilpädagogik (SHP) beschloss die Behörde, diese in ganz Kreuzlingen einzuführen: 1999 erhielt das PSZ Schreiber „seinen“ Heilpädagogen, 2000 das PSZ Seetal und 2003 als letztes das PSZ Bernegg.
[Anm. d. Verf.: Es mag erstaunen, dass die SHP über 10 Jahre verteilt in den Primarschulzentren eingeführt wurde. Einerseits ging es der Behörde darum aufgrund gemachter Erfahrungen zu entscheiden, andererseits war sie überzeugt eine Neuerung könne erst dann erfolgversprechend eingeführt werden, wenn die Betroffenen dazu bereit sind... das dauert manchmal.]
Tagesstrukturen
Das Bedürfnis nach einem Angebot für Kinderbetreuung ausserhalb der Schulzeit wurde immer dringlicher. Als erstes reagierte das PSZ Schreiber darauf: Seit August 2007 ist in den Räumen unterhalb der Schulzahnklinik in Zusammenarbeit mit dem Verein Kreuzlinger Kinderkrippen, der Stadt und der Primarschulgemeinde der Kinderhort Schreiber eingerichtet worden. Hier fanden bis zu 12 Kinder Betreuung und Mittagstisch. Mittlerweile ist das Angebot in allen Schulzentren vorhanden.
Felsenschlössli
Zum Primarschulzentrum Schreiber gehört das Felsenschlössli.

Undatierte Ansichtskarte:
Blick von der Römerburg (Lengwilerstrasse) über Kreuzlingen nach Konstanz
1556 verkaufte das „Gottshaus Kreuzlingen“ den Rebberg „zum Schulmeister“. Um 1570 liess der damalige Besitzer, wahrscheinlich Abraham Fels, darauf ein Haus erbauen. Mit seinem Treppengiebel erinnerte dieses an ein Schlösschen, weshalb es im Volksmund bald den Namen „Felsenschlössli“ erhielt. 1855 konnte das Haus von der damals noch kleinen Schulgemeinde erworben werden. Es ist Kreuzlingens ältestes Schulhaus und beherbergt seit 1861 die Seminarübungsschule mit zwei Abteilungen und eine Hauswartwohnung.
1904 bis zum Bau des Schreiberschulhauses 1909 nahm es im Erdgeschoss die dritte Schulklasse Kreuzlingens auf.
Ein Vertrag zwischen Kreuzlingen und dem Staat Thurgau regelte die Führung der Übungsschule. Dieser bestimmte unter anderem:
Art. 1. Die Schulgemeinde Kreuzlingen verpflichtet sich, für die Übungsschule des Seminars die erforderlichen Räume, bestehend in zwei Lehrzimmern mit den erforderlichen Bestuhlungen und sonstigem Mobiliar, gegen eine Entschädigung von Fr. 300.- nämlich Fr. 200.- für das größere und Fr. 100.- für das kleinere Zimmer, zur Verfügung zu stellen, zu heizen, zu beleuchten und zu reinigen und unklagbar zu unterhalten. (...)
Art. 2. Die Besoldung des oder der Lehrer der Übungsschule wird vom Staate übernommen, ebenso die Beschaffung der allgemeinen Lehrmittel der Übungsschule. (...)
Art. 3. In der Organisation der Übungsschule hat der Staat innert den Schranken des jeweiligen Unterrichtsgesetzes freie Hand. (...) Die Schulgemeinde hat Anspruch darauf, dass mindestens 56 Schüler in der Übungsschule den Primarschulunterricht erhalten. (...)
1962 ermöglichte ein gegenseitiges Näherbaurecht der Garage Lang die Vergrösserung ihrer Autowerkstätte, der Schule den Bau einer Pausenhalle. 1998 wurde der bislang ungenutzte Dachraum in einen polivalenten Schulraum umgewandelt und 2002 erlaubte ein moderner Anbau die Einrichtung eines Werkraums.

Felsenschlössli 1952, rechts davon das Scheffelhaus, heute Mädchenkonvikt des Lehrerseminars
Nicht nur baulich entwickelte sich die Seminarübungsschule. Diese hatte stets eine besondere Stellung mit besonderem Auftrag: Sie wurde, der Schulrealität in ländlichen Gebieten entsprechend, stets im Mehrklassensystem geführt. Lange unterrichteten die Übungslehrer hier je drei Klassen gemeinsam, später und bis heute noch zwei. „Altersgemischtes Lernen“ wurde von diesen Lehrkräften nicht als Einschränkung sondern vielmehr als Chance verstanden, was Heidi Hofstetter-Sprunger, während vieler Jahre Übungs- und Methodiklehrerin für die Unterstufe, 2006 in Wort und Bild eindrücklich dokumentierte.
Momentaufnahme 2013
Im Konstanzer Südkurier vom 27. Februar 2013 berichtet die Redaktorin Kirsten Schlüter von einem Schulbesuch im Schreiberschulhaus:
Nachbarn investieren kräftig in Bildung
(...) Wenn Marlene, Kadire, Almira und Rilind den neuen Buchstaben Y lernen, Silben klatschen und Arbeitsblätter ausfüllen, ist das für die Kreuzlinger Erstklässler Alltag. Sie merken nicht, unter welch guten Bedingungen sie im Thurgau lernen dürfen. Doch für Außenstehende wird der Unterschied zwischen einem deutschen und einem Schweizer Klassenzimmer auf den ersten Blick augenscheinlich. In Schweizer Schulen steckt richtig viel Geld.
An einem Donnerstagmorgen sitzen die Erstklässler des Kreuzlinger Schulzentrums Schreiber auf ihrem Bänkli vor der Tafel und versuchen zu verstehen, warum das Y einmal wie ein Ü ausgesprochen wird, dann wieder wie J oder I. Nur elf Kinder sind da, sieben liegen krank im Bett. Dass die Klasse insgesamt nur aus 18 Schülern besteht, gehört zum Konzept. ,,Wir haben eine extra Einschulungsklasse für entwicklungsverzögerte Kinder", erklärt die stellvertretende Schulleiterin Wiebke von Lengerke. Sie werden ein Jahr lang besonders gefördert und kommen in der zweiten Klasse zu Marlene, Kadire und den anderen dazu. Daher werden im ersten Schuljahr Plätze für sie freigehalten. Für die Erstklässler ist die kleine Gruppe angenehm - auch deshalb, weil der Migrantenanteil an Kreuzlinger Schulen bei 55 Prozent liegt. So ist es auch in der aktuellen ersten Klasse, die aus acht Schweizern, zwei Deutschen, vier Mazedoniern, einem Kind aus Italien und einem aus Sri Lanka besteht. Der Kanton Thurgau hat nicht umsonst Hochdeutsch als Unterrichtssprache zur Pflicht erklärt. Schweizerdeutsch ist nur in den Pausen zu hören. Hilfreich ist es auch, dass die Klasse bei Bedarf geteilt werden kann: Karin Hürsch und Evi Löser unterrichten im Team. ,,Wir achten darauf, die Gruppe nicht nach Niveau zu trennen, damit jeder gefördert wird", sagt Karin Hürsch.
Im Moment führt Evi Löser die Klasse aber alleine. Ihre Kollegin sitzt hinten drin und bereitet sich vor. Nicht etwa mit Papier und Stift oder am privaten Laptop, sondern an einem riesigen Apple-PC. Drei weitere teure Geräte sind im Klassenzimmer verteilt. ,,Das ist ja Luxus", staunen die deutschen Besucher. ,,Luxus?", fragt Karin Hürsch. ,,Was soll ich denn im Medienunterricht mit vier Computern anfangen?" Sie weiß aber, dass eine solche Ausstattung in Konstanzer Klassenzimmern nicht zu finden ist. Und wenn wirklich jedes Kind an einem Gerät arbeiten soll, kann die Lehrerin einfach ins Schulleiterbüro gehen und dort einen Klassensatz iPads holen, die vollgeladen mit Apps (Anwendungen) sind.
Das Geld im Schweizer Schulsystem steckt aber nicht nur in Geräten, sondern auch in Büchern, die Eltern grundsätzlich nicht kaufen müssen, und im Personal. Im Schulzentrum Schreiber gibt es ein Förderzentrum, eine Schulberatung mit studierten Psychologen (sie kümmern sich um Krisenkonzepte, Gewaltprävention und Sexualberatung), Logopäden, Angebote zur Psychomotorik und Familienberater, die schwierige Familien aufsuchen. Auch Wiebke von Lengerke nennt sich Luxus. Die Deutsche ist studierte Sonderschullehrerin und in Kreuzlingen als schulische Heilpädagogin angestellt. ,,Wir sind zwei Vollzeitkräfte für 300 Schüler", erzählt die 41-Jährige. ,,Wir können zwar keinen Schüler in Mathe besser machen, aber wir sorgen dafür, dass alle mit einem Lachen durch die Schule gehen." Sie findet in der Schweiz ,,tolle Arbeitsbedingungen" vor - auch wenn sie als stellvertretende Schulleiterin keinen zusätzlichen Rappen für ihr Amt bekommt. ,,Wir treten den Eltern hier auch viel mehr auf die Füße als in Deutschland. Wir können sie zum Beispiel verpflichten, mit der Familienberatung zusammenzuarbeiten", sagt die 41-Jährige.
Die Skepsis vieler deutscher Eltern gegenüber dem Schweizer Schulsystem kann dort niemand verstehen. Doch immer noch wohnen viele deutsche Familien in Kreuzlingen und schicken ihre Kinder in Konstanz zur Schule. Momentan betrifft dies laut dem Kreuzlinger Schulpräsidenten Jürg Schenkel 120Grundschüler und 60 ältere Schüler. ,,Mit der Integration dieser Kinder in ihr Schweizer Wohnumfeld klappt es dann nicht so gut", sagt Wiebke von Lengerke. Für die Kreuzlinger Klassen allerdings hat dies auch einen Vorteil: Sie bleiben weiterhin übersichtlich.
(...)
Quellen:
- M. Bürgi, M. Rüthers, A. Wüthrich: Kreuzlingen (Stadt Kreuzlingen, 2001)
- www.museums-gesellschaft.ch
- Vereinigung Heimatmuseum Kreuzlingen: Beiträge zur Ortsgeschichte:
Hefte IV und XI, 1951 und 1957 - Abstimmungsunterlagen
- Jahresrechnungen und Rechenschaftsberichte seit 1907
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Seetal
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Wir können davon ausgehen, dass seit 1655 in Kurzrickenbach ohne Unterbruch Schulen geführt wurden, siehe auch Mittelalter bis 20. Jahrhundert.
19. Jahrhundert
Aus der Stapferschen Schulchronik von 1799 ist zu entnehmen, dass die Kurzrickenbacher Kinder in drei Klassen eingeteilt Buchstabieren, Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen lernten. Dabei wurde dem Auswendiglernen grosses Gewicht beigemessen. Der Unterricht dauerte vormittags und nachmittags je drei Stunden. Er wurde im Winter von bis zu 60, im Sommer von 26 Kindern besucht.
Schulmeister Johannes Bär unterrichtete in seiner eigenen Wohnstube, wofür er keinen Zins erhielt und für deren Unterhalt er selber aufkommen musste. Der Visitator, Pfarrer Breilinger aus Ermatingen berichtete: "(...) die Stube des Lehrers ist freilich lang, aber sehr niedrig, so dass man, wenn auch ein paar Fenster öffnet, vor Dampf dennoch ersticken möchte."
[Anm. d. Verf.: Der Schreibende hatte noch 1991 Gelegenheit, im Kanton Freiburg eine Gesamtschule zu besuchen, deren Schulzimmer am Ende eines langen Flurs lag, welcher die ganze Lehrerwohnung durchquerte. Neben der Klingel trennte eine Karte Privates vom Öffentlichen: „Ecole: Sonnez 1 x“ – „Famille: Sonnez 2 x“.]
Kurzrickenbach wuchs im 19. Jahrhundert stark, so dass hier die Schulstube des Lehrers zu eng wurde. Für einige Zeit fand darum der Unterricht im Gemeindehaus statt. In Frankreich war es bis weit ins 20. Jahrhundert selbstverständlich, dass die Schule im gleichen Gebäude wie die Mairie, das Rathaus, untergebracht war, häufig „Filles“ links und „Garçons“ rechts der Gemeindeverwaltung. In Kurzrickenbach jedoch führte räumliche Nähe und Enge wiederholt zu Konflikten.

Darum errichtete die Schulgemeinde 1844 ihr erstes Schulhäuschen, einen fabrikähnlichen Lehrsaal, 9 m lang und fast 8 m breit, der die bis zu 60 Kinder recht gut zu fassen vermochte. Das nicht zu Unrecht „Schuppen“ genannte Lehrgebäude diente der Schule bis 1913.
Der Schulbesuch erfolgte oft wenig konsequent: Manche Kinder blieben häufig dem Unterricht fern, weil sie im Haus oder in der Landwirtschaft arbeiten mussten. Allerdings wurden solche Schulversäumnisse gar nicht so ungern gesehen, stellten doch die „Schul- und Absenzenbussen“ einen willkommenen Zustupf an das Einkommen des Lehrers dar. Dessen reguläres, äusserst karges Gehalt setzte sich zusammen aus den 3 Kreuzern, die jedes Kind Woche für Woche mitbrachte, den 4 Kreuzern, welche jene Kinder bezahlten, die im Winter kein Holz mitbringen konnten und den Entschädigungen für weitere Unterrichtstätigkeiten. Kein Wunder, dass der Lehrer „neben dem Lehramte“ eine Landwirtschaft betrieb! Fiel das Einkommen eines Schulmeisters gar zu mager aus, konnte er aus dem Armengut unterstützt werden, siehe auch Lehrerlohn im 18./19. Jahrhundert.
[Anm. d. Verf.: Interessant: In der nicht immer so „guten alten Zeit“ waren in aller Regel neben Pfarrer und Arzt die Lehrer im Ort hoch geachtet. Offenbar hing damals der soziale Status einer Person kaum von deren finanzieller Situation ab.]
Lehrerbeurteilung
Walter Greuter erwähnt in seiner Kurzrickenbacher Schulgeschichte 1970 auch einige Lehrer im 19. Jh.: „Über den im Jahre 1848 angestellten Lehrer Johannes Huber lautete das Urteil: „Die Inspektionsprüfung war sehr befriedigend“. 1854 stellte die Behörde aber fest, „dass er es mit dem Anfang und Ende der Schulzeit nicht so genau nehme.“ Es scheint, dass die äussere Not, trotzdem seine Frau mit einem Geschirrladen noch etwas Geld verdiente, seine Schaffensfreudigkeit lähmte. Er bezog 1858 ein Jahresgehalt von 700 Franken; daneben stand ihm ½ Juchart (ca. 18 Aren) Pflanzland zur Verfügung. Das war wenig für die kinderreiche Familie.
1866 erfolgte eine Gehaltserhöhung von 100 Franken, „mit Rücksicht, dass des Lehrers Leistungen zufriedenstellend seien.“ Aber die Spannung nahm wieder zu, als der Lehrer wegen religiöser Versammlungen und Theateraufführungen im Schullokal beim Erziehungsdepartement Beschwerde einreichte. Das erzürnte den Männerchor. Unterschriften wurden gegen ihn gesammelt, und es kam am 8. Dezember 1876 zur Abberufung.“
Widerspenstige Kurzrickenbacher
Ende des 19. Jahrhunderts war die Schülerzahl so weit angewachsen, dass das Erziehungsdepartement eine Schulgemeindeversammlung anberaumte: Nach Artikel 7 des Schulgesetzes musste nämlich eine Schule geteilt werden, wenn sie während vier Jahren 80 oder mehr Kinder zählte. In Kurzrickenbach dauerte dieser Zustand schon zehn Winterhalbjahre lang an, stieg der Bestand einmal gar auf 99 Kinder! Die Gemeinde glaubte jedoch, sich eine Zweiteilung nicht leisten zu können und überredete den Lehrer, Alfred Hofer, allein weiter zu machen. Eine Gehaltserhöhung um 200 auf 1600 Franken pro Jahr war dabei wohl das wesentlichste Argument. Doch das Erziehungsdepartement lehnte diesen Kuhhandel ab, und Hofer wechselte 1899 nach 16 Jahren in Kurzrickenbach nach Basel. Hier unterrichtete er an einer Klassenschule (in Unter- und Oberstufe unterteilt) bei einem Gehalt von 3600 Franken... Das Erziehungsdepartement bewies damals beachtlichen Langmut, die Schule blieb wie sie war, und auch der Nachfolger, ebenfalls ein hoch angesehener Lehrer, verliess nach sechs Jahren seine rund 100 Schulkinder wieder. Der nächste hielt es noch drei Jahre lang aus.
Frühes 20. Jahrhundert
Endlich handelte das Erziehungsdepartement (das damals noch „Departement für das Kirchen- und Erziehungswesen“ hiess): Am 8. Januar 1908 forderte es die Schulbehörde auf, eine Klassenschule einzurichten und die nötigen Schullokalitäten bereit zu stellen.
Darauf beschloss die Gemeindeversammlung vom 15. Februar 1908 die Aufteilung in je eine Unter- und Oberschule.
Walter Greuter: „Am 26. Oktober 1908 nahm Emma Ramseier als erste Lehrerin der ABC-Schützen die Tätigkeit im Gemeindehaus auf. Wegen Verehelichung trat sie nach sechs Jahren vom Lehramt zurück. Ihre Nachfolgerin wirkte hierauf von 1914 – 1916, ebenso führte Lina Kugler die Unterstufe nur sechs Jahre. Der häufige Stellenwechsel, der bei Lehrerinnen unvermeidlich ist, veranlasste die Gemeinde, die Anstellung eines Lehrers zu begehren. Von 1921 – 1923 hielt Rudolf Bickel Schule. Er wanderte nach Amerika aus.“

Der enge Dorfplatz von Kurzrickenbach. In der Mitte das Gemeindehaus. Das Haus Nr. 67 rechts davor, die Sattlerei Bütler, wurde noch vor dem Gemeindehaus abgebrochen; es stand auf dem späteren Platz vor dem alten Schulhaus Kurzrickenbach.
[Anm. d. Verf.: Offenbar war für die Verweildauer an einer Lehrstelle nicht nur das Geschlecht der Lehrperson ausschlaggebend!
Mit Pfarrer und Arzt gehörten die Lehrer zu jenen Berufsleuten, die in vieler Hinsicht mehr wussten als „gewöhnliche Leute“. Sie verfügten über einen vertieften Einblick in die Familien und erfuhren durch ihre Arbeit auch Dinge, von denen man eigentlich gar nicht wollte, dass andere Leute sie wussten. Die Dorfbewohner waren auf sie angewiesen, konnten sie jedoch nicht frei auswählen. Es war für sie darum wichtig, dass sie die Lehrer gut kannten, dass sie ihnen vertrauen und ihr Verhalten in etwa einschätzen konnten. Dabei durften diese „Respektspersonen“ neben ihren Stärken durchaus Schwächen haben, entscheidend war, dass die Leute wussten, mit wem sie es zu tun hatten.]
Das alte Schulhaus Kurzrickenbach
Die 1908 beschlossene Aufteilung der Gesamtschule führte dazu, dass der Saal im Gemeindehaus wieder, wie vor 1844, als Schulstube herhalten musste. Nicht für lang!
Bald erwies er sich als zu klein für die auf rund 60 Kinder angewachsene Unterstufe, und die Architekten Weideli und Kressibuch wurden mit der Projektierung eines Schulhauses beauftragt. Von der kleinlichen Widerspenstigkeit Ende des vorigen Jahrhunderts war nun nichts mehr zu spüren: 1911 stimmten die Schulbürger dem Kredit von 110‘000 Franken für den Bau des Schulhauses mitten im Dorf zu.
Am 20. Oktober 1913 wurde es mit einem Volksfest eingeweiht: Beflaggung der Häuser, Umzug, Reden, Schlüsselübergabe, Darbietungen der Kinder und Vereine, Festwirtschaft. Der Schuppen von 1844 hatte ausgedient und war im September abgebrochen worden; Kurzrickenbach verfügte nun für seine Schule über ein hochwertiges Gebäude, dessen eigenständige Architektur sich noch heute harmonisch ins Dorfbild einfügt, das aber auch die hohe Wertschätzung deutlich macht, welche die Schule genoss.
Mit 64 Unter- und 84 Oberschülern begann am 21. Oktober 1913 der Unterricht.
Das Schulhaus hatte mit Landankauf, Kosten für den Abbruch des alten Schulhauses, Umgebungsarbeiten, Bauleitung und Bauzinsen, Mobiliar, Einweihung 110‘802.40 Franken. Dreissig Jahre später setzte die Gebäudeschätzung den Wert mit Fr. 216'000.- fest.
Renovationen, Um- und Ausbauten haben das Schulhaus immer wieder den sich ändernden Bedürfnissen angepasst, ohne dabei sein harmonisches Erscheinungsbild zu beeinträchtigen. So finden sich heute im Kellergeschoss zwei Schulzimmer, neben der Hausmeisterwohnung wird in einem „heimeligen“ Schulraum Textiles Werken unterrichtet... nur die heutige Bezeichnung KURIBA mag nicht recht zu dem stolzen Gebäude passen.

Drei Lehrerpersönlichkeiten
Nach einigen Lehrerwechseln übernahm Hans Hubmann im Frühjahr 1915 die über 70 Schüler der oberen Klassen. Rasch erarbeitete er sich eine hohe Wertschätzung. Während 42 Jahren wirkte er in Kurzrickenbach, und dies nicht nur in der Schule. Daneben unterrichtete er Lehrlinge an der Gewerbeschule, war Gemeinde- und Stadtrat, Präsident der Schützengesellschaft und des Quartiervereins, Dirigent des Männerchors, Präsident und Kassier des Evangelischen Kirchenchors und Gründer des Singkreises Kurzrickenbach.
1920 musste eine dritte Lehrstelle eröffnet werden. Im gleichen Jahr erfolgte die Einführung der Ganzschuljahre für die Dauer der acht Schuljahre, siehe auch Schulpflicht ab 1874.
Mit Walter Greuter wurde 1920 auch für diese Stelle ein aussergewöhnlich ausdauernder und vielseitig wirkender Lehrer gewonnen. Während 46 Jahren wirkte er in Schule und Gemeinde, dirigierte Damen- und Männerchor, diente als Organist und leitete den evangelischen Kirchenchor, lehrte an der Kaufmännischen Berufsschule und unterrichtete Stenografie und im Lehrerseminar Schreibmaschineschreiben.
Die Unterstufe war ebenfalls gut und lang „versorgt“: Von 1923 bis 1955 wirkte hier Heinrich Schaub. Auch er fand Zeit für weitere Tätigkeiten, unterrichtete an der Gewerbeschule, präsidierte Schützengesellschaft und Turnverein, sass im Vorstand des Quartiervereins, sang im Männerchor und setzte sich aktiv für die Entwicklung des Berufsbildungswesens ein. 1955 wechselte Schaub als hauptamtlicher Lehrer an die Berufsschule.
Ende der Selbständigkeit
Im Mai 1925 sprach sich eine grosse Mehrheit der Kreuzlinger und Kurzrickenbacher Stimmbürger für einen Zusammenschluss der Schulgemeinden aus. So vermied Kurzrickenbach eine Erhöhung des Schulsteuerfusses.
Damit waren jedoch auch wesentliche Verbesserungen des schulischen Angebots verbunden: Ab dem Schuljahr 1926/27 besuchten nun die Schülerinnen und Schüler des 7. und 8. Schuljahres die Oberschule in Kreuzlingen, was für die Primarlehrer in Kurzrickenbach bedeutete, dass sie nur noch zwei Klassen gleichzeitig zu unterrichten hatten. Kinder, die der normale Unterricht überforderte, konnten nun die Spezialklasse in Kreuzlingen besuchen. Auch wurden neu Handarbeitskurse und Schwimmunterricht erteilt. Die Kurzrickenbacher Kinder profitierten sowohl von der 1918 eingeführten Schülerkrankenkasse, bei welcher Schulkinder zu günstigen Bedingungen versichert werden konnten, als auch von der 1924 eröffneten Schulzahnklinik.
Wachstum
Nach den drei oben erwähnten, während mehr als drei Jahrzehnten hier wirkenden Lehrern, erlebte die Schule häufige Lehrerwechsel.
Und sie wuchs: 1954 wurde eine zweite Unterstufe eröffnet; damit war die Primarschule auf vier Klassen angewachsen. Die Einrichtung der dritten Mittelstufe 1963 bedeutete eine doppelte Zäsur: Nun konnte im Einklassen-System unterrichtet werden, und mit Monika Riedle übernahm diese Stelle erst noch eine Frau... keine Selbstverständlichkeit, herrschte doch in den sechziger Jahren noch die Meinung vor, Lehrerinnen gehörten an die Unterstufe!
Im Juni 1957 bewilligte der Souverän einen Kredit für die Neuanlage der Pausen- Turn- und Spielplätze beim Schulhaus Kurzrickenbach. Der Ausbau der Strassen im Dorfkern hatte dazu geführt, dass die Schule das Wohnhaus Romanshornerstrasse 65 zum Abbruch frei geben und Land abtreten musste.
Ein Ausbau der Aussenanlagen wurde nötig, um den 4 Primarschulklassen und dem Kindergarten Sport und Spiel im Freien zu ermöglichen ... dies um so mehr, als keine Turnhalle zur Verfügung stand.
Das Wachstum führte zu Raummangel. 1963 kaufte die Schulgemeinde darum Bauland nördlich des bestehenden Schulgeländes, und liess als Notlösung für 144‘540 Franken einen Schulpavillon mit zwei Klassenzimmern aufstellen.
Schon 1964 folgten eine vierte, 1968 eine fünfte und 1970 eine sechste Mittelstufenklasse. Die Unterstufe erhielt 1969 die dritte, und 1970 die vierte Klasse. Im gleichen Jahr wurde in Kurzrickenbach eine Spezialklasse eingerichtet.

1968 bis zum Bezug des Schulhauses Egelsee 1975 fanden auch drei, ab 1969 vier Abschlussklassen (7. bis 9. Schuljahr) in Kurzrickenbach Gastrecht, von denen zwei bis zur Eröffnung des Oberstufenzentrums Remisberg 1995 hier blieben.
Mehrere dieser Klassen wurden während Jahren in behelfsmässigen Schulräumen unterrichtet, Platzmangel war ein beherrschendes Thema und beeinträchtigte die unterrichtlichen Möglichkeiten erheblich.
Auch während dieser wechselvollen Jahre hielten drei Lehrkräfte Kurzrickenbach Jahrzehnte lang die Treue: An der Unterstufe wirkte 1969 bis 2002 Ruth Brack, an der Mittelstufe Peter Tanner 1955 bis 1993 und August Holenstein 1964 bis 2001.
„Nähschulunterricht“
Bis zur Einführung des Schulgesetztes von 1853 war der Besuch der Mädchenarbeitsschule freiwillig aber sehr erwünscht, und der Pfarrer sollte von der Kanzel aus die Eltern ermahnen, ihren Töchtern deren Besuch zu ermöglichen. Die zukünftigen Hausfrauen sollten Stricken und Nähen können, deshalb wurde der „Nähschulunterricht“ für obligatorisch erklärt. Die erste Lehrerin, Elisabeth Lang, hatte sich auf ihre Aufgabe an einem Arbeitslehrerinnen-Kurs in Frauenfeld vorbereiten lassen ... zwei Tage lang! Die Geringschätzung dieses Bildungsbereichs zeigte sich auch 1874, als Elisabeth Hafen kündigte, weil die Schulbehörde nicht bereit war, ihr für die Arbeit mit bis zu 37 Schülerinnen eine Gehilfin zu bewilligen.
Zu Beginn des neuen Schuljahres wurde im Frühjahr 1970 die zweite Lehrstelle eingerichtet. Noch immer besuchten nur die Mädchen die „Nähschi“. Seit Mitte der siebziger Jahre erst wird dieser Unterricht koeduziert geführt, hat mit dem Einzug der Knaben auch eine gediegenere Bezeichnung erhalten: „Textiles Werken“, und er wird heute von „Lehrpersonen Textilarbeit/Werken“ erteilt. Natürlich haben sich auch die Aufgaben und Ziele dieses Unterrichts verändert. So heisst es in einer Pressemitteilung des Vereins „pro manu“ 2008: Arbeiten mit der Hand, denkend unterstützt und vom Herzen geleitet, hat eine sehr lange, jahrtausendalte Tradition. Die Grundlagen des manuellen Schaffens sind Kulturtechniken, ein grosses Kulturgut, das nicht verloren gehen darf und welches leben lehrt.
http://www.promanu.ch/
Kindergärten

Foto aus den Werbeunterlagen des Herstellers der beiden Kindergärten.
Erstmals war 1872 die Einrichtung eines Kindergartens beabsichtigt gewesen, doch konnte das dafür vorgesehene Lokal verkauft werden... worauf von einer Gründung wieder Abstand genommen wurde. Erst der 1930 gegründete Quartierverein griff, auf Anregung der Lehrerschaft Kurzrickenbachs, das Thema wieder auf. Er stellte mitttels Umfrage ein grosses Interesse fest. 1933 schliesslich war es so weit: Im Untergeschoss des Schulhauses wurde der Raum, welcher als Turnlokal diente, neu eingerichtet und darin der erste Kindergarten eröffnet. Diese provisorische Lösung sollte möglichst bald durch einen Neubau abgelöst werden, doch verhinderten der zweite Weltkrieg und andere Bauaufgaben der Schulgemeinde diesen.
Weiter westlich, auf halbem Weg in die Stadt, doch immer noch auf Kurzrickenbacher Boden wurde dann 1957 der Doppelkindergarten im Paulisgut errichtet, mitten in einem dicht besiedelten Wohnquartier, und 1970, mit der neuen Schulanlage Seetal, konnte auch der Doppelkindergarten Kurzrickenbach eingeweiht werden.
Als wenige Wochen nach der Einweihung der neue Doppelkindergarten von Mauern umgeben wurde, beklagte „ein besorgter Stimmbürger“ im TG Volksfreund die Verschandelung des Dorfbildes, den Verlust von Parkplätzen und die „Einengung des kindlichen Blickfeldes“. Die Schulvorsteherschaft wies auf die Gefahren hin, die sich aus der Nähe der Strassen ergäben und begründete die Mauern mit den „Erfordernissen des Schulbetriebes“. Der Kindergarten sei vom (manchmal lärmigen) Pausenplatz abzuschirmen, und es müsse möglich sein, die Kinder auch im Freien ungestört zu unterrichten.
Dass die Behörde hier von „Schulbetrieb“ und „Unterricht“ im Kindergarten schrieb, beweist dass sie sich der Bedeutung dieser Schulstufe bewusst war und den Kindergarten ernst nahm, ernster wohl als dies damals noch bei vielen Eltern der Fall war.
Kurzrickenbach wuchs weiter: Südlich der Romanshornerstrasse entstanden Wohnblöcke und Einfamilienhäuser.
Schliesslich wurde 1973 der Bau des Doppelkindergartens an der Burgstrasse 21 bewilligt, gleichzeitig mit einem identischen Systembau beim Schulhaus Weinburg an der Rosgartenstrasse 53.
Mit 80 % Ja-Stimmen beschlossen die Kreuzlinger Stimmbürger 1999 die Einführung eines freiwilligen zweiten Kindergartenjahres. (Damit nahm die Stadt nicht etwa eine Vorreiterrolle ein, führten doch bereits rund zwei Drittel aller Thurgauer Schulgemeinden den Zweijahreskindergarten.)
Von dieser Ausweitung des Angebotes machten erwartungsgemäss die meisten Eltern Gebrauch, was die Einrichtung zweier zusätzlicher Abteilungen nötig machte; im Sommer 2004 wurde ein Pavillon in Kurzrickenbach, westlich des Schulhauses KURIBA, und ein zweiter beim Schulhaus Emmishofen aufgestellt.
Schulhaus Seetal
Die rege Bautätigkeit im Osten von Kreuzlingen, die steigenden Geburtenzahlen sowie pädagogische Entwicklungen führten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu einem raschen Wachstum der Schulen. Schulraum war notorisch knapp. Vorhandene Provisorien wurden (oft während vieler Jahre) genutzt, Pavillons erstellt, Notlösungen folgten einander. Zudem verfügte Kurzrickenbach bis zum Bau der Schulanlage Seetal über keine Turnhalle und nur über bescheidene Aussenanlagen. An einen zielgerichteten Turnunterricht war kaum zu denken, reichten doch auch die Sportstätten im Zentrum bei weitem nicht aus.
Das Schulhaus von 1913 sollte durch eine grosszügige Schulanlage ergänzt werden, die den aktuellen Bedürfnissen genügte und mit einer bescheidenen Raumreserve zukünftigen Entwicklungen zu genügen vermochte.
1965 genehmigten die Stimmbürger 2'681'400 Franken für die 1. Etappe. Dem folgten 1968 die Genehmigung von 559'000 Franken für die 2. Etappe und 1969 von 392'000.- für die Erstellung eines Doppelkindergartens.

Modellansicht der Schulanlage in der Abstimmungsbotschaft 1965
Die Schulanlage wurde am 5./6. September 1970 mit einem grossen Volksfest eingeweiht.
Mit dem Bau war 1966 begonnen worden. Allerdings hatte zuvor das Projekt aus dem Jahre 1965 erweitert werden müssen: Die stürmische Bauentwicklung in Kurzrickenbach erforderte eine Ausweitung auf 13 Klassenzimmer, 3 Handfertigkeitsräume, einen kleinen (!) Bibliothek- und Sammlungsraum, das Lehrerzimmer und natürlich die Luftschutzräume, die von den Lehrerinnen und Lehrern so gern als Lagerräume für vorübergehend (und manchmal auch dauernd) nicht im Unterricht eingesetzte Gegenstände genutzt werden.
Drei Handfertigkeitsräume wurden erstellt, nämlich je einer für Arbeiten mit Papier/Karton, Holz und Metall, obwohl Metallbearbeitung nie zum Werkenprogramm der Mittelstufe gehörte. War ursprünglich kein Kindergarten vorgesehen, wurden nun deren zwei in die Anlage integriert... und dafür der ursprünglich vorgesehene Singsaal wieder aus dem Raumprogramm gestrichen.
Der Turnhallentrakt umfasste je eine Turn- und Mehrzweckhalle mit Bühne, 4 Garderoben, 2 Duschräume und 1 Lehrer-Garderobenraum mit Duschen. (EINE Lehrergarderobe: War dies Sparsamkeit, war es Fortschrittlichkeit oder Gedankenlosigkeit, Lehrerinnen und Lehrer sich im selben Raum umkleiden zu lassen?). Dazu kamen Geräteräume, ein Office und ein Stühlemagazin für die Mehrzweckhalle, die ja neben dem Sportunterricht („ohne Gerätebenützung“ steht im Baubeschrieb des Architekten) der Schule und den Vereinen für Unterhaltungen, Chorsingen, Theateraufführungen dienen sollte (Hätte das J. Huber 100 Jahre früher gehabt...!) und auch als Militärunterkunft genutzt wurde.
Der Kindergarten erhielt 2 Schulräume „mit den notwendigen Nebenräumen“.
In die Anlage integriert war eine 4-Zimmer-Wohnung für den Hausmeister, damals noch Abwart genannt.
Der damaligen „Baumode“ entsprechend, bestand die äussere Schicht der Fassaden „aus wartungsfreiem Sichtbeton“ und waren alle Gebäude „flach eingedeckt“. Letzteres sollte in der Folge immer wieder zu Problemen mit eindringendem Wasser führen, so dass 1988 Giebeldächer aufgesetzt werden mussten.
Die grossen Flächen „nackten“ Betons regten gelegentlich den Gestaltungswillen von Lehrkräften und Kindern an. So grüsst uns an der Westfassade eine Tiefseeszenerie, so gestaltete vor vielen Jahren eine Mittelstufenklasse des nun alten Schulhauses die Mauer zum Kindergarten mit geometrisch-farbigen Feldern. An den Malereien nagen die Einflüsse von Wind und Niederschlägen und machen so auf ihre Weise Zeit sichtbar, mögen aber auch zu weiteren Veränderungen anregen.

Im Frühjahr 2000 bewilligte die Schulbehörde die Bemalung einer Aussenwand des Schulhauses durch zwei Klassen. Zur obigen Skizze schrieben die Kinder:
„...sehen Sie, wie wir uns das Gemälde vorstellen. Hoffentlich gefällt es Ihnen!“
Zwei Kunstwerke, beide von André Ramseyer, waren von Anfang an Teil des Schulzentrums und prägen dessen Aussehen und Ausstrahlung mit:
- Beim nördlichen Zugang schwingt sich eine kühne bronzene Schleife durch den Raum: „Equinoxe“, zu Deutsch „Tag- und Nachtgleiche“. („Brezel“ nennen sie manche). Ohne Anfang und ohne Ende in sich selber ruhend, hält sie doch die Augen des Betrachtenden in Bewegung. Eine Foto davon schmückt die Sondernummer der Zeitung zur Einweihung: Zwei Knaben sind daran hoch geklettert, sitzen darauf und tun so, als ob sie hier Hausaufgaben lösten.
- Der Brunnen beim südlichen Zugang ist flach wie die Gebäude, vielgliedrig wie diese und lädt die Kinder dazu ein, bespielt und begangen zu werden; wie manches von ihnen ist wohl nach der Pause mit nassen Füssen (und Schuhen) in die Klasse zurück gekehrt?
(André Ramseyer [1914 – 2007] war ein bedeutender Schweizer Bildhauer, der nach einigen Jahren in Paris seit 1942 im Kanton Neuenburg lebte. Werke von ihm finden sich in der ganzen Schweiz, in Frankreich, Italien, den USA und Saudi-Arabien.
[Anm. d. Verf.: Der Thurgauer Volksfreund vom 4.9.1970 schreibt Ramseyer auch die Schaffung des Brunnens zu, was mir nach dem Vergleich mit Abbildungen anderer seiner Werke zweifelhaft erscheint.]
Die Anlagen, welche die Gebäude umgeben und gliedern, umfassen zwei Pausenplätze, eine grosse Spielwiese. Da der Sportunterricht in den Schulen damals und bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts viele olympische Disziplinen abdeckte, wurde diese Wiese ergänzt durch eine 100 m lange Rasenlaufbahn, einem mit einem federnden Belag versehenen Trockenturnplatz und Anlagen für Hoch-, Weit- und Stabhochsprung sowie Kugelstoss-Anlagen.
Einweihung 1970
Zur Einweihung waren auch rund 1200 Ehemalige aus Kurzrickenbach eingeladen: Das Fest bot einen willkommenen Anlass für Klassenzusammenkünfte früherer Jahrgänge. Rund 500 der Eingeladenen kehrten denn auch an ihre alte Schule zurück und weihten mit einem gemeinsamen Abendessen die neue Turnhalle ein. Eine Geldsammlung unter den Ehemaligen erbrachte den stolzen Betrag von über 11'000 Franken, was die Anschaffung des Wandteppichs „Cordelia“ von Mario Prassinos, einem französischen Künstler, ermöglichte. Dieser verleiht dem Eingangsbereich noch heute mit seiner warmen, lichtdurchflossenen Buntheit einen fröhlichen Akzent.

Im Archiv finden sich einige vervielfältigte Dankbriefe an „Liebe Ehemalige“. Zwei Auszüge daraus:
Wir danken Euch für diesen farbenfrohen Teppich. Er gefällt zwar nicht allen so gut, aber er erinnert uns an Euch.
(...), wir drängten uns durch die Haupttür. Dann gelangten wir in die Eingangshalle. Dort war die Überraschung: der Teppich! Ich stand da und schaute ihn von allen Seiten an, aber ich kam nicht nach. Jetzt gefällt er mir noch gut.
Zwischen Alt- und Neubau steht eine majestätische Rotbuche; auch sie war ein Geschenk der „Alten“ an die neue Schule, und sie wird hoffentlich noch für viele Generationen von Kindern und Eltern wie selbstverständlich zu ihrer Schule gehören, ein beständiges Element im steten Fluss der Zeit mit ihren Veränderungen.
Gestern – heute - morgen
Das alte Schulhaus KURIBA und das neue Seetal sind markante Beispiele ihrer Zeit, und sie bewähren sich noch immer. Sie waren so angelegt, dass sie über Jahrzehnte den sich verändernden Bedürfnissen weitgehend entsprechen konnten. Ehemalige, die in ihre frühere Schule zurückkehren, finden sich auch nach langjähriger Abwesenheit leicht in ihrer früheren Schulanlage zurecht: Auf den ersten Blick scheint nur wenig sich verändert zu haben. Doch gleich fällt auf, wie gepflegt, wie ansprechend die Gebäude sind. Bei genauerem Hinsehen, beim Durchschreiten der Gebäude wird zudem bald deutlich: Hier wurde nicht nur dem Bestehenden Sorge getragen von den Kindern, den Hausmeistern, Lehrkräften und Behörden; vielmehr wurden die Schulgebäude und deren Umgebung immer wieder den sich verändernden Haltungen und Ansprüchen der Schularbeit angepasst, sorgen die Behörden dauernd für deren Modernisierung, Werterhaltung und Wertsteigerung. Ob rund hundert oder „nur“ vierzig Jahre alt: Die Schulhäuser ermöglichen den Lehrkräften noch immer eine zeitgemässe, der aktuellen Kindergeneration entsprechende Bildungsarbeit.
Einige Beispiele:
- 1998 konnte das zu eng gewordene Lehrerzimmer gegen ein grosszügigeres über der Eingangshalle eingetauscht werden; dieses ist über eine Wendeltreppe zu erreichen und wird für Sitzungen, Pausen und gemeinsames Arbeiten vielfältig genutzt. Im gleichen Jahr erfolgte eine Aktualisierung der Hauswartswohnung.
- 1999 wurden die Pausenplätze umgestaltet. Eine Gruppe von Lehrern hatte Ideen zusammengetragen: Ergänzung oder Umwandlung der weichen und harten Flächen, Hügellandschaft, Erlebniswelt, Spieltümpel, grünes Schulzimmer, Weidentunnel, Spielhügel, Labyrinthgarten, unterschiedliche Bodenbeläge, und anderes mehr. Im Herbst realisierte ein Fachbetrieb für naturnahe Gartengestaltung den Umbau im Rahmen einer Projektwoche, zusammen mit Schülern des Lehrerseminars und des Schulhauses.
- 2003 konnten die Schulzimmer durch insgesamt fünf Gruppenräume ergänzt werden. Diese ermöglichen den Kindern ein teilweise selbstgesteuertes Arbeiten und Lernen, dienen der Arbeit in Gruppen oder allein und erweitern ganz allgemein die Handlungsmöglichkeiten von Kindern und Lehrkräften.
- Die Schülerbibliothek war ursprünglich ein kleiner, schmaler Raum. Durch einen Schalter händigte eine Lehrerin oder ein Lehrer den lesefreudigen Kindern die gewünschten Bücher aus.
Nach wechselnden Provisorien verfügt das Schulhaus seit Februar 2011 in einem Schutzraum im Untergeschoss über eine öffentliche Freihandbibliothek mit angeschlossenem Leseraum. - Die ganze Anlage Seetal erfuhr in den vergangenen Jahren eine umfassende Sanierung. Sie wird sich hundert Jahre nach der Einweihung des Schulhauses KURIBA zeitgemäss und für die Zukunft bestens gewappnet präsentieren.
Manche Veränderung entsprang dem Bedürfnis, den Wert der Gebäude zu erhalten, die Benutzung der Räume zu optimieren oder die Technik zu aktualisieren. Besonders wichtig aber sind die sozusagen inneren Anpassungen, jene also, die das Vorhandene den sich verändernden didaktischen und pädagogischen Erfordernissen anpassen. Eine solche grundlegende Erneuerung erfuhr das Primarschulzentrum Seetal, als dessen Lehrkräfte sich als erste Primarschule in Kreuzlingen für die Einführung der Geleiteten Schule entschieden und damit (damals noch freiwillig) den Weg frei machten für eine permanente Qualitätskontrolle, eine selbstverantwortliche Qualitätssicherung und eine gemeinsam gesteuerte Entwicklung ihrer Schule. Seit dem Schuljahr 2003/2004 dient das ehemalige Lehrerzimmer als Büro der Schulleitung.

Quellen:
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Thurgauer Volksfreund vom 4. September 1970
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Vereinigung Heimatmuseum Kreuzlingen: Beiträge zur Ortsgeschichte:
Hermann Strauss: Die Schulen in Kreuzlingen; Heft. VI, 1952 -
Kreuzlinger Mosaik. Ein Quellenbuch der Grenzstadt Kreuzlingen bis ca. 1960, Bodan AG, 1991
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Diverse Abstimmungsunterlagen
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Walter Greuter: Aus der Schulgeschichte von Kurzrickenbach (Gedenkschrift zum Bau des Wehrlischulhauses, Kreuzlingen 1952)
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Mündliche und schriftliche Informationen
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Wikipedia
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Wehrli
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Erst 1952 erbaut, ist das Wehrlischulhaus das Nesthäkchen unter den Primarschulzentren, und die Gesamtansicht aus dem Entstehungsjahr zeigt, dass sich in der Pädagogik während der ersten Jahrhunderthälfte einiges verändert haben muss: Statt eines in sich geschlossenen und für Manche wohl auch verschlossen wirkenden repräsentativen Gebäudes ist die Anlage in mehrere Bauten gegliedert, die sich in ihre Umgebung einbetten ohne sie zu dominieren. Diesem Schulhaus fehlt das Repräsentative, aber die Fenster der Schulzimmer gewähren Kindern und Lehrkräften mitten in der Stadt den Ausblick ins Freie, in die (gestaltete) Natur.

Links im Bild von 1952 die Turnhalle, im Vordergrund der Kindergarten, dahinter die beiden zweistöckigen Schultrakte (jener rechts mit Hauswartwohnung), verbunden durch die Pausenhalle.
[Anm. d. Verf.: Die folgenden Abschnitte sind Auszüge aus dem enthusiastischen Aufsatz von Otto Fröhlich, Übungslehrer, in der Gedenkschrift zum Bau des Wehrlischulhauses.]
Das Schulhaus als pädagogisches Milieu
(...) Hier ist ein Milieu mit geistigem Wertgehalt in künstlerischer Gestaltung geschaffen worden. (...)
Auch die zehn lichtdurchfluteten Klassenzimmer mit ihren schmucken Eschenholz-Türen und –Schränken sind ruhig und stimmungsvoll gehalten. Sie scheinen in Tönung und Raumlösung der Altersstufe der darin sich aufhaltenden Kinder und deren Seelen- und Gefühlsleben trefflich angepasst zu sein. (...)
Gemäss den heutigen pädagogischen und hygienischen Forderungen weisen sämtliche Klassenzimmer bei ca. 8 x 9 m Bodenfläche eine annähernd quadratische Bauform auf, welche die ungehemmte Mitarbeit eines jeden Schülers an der Karte, an der Wandtafel und am Lehrertisch mit Leichtigkeit ermöglicht und die auch die demonstrative Arbeit des Schülers vor der Klasse, die Einzelarbeit in manueller und rein geistiger Beziehung sowie die schriftliche und zeichnerische Betätigung ausreichend gewährleistet. (...)
Das frühere „Hauptstück“ des Schulzimmers, das erhöhte Lehrerpult, ist verschwunden, an seine Stelle trat der einfache, unauffällige Lehrertisch. (...)
Auch ein erzieherischer Einfluss wird durch den Neubau zu spüren sein, denn die Pflege des Ordnungssinnes in der Schule ist gar nicht zu denken ohne das ästhetisch-objektive Milieu des Schulzimmers, welches in den vielen Stunden seines Aufenthaltes das Kind unmittelbar und nachhaltig beeinflusst. (...)
Bei aller Wertschätzung des wohlgelungenen Baues dürfen wir aber nicht übersehen, dass mit den sonnigen Räumen und ihren sinnvollen Einrichtungen nur die äussere Voraussetzung für die erzieherische Förderung unserer Jugend geschaffen worden ist. Das Schwerste und Ausschlaggebende bleibt der Lehrerschaft vorbehalten. (...)
[Anm. d. Verf.: Als einziges Primarschulhaus trägt dieses den Namen eines Pädagogen, was sowohl Ehrerbietung als auch Auftrag bedeutet. Worin könnte dieser bestehen?]
Johann Jakob Wehrli (1790 – 1855)
Während zwanzig Jahren, von 1833 bis 1853, fügte der erste Seminardirektor das Fundament der thurgauischen Lehrerbildung. Er legte grossen Wert auf das Zusammenleben der Seminaristen im Konvikt als wichtige Möglichkeit Gemeinschaft zu erfahren: Soziales Lernen, Rücksicht nehmen und geben.

Die Seminaristen hatten neben Unterricht und Studium in Haus, Werkstatt und Garten praktisch zu arbeiten. So wurden sie bestens auf ihr späteres Lehrerleben vorbereitet, gehörte doch zur geringen Besoldung in aller Regel ein Stück Land, das es gut zu nutzen galt. In Umkehrung des schulkritischen Seneca-Zitats „Non vitae, sed scholae discimus“ (Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.) sollten angehende Lehrer für das Leben lernen, nicht für die Schule („Non scholae, sed vitae discimus.“), auch dies eine wesentliche Aufgabe jeder Bildungsstätte.
Das Seminar sollte sie dazu befähigen ihr Leben selber zu meistern.
Wie Pestalozzi verfolgte Wehrli das Ziel einer ganzheitlichen Entwicklung der Persönlichkeit: Kopf (Intellekt), Herz (Sittlichkeit, Soziales) und Hand (praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten) sollten gleichermassen gefördert werden.
Wehrlis Leben und Wirken zeichnete sich aus durch Bescheidenheit und Gradlinigkeit, die stete Bereitschaft Neues zu lernen und zu wagen und durch sehr hohe Ansprüche an sich selbst.
[Anm. d. Verf:... also ein würdiger und passender Namenspatron für eine Schule. Seine Wahl bedeutet für eine Schule einen hohen Anspruch. Da haben es jene Schulen einfacher, deren Namen sich von der Geografie ihrer Lage herleiten; doch ist es glücklicherweise nicht der Name, welcher den Verantwortlichen ihr Tun und Lassen diktiert.]
Mehr als 50 Jahre lang zierte eine Gipsbüste Wehrlis die grosszügige Eingangshalle des Schulhauses. 2005 wurde sie das Opfer eines verbotenen Indoor-Fussballspiels...
Bau-Vorgeschichte 1941 – 1950
[Anm. d. Verf.: Die Baugeschichte vermittelt auch einen Eindruck vom Funktionieren der Demokratie im vergangenen Jahrhundert. Im Folgenden einige Auszüge aus dem Bericht von Emil Knus, Präsident der Baukommission (Gedenkschrift zum Bau des Wehrlischulhauses).]
Als im August 1938 das neue Sekundarschulhaus eingeweiht und dem Betrieb übergeben wurde, glaubte man, für unsere Schulen für eine lange Zeit vorgesorgt zu haben. Das Schreiberschulhaus stand wieder ganz der Primarschule zur Verfügung (...). (Doch) die nachfolgenden Kriegsjahre brachten eine unterwartete Wendung, indem die Zahl der Geburten von 1940 an dauernd stark anstieg. Die Schulbehörde sah sich nach einem Gelände für ein neues Schulhaus um und entschied sich für das bereits 1908 als Möglichkeit diskutierte Areal am damals noch offen fliessenden Schoderbach. Am 2. Dezember 1941 entschloss sich die Schulvorsteherschaft, das erwähnte Areal am Schoderbach im Ausmass von 11‘613 m² von der Schweiz. Volksbank zum Preise von Fr. 7.50 pro Quadratmeter = total Fr. 87‘097.50 zu erwerben. Der damalige Kaufvertrag wurde jedoch in der Urnenabstimmung vom 25. Januar 1942 mit 1070 Nein gegen nur 380 Ja abgelehnt.
Die Schülerzahlen stiegen weiter. Am 25. Juni 1946 schlug die Behörde an einer öffentlichen Versammlung den Bau eines Schulhauses an der Stählistrasse vor. (Die Munizipal- und Schulgemeindeversammlungen waren 1934 abgeschafft worden. Alle Gemeindeabstimmungen und Wahlen werden seither an der Urne entschieden.) Mittlerweile war die Notwendigkeit eines Neubaus unbestritten, er sollte jedoch nicht so weit vom Zentrum entfernt ausgeführt werden! Spontan und einstimmig beauftragten die an der Versammlung anwesenden Stimmbürger die Schulbehörde, über den Kauf des vor vier Jahren abgelehnten Areals neu zu verhandeln. Auf der Basis eines um Fr. 2 erhöhten Preises pro Quadratmeter gegenüber 1941 kam bald ein neuer Kauf für total Fr. 110‘000 zustande, dem in der Urnenabstimmung vom 3. November 1946 die Stimmbürger dann mit 1008 Ja gegen 371 Nein überzeugt zustimmten.
1947 lehnten die Stimmbürger die zwei Kreditbegehren für den Bau einer Turnhalle in Emmishofen und die Erweiterung des neuen Sekundarschulhauses (!) ab, was die Behörde als Auftrag interpretierte, die Mittel und Kräfte für eine grosszügige Schulhausanlage auf dem hierfür erworbenen Schoderbach-Areal zu reservieren.
Die Behörde entschied sich für die Durchführung eines Projektwettbewerbs für den Bau eines Schulhauses, eines Kindergartens und einer Turnhalle, was im August 1948 von den Stimmbürgern mit 675 Ja gegen 600 Nein knapp bewilligt wurde.
Die neuen Bauten sollten umfassen:
- 10 Klassenzimmer
- 2 Arbeitsschulzimmer (Textiles Werken)
- 1 Lehrer- und Bibliothekzimmer (ein Raum für beides)
- 1 Kindergartenzimmer
- 1 Schulküche mit Hauswirtschaftsraum
- 2 Handfertigkeitswerkstätten (Holz / Papier, Karton)
- 1 Abwartwohnung
- 1 Pausenhalle
- 1 Turnhalle

Modellansicht von Norden mit dem ursprünglich geplanten dreigeschossigen Schultrakt
Das Preisgericht entschied im März 1949, den Zürcher Architekten des siegreichen Projekts „Sonne über der Schule“, Edwin Schoch, mit dem Bau zu beauftragen.
Im Frühjahr 1950 lagen die Projektpläne und der Kostenvoranschlag von Fr. 2‘050‘000 für den Bau eines Primarschulhauses mit Kindergarten und Turnhalle auf dem der Schulgemeinde gehörenden Schoderbachareal (Text Stimmzettel) vor.
8./9. Juli 1950
Mit dem unerwartet guten Abstimmungsresultat von 1188 Ja gegen 417 Nein wurde der Schulhausneubau beschlossen (...). Doch bevor zum ersten Spatenstich geschritten werden konnte, beantragte der Architekt eine wichtige Abänderung des Projektes. Herr E. Schoch äusserte auf Grund neuer Studien den Wunsch, den dreistöckig vorgesehenen Schulhaustrakt zur zweistöckig zu bauen, ihn dafür aber um zwei Klassenzimmer zu verlängern, so dass jedes der beiden Stockwerke je fünf Schulzimmer zählt. Diese Lösung verbesserte das architektonische Bild der ganzen Anlage.
Anlässlich einer Schulgemeindeversammlung wurde den interessierten Stimmbürgern die Projektänderung vorgestellt. Da sie die Kosten nicht beeinflusste, liess sich die Versammlung von deren Vorteilen überzeugen und stimmte zu. Dadurch fühlte sich jedoch die Schulvorsteherschaft dermassen düpiert, dass sie in corpore demissionierte... glücklicherweise aber bald auf ihren Entscheid zurückkam und im Amt verblieb.
Wenige Wochen vor Baubeginn galt es, einen weiteren wichtigen Beschluss zu fassen. Die unsichere weltpolitische Lage und der im Sommer 1950 ausgebrochene Krieg in Korea veranlassten unsere Bundesbehörden in jener Zeit, neue Vorschriften für den obligatorischen Einbau von Luftschutzräumen in Neubauten grosser Ortschaften zu erlassen. Auf Antrag der Baukommission beschloss die Schulvorsteherschaft in letzter Stunde, den Schulzimmer-Trakt ganz zu unterkellern und die so gewonnenen Kellerräume als Luftschutzräume auszubauen. (...) Die nun geschaffenen Luftschutzräume bieten Platz für 400 bis 500 Personen und stehen im Bedarfsfalle auch der Einwohnerschaft zur Benützung offen. (...)

Die Gesamtkosten der Schulhausanlage samt Möblierung macht 2‘191‘680 Fr. aus. (...) Die Mehrkosten machen 66‘680 Fr. oder 3 % des Kostenvoranschlages aus, was gewiss nicht viel ist, wenn man in Betracht zieht, dass die Baukosten (...) während der Bauzeit um nahezu 10 % gestiegen sind.
Am 17. Juni 1952 erfolgte die Schlüsselübergabe.
„Jugend und Kosmos“
Der Seminardirektor (1928 – 1962) und Kunstkenner Dr. Willi Schohaus stellte in der erwähnten Publikation ausführlich Carl Roeschs Mosaik in der Eingangshalle des Schulhauses vor. Einige Auszüge aus seinem Aufsatz:
Im Gegensatz zum nicht ortsgebundenen Kunstwerk (...) tritt das Mosaik als architektonisches Element in Erscheinung und will als solches verstanden sein. Seine Aufgabe wird ihm in formaler Hinsicht durchaus von dem Raum gestellt, dem es durch seinen Gegenstand (seine Thematik) die geistige Atmosphäre gibt. Der grossen, anspruchsvollen Form solcher Werke hat auch ein bedeutsamer, gewichtiger Inhalt zu entsprechen. Das Idyllische würde nicht als gemäss empfunden; für das Mosaik kommt wohl nur ein Thema in Frage, das zur geistigen Mitte des Menschen engsten Bezug hat. (...)
Carl Roesch hat unser Mosaik (die Arbeit eines halben Jahres), das eine Länge von 6 und eine Höhe von 2½ Metern aufweist, aus 112 Tafeln aufgebaut und dazu rund 60 000 Steine verwendet. Und diese Steine hat er alle selbst aus Abfällen von Naturmarmor gebrochen. Einzelne polierte Stücke geben den Flächen, die im Ganzen aus den gebrochenen (rauen) Seiten der Steine zusammengesetzt sind, besonders belebende Akzente. – Die Skala der Farben ist einfach: Grau-, Grün- und gedämpfte Rottöne dominieren. Blaue Steine fehlen, aber graue Stücke erscheinen durch die Nachbarschaft von Gelb in schieferblauem Tone. (...)

Der Bildgegenstand bewegt sich im Bereiche einer philosophischen Thematik. Es geht um die Auseinandersetzung des zur Bewusstheit erwachenden Menschen mit dem Kosmos. Sechsmal begegnen wir im Bildraume dem geistigen Leitmotiv, dem staunenden jungen Menschen, der die Schöpfung erlebt. Hier versenkt er sich in die Geheimnisse der Mutter Erde, dort in das Urelement Wasser, dort in das Mysterium des Feuers. Hier wird er beglückt das geordnete Reich der messbaren Formen inne, dort erahnt er die Weite und Gewalt unseres Planeten, und schliesslich erhebt er sich zur ergriffenen Betrachtung des gestirnten Himmels. (...)
Ich könnte mir gerade für ein Schulhaus keine glücklichere Themawahl denken. Es ist in diese Darstellung das Wesentliche eingeschlossen, um das sich wahre Bildung bemüht. (...)
Vier Impressionen zum Neubau
Wir hoffen, dass in der neuen hellen Schulküche wieder mehr junge berufstätige Töchter und Bräute ihre Vorbereitung für die häusliche Tätigkeit suchen werden. (...) Die hauswirtschaftliche und menschliche Ausbildung der Mädchen, der zukünftigen Mütter, ist nicht nur eine Sache der Eltern, sondern auch eine bedeutende Angelegenheit des Staates. (M. Zingg)

Die Brunnenfigur von Friedel Grieder zeigt ein selbstvergessen mit dem Wasser spielendes Mädchen: Ob all der pädagogischen Überlegungen und Bemühungen soll Raum bleiben für das zweck- und absichtsfreie kindliche Spielen.

Dem gesunden Prinzip des Zusammenwirkens von geistiger Ausbildung und körperlicher Ertüchtigung dient eine vermöge ihrer bruchsicheren Sekurit-Glaswand sonnendurchflutete, nach Süden gerichtete Turnhalle, (...).

In der Festschrift wird ganz kurz auch der Kindergarten erwähnt: Dass die imposante Schulhaus-Anlage ein zweites Bijou mit ausgesuchter praktischer und künstlerischer Ausgestaltung in sich schliesst, sei in vorliegender Abhandlung nur nebenbei erwähnt.
[Anm. d. Verf.: Zwar werden Farbfotos in Werbung, Industrie- und Modefotografie seit den 1930er-Jahren, im Fotojournalismus ab 1945 verwendet, doch genügten Schwarz-weiss-Aufnahmen noch Jahrzehnte lang den Ansprüchen der Betrachter. Erst in den 1980er-Jahren begann sich die Farbfotografie allmählich „flächendeckend“ durchzusetzen.]
Dienstag, 17. Juni 1952
Der „Thurgauer Volksfreund“ vom 21. 6. 1952 beschreibt die Einweihung des Wehrlischulhauses als unvergesslichen Tag, der für Kreuzlingen zu einem eigentlichen Volksfest wurde. Aus dem Programm:
- Am Vorabend sangen die Schüler der verschiedenen Schulhäuser auf ihren Schulplätzen.
- Anschliessend zogen Seminaristen in einem Fackelzug durch die Stadt und sangen auf der Hauptstrasse.
- Die Bevölkerung war eingeladen worden, am Festtag die Häuser zu beflaggen und konnte den ganzen Tag über das Schulhaus besichtigen.
- Beim Weiheakt am Vormittag spielte die Stadtmusik, sang ein Schülerchor und hielten der Architekt und der Schulpräsident, Eugen Knus ihre Ansprachen.
- Der Nachmittag wurde als Kinderfest gestaltet: Nach einem Umzug der Kinder sämtlicher Schulen durch die Stadt und der Ansprache von Regierungsrat Dr. E. Reiber gelangte das Theaterstück „Wir bauen ein Schulhaus“ zur Aufführung, verfasst und eingeübt von Lehrer Albin Beeli, dem getreuen Kreuzlinger Geschichten- und Geschichtsschreiber.
- Es folgte die Eröffnung einer Budenstadt, turnerische Darbietungen auf dem Seminarsportplatz,
- Abends wurden Ballone fliegen gelassen,
- und für die Erwachsenen war ab 20 Uhr Unterhaltung mit Tanz auf dem Schreiberschulhausplatz angesagt.
Folgende Klassen und Lehrkräfte nahmen das Wehrlischulhaus am Schoderbach „in Betrieb“:
| 1./2. Klasse | Unterstufe | Fräulein Landolf |
| 3./4. Klasse | Mittelstufe | Lehrer H. Müller |
| 4./6. Klasse | Mittelstufe | Lehrer M. Rohner |
| 4./6. Klasse | Mittelstufe | Lehrer R. Signer |
| 7. Klasse | Oberstufe | Lehrer A. Loher |
| 7. Klasse | Oberstufe | Lehrer A. Abegg |
| 8. Klasse | Oberstufe | Lehrer E. Oberhänsli |
| 1.-8. Klasse | Förderklasse | Lehrer A. Verdini |
Zwei Zimmer bleiben reserviert für später neu zu schaffende Lehrstellen.
Rosenegg
Das Anwesen besteht aus drei Teilen:
-
Wohntrakt aus dem 17. Jahrhundert, in dessen Obergeschoss das Heimatmuseum untergebracht ist,
-
der 1759 angebaute, von der Alpstrasse etwas zurückstehende Mitteltrakt,
-
der Frontbau, der dem älteren Teil der Liegenschaft vorgelagert ist. Er wurde wahrscheinlich um 1780 erbaut.
Die Ökonomiegebäude kamen später an die Stadt, die sie als Werkhof nutzte.
1895 hatte die Schulgemeinde Egelshofen das Patrizierhaus Rosenegg gekauft und darin einen Schulraum für die Oberschule und eine Lehrerwohnung eingerichtet, denn das Schulhaus am Gemeindeplatz war zu klein geworden. Einige Jahre später kam ein zweites Schulzimmer dazu.
Lange blieb die Zweckbestimmung der Rosenegg unklar. 1955 kam sogar die Idee auf, die Schulklassen ganz herauszunehmen und in einem neuen Schulzentrum auf dem Egelseeareal unterzubringen.
In den 50er-Jahren musste das Schulhaus aussen und innen dringend renoviert werden. Nicht zuletzt der vor dem 2. Weltkrieg erfolgte Einbau von Luftschutzräumen hatte dem Gebäude schwer zugesetzt. Eine weitere Renovation erfolgte zu Beginn der 70er-Jahre: 1971 waren in der Rosenegg 2 Schulklassen der Unterstufe, 1 Kindergartenabteilung und der Kinderhort untergebracht. In 3 Etappen wurde die Anlage renoviert. Dabei sollten die im Laufe der Jahrzehnte getätigten Um- und Einbauten der Schule noch einiges Kopfzerbrechen bereiten: Während der Gesamtrenovation in den 70er-Jahren musste der Bau praktisch ausgehöhlt und statisch vollständig saniert werden.
Die Abstimmung im Dezember 1992 erlaubte neben dem Bau des Berufsschul- und Kurszentrums (mit integriertem Feuerwehrdepot) den Ausbau der Primarschule Rosenegg und des Torggels wie auch die Umnutzung des Ökonomiegebäudes als Schulhaus. Heute sind hier drei Unterstufenklassen untergebracht, die Rosenegg selber ist „schulfrei“; sie ging 1998 an die Stadt im Tausch gegen eine Spielwiese für den Kindergarten Lummerland an der Storenstrasse. Dies bescherte dem Heimatmuseum, das seit den 40er-Jahren hier seine Sammlungen in passendem Ambiente präsentieren kann, dringend benötigte zusätzliche Räume.
Wachstum ... Provisorien
Von 1940 bis 1950 stieg Kreuzlingens Einwohnerzahl von rund 9000 auf über 10‘000 Einwohner, in den nächsten 10 Jahren kamen über 2500 dazu und 1970 erreichte sie knapp 16‘000. Erst 1974, mit knapp 17‘000 Einwohnern, begann sich das rasante Wachstum der Stadt etwas abzuschwächen. Bis dahin stieg die Schülerzahl Jahr für Jahr um rund hundert Kinder.
Schulbehörde und Stimmbürgerschaft hatten also häufig über die Errichtung neuer Lehrstellen abzustimmen, und es verging kaum ein Jahr, an dem die Stimmbürgerinnen und –bürger an der Urne nicht über die Wahl neuer Lehrkräfte befinden mussten, Wahlen übrigens, die stets positiv, das heisst dem Antrag der Behörden folgend, entschieden wurden.
Weniger zuverlässig verhielten sich die Kreuzlinger Stimmbürger, wenn es um die Gewährung von Krediten für die Schaffung neuer Schulräume ging: Wiederholt musste ein Projekt begraben oder verschoben werden, und manche Verlegenheitslösung drohte zum Dauerzustand zu werden.
1962 musste eine neu geschaffene Schulklasse im Kartonnageraum untergebracht werden. Im selben Jahr zog auch die Spezialklasse von Hans Baumberger aus dem Provisorium im katholischen Vereinshaus ins Wehrlischulhaus; der Umzug einer hier provisorisch untergebrachten Abschlussklasse ins alte Sekundarschulhaus hatte den Platz dafür frei gemacht...
Der Raumbedarf wurde zur Raumnot, Notlösungen waren allgegenwärtig. Als rasche, einfache und kostengünstige Lösung bot sich eine Aufstockung des Wehrlischulhauses an: Zusätzliche fünf Klassenzimmer und je einen Bibliothek- und Sammlungsraum! Doch wurde die entsprechende Vorlage klar abgelehnt.
Es brennt!
Am späten Nachmittag des 21. Februar 1979 brach im Pavillon beim Wehrlischulhaus ein Brand aus, der in beiden Klassenzimmern beträchtlichen Schaden anrichtete. Die Kinder schätzten anschliessend ihren persönlichen Verlust selber ein:


1986 wurden der Turn-Geräteraum erweitert und die Pausenhalle vom Schulhaus zur Turnhalle hin ergänzt, und 1991 erfuhr die Anlage eine Aussenrenovation. Dabei wurden auch die Glasbausteine in der Eingangshalle durch eine Isolierverglasung ersetzt.
Heilpädagogik
Nicht nur Gebäude und Anlagen erfahren Veränderungen; noch wichtiger sind innere Entwicklungen. Eine solche wurde 1993 im Wehrlischulhaus wirksam, als der erste schulische Heilpädagoge seine Arbeit aufnahm: Durch gezielte Massnahmen wie Stützunterricht oder Förderstunden, einzeln oder in Kleingruppen, kann den Lernschwierigkeiten aber auch Verhaltensauffälligkeiten von Kindern entgegengewirkt werden. Mittlerweile sind Heilpädagoginnen aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken: sie beobachten und fördern Kinder mit besonderen Bedürfnissen, sie unterstützen, beraten und begleiten die Lehrkräfte und Eltern.
Nach den positiven Erfahrungen der Testphase wurde 1995 Im Wehrlischulhaus die Heilpädagogik definitiv eingeführt.
[Anm. d. Verf.: Für manche Lehrkraft mit langjähriger Erfahrung als „Einzelkämpfer“ war es nicht leicht, nun mit dem Heilpädagogen gemeinsam im Schulzimmer zu arbeiten, mit diesem das eigene Unterrichtsverhalten zu reflektieren, gegebenenfalls Absichten und Ziele einzelner Massnahmen begründen zu müssen. Die Schulbehörde war klug genug, bei der Einführung der schulischen Heilpädagogik geduldig abzuwarten, bis die einzelnen Schulzentren für die entsprechende Entwicklung „reif“ waren.]
Im Wehrlischulhaus führte die gemeinsame Arbeit von Lehrkraft und Heilpädagoge im Schulzimmer bald zu bemerkenswerten pädagogischen Entwicklungen: Unter anderem wurde Team-Teaching praktiziert, und in der Mittelstufe bildeten wir aus zwei Parallelklassen drei Niveaugruppen im Fach Deutsch, wovon der schulische Heilpädagoge eine Gruppe übernahm. Diese Neuerung bewährte sich so gut, dass die Schulbehörde beschloss, in allen Mittelstufen zwei bis drei Wochenstunden Deutsch in Niveaugruppen durchführen zu lassen.
[Anm. d. Verf.: Wieder hatten sich die Lehrenden dieses Schulhauses als „pädagogische Vorhut“ erwiesen.]
Ab 2000
Mit Bauvisieren endete das Jahrhundert, und im ersten Jahr des neuen Jahrtausends konnten die neuen Gruppenräume bezogen werden. Einmal mehr machte die Architektur innere Veränderungen ihrer Nutzer sichtbar: Der Unterricht in Ganzklassen wird immer wieder unterbrochen für die Arbeit in Halbklassen und in Gruppen; oft arbeiten parallel zum Klassenunterricht Kinder allein oder in Gruppen von ihrer Klasse getrennt, und manchmal bekommt es einem Kind und seiner Klasse ganz einfach, wenn es für sich allein arbeiten kann. Differenzierung und Individualisierung des Unterrichts machen die Einrichtung von Gruppenräumen unumgänglich.

1998 wurde nach einem Gestaltungsvorschlag von Natur Konkret das Areal nordöstlich des Kindergartens umgestaltet: Pergola, Kriechröhre, Spielhügel, Weidenhaus, Rutschen und anderes mehr...
Neue Nutzungen
Die Volksabstimmungen vom März 2011 und 2012 ermöglichten einen Neubau an der Stelle der Baracke. Dieser umfasst keine herkömmliche Klassenzimmer, sondern schafft Raum, der als Folge der Schulentwicklungen der letzten Jahrzehnte nötig wurde: Psychomotorik, Schulleiterbüro und Sitzungszimmer, Räume für Förderunterricht und Gruppenarbeit, ein Singsaal und im Untergeschoss ein Archiv.
Dem Zeitgeist und den entsprechenden gesetzlichen Vorgaben folgend, erfüllt der Neubau die Minergie-Standards bei öffentlichen Bauten.

Quellen:
-
Gedenkschrift zum Bau des Wehrlischulhauses, Kreuzlingen 1952
Schriftleitung: Albin Beeli
Herausgeber Schulvorsteherschaft Kreuzlingen -
Hermann Alfred Schmid: 150 Jahre Thurgauisches Lehrerseminar Kreuzlingen (1983)
- Jahresberichte der Primarschulgemeinde Kreuzlingen
- Diverse Abstimmungsunterlagen
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Sekundarschulen
Egelsee
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Von der Repetier- zur Sekundarschule
1875 führte der Thurgau die sechsjährige Primarschule als Alltagsschule ein. Für die Mädchen folgten zwei, für die Knaben drei Jahre Sommerrepetier- und Winteralltagsschule. Kreuzlingen führte 1914 das Ganzschuljahr für die Oberschule, also die siebte und achte Klasse ein. Schon 1885 war im Pestalozzischulhaus für den bildungsbeflisseneren Teil der Jugend eine Sekundarschule eingerichtet worden. Für lange Zeit wurden auf der Oberstufe die mehr intellektuell von den eher handwerklich begabten Jugendlichen (auch räumlich) getrennt unterrichtet.
Jahrzehnte später erst setzte sich die Erkenntnis durch, dass auch für jene Kinder, die nicht den Anforderungen der Sekundarschule gewachsen sind (Botschaftstext 1975) ein Unterricht zu gestalten war, der ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen entsprach.
Wie der Entwurf für die Botschaft betr. Errichtung einer neuen Lehrstelle für die Primarschul-Oberstufe (im Zusammenhang mit dem Ausbau derselben) aus dem Jahr 1946 zeigt, sollten damals die Weichen gestellt werden, dass auch solchen Schülern, welche die Sekundarschule nicht besuchen können, eine Ausbildungsmöglichkeit geboten wird, die ihnen den Eintritt ins Berufsleben ermöglicht.
Die Einrichtung einer dritten Lehrstelle im Sinne eines Ausbaues des Oberschulunterrichtes soll diesen neuzeitlichen Unterricht ermöglichen. Mit Herrn E. Oberhänsli ist auch ein Lehrer gefunden, der die nötigen Qualifikationen, sowie die wünschenswerte Hingabe besitzt.
Die Botschaft führt unter anderem aus: Schon wiederholt ist in der Presse und in der Öffentlichkeit hingewiesen worden auf das Bedürfnis, den Unterricht an unserer Primarschuloberstufe (7. & 8. Kl.) zeitgemäss auszubauen, wie dies schon an verschiedenen Orten unserer Nachbarkantone mit Erfolg geschehen ist. Eine im Frühjahr 1946 gebildete Kommission konnte sich durch Schulbesuche von der Zweckmässigkeit und dem grossen Nutzen dieser Einrichtung für die Abschlussklassen überzeugen (...). Eine Umstellung des Unterrichtes von einseitig theoretischer auf vermehrt werktätige Grundlage soll (...) für die heranwachsenden jungen Leute beiderlei Geschlechtes (...) die Gelegenheit (...) verschaffen, sich auf den Eintritt in eine Berufslehre des Handwerkes oder des Gewerbes vorzubereiten. (...)
Um dieses, vom sozialen Standpunkt aus erstrebenswerte Ziel zu erreichen, hat sich unsere Behörde einmütig entschlossen, an den Ausbau der Oberschulen heranzugehen, wobei sie es nicht für ausgeschlossen erachtet, dass später auch Schülern aus den Nachbargemeinden Gelegenheit geboten werden, kann, an dieser neuen Einrichtung unserer Schule teilzunehmen. (...)
Damit war schon Wesentliches über die spätere Realschule formuliert, die in den folgenden Jahrzehnten einen weiten Weg zurücklegen sollte: Von der Primarschuloberstufe (7. und 8. Klasse) über die Abschlussklassenschule zur Realschule bis hin zur „Durchlässigen Sekundarstufe“, der durchmischten Sekundarschule 1, ab August 2007.
Mit dem Abschlussklassengesetz von 1964 wurden das 7. und 8. Schuljahr als eigen- und selbständige Schulstufe anerkannt und die Schulgemeinde stimmte der Schaffung der freiwilligen dritten Abschlussklasse für Knaben (!) zu. Diese begann im folgenden Jahr im alten Sekundarschulhaus.
14 Jahre Projektphase
1955 erwarb die Schulgemeinde das gesamte unüberbaute Egelsee-Areal als Bauplatz für ein zukünftiges neues Schulhaus
1958 lag ein erstes Projekt vor; es umfasste:
- Ein Gewerbeschulhaus mit 6 Klassenzimmern und allen dazu gehörenden Nebenräumen
- Ein Primarschulhaus mit 12 Klassenzimmern, wovon 6 für Abschlussklassen und allen dazu gehörenden Nebenräumen
- Ein Singsaal
- Eine Turnhalle mit Spielwiese und Turnplatz
- Ein Kindergarten.
Interessanterweise errang mit Edwin Schoch, Zürich, das Projekt desselben Architekten den ersten Preis, der auch das PSZ Wehrli erbaut hatte.
Am dringendsten erschien der Bau des Gewerbeschulhauses; dieses sollte darum als erstes realisiert werden (siehe weiter unten).
13 Jahre später, im Januar 1970 beschlossen die Stimmbürger einen Planungskredit für die Durchführung eines Wettbewerbs zur Erlangung von Entwürfen für ein Abschlussklassenschulhaus mit Sporthalle und Kleinhallenbad im „Egelsee“, und am 5. März 1972 war es so weit: An der Urne wurden mit grossem Mehr rund 15 Mio Fr. für das Projekt der Architekten Scherrer + Hartung bewilligt. Mit dem Bau wurde umgehend begonnen. Noch waren die Bauarbeiten längst nicht abgeschlossen, als 1973, eineinhalb Jahre später, die ersten Klassen einzogen: Der extreme Mangel an Schulraum liess keine andere Wahl.

Das verwirklichte Bauprogramm umfasste:
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12 Schulzimmer
-
6 Räume für die Seminarübungsschule für Abschlussklassen
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3 Räume für Arbeitsschule und Hauswirtschaft
-
3 Werkstätten
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1 Vortragsraum / Singsaal
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1 unterteilbare Dreifach-Turnhalle
-
1 Hallenbad mit Schwimmer-, Nichtschwimmerbecken und Sprungbucht
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1 Abwartwohnung
-
1 Auto-Einstellhalle, nutzbar auch als Schutzraum für 400 Personen
-
1 Tuberkulosenuntersuchungsstelle
-
1 Sauna (zur Verpachtung)
In der Begründung zur Botschaft betonte die Schulvorsteherschaft insbesondere:
- Wie die Sekundarschule umfassen die Abschlussklassen Schüler des 7./8. und 9. Schuljahres. Jetzt sind diese Klassen auf drei Schulanlagen in Kreuzlingen verteilt. Aus betrieblichen Gründen drängt es sich auf, die Klassen in einem Schulhaus zusammenzufassen. Was für die Sekundarschüler recht ist, ist für die Abschlussklassenschüler billig.
- Auf allen Schulstufen besteht schon jetzt ein grosser Bedarf an neuem Schulraum, sodass der Bau eines Schulhauses unaufschiebbar ist. (...) Durch diesen Schulhausbau werden in den bestehenden Schulzentren Zimmer frei, die für neu zu bildende Primarschulklassen benötigt werden.
- Zu einer Schulanlage der vorgesehenen Grösse gehören zwei Turnhallen. Es sind in dieser Anlage deren drei vorgesehen, um auch den Schülern des Schreiber- und Wehrlischulhauses sowie des Rosenegg und Felsenschlössli zu ermöglichen ihre Turnhstunden vorschriftsgemäss durchzuführen. (...)
- Der Schwimmunterricht gehört heute zur unbestrittenen Ergänzung des Schulturnens. Das Hallenbad wird von allen Schulklassen in Kreuzlingen benützt werden.
- (...) Unsere Schüler und die weitere Öffentlichkeit erhalten durch diese Anlagen gute Möglichkeiten körperlicher Betätigung. (...)
Der Zusammenzug der in ganz Kreuzlingen verteilten Abschlussklassen ermöglicht es, das Anschauungsmaterial und die Apparate rationeller einzusetzen. Er wertet aber auch die Abschlussklassen als Teil unserer Oberstufen auf. Es gilt als selbstverständlich, dass die Sekundarschulklassen in einem eigenen Schulhaus zusammengefasst sind. Als Parallelstufe haben die Abschlussklassen ein Anrecht darauf, unter ähnlichen Voraussetzungen unterrichtet zu werden.
[Anm. d. Verf.: Der vorstehende Abschnitt wirft ein Licht auf die Situation der Abschlussklassen zu Beginn der 1970er-Jahre: Sie wurden von jenen Jugendlichen besucht, die es nicht in die Sekundarschule geschafft hatten; diese schlossen ihre Schulzeit während zwei oder drei Jahren nach der Primarschule ab. Noch hatte sich die Erkenntnis nicht allgemein durchgesetzt, dass sie Anspruch auf einen eigens auf sie zugeschnittenen Unterricht hatten. Erst wirtschaftliche Bedürfnisse und pädagogische Entwicklungen führten schliesslich dazu, dass das Potential dieser Jugendlichen und ihr Anspruch auf entsprechende eigene Schulformen erkannt wurden.]

1974/75 wurde die Schulanlage Egelsee erstellt. Der Raummangel war so gravierend, dass sie schon während des Baus etappenweise bezogen wurde. Kaum fertig, war die Anlage voll ausgelastet, erwies sich aber alltags- und zukunftstauglich: Als dreissig Jahre später die Durchmischung der Oberstufe eingeführt wurde, waren nur wenige Umbauten nötig, um die Anlage den neuen Strukturen anzupassen.
Mit einem Volksfest in der Dreifachturnhalle konnte das Egelseeschulhaus im August 1975 eingeweiht werden, und die feierliche Enthüllung des Reliefs von Morandini über dem Eingang zum Hallenbad schloss den Bau des Zentrums endgültig ab. Das neue Schulzentrum markierte auch die Entwicklung der Oberstufe zu einer eigenständigen und vollwertigen Schulart.
Damit war jedoch die Schulraumnot der Oberstufe keineswegs gebannt: Die Sekundarschule platzte aus allen Nähten... noch für Jahre! Die wirtschaftlich schwierigen Jahre liessen das Volk nur noch sehr zurückhaltend Krediten für Schulbauten zustimmen.
Drei Turnhallen und ein Hallenbad!
Das Unterrichtsgesetz von 1875 schrieb zwei wöchentliche Turnstunden vor. Es hatte jedoch einige Zeit und viel Überzeugungsarbeit gebraucht, bis davon auch die Mädchen profitieren konnten. Für die Knaben kam im Lauf der Zeit eine dritte Turnstunde hinzu.
Im Botschaftstext hiess es dazu: Es steht fest, dass weder im Wehrli- noch im Schreiberschulhaus die Turnstunden für die Schüler den Vorschriften gemäss erteilt werden können. (...) Den beiden Klassen im Rosenegg und der Übungsschule im Felsenschlössli steht kein eigener Turnraum zur Verfügung. (...)
| Aus einem Schulaufsatz im eben bezogenen Schulhaus: Als wir am zweiten Tag in die Schule kamen, störte uns der Lärm von der Baustelle. Wenn wir aber zum Fenster hinaus schauen, sehen wir einen grossen Kran, der Sand, Teer, Werkzeuge und Holz transportiert und jedesmal hupt, wenn er irgendwo etwas abladen muss. An dem gegenüberliegenden Gebäude sind noch Gerüste angemacht. Dann muss der Lehrer uns ermahnen, wir sollen schreiben und nicht zum Fenster hinaus „gaffen“. Wenn wir dann Pause haben und in den Gang hinaustreten, ertönen die Fräsen und Hämmer. Dann schauen wir den Arbeitern ein bisschen zu und gehen auf den Pausenplatz, der gleichzeitig Veloplatz und Strasse ist. (...) |
Und: Es kann als sicher angenommen werden, dass den Mädchen in Zukunft aufgrund gesetzlicher Vorschriften drei statt zwei Turnstunden erteilt werden müssen. Damit würden Buben und Mädchen gleich behandelt. (...) Im Schuljahr 1973/74 wurde dies endlich realisiert.
[Anm. d. Verf.: Vielen Thurgauern, auch vielen Lehrern waren solche Forderungen nach Gleichbehandlung von Mädchen und Knaben noch suspekt; da war dann rasch von Gleich-Schaltung die Rede, wurden die unterschiedlichen Bedürfnisse der beiden Geschlechter betont, und nicht selten wurde Nase rümpfend auf den kommunistischen Osten verwiesen.]
Mit dem Bau des Hallenbades mit einem Schwimmbecken von 25 x 11 m bewies Kreuzlingen Weitsicht: Es erlaubt einen vielfältigen Schwimmunterricht das ganze Jahr hindurch und steh der Bevölkerung ausserhalb der Schulzeit zur Verfügung. Das Angebot wurde und wird gut genutzt, und 2012 erscheint vielen Kreuzlingern der Ausbau zu einem Hallenbad mit 50m – Becken als dringend.
Gewerbeschule
Ende des 19. Jahrhunderts besuchten die jungen Männer nach Beendigung der obligatorischen Schulzeit bis zum 18. Altersjahr die obligatorische Fortbildungsschule. Die meisten taten dies nur widerwillig, entsprechend häufig waren Klagen über Störefriede.
Die Gewerbliche Fortbildungsschule hingegen diente Lehrlingen zur Aneignung derjenigen Kenntnisse und Fertigkeiten (...), welche als Vorbildung für den Betrieb eines Gewerbes, besonders eines Handwerks, wünschenswert sind.
Der Unterricht wurde von Primarlehrern erteilt, zusätzlich zur Führung ihrer Schulklasse. Ab 1955 unterrichtete an der Gewerbeschule erstmals ein hauptamtlicher Gewerbelehrer: Primarlehrer Heinrich Schaub. Nebst seinem Pensum von 30 Wochenstunden oblag ihm auch die organisatorische Leitung der Schule!
In den 50er-Jahren wuchs der Schülerbestand stetig, und die Raumnot wurde unerträglich.

Mit dem neuen Gewerbeschulhaus an der Gaissbergstrasse erhielt diese Schule 1962 den ihrer Bedeutung entsprechenden Raum... und die Abschlussklassen durch die Aufstockung des Neubaus um ein fünftes Stockwerk zwei dringend benötigte Schulzimmer.
Während der 70er-Jahre begann auch die Gewerbliche Berufsschule, wie sie nun hiess, unter Raummangel zu leiden. Den Kredit für einen Architektenwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein neues Gewerbliches Berufsschulhaus östlich der Rosenegg lehnten die Stimmbürger 1978 ab.
1986 erst konnte wenigstens der An- und Ausbau des bestehenden Schulhauses an der Gaissbergstrasse realisiert werden: Damit erhielt die Berufsschule einen zweckmässigen, voll ausgerüsteten Informatikraum (...). Im Anbau wurde im Parterre eine völlig neue „Cafeteria“ geschaffen, in welche die mächtige Betonplastik geschickt integriert wurde. Darüber konnten zwei zusätzliche Schulräume eingerichtet werden.
Nach dem Umzug der Berufsschule in den Neubau an der Gaissbergstrasse 8 bei der Rosenegg „erbte“ die Realschule 1997 den Informatikraum. Das Schneiderinnen-Lehratelier, das während vieler Jahre an der Bergstrasse eingemietet war, zog ebenfalls in den Neubau, der heute als Bildungszentrum für Bau und Mode (www.bbm.tg.ch) firmiert.
1993 beschloss der Gemeinderat der Stadt Kreuzlingen die Zusammenlegung der Volksbibliothek mit jener der Gewerblichen Berufsschule und 1996 löste die Stiftung Stadtbibliothek Büecherbrugg den Verein Volksbibliothek ab. Die Nutzung der verschiedenen Ausleihmedien stieg in der Folge rasant.
2002 wurden die Berufsschulen kantonalisiert, was für Kreuzlingen zu einer gewissen finanziellen Entlastung führte, da die Defizitbeiträge nun vom Kanton zu berappen waren. Seither leistet die Schulgemeinde Kreuzlingen einen Beitrag von maximal 120 000 Fr. an die jährlichen Betriebskosten (40 % davon die Oberstufengemeinde).
Realschule
Die Primarschul-Oberstufe hatte sich zur Abschlussklassenschule gemausert. Das Unterrichtsgesetz von 1978 führte dazu, dass sich die Oberstufengemeinden Kreuzlingen, Bottighofen und Lengwil zur gemeinsamen Oberstufengemeinde Kreuzlingen zusammenschlossen, siehe auch SSZ Remisberg. Diese wurde 1981 handlungsfähig. Der Zusammenschluss ermöglichte eine Koordination zwischen den drei Schultypen der Oberstufe:
|
Sekundarschule |
+ |
Realschule
|
+ |
Sonderklassen
|
Der neue Name „Realschule“ markierte deren Anerkennung als eigenständige Schulstufe, und sie bildete einen ersten Schritt hin zur heutigen durchmischten Sekundarschule.
In den folgenden Jahren entwickelte sich die Realschule tiefgreifend: Augenfällig ist dies z. B. im wachsenden Angebot von Frei- und Wahlpflichtfächern, mit dem die Egelseeschule den Interessen ihrer Schülerschaft Rechnung trug. Daneben wurden eine Fülle von Klassenprojekten und Schulhausveranstaltungen durchgeführt. Die 1989 eingerichtete reichhaltig dotierte Bibliothek erfreute sich von Beginn weg grossen Zuspruchs... und noch im selben Jahr entwickelte Walter Lüthi ein Programm für die computerisierte Ausleihe.
Ab 1991 wurde, dem neuen Lehrplan entsprechend, der Werkenunterricht koedukativ erteilt.
Mehr Natur!
In den 70er-Jahren galt es als modern, schön, praktisch, usw.; später wurde das Egelsee von manchen als hässliche Betonlandschaft empfunden. 1991 planten Lehrerschaft und Landschaftsgärtner gemeinsam eine naturnahe Begrünung und abwechslungsreiche Gestaltung und Nutzung (Biotop, Brunnen, Sitzecken, Spielmöglichkeiten wie Schach, Mühle und Tischtennis) der Umgebung. Der Schulgarten wurde neu angelegt, erhielt einen Kräutergarten, einen Sträucherlehrpfad und den damals üblichen Teich. Gleichzeitig wurde der Zugangsbereich zu Schulhaus, Turnhallen und Schwimmbad überdacht... als Schutz vor der als Niederschlag sich äussernden Natur.
Zusammenarbeit
Das 1997 (endlich) bezogene Oberstufenzentrum Remisberg vereinigte je sechs Real- und Sekundarschulklassen unter dem selben Dach. Doch sollten diese einander nicht nur räumlich näher kommen: Eine zunehmende Zusammenarbeit sollte einerseits harmonisch wachsen und war gleichzeitig Ziel einer gemeinsamen Kommission von Behörde und Lehrerschaft.
Auch die Lehrkräfte im Egelsee hatten im Schuljahr 1996/97 eine neue Entwicklung angestossen, das im Kanton als „Kreuzlinger Modell“ bekannt wurde: Um die Schülerinnen und Schüler gezielter fördern zu können, wurde ein Niveau-System entwickelt: Geometrie und Mathematik wie auch ein Teil der Deutsch- und Französischstunden wurden in fünf Niveaugruppen erteilt, und zur Förderung des sozialen Zusammenhalts organisierte die Schule vermehrt gemeinsame Aktivitäten aller Klassen. Daneben wurde der „Elternstamm“ ins Leben gerufen: An bis zu vier jährlichen Veranstaltungen beschäftigten sich Eltern und Lehrkräfte gemeinsam mit aktuellen Themen.
Auch mit der Sekundarschule Pestalozzi intensivierten sich die Kontakte. Der 1982 erstmals durchgeführte Schulsporttag der gesamten Obertstufe war rasch Tradition geworden. Und ab 1998 führten die beiden Schulen jährlich eine gemeinsame Projektwoche durch.
Die Errichtung des Oberstufenzentrums Remisberg beendete für das 10. Schuljahr auch das langjährige Provisorium im Wehrlischulhaus und in verschiedenen Standorten in Kreuzlingen: Es konnte nun im obersten Geschoss des Schulhauses Egelsee untergebracht werden, siehe auch Kreuzlinger Schulen.
Mehr Lehrkräfte, vermehrte Zusammenarbeit, die geplante Einführung der Schulleitung: Das ursprüngliche Lehrerzimmer genügte den erweiterten Bedürfnissen nicht mehr. Ein im Jahr 2000 errichteter Anbau an der Nordmauer des Hallenbades nahm einen neuen Aufenthaltsraum und Arbeits- und Vorbereitungsräume für die Lehrkräfte auf.
Geleitete Schule
Der Einsatz von Schulleitungen, in den meisten Ländern „schon immer“ selbstverständlich, wurde um die Jahrtausendwende auch in den Schweizer Kantonen Realität. Der Jahresbericht 2002 markiert den Beginn dieser wesentlichen Entwicklung des Thurgauer Schulwesens: Auf Beginn des Schuljahres 2002/03 konnten wir im Oberstufenzentrum Egelsee das Projekt Geleitete Schule in Angriff nehmen. Schwerpunkt dieses kantonalen Projektes ist es, Schulen Handlungs- und Entscheidungsfreiraum und zeitliche als auch finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, damit sie professionell vor Ort geleitet werden können. Mit der Schulleitungsaufgabe wurde Herbert Kammacher (...) beauftragt. Zu den Zielen des OZ Egelsee gehören unter anderem eine vermehrte Zusammenarbeit mit den Eltern und der Berufswelt sowie die Sicherung der Unterrichtsqualität. Das Lehrerteam hat zusammen mit Behördemitgliedern einen dreijährigen Schuentwicklungsplan ausgearbeitet und begonnen, die angestrebten Ziele zu realisieren. (...) Mit dem Schulleiter steht den Eltern nun eine susätzliche Ansprechperson an der Schule zur Verfügung. Schon im ersten Jahr wurde die kollegiale Hospitation (gegenseitige Schulbesuche der Lehrkräfte) eingeführt und konnte ein Elternrat gebildet werden. 2004 regelte das Egelsee die Eltern-Mitarbeit.
Provisorien
Jahre lang wurden in den Schulzentren Pavillons aufgestellt, meist als Notlösung, oft auch mit der Begründung, ein solcher könne bei Bedarf kostengünstig umplatziert werden. Meist dauerten die Pavillonprovisorien sehr lange, doch gelegentlich kam es zu einem Umzug; so wurde 2004 der im Schreiberschulhaus frei gewordene Schulpavillon ins Egelsee versetzt und diente hier nun der neuen Kleinklasse.
Quellen:
-
Abstimmungsunterlagen 4./5. März 1972
-
M.Bürgi et al. (Hrsg.): Kreuzlingen, 2001
-
Beilage zum Thurgauer Volksfreund, Freitag, 29. August 1975
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Pestalozzi
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
19. Jahrhundert
In Kreuzlingen wurde eine der letzten Thurgauer Sekundarschulen eingerichtet. Das ist nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Name Kreuzlingen Mitte des 19. Jahrhunderts nur den Gebäudekomplex des Klosters mit seiner Umgebung meinte. Noch 1849 zählte man vom Kloster bis zur Landesgrenze gerade einmal 13 Wohnhäuser.
1833, also 6 Jahre nach dem Tod jenes Pädagogen, der zum Namenspatron der Kreuzlinger Sekundarschule werden sollte, wurde im damaligen Bezirkshauptort Gottlieben eine Sekundarschule eingerichtet, die allerdings nur während 6 Jahren Bestand hatte. Dem im gleichen Jahr in Kreuzlingen gegründeten Lehrerseminar war eine längere Lebenszeit vergönnt.
1854 ist das eigentliche Gründungsjahr unserer Sekundarschule. Bildungsfreundliche Bürger veranlassten die Eröffnung einer solchen Schule in Tägerwilen. Sie nahm Schüler (und selten wohl auch Schülerinnen) aus den Orten Altishausen, Alterswilen, Bottighofen, Egelshofen, Emmishofen, Kreuzlingen, Kurzrickenbach, Lippoldswilen, Oberhofen und Tägerwilen auf. Das weite Einzugsgebiet verunmöglichte die Einhaltung der Forderung, der Schulweg dürfe nicht länger als 1½ Wegstunden sein. Darum zog 1863, zwei Jahre nach dem Erlass des ersten kantonalen Gesetzes über das Sekundarschulwesen, die Sekundarschule nach Emmishofen in das spätere Pfarrhaus an der Bernrainstrasse um.
1873 wurde Kreuzlingen zum neuen Bezirkshauptort bestimmt. Gleichzeitig vereinigte sich die Ortsgemeinde Egelshofen mit Kreuzlingen.
Die Sekundarschule in Emmishofen war stark gewachsen und platzte aus allen Nähten.

Der neue Bezirkshauptort errichtete darum ein stolzes Schulhaus an der Pestalozzistrasse (damals Bahnhofstrasse), so gross, dass es neben der Primarschule Raum für die Sekundarschule bot, die denn 1885 auch hier einzog.

Nachdem der Grosse Rath des Kantons Thurgau in seiner Sitzung vom 22. Febr. 85 die Verlegung der Sekundarschule Emmishofen nach Kreuzlingen und die Creierung des neuen Schulkreises Tägerwilen beschlossen hat, wird die neue Sekundarschule Kreuzlingen auf das Frühjahr 1885 eröffnet.
Die beiden Schullokale befinden sich im ersten Stockwerk des neuen Schulhauses daselbst.
Lehrer:
- Herr J. Schühlin von Beggingen
- „ Conr. Uhler von Uttwil.
Das Hr. Schühlin bis Mitte August an einem Fortbildungskurs für gewerbliches Zeichnen in Winterthur Teil nimmt, werden die drei Klassen bis dann im gleichen Zimmer vereinigt und von Hrn. Uhler in allen Fächern unterrichtet.
Schülerzahl:
I. Klasse = 27
II. Klasse = 23
II. Klasse = 16
Total = 66 (Verzeichnis siehe hinten im Buche.)
Lehrziele damals
Der Besuch der Sekundarschule dauerte drei Jahre, ging also um ein Jahr über das Schulobligatorium hinaus. Den 12- bis 15-Jährigen sollte sie einen höheren Grad geistiger Bildung und zusätzliche Kenntnisse für das bürgerliche Berufsleben vermitteln als dies die Primarschule konnte. Der Fächerkanon war von Anfang an recht umfangreich: Religion, Deutsche Sprache, Arithmetik und Geometrie, Geographie, Geschichte, Vaterländische Staatseinrichtung, Naturkunde mit besonderer Betonung von Landwirtschaft und Gewerbe, Schönschreiben und Zeichnen. Als Freifächer kamen dazu Latein, Englisch, Italienisch und Stenographie. [Anm. d. Verf.: N’y manque-t-il pas une matière?] Gearbeitet wurde während 28 Wochenstunden, unterbrochen durch 8 Wochen Ferien.
Einer der ersten Lehrer war A. Imhof; er wurde 1891 gewählt und blieb blieb bis zu seiner Pensionierung 1928 seiner Schule treu.
Kombinierte Abteilung

Im Herbst 1907 wurde an der Sekundarschule Kreuzlingen eine 4. Lehrstelle geschaffen u. an dieselbe Hr. S.Lehrer Geiger v. Altnau berufen. Bei diesem Anlasse wurde eine kombinierte Abteilung errichtet. Durch das Los wurden von d. 1. Klasse, den Neueintretenden, 1/3 dieser kombinierten 1. u. 2. Klasse zugewiesen. Bestand pro 1908:
1. Klasse: 9 Knaben u. 8 Mädchen
2. Klasse: 9 Knaben u. 6 Mädchen.
Lehrer der kombinierten Abt.: E. Brenner.
(Es folgt die Auflistung der Schulbesuche und des Examens vom 29. März 1909.)
Die Aufzeichnungen der kombinierten Abteilung enden im April 1914.
Probezeit
Trotz Aufnahmeprüfung sassen immer wieder Schüler mit ungenügender Leistungsfähigkeit in der Sekundarschule. 1929 wurde darum die Probezeit eingeführt, die es erlaubte, nach sechs Wochen sich von jenen Schülern zu trennen, für die diese Schule nicht geeignet war. Damit nicht genug konnten während der ganzen Sekundarschulzeit auch Schüler weggewiesen werden, die Mitglied in einem Verein waren oder wiederholt unbegleitet ein Kino besuchten.
Raumnot
[Anm. d. Verf.: Diese Kapitelüberschrift könnte noch mehrmals wiederholt werden!]
Auch Kreuzlingen wuchs: 1880 zählte der Ort 4046 Einwohner, ein halbes Jahrhundert später und nach der Eingemeindung von Kurzrickenbach 1926 und Emmishofen 1928 hatte sich die Bevölkerungszahl verdoppelt.
Im Schulhaus war es eng geworden. Doch dauerte es Jahre, bis die sich wiederholenden Klagen Folgen hatten: Als die Primarschule 1910 ins neue Schreiberschulhaus ausgezogen war, konnte die Sekundarschule endlich das ganze Schulhaus übernehmen. Es blieb das „Alte Sekundarschulhaus“ bis 1969 die neu gegründete Kantonsschule darin einzog.
Doch dauerte das Aufatmen nicht lang. Bald fehlte es wieder an Schulräumen, insbesondere auch an den für einen modernen Unterricht auf dieser Schulstufe notwendigen Spezialräumen für Biologie, Geographie, Physik, Singen und Zeichnen. Dabei wirkte an dieser Schule mit Dr. h. c. Wilhelm Fröhlich ein bedeutender Erneuerer des Naturkundeunterrichts, über den der Jahresbericht 1929 vermerkt: Mitte Juni erhielt W. Fröhlich einen viermonatigen Urlaub zu einer Vortragsreise über „Das Arbeitsprinzip im Naturkundeunterricht auf der Sekundarschulstufe“. (...) Die Neuerungen Fröhlichs sind in Theorie und Praxis bahnbrechend und bedeuten gegenüber dem bisherigen Unterrichtsbetrieb einen ausserordentlichen Fortschritt. (...). Seine über den deutschen Kosmos-Verlag vertriebenen Experimentierkästen haben wohl unzähligen Kindern und Jugendlichen Naturphänomene nahe gebracht.

[Anm. d. Verf.: Ob die ungenügenden Raumverhältnisse an seiner Schule mit dazu beigetragen haben, Experimentieranordnungen zu entwickeln, die auf kleinstem Raum und mit wenig Material durchzuführen sind?]
Oft und während Jahren wurde über einen Neu- oder Anbau gesprochen... und dann die Frage bis auf weiteres zurückgelegt. Das Sekundarschulhaus bot Raum für fünf Abteilungen. 1926 mussten von den sieben Klassen zwei im Schreiberschulhaus untergebracht werden, 1934 bereits deren drei. Dafür wurden Primarklassen in die Kellerräume verbannt. Die Sekundarschule umfasste nun 8 Klassen, die in zwei Schulhäuser verteilt unterrichtet wurden.
An einer der letzten Schulgemeindeversammlungen, siehe auch Schulgeschichte Kreuzlingen, hatte die Schulbehörde 1933 den Antrag gestellt, auf dem Sallmann’schen Areal ein modernes Sekundarschulhaus zu errichten. Knapp lehnte die Versammlung „in Anbetracht der unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse“ ab.
Die Diskussion setzte sich Jahre lang fort. Im Jahresbericht 1935 heisst es lakonisch: Sodann wurde mit wichtiger Mehrheit das Sekundarschulhaus-Bauprojekt Hess endgültig begraben und mit grosser Mehrheit das Kreditbegehren von Fr. 7000.- zur Ausarbeitung von neuen Plänen zurückgewiesen, um dann am 22./23. Februar d. J. mit schwacher Mehrheit den Kredit von Fr. 5000.- für einen unter die Kreuzlinger Architekten beschränkten Wettbewerb für ein neues Sekundarschulgebäude mit Turnhalle an der verlängerten Schulstrasse zu gewähren. Dies war ein erstes Zeichen für den unter dem jungen Schulpräsidenten Emil Knus einsetzenden Sinneswandel. Noch im Oktober desselben Jahres hiessen die Stimmbürger das Projekt des Architekten Heinz A. Schellenberg gut. Keine Selbstverständlichkeit: Ende September war der Schweizer Franken abgewertet worden, was zusammen mit den Preissteigerungen auf den Weltmärkten unweigerlich zu einer Verteuerung führen würde.
Neubau 1938
Das neue Sekundarschulhaus mit Turnhalle kam an der verlängerten Schulstrasse auf das Areal zwischen dem alten Sekundarschulhaus und dem Seminarsportplatz zu stehen.
| Geplant waren: | |
|---|---|
| Erdgeschoss |
- Eingangshalle - Lehrerzimmer - Besuch- und Arztzimmer - 5-Zimmer-Wohnung von 100 m² für das Hauswartpaar |
| Darunter |
- Velokeller - Kellerraum - Werkstatt und Lager für Hauswart |
| 1. Stock |
- 3 Klassenzimmer (für je max. 36 SS) - 1 Physik-Chemie-Zimmer, ansteigend bestuhlt - Sammlungsraum - 1 Zeichensaal |
| 2. Stock |
- 3 Klassenzimmer - 1 GG-Biologie-Zimmer mit Projektionseinrichtung - Sammlungsraum - 1 Singsaal (Platz für 120 SS) |
| Verbindungsbau |
- mit Schulküche - Lehrsaal für Hauswirtschaftsunterricht - 2 Werkstatträume |
| Turnhalle |
- 1 geschlossene Halle von 316 m2 - 1 offene gedeckte Freilufthalle 220 m2 - Geräteraum und Geräteraum für das Lehrerseminar - 2 Garderobenräume mit anschl. Duschen - 1 Turnlehrerzimmer |
Abortanlagen in Schulhaus und Turnhalle.
Dazu kamen Renovationen im alten Schulhaus, wo zwei Schulräume von der Kaufmännischen Berufsschule und der Gewerbeschule genutzt wurden; diese dienten der Sekundarschule als Reserve.
Bilder aus den Abstimmungsunterlagen:


Am 29. August 1938 konnte das Pestalozzischulhaus eingeweiht werden. Der „Thurgauer Volksfreund“ schrieb von einem Prachtstag. Schüler- und Lehrerschaft, Vereine und Behörden hatten zusammengearbeitet, um für die Gemeinde ein Volksfest zu gestalten.
Aus dem Programm:
- Der Vormittag war den geladenen Gästen vorbehalten, die sich anschliessend im Löwen zu einem Mittagessen einfanden.
- 2 Uhr: Offizieller Weiheakt mit Schlüsselübergabe und Reden. Der Erziehungschef, Dr. Müller, befand zum Neubau: Was diese Schulbaute besonders auszeichnet, ist die Tatsache, dass mit sparsamen Mitteln ein zweckdienlicher und allen Anforderungen genügender Bau geschaffen wurde. Das Äussere des Baues ist in neuzeitlichen Formen gehalten und es ist auch hier jegliche Baugeldvergeudung vermieden worden.

Auf dem Turn- und Pausenplatz finden nicht alle der vielen Besucherinnen und Besucher Platz.
Diese halten den neu angelegten Rasenplatz respektvoll frei.

| Aus einem Protokoll 1938: Herr Howald teilt mit, dass vor Schulfunksendungen dem Telefonamt mitgeteilt werden soll, es mögen Gespräche auf später verschoben werden, sofern sie nicht sehr dringlich sind. Im Besuchszimmer wird durch ein Täfelchen das Telefon als besetzt bezeichnet. |
Im Sommer 1945 schuf der Diessenhofener Kunstmaler C. Rösch das Wandgemälde Jugendleben im sonnigen Raum“ in der Eingangshalle. Im Tagebuch der Sekundarschule heisst es dazu: (28. Juli 1945) Abnahme des Wandgemäldes v. C. Rösch, Kunstmaler, Diessenhofen, durch die Primar- und Sekundarschulvorsteherschaft, im Sekundarschulhaus - Nachm. 4 Uhr. Nach Begrüssung der Eingeladenen erläuterte der Künstler sein Werk, das der Sek’Schule übergeben wurde. Ein Imbiss im „Besmer“ beschloss die Feier. (Als 1942 die Frage der Erstellung eines Freskogemäldes an der Nordwand unserer Halle aufkam, wandte die Lehrerschaft ein, sie zögen einen Kredit zur Anschaffung von Schulmaterial und die Erstellung eines kleinen Trinkbrunnens in der Halle vor.)
Dr. Willi Schohaus erwähnte 1952 in einem Aufsatz zu Carl Roeschs Mosaik im Wehrlischulhaus das Gemälde im Sekundarschulhaus so: Es liegt uns Einwohnern von Kreuzlingen nahe, diese neue Schöpfung Roeschs mit seinem schönen Wandgemälde in der Eintrittshalle unserer Sekundarschule zu vergleichen. Auch das letztere ist dem Erleben des jungen Menschen gewidmet. Es stellt die Jugend in ihrer gesunden Sport- und Körperfreude dar. Durchwegs erscheinen in diesem Bilde aber zwei Gestalten zusammenkomponiert und seelisch aufeinander bezogen: es geht um den Menschen mit seinem Du, um die Urbeziehung der Gemeinschaft. (...)
Im April 1946 berichtete der Thurgauer Volksfreund: Nachdem die Heizmaterialvorräte nahezu aufgebraucht sind und auch für den kommenden Winter 1946/47 nur kleine Zuteilungen an Kohle in Aussicht stehen, beabsichtigt die Schulvorsteherschaft für das Sekundarschulhaus die Installation der Ölfeuerung. Damit konnten dann auch Altbau und Turnhalle wieder beheizt werden, was während des Krieges nicht möglich gewesen war.
Aus dem Protokoll der Pausensitzung vom 23. Januar 1947: Am 3. II. soll der Telephonunterricht für die 3. Kl. durchgeführt werden: 07.45 – 08.30 Vortrag, nachher Übg. (...)
Ebenfalls 1946 wurde eine dritte Lehrstelle an der Oberschule (7. und 8. Klassen) eröffnet und alle drei Klassen in das alte Sekundarschulhaus verlegt. Damit musste die Sekundarschule die zwei bis anhin dort genutzten Schulzimmer aufgeben und erteilte nun ihren Unterricht ausschliesslich im Pestalozzischulhaus.
Aus einem Protokoll 1948: K. Rauch wird wegen Werfen von 2 Stinkbomben während einer Geographiestunde von den Lektionen des Herrn Völker ausgeschlossen (bis auf Weiteres) und hat während dieser Zeit sich in dem Zimmer aufzuhalten, in welchem sein Klassenlehrer unterrichtet.
(Namen geändert)
Doch begann die Schulbehörde bereits mit der Planung eines Anbaus um vier Klassenzimmer; die grossen Schülerzahlen in der Unterstufe der Primarschule liessen deren baldigen Bedarf unschwer voraussehen.
Das Stimmvolk sah dies anders und verwarf 1947 den entsprechenden Kredit.
Kinobesuch in Konstanz!
Als grosses Problem erschien den Behörden der Kinobesuch in Konstanz durch Sekundar- und Primarschüler. [Anm. d. Verf.: Ein Problem, das sich mit der Verbreitung des Fernsehens und später von Computer und Internet dadurch „erledigte“, dass es in die von aussen nicht einsehbare Privatsphäre der Familie entschwand.] Im Mai 1951 erhielten die „Lieben Eltern!“ darum ein langes Schreiben der Primar- und Sekundarschulvorsteherschaft; Auszüge daraus: Wir glauben Ihnen einen Dienst zu erweisen, wenn wir Sie auf einige unerfreuliche Erscheinungen bei unserer Schuljugend aufmerksam machen, welche uns in der letzten Zeit öfters beschäftigt haben.
Wie Sie wissen, ist unserer Schuljugend der Kinobesuch verboten*. Kinder-Vorstellungen dürfen nur mit Bewilligung des Schulpräsidenten zur Aufführung gelangen. Bevor eine solche Bewilligung erteilt wird, sehen sich einige Schulvorsteher und Lehrer den betreffenden Film an. Massgebend für die Beurteilung ist uns nicht nur die sittlich einwandfreie Darstellung aondern auch die moralische Haltung, die im Inhalt zum Ausdruck kommt und die künstlerische Gestaltung, die der Einbildungskraft des Kindes entsprechen soll. (...)
[Anm. d. Verf.: Offensichtlich stellten die Behörden wesentlich höhere Anforderungen an die Qualität des Medienkonsums der Kinder und Jugendlichen, als dies heute üblich und möglich ist.]
| Rudolf Weber, damals Schulvorstand der Sekundarschule, schrieb 1968: Anlässlich einer Umfrage musste festgestellt werden, dass rund 40% unserer Schüler während der Schulwochen einer regelmässigen und meist gut bezahlten Erwerbstätigkeit nachgehen. Selbstverdientes Taschengeld in Ehren, aber es ist doch wohl nicht die Meinung, dass dies auf Kosten einer sorgfältigen Schularbeit geht. (...) |
Aus dem Schreiben geht weiter hervor, dass das Verweilen von Kindern und Jugendlichen in Konstanz als problematisch angesehen wurde und darum unerwünscht war.
Wir haben auch festgestellt, dass einzelne Kinder gelegentlich ohne Bewilligung ihrer Eltern nach Konstanz gehen. Zu diesem Zwecke nehmen sie ihre oder die Grenzkarte der Eltern, auf welcher auch ihre Name vermerkt ist, aus der Schublade. Wir empfehlen Ihnen deshalb, die Grenzkarten gut zu versorgen. (...)
* Laut Verordnung des Regierungsrates über den Betrieb von Kinotheatern vom 3. August 1948 war Kindern unter 16 Jahren der Besuch von Kinovorstellungen, auch in Begleitung der Eltern oder erwachsener Aufsichtspersonen untersagt.
Anbau 1954
Während der 40er-Jahre wuchs Kreuzlingen rasant. Die Schülerzahl stieg entsprechend, parallel dazu der Raumbedarf. Für die Sekundarschule konnten durch den gefälligen Anbau an das Sekundarschulhaus an der Schulstrasse 5 neue Klassenzimmer bereit gestellt werden, sodass diese Stufe wohl für längere Zeit versehen ist, obwohl die neue erste Klasse zu Beginn des Schuljahres 1955/56 126 Schüler, die ganze Sekundarschule nun 293 Schüler zählt und jetzt von 10 Lehrern betreut wird. [Anm. d. Verf.: Noch waren es wirklich nur Lehrer, noch galten Frauen als lediglich für den Unterricht an der Unterstufe geeignet.]
Die Hoffnung, diese Stufe sei nun für längere Zeit versehen trog: In den 60er- und 70er-Jahren wurde es zunehmend eng in der Sekundar- wie in allen anderen Schulen und die Schaffung neuen Schulraums bildete bis zum Bau des Sekundarschulzentrums Remisberg 1995 bis 1997 eine leider nur allzu begründete Sorge.

Aufnahmeprüfung ja oder nein?
Sechstklässler und Kinder der 1. Abschlussklasse, die in die Sekundarschule übertreten wollten, hatten eine Aufnahmeprüfung zu bestehen. In aller Regel bereitete ihr Lehrer sie über Wochen hinweg darauf vor, und in manchen der beteiligten Klassen fokussierte sich während dieser Zeit der Unterricht (sehr) stark auf die sogenannten Kernfächer.
1962 führte eine erste Thurgauer Schulgemeinde versuchsweise den prüfungsfreien Übertritt ein, was in Kreuzlingen aufmerksam verfolgt und in den folgenden Jahren heftig diskutiert wurde. Die überwiegend positiven Erfahrungen mit der Aufnahmeprüfung und die Befürchtung ein prüfungsfreier Übertritt führe dazu, dass nicht mehr nur die geeigneten sondern möglichst viele Kinder in die Sekundarschule aufgenommen werden müssten, liessen Lehrerschaft und Behörde noch lange am eingespielten Verfahren festhalten. Nach jahrelangen intensiv Abwägungen trat 1992 in Kreuzlingen der erste Schülerjahrgang prüfungsfrei in die Sekundarschule über, bei einer auf zwölf Wochen verdoppelten Probezeit.
Anfangs hatte das neue System zur Folge, dass (zu) viele Kinder nach der Probezeit in die Realschule wechseln mussten. In vielen Gesprächen und mit Hilfe von Vergleichsarbeiten konnten diese Anfangsschwierigkeiten überwunden werden.
Neuerungen
- 1964 wurden die Abschlussklassen als eigen- und selbständige Schulstufe anerkannt. Auch die Sekundarschule erhielt ein eigenes Gesetz, und neu wurde auch die Sekundarschulbehörde durch das Volk gewählt.
- 1965 eröffnete im alten Sekundarschulhaus die erste freiwillige Abschlussklasse für Knaben.
- Das neue Gesetz über die Kantonsschulen verpflichtete die Stadt, von 1968 bis 1983 der Kantonsschule Kreuzlingen Schulraum zur Verfügung zu stellen. Dafür wurde vorerst ein Teil des alten Sekundarschulhauses geräumt.
- Das Unterrichtsgesetz von 1978 verpflichtete Kreuzlingen, Bottighofen und Lengwil zur Bildung einer Oberstufengemeinde. Mit der Wahl der Behörde im April 1981 wurde diese handlungsfähig.
- Zum Abschluss des Schuljahres 1982/83 führte die Sekundarschule erstmals eine Projektwoche durch, während welcher die Schülerinnen und Schüler konzentriert ein selbst gewähltes Thema bearbeiten konnten.
- Immer mehr Schülerinnen und Schüler wählen das Freifach Englisch, während das Interesse an Italienisch rapide sinkt.
- 1988 startete an der Sekundarschule der dreijährige Schulversuch „Bessere Bildung durch Musik“. Intensives Musizieren teilweise anstelle des üblichen Unterrichts sollte die beteiligten Schulkinder sowohl in musischen als auch in den traditionellen Unterrichtsbereichen fördern. Der Erfolg des Versuchs führte dazu, dass ab dem Schuljahr 1991/92 die Musikklasse (...) als Variante zur regelkonformen Stundentafel weitergeführt wurde.
- Einzug der Technik:
1957 verfügte die Sekundarschule über je einen Kleinbildprojektor und eine Schreibmaschine. 1958 kam ein Tonbandgerät dazu, so schwer, dass es zweier Schüler bedurfte, es (unter Aufsicht eines Lehrers) zu transportieren. Es folgten Nass- und später Trockenkopierer und in den 60er-Jahren hielten die Hellraumprojektoren zaghaft Einzug in die Klassenzimmer. 1969 wurde ein Filmprojektor angeschafft. Hingegen wurde kein Sprachlabor eingerichtet... wegen Raummangels.
Eine neue Sekundarschule!
Dies und die steigenden Schülerzahlen vor allem in der Unterstufe machten den Bedarf an zusätzlichem Schulraum absehbar. Doch nicht nur dies. Der Sekundarschulpräsident, Dekan Gmür schrieb 1971: Damit ist nun die Sekundarschule restlos ausgelastet. Wir stellen fest, dass mit dem Schreiberschulhaus, dem Pavillon und der erwähnten Kantonsschule eine Massierung von Schülern zu beobachten ist, die geradezu beängstigend wirkt. Ein sehr ausgewogenes Projekt im Burg- oder Remisbergquartier liegt nun vor, dessen Verwirklichung wir in nächster Zeit nur begrüssen können. (...)
Tatsächlich waren die ersten Schritte zum Bau eines neuen Zentrums viel versprechend: 1970 wurden sowohl der Kredit für einen Wettbewerb für ein Sekundarschulzentrum und der Kauf eines Grundstücks beim Roten Haus hoch angenommen und im Januar 1972 genehmigten die Stimmbürger den Kredit für Detailplanung und Kostenvoranschlag. Dann: Vorlagen wurden verworfen, Stillstand. Die Raumnot wurde so gross, dass die Behörde 1976 und 1977 auf die Eröffnung einer bewilligten Klasse verzichtete. Die drangvolle Enge verursachte unterrichtliche, organisatorische und disziplinarische Probleme... für lange Jahre noch. 1979 schrieb der Primarschulpräsident August Höhener dazu: ein Schulhaus gebaut für neun Klassen soll nun für den Unterricht für zur Zeit 17 Klassen (...) genügen, und wiederholt vermerkt der Jahresbericht der Sekundarschule: Auf Ende des Schuljahres verlässt wegen der ungefreuten Raumverhältnisse Herr (...) unsere Schule (...).

Wenigstens die Turnhalle, während 40 Jahren von der Sekundarschule, dem Seminar und vielen Vereinen genutzt, konnte 1982 saniert und um je einen Raum für Turnlehrer und Geräte erweitert werden.
1987 erfolgte der Spatenstich zur Sportanlage zwischen Seminar und Hafenstrasse. Nach zähen und langwierigen Verhandlungen war 1984 der Baurechtsvertrag zwischen Kanton und Oberstufengemeinde zustande gekommen, welcher die Planung der Anlage ermöglichte. Die „Aussen-Sportanlage mit Trockenplatz“ dient allen umliegenden Schulen, vielen Vereinen und ermöglicht die Durchführung vielfältiger sportlicher Anlässe.
Die Verwirklichung des heutigen SSZ Remisberg aber zog sich so lange hin, dass schliesslich doch ein weiterer Anbau ans Pestalozzischulhaus beschlossen wurde.
Wenigstens eine Erweiterung

So verzweifelt begann im Januar 1992 die Botschaft zum Kreditbegehren von knapp 4 Mio Franken zur Optimierung der Schulanlage Pestalozzi: Warum?
Wegen Einsprachen aus der Nachbarschaft verzögerte sich der Baubeginn der Schulanlage Remisberg. Darum konnte die Oberstufenbehörde nicht, wie vorgesehen, die Optimierung des Pestalozzischulhauses erst nach dessen Fertigstellung angehen. Spätestens 1994 müssten zwei Pavillons dem Erweiterungsbau der Kantonsschule weichen, den dritten brauchte das Schreiberschulhaus. Die Schulzimmer im Pestalozzischulhaus wiesen nur zwei Drittel der vorgeschriebenen Fläche auf.
In drei Bauphasen sollte das Sekundarschulhaus vergrössert und den Bedürfnissen angepasst werden:
- Anbau mit 6 Klassenzimmern
- Erweiterung und Umbau des Lehrerzimmerbereichs, der WC-Anlagen, Lift
- Veränderte Raumaufteilung der bestehenden Klassenzimmer.

aus den Abstimmungsunterlagen, Januar 1992
Der Souverän zeigte sich einsichtig und stimmte mit überwältigem Mehr dem Projekt zu.
Der auf Stelzen sitzende Neubau löste die Raumprobleme für mehrere Jahre. Weitere Anpassungen und Ausbauten erfolgten Jahr für Jahr, sodass sich die Schule auch von der Infrastruktur her laufend den sich verändernden Bedürfnissen anpassen konnte.
Zusammenarbeit
Das 1997 (endlich) bezogene Oberstufenzentrum Remisberg vereinigte je sechs Real- und Sekundarschulklassen unter dem selben Dach. Hier sollten diese einander nicht nur räumlich näher kommen: Eine zunehmende Zusammenarbeit sollte einerseits harmonisch wachsen und war gleichzeitig Ziel einer gemeinsamen Kommission von Behörde und Lehrerschaft.
In der Sekundarschule im Pestalozzischulhaus waren sich die meisten Lehrkräfte noch darin einig, die Trennung der beiden Oberstufen sei für den Erhalt der Unterrichtsqualität an der Sek förderlich.
Doch verschloss man sich den Veränderungen nicht grundsätzlich, was ab 1998 die Durchführung von Projektwochen gemeinsam mit den Realklassen Egelsee bewies.
Der Auszug von sechs Klassen bot die Gelegenheit im Pestalozzischulhaus die letzten Schulraumoptimierungen durchzuführen.
| Peter Müller formulierte die Vorbehalte an einem Klassentreffen im Mai 2000 so: Die Zeit, da es eine Realschule und eine Sekundarschule gibt, scheint abgelaufen zu sein. Geplant ist, dass Realklassen vom Egelsee hier Einsitz nehmen und umgekehrt Sekundarklassen ins Egelsee ziehen. Wie weit dies sinnvoll ist, übelasse ich Ihnen zu entscheiden. Für uns Unterrichtende ist klar, dass eine Zeit der Umstellung bevorsteht, die viel Unruhe bringt, und wie uns scheint, wenig Gewinn. (...) |
Eine besondere Form des Unterrichts in Niveaugruppen hielt 1998 im Pestalozzischulhaus Einzug: In sogenannten Vertiefungsklassen wurden Themen in den Fächern Deutsch, Französisch und Mathematik während je einer Wochenstunde in Leistungsgruppen vertieft.
Geleitete Schule
Ab 2004 leitete ein Schulleiter das Oberstufenzentrum Pestalozzi; dabei war das erste Grossprojekt bereits vorgegeben: Innert fünf Jahren war im ganzen Kanton eine stufenübergreifende Zusammenarbeit (Durchmischung) zu verwirklichen. Schon im ersten geleiteten Jahr erarbeiteten Schulhausteam und Behörde das Leitbild des Zentrums Pestalozzi und mit der Elterngruppe einen Leitfaden für die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Eltern und Schule.

„Reinschrift“
Ab 2006 begann der Prozess der Einführung der durchlässigen Oberstufe: Neben dem Unterricht in ihrer Stammklasse (E für ehemals Sekundarschüler, G für Realschüler) besuchen die Jugendlichen in wenigstens zwei Fächern den Unterricht in Niveaugruppen. Das Oberstufenzentrum Remisberg war von Anfang sowohl Real- als auch Sekundarschule. Für diese gestaltete sich darum der Übergang zur neuen durchmischten Sekundarschule weniger aufwändig als für die Lehrkräfte der Realschule Egelsee und insbesondere jene der Sekundarschule Pestalozzi. Diese beiden Zentren mussten einen Teil der Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler austauschen, ein Prozess der 2005 bis 2008 sorgfältig vorbereitet und realisiert wurde.
Für das 1939 erstellte Pestalozzischulhaus wurden mit der Systemänderung auch bauliche Anpassungen notwendig. Ein Anbau (dem Zeitgeist entsprechend mit energetischen Sanierungsmassnahmen verbunden) entlang dem Stelzenbau ergänzte die Schulhausanlage um die fehlenden Räume:
-
Lernraum für die integrative Förderung musikalisch Begabter. Seit dem Schuljahr 2008/09 können diese Jugendlichen zugunsten einer intensivierten musikalischen Ausbildung bis zu sechs Lektionen vom Unterricht befreit werden. (Im Thurgau existieren zwei solcher Schulen für „Begabtenförderung Musik“). Im Lernraum arbeiten sie den versäumten Lernstoff auf. Dieser Raum kann von allen Schülerinnen und Schülern genutzt werden.
(1939 hatte die Schulvorsteherschaft an die Eltern appelliert, ihre Kinder vermehrt das Geigenspiel lernen zu lassen; sie sei das unentbehrlichste (!) Instrument für alle Formen echter Hausmusik und das vornehmste zur Entwicklung und Veredelung der musikalischen Kräfte im Kinde.) -
Räume für Textilarbeit, Kochen, Werken, Informatik, Bibliothek und Schulische Heilpädagogik und für Niveauunterricht.
-
Aufenthaltsraum mit Mittagstisch
Nach Abschluss dieser Anbaute mit dem programmatischen Namen verfügt Kreuzlingen nun seit 2008 über drei gleichwertige Sekundarschulzentren... eine „Reinschrift“ anstelle all der Entwürfe und Provisorien.

Quellen:
- Oberstufenkommission der Schulgemeinden Bottighofen, Kreuzlingen, Oberhofen: Botschaft zum Organisationsreglement der der Oberstufengemeinde Kreuzlingen, 1980
- Jubiläumsschrift 100 Jahre Sekundarschule Kreuzlingen 1885 – 1985
- Jahresrechnungen und Rechenschaftsberichte seit 1907
- Verschiedene Abstimmungsunterlagen
- Schultagebücher
- Protokolle der Lehrerschaft
- Festschrift „100 Jahre Sekundarschule Kreuzlingen 1885 – 1985 (Oberstufengemeinde Kreuzlingen)
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Remisberg
Geschichte
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Erste Spuren / Erste Erwähnung
Die Zeit der 1950er- bis Mitte der 1960er-Jahre zeichnete sich durch eine starke Zunahme der Geburten aus. Dieser „Babyboom“ endete dann recht abrupt mit dem sogenannten Pillenknick.
1970 mussten im Sekundarschulhaus Pestalozzi 12 Klassen in nur 11 Schulzimmern unterrichtet werden. Daneben fehlte es an Übungs- oder Gruppenräumen, einem Raum für Textiles Werken und einem solchen für die Sammlungen. Zudem stand den rund 300 Schülerinnen und Schülern nur eine einzige Turnhalle zur Verfügung, mindestens zwei wären nötig gewesen.
Die Schülerzahlen in der Primarschule liessen leicht voraussehen, dass ab 1972 auf einige Jahre hinaus jährlich eine neue Sekundarschulklasse gebildet werden musste. Die Sekundarschule brauchte also mehr Raum, brauchte ihn dringend, brauchte ihn rasch.
Während Jahren war die Schule geprägt durch ein überaus starkes Wachstum, verging kein Jahr ohne Lehrerwahlen, kaum ein Jahr ohne die Einrichtung neuer Lehrerstellen... und immer wieder musste über Kreditbegehren für den Bau neuen Schulraums abgestimmt werden...
Mehrere Gründe sprachen dafür, den steigenden Raumbedarf nicht durch einen Ausbau des Pestalozzischulhauses zu befriedigen sondern durch einen Neubau:
-
Das Grundstück am Standort Pestalozzi war zu klein.
-
Die Sekundarschule teilte sich das Areal mit der Kantonsschule.
-
Eine zu grosse Schuleinheit sollte vermieden werden.
-
Die Lage im Zentrum Kreuzlingens war verkehrstechnisch ungünstig und machte für viele Kinder die Schulwege gefährlich.
-
Auch die Schülerinnen und Schüler von Bottighofen und Oberhofen-Lengwil, den anderen beiden Gemeinden des Sekundarschulkreises, sollten günstige Schulwege erhalten.
Überraschend bot sich 1970 die Gelegenheit, an der Rothausstrasse zwischen Remisberg- und Langhaldenstrasse 14‘758 m² Bauland zu Fr. 35.- zu erwerben, günstig gelegen und für alle Schülerinnen und Schüler relativ angenehm und gefahrlos zu erreichen.
Mit jeweils komfortablem Mehr bewilligte der Souverän sowohl den entsprechenden Landerwerb als auch den Wettbewerbskredit für die Planung eines neuen Sekundarschulhauses auf diesem Areal. – [Anm. d. Verf.: Gut Ding jedoch...]
Gut'...
Fünf Jahre später wurden in den 11 Schulzimmern im Sekundarschulhaus bereits 14 Klassen unterrichtet. 1975 gelangte ein Kredit von rund 6,7 Mio Franken für den Bau der 1. Etappe Remisberg zur Abstimmung. Neu war dabei die Benennung: Hatte der Souverän 1970 für ein neues „Sekundarschulhaus“ gestimmt, war es 1972 im Egelsee um ein „Abschlussklassenschulhaus“ gegangen, so wurde nun erstmals der Begriff „Oberstufenzentrum“ verwendet.
| Der detaillierte Kostenvoranschlag vom 22. April 1974 ist ein Wälzer von 676 Seiten. |
Die Botschaft erläuterte dies so: Das Remisbergschulhaus soll ein Oberstufenschulhaus werden, d. h. es soll der Sekundarschule und der Abschlussklassen-Schule dienen. Beide Schultypen haben neben ihrer Andersartigkeit auch Gemeinsames in Bezug auf den Lehrplan und die Art der Stoffdarbietung. Im Kleinen liessen sich zwischen Sekundar- und Abschlussklassenabteilungen Verbindungen schaffen, die sich zum Wohl der Schüler und Lehrer auswirken.
[Anm. d. Verf.: Neudeutsch spräche man von „Synergieeffekten“.]
Gegenüber dem geplanten Vollausbau von 12 Klassenzimmern umfasste diese 1. Etappe lediglich deren 9; dies müsse als absolutes Minimum bezeichnet werden.
Aus den Begründungen:
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Unsere Sekundarschule platzt aus allen Nähten.
-
Die Provisorien müssen abgebaut werden, sollen sie nicht die organische Entwicklung behindern.
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Die Jahrgänge mit der grossen Schülerzahl treten zur Zeit Jahr für Jahr in die Sekundarschule über.
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Das Abschlussklassenschulhaus Egelsee ist schon voll ausgelastet.
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Mit der Inkraftsetzung des neuen Unterrichtsgesetzes ist mit der Obligatorischerklärung des 9. Schuljahres zu rechnen (...).
-
Und: Mit der Verwirklichung dieses Bauvorhabens kann den in Kreuzlingen in der Baubranche tätigen Mitbürgern geholfen werden, ihre Arbeitsplätze zu sichern.
-
Nach Gesetz darf eine Sekundarklasse höchstens 25 Schüler aufweisen. In den 5 ersten Klassen sitzen heute aber je 28 bis 30 Schüler.

Doch weder die bestens fundierten und hervorragend dargestellten Darlegungen in Presse und Abstimmungsbotschaft, noch die Unterstützung durch Bottighofen und Oberhofen-Lengwil sowie der politischen Parteien halfen: Im Oktober 1976 wurde das Projekt deutlich verworfen.
...Ding...

1977 kam der „Remisberg“ wieder vors Volk. Diesmal verzichtete die Behörde darauf, Sekundar- und Abschlussklassen unter demselben Dach unterzubringen, und aus „Sicherheitsgründen“ liess sie über die zugehörige Turnhalle getrennt abstimmen.
Die ansprechend gestaltete und umfassend informierende Botschaft war auf dem damals in Mode kommenden grauen Umweltschutzpapier gedruckt.
Doch: Ende Januar 1977 wurde auch dieses Projekt deutlich verworfen.
Oberstufengemeinde Kreuzlingen
§ 16 des Unterrichtsgesetzes von 1978 schreibt vor, dass überall dort Oberstufengemeinden zu bilden sind, wo sich die Einzugsgebiete einer oder mehrerer Realschulen mit dem Sekundarschulkreis deckt.
Als Basis für diesen Zusammenschluss erarbeiteten die Schulgemeinden Bottighofen, Kreuzlingen und Oberhofen-Lengwil 1980 das entsprechende Organisationsreglement.
Seit 1982 funktioniert die Oberstufengemeinde Kreuzlingen. Sie ermöglichte vorerst eine weitgehende Koordination zwischen den drei Schultypen der Oberstufe:
|
Sekundarschule |
+ |
Realschule
|
+ |
Sonderklassen
|
Der Wechsel von der Bezeichnung „Abschlussklasse“ zu „Realschule“ markierte deren Anerkennung als eigenständige Schulstufe (und nicht mehr lediglich als Abschluss der Primarschulzeit). Mit dieser Veränderung nun näherte sich die Realschule auch organisatorisch der Sekundarschule an; die Neuorganisation war ein erster Schritt hin zur heutigen durchmischten Sekundarschule.

...will...
Nach den beiden ablehnenden Volksentscheiden beschloss die Oberstufenbehörde wieder „auf Feld eins“ zu beginnen und schlug 1985 dem Volk vor: Neuer Standort, neues Projekt.
Die Raumverhältnisse im Pestalozzischulhaus konnten zu diesem Zeitpunkt nicht anders als katastrophal bezeichnet werden: Ursprünglich für 9 Klassen konzipiert, wurden hier nun deren 18 unterrichtet, in zu kleinen Schulzimmern, in völlig überbelegten Spezialzimmern, in Pavillons (vom Volksmund „Baracken“ genannt...)
Das Konzept für die Oberstufe verfolgte 3 Ziele:
- Bau eines neuen Oberstufenzentrums im Raum Besmer. Damit erhielte die Oberstufengemeinde Kreuzlingen drei Zentren mit jeweils 9 Klassen.
- Die Zusammenlegung und Durchmischung von Real- und Sekundarklassen sollte ein Zusammengehen der beiden Schultypen erleichtern und fördern. (§ 13 des Thurgauischen Unterrichtsgesetzes definiert unmissverständlich: Oberstufenzentren sind Schulen, die Sekundar- und Realschulklassen organisatorisch und soweit möglich auch räumlich zusammenfassen, um beweglichere schulische Strukturen sowie eine grössere Durchlässigkeit zwischen den Schultypen zu ermöglichen.
- Die drei Zentren wären räumlich gut verteilt; die Schulhäuser erhielten die Funktion von Quartierzentren.
Die Vorteile der unter 2. erwähnten Zusammenarbeit schienen offensichtlich:
- Abbau von Vorurteilen gegenüber dem einen oder dem anderen der beiden Schultypen.
- Die Schülerinnen und Schüler gewinnen Einblick in die Arbeit der jeweils anderen Schule und lernen diese zu schätzen.
- In manchen Fächern ist gemeinsamer Unterricht möglich (damals hiess es „denkbar“).
- In einzelnen Bereichen können Lehrerinnen und Lehrer der einen Stufe auch auf der anderen unterrichten.
Mit dem Kauf zweier Grundstücke südlich des Restaurants Besmer und dem Verkauf des praktisch gleich grossen 1970 erworbenen Areals an der Rothausstrasse sollte der Weg frei gemacht werden für die Planung eines 9 Klassen umfassenden Oberstufenzentrums.
Das Zusammengehen der Oberstufen sollte dann in zwei Schritten realisiert werden:
| ab 1988
je ein Real- Sekundar- und Oberstufenzentrum |
ab 2000
drei Oberstufenzentren als Quartierzentren |
|---|---|
| Realschulzenrum Egelsee:
- 9 Realklassen |
Oberstufenzentrum Egelsee:
- 6 Real- und 3 Sekundarklassen |
| Sekundarschulzentrum Pestalozzi:
- 9 Sekundarklassen |
Oberstufenzentrum Pestalozzi:
- 3 Real- und 6 Sekundarklassen |
| Oberstufenzentrum Besmer:
- 3 Real- und 6 Sekundarklassen |
Oberstufenzentrum Besmer:
- 3 Real- und 6 Sekundarklassen |
Aber: Im Juni 1985 erlitt auch dieses Projekt eine deutliche Abfuhr.
...Weile...
1987 waren die 38 Oberstufenklassen auf sechs Standorte verteilt:
| Sekundarschule Pestalozzi | 11 Klassen im Schulhaus, 3 Klassen in Pavillons |
| Realschule Egelsee | 13 Klassen, davon eine Sonderklasse |
| altes Schulh. Kurzrickenbach | 3 Klassen, davon eine Sonderklasse |
| Bottighofen | 1 Klasse |
| Weinburg | 1 Sonderklasse |
| Wehrlischulhaus | 3 Klassen 10. Schuljahr |
Endlich war es nun so weit: Ein Rahmenkredit von 7 Mio. Franken für ein 6-Klassen-Oberstufenschulhaus wurde angenommen. Dessen Bau würde die seit langem bestehenden Raumprobleme der Sekundarschule lösen.
...haben...
Aber im Januar 1989 sorgte das Erziehungsdepartement für eine kalte Dusche indem es erklärte, gemäss der gesetzlichen Bestimmungen den Bau des mittlerweile fertig geplanten Schulhauses nicht mit kantonalen Förderbeiträgen zu unterstützen, weil darin keine Durchmischung vorgesehen wäre. Die Oberstufenbehörde schlug darum vor, das Projekt zu erweitern: Von 6 auf 9 Klassen, der erforderlichen Infrastruktur, einer zweiten Turnhalle und einer Hauswartwohnung. Dazu beantragte sie einen Zusatzkredit von knapp 3 Mio Franken.
Im März 1989 wurde dieser deutlich verworfen. Konnte nun wenigstens das stark redimensionierte Vorhaben mit 6 Schulzimmern in Angriff genommen werden? – Nein, konnte es nicht: Einsprachen einzelner Anwohner und damit verbundene Rechtsverfahren zögerten den Baubeginn weiter hinaus, und schliesslich musste auch dieses Projekt begraben werden.
[Anm. d. Verf.: Die Geschichte der Schulzentren Pestalozzi, Wehrli, Egelsee und Remisberg ist geprägt durch Jahre und Jahrzehnte dauernde Planungs- und Wartezeiten. Dieses Schicksal erleiden nicht nur die Schulen: So konnte man im März 2012 der Presse entnehmen, dass für die Überbauung des zentralen Areals Löwen/Sallmann endlich ein überzeugendes Projekt vorliege ... Neue Hoffnung nach über 10 Jahren Planungszeit!]
Endlich!
Im Dezember 1994 gelangte ein völlig neues, auf 12 Klassenzimmer erweitertes, Projekt für ein Oberstufenschulhaus im Remisberg“ zur Abstimmung... und wurde komfortabel angenommen! Die Erleichterung darüber war so gross, dass der Schulpräsident Jürg Schenkel die positive Abstimmung zum Neubau des Oberstufenzentrums Remisberg ein „Jahrhundertereignis“ nannte.
1995 bis 1998 wurde das Remisberg erstellt. Es war bereits mit Blick auf die kommende Durchmischung der Oberstufe konzipiert worden, und 1998 bezogen je sechs Real- und Sekundarschulklassen den Neubau: Damit eröffnen sich in der Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Obertstufentypen neue Möglichkeiten. Ausgehend von der Tatsache, dass die Zusammenarbeit zwischen Real- und Sekundarschule in neue Dimensionen wachsen muss, beschäftigt sich seit zwei Jahren eine Kommission, bestehend aus vier Mitgliedern der Oberstufenvorsteherschaft und vier künftigen Remisberglehrern mit der Schulentwicklung im Oberstufenzentrum Remisberg. (...) Die künftige Remisberg-Lehrerschaft ist bestrebt, im Aufbaustadium die Zusammenarbeit zwischen den beiden Schultypen natürlich wachsen zu lassen (z.B. stufenübergreifende Wahl- und Freifächer sowie Veranstaltungen). Die zukünftigen Remisberglehrkräfte der Real- und Sekundarschule bereiteten sich vom Baubeginn weg intensiv auf die noch völlig ungewohnte stufenübergreifende Zusammenarbeit vor.
Auch architektonisch war, was so lange gedauert hatte, gut gelungen: 2001 prämierte das Architektur Forum Ostschweiz das Oberstufenzentrum und nahm es in seine Wanderausstellung auf.
Fast dreissig Jahre waren von der Idee bis zu deren Realisierung vergangen! Mit ihrem „Projekt Kamm II“ schuf das Architekturbüro René Antoniol + Kurt Huber einen Bau, der nicht nur durch seine Architektur und Ästhetik zu überzeugen vermag, sondern generell gesehen ein Schulhausbau ist, der auch zukunftsweisend sein kann. Ein Ort der Begegnung, des Lernens und der Vorbereitung auf das Berufsleben oder auf weiterführende Schule für Schülkerinnen und Schüler der heutigen und vieler kommender Generationen.
Auf den Beginn des Schuljahres 1997/98 konnte die Schulanlage bezogen werden. Für Samstag, 16. August 1997 lud die Behörde im Thurgauer Volksfreund zu einem „Tag der offenen Tür“ ins Oberstufenzentrum Remisberg Kreuzlingen ein. Die Zeitung druckte dazu folgende Luftaufnahme ab:

Mit einem bunten Strauss von Ansprachen, musikalischen Darbietungen, Vorstellungen verschiedener Sportklubs und –gruppen, mit Tanz für die Erwachsenen, Disco für die Jugendlichen, mit Ausstellungen, einem Videofilm zum Bau und mit vielen weiteren Aktivitäten wurde dann im Mai 1998 Einweihung gefeiert.
[Anm. d. Verf.: Ganz anders als alle bisherigen präsentierte sich die Einladung zu dieser Schulhauseinweihung: Eine 20-seitige professionell gestaltete Broschüre vereinigte neben dem Programm der Veranstaltung einige Aufsätze zum Bau, Bilder desselben und auf über neun Seiten Inserate. Eine grosse Tombola bot weiteren Geschäften die Möglichkeit, durch die Spende eines Hauptpreises den Anlass zur Werbung zu nutzen.]
WeltOrt
Ein monumentales Kunstwerk des Künstlerpaares „stöckerselig“ (Annette Stöcker und Christian Selig) prägt die weitläufige Eingangshalle. Die Künstler beschreiben es so:
Wir gehen für das Schulhaus Remisberg vom Ort des Lernens und der Wissensvermittlung aus. Hier wird das Weltgeschehen reflektiert und mit dem Weltwissen aus Vergangenheit und Gegenwart gearbeitet. Die Lerninhalte, die aus der ganzen Welt zusammenkommen, werden von den Schülern und Schülerinnen nach Abschluss ihrer Ausbildung wieder in die Welt getragen.
Mit der Arbeit an der grossen Wand soll diese Welt visualisiert werden und dadurch ein erfahrbares und Assoziationen auslösendes „Gesicht“ erhalten. Wir reihen in alphabetischer Ordnung „alle“ Dörfer und Städte aus der ganzen Welt aneinander. Die verschiedenen Welt gegenden vermischen sich und ergeben ein neues, oszillierendes Bild der Welt. Eine brasilianische Stadt ist unmittelbarer Nachbar eines chinesischen Dorfes, ein wichtiger Ort versinkt im Meer anderer Orte und die ganze Welt fügt sich zu einem grossen Ganzen.

Das Wort, der Buchstabe, ein wichtiges Werkzeug in einer Schule, ist auf dieser Wand nicht nur Informationsträger sondern fügt sich durch die Menge und den Rhythmus zu einem sinnlichen Bild. Die gelben Buchstaben auf rotem Grund verwandeln die grossflächige Wand zu einem Leucht- und Klimakörper, die Eingangshalle des Schulhauses zu einem warmen farbigen Ort.
1 Schulhaus – 2 Schultypen
Rasch erwiesen sich gelegentlich geäusserte Befürchtungen als gegenstandslos, die beiden Schultypen unter einem gemeinsamen Dach störten einander. Im Gegenteil: Das OZ Remisberg bildet eine organisatorische und pädagogische Einheit bei schulisch weitgehend getrennten Stufen (J. Schenkel, 1998). Diese beiden Stufen entwickelten sich aufeinander zu. Gemeinsame Projektwochen und andere Veranstaltungen bildeten hierfür von Anfang an eine wesentliche Basis, besonders aber der strikt eingehaltene Grundsatz alle Veränderungen der Sorge um die Schulqualität und das Schulklima unterzuordnen. Schliesslich wurde aus dem Oberstufenzentrum (OZ) ein Sekundarschulzentrum (SSZ), wird zwischen den beiden Schultypen nicht mehr unterschieden, und 2006 wurde der Begriff „Oberstufengemeinde“ durch „Sekundarschulgemeinde“ abgelöst.
1999 kamen der Englisch-Unterricht in Niveaugruppen und die projektartige Arbeit an einem Nachmittag der Woche dazu, beide stufenübergreifend erteilt.
| 21. Januar 2000: „Wir gedenken der Tatsache, dass wir bereits die Hälfte der Realschulzeit hinter uns haben. Die Frage, ob es von jetzt an aufwärts oder abwärts geht, wagen wir nicht zu beantworten.
(Aus R.Schaads Journal) |
Seit 2001 bieten Mitglieder der Elterngruppe Remisberg zweimal wöchentlich eine Aufgabenstunde an, während der sie die Jugendlichen beim Lösen ihrer Aufgaben unterstützten.
Seit 2002 erhalten lernwillige Schülerinnen und Schüler beider Stufen das Angebot am Mittwoch Nachmittag in einer Lernwerkstatt zu arbeiten. Dabei halfen Lehrkräfte und ältere Schüler Lücken zu schliessen, Stoff zu vertiefen oder zu erweitern.
O tempora o mores!
Mit dem Ausruf „Was für Zeiten, was für Sitten!“ beklagte Cicero 63 v. Chr. den Verfall letzterer.
Ciceros vor über 2000 Jahren geäusserte Klage ist nie mehr verstummt.
[Anm. d. Verf.: Die geschichtlichen Daten und ihre in Protokollen und anderen Dokumenten festgehaltenen Ereignisse sind lediglich EIN Aspekt der Geschichte. Weniger sichtbar sind die sich ändernden Sitten, ist der Alltag, sind Freuden und Leiden der Menschen, die diese Geschichte leben und mitgestalten.
Die Schulanlagen und deren Um- und Anbauten sind oft Folge steigender Schülerzahlen, daneben widerspiegeln sie auch den sich ändernden Zeitgeist, zeugen von wichtigen gesellschaftlichen und pädagogischen Strömungen und Entwicklungen.
Sie erzählen jedoch wenig vom Schulalltag, von dem was Lehrende, Schülerinnen und Schüler, Eltern und Behörden während der Schul- und oft auch der Ferienwochen beschäftigt, freut, belastet. Der Alltag ist ein flüchtig Ding, oft nur schwer fassbar und selten findet jemand die Musse ihn zu formulieren oder zu reflektieren.
Ein Glück wenn in einer Schule Tagebücher vorliegen, die über die Nennung markanter Ereignisse hinaus etwas von den sich ändernden Sitten darstellen und zum Nachdenken darüber einladen. Im Remisberg führte René Schaad ein besonders reichhaltiges Tagebuch. Ähnlich Einblicke vermitteln auch die Sitzungsprotokolle des Sekundarschulzentrums Pestalozzi.] Daraus erfahren wir etwa, dass Mitte des 20. Jahrhunderts der verbotene Kinobesuch in Konstanz ebenso ein Problem darstellte wie die Erwerbstätigkeit mancher Schüler, wir lesen von der Störung des Unterrichts mittels Stinkbomben... Schaads Journal-Eintrag im Frühling 2000 zeugt von gravierenderen Widrigkeiten:
Elternabend:
Problem „Lager ohne Drogen“
50 % der Schüler rauchen regelmässig, einige sind sich gewohnt zu kiffen.
Eher contre coeur biete ich an, ein Tessin-Lager in die Wege zu leiten. (...)
Während des Sommers wurde dem Lehrer klar, dass für mache Schüler Rauchen, Kiffen und wohl auch Alkoholkonsum zum Alltag gehörten. Als mögliche Lösung erschien: Verträge mit jedem Schüler und im Übertretungsfall Abholen des Schülers durch die Eltern.
Schaads waren wohl nicht unglücklich, als sie erfuhren, dass sich das Haus im Tessin nach einem Umbau für ganze Klassen nicht mehr eignete.
Aber: Im Herbst nahmen ein paar Schülerinnen die Lageridee wieder auf. Sie suchten in Eigenregie ein Lagerhaus, fanden eine Lücke in der Belegung der Jugendherberge St. Moritz. Sie erfragten die Preise und erstellten ein Budget mit Transportkosten, Preise für Unterkunft, Skiabos und anderes. Obwohl weder meine Frau noch ich begeisterte Wintersportler sind, sollten wir die Initiative dieser paar Schülerinnen nicht bremsen. (...)
[Anm. d. Verf.: Interessant: Schreibt er vom Drogenkonsum der Schüler, wird deutlich, dass diese neue Initiative von Schülerinnen ausgeht.]
In der Folge zeigen mehrere Ereignisse, dass ein drogenfreies Lager unmöglich sein wird, und Schaads wird klar, dass sie die Verantwortung nicht übernehmen können: (...) Ich stehe vor dem Dilemma, dass ich eine Klasse führe, die sehr gute Arbeit leistet, so lange wir uns im Schulzimmer befinden. (...) Kaum aber verlassen wir die vier Wände, kann ich mich auf nichts mehr verlassen. Es ist nicht Bösartigkeit, es ist vielmehr Haltlosigkeit und Unzuverlässigkeit. Es ist eine grosse und leider auch bestimmende Gruppe, der das Gespür fehlt, wie man sich in einer bestimmten Situation verhält. (...) Schaads führten das Lager nicht durch...
Die Einrichtung der Schulberatung 2001 war eine Folge dieser Veränderungen und bewies den Willen der Behörde auch diese Herausforderung aktiv anzugehen. Bereits im folgenden Jahr wurde diese Einrichtung auch auf die Primarschule ausgedehnt und seither laufend den aktuellen Bedürfnissen angepasst. Die Arbeitsschwerpunkte verteilen sich auf folgende Bereiche: Einzelberatung von Schülern/innen, Lehrpersonen und Eltern, Gruppenarbeiten mit Kindern und Jugendlichen und Klasseninterventionen.
Geleitete Schule
Im Schuljahr 2001/2002 begann in einigen Schulen des Kantons die Erprobung des Projekts „Schulleitung“.
2004 erhielt auch das Remisberg eine Schulleitung. Schon im Jahr zuvor hatte ein Leitungsteam Entscheide zuhanden des Konventes vorbereitet und einen Teil der administrativen Arbeiten übernommen. Das erste grosse Projekt war vom Kanton vorgegeben: Innert fünf Jahren war eine stufenübergreifende Zusammenarbeit (Durchmischung) zu verwirklichen.

Aus den Schul-Infos 1/04 vom 8. September 2004: Der Schulleiter M. Raimann informiert die Eltern darüber, an wen sie sich wofür wenden können.
Mit der Gründung einer einfachen Gesellschaft bekam die Elterngruppe „remisbergeltern“ einen klaren rechtlichen Stand und konnte nun besser offizielle Aufgaben wahrnehmen. Ihr Ziel ist es die Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern und Schulbehörde zu fördern.
Quellen:
- Archive der Schulgemeinde Kreuzlingen
- Sonderbeilage des „Thurgauer Volksfreund“, 13. Mai 1998
- Diverse Botschaften und Abstimmungsunterlagen
- Kunstkoffer von Nadja Rubli, August 2009
- Verschiedene Schultagebücher
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Journal René Schaad
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
René Schaad unterrichtete von 1977 an während 30 Jahren als Reallehrer, zuerst im Schulhaus KURIBA (Primarschulzentrum Seetal) und ab 1998 im Remisberg. Ab 1991 arbeitete auch seine Frau Carola mit seiner Klasse. Seine Schultagebücher erzählen nicht nur von besonderen Ereignissen, die er und seine Schulklassen durchlebten. Vielmehr dokumentierte er mit vielen Zeitungsausschnitten das schulische und pädagogische Umfeld seiner Schularbeit. Er schreibt einmal dazu:
| Carola fragt mich, was alle diese Zeitungsausschnitte mit unserer Klasse zu tun hätten. Direkt nicht sehr viel, aber ich habe wohl Gründe.
Einmal möchte ich diese Zeit des wohl unwidersprochenen Umbruchs dokumentieren. (...) Vielleicht schmunzelt in einigen Jahrzehnten ein Forscher über unsere Zeit, als man Fakten noch zu Papier brachte. |
[Anm. d. Verf.: Nun, es hat nicht Jahrzehnte gedauert und dem Schreibenden ist der Gebrauch von Papier (auch) zum Festhalten von Fakten durchaus geläufig; Dennoch hat er das Ansinnen der Schulbehörde abgelehnt ein Buch „Kreuzlinger Schulgeschichte“ zu verfassen und stattdessen die papierlose Internet-Chronik vorgeschlagen, die Sie jetzt eben nutzen.
Aus Schaads Journal wähle ich einige wenige Einträge aus, die mir besonders gut die trockenen Fakten einer Schulgeschichte zu ergänzen scheinen... durch persönliche Meinungen, Betroffenheit, Gefühle eben, wie sie sonst in einer Chronik keinen Platz finden. Schaads können mir hoffentlich verzeihen, dass ich dabei einen für sie ganz wichtigen Bereich ihrer Schularbeit weglasse: Die Aufführungen ihrer aussergewöhnlichen Schultheaterstücke.]
1999
Kreuzlinger Regionalkünstler stellen ihre Werke im Schulhaus aus. Waren wir Lehrkräfte erst noch skeptisch (Beschädigung der Bilder), änderten wir unsere Meinung im Laufe der Zeit: Die Kunstwerke interessierten die Schüler sehr stark.
Von den 16 Schülerinnen und Schülern rauchen 7 regelmässig. Grund genug, das Thema vertieft anzugehen.
2000
Die diesjährige OS-Konferenz (Real- und Sek-Lehrer) in Weinfelden fand ihren Niederschlag in der Zeitung, weil sich ein (...) Grossrat (...) darüber aufregte, dass die Lehrerschaft für ihre Konferenzen nicht den freien Samstag verwendet. Herr (...) weiss wohl nicht, dass wir heute bis zu 30 Lektionen jährlich mehr unterrichten, als zur Zeit der 6-Tagewoche (...).
Dabei gäbe es für die Grossräte genug Probleme zu lösen (die sie teils selber verursacht haben).
In einer gemeinsamen Veranstaltung im Februar stellt René Schaad den Eltern der 6. Klassen Seetal die Realschule, Heinz Schmid die Sekundarschule vor. Solche Elternabende sollen den Eltern die Grundlagen vermitteln, um für ihr Kind die passende Oberstufe auszuwählen.
2001
Im Februar geben die bevorstehenden Wahlen in die Schulbehörden Anlass zu einer Aussprache über aktuelle Schulprobleme:
-
Die Hälfte aller Schulkinder in Kreuzlingen sind Ausländer.
-
Für rund 30 % davon ist Deutsch eine Fremdsprache.
-
Multikulturalität ist Aufgabe und Chance zugleich.
-
Davon unabhängig beunruhigt das zunehmend rauere Klima auf den Kreuzlinger Schulhöfen.
März 2001: Was ist ein glücklicher Lehrer? Die Arbeitsbedingungen können mich zufrieden machen. Und für die Schüler ist ein zufriedener Lehrer eine gute Lernvoraussetzung.
Die Einrichtung der Stelle eines Schulberaters ist eine Folge dieser Veränderungen und beweist den Willen der Behörde auch diese Herausforderung aktiv anzugehen.
Zum Thema Schulleitung: Ein weiteres Kapitel zum Thema Qualitätssicherung steht unter dem Stichwort Schulleitung. Was 150 Jahre lang gar nicht so schlecht funktioniert hat, nämlich der autonome Klassenlehrer, ist plötzlich out, ein Schulleiter muss her! (...)
| Im März: Lehrerverein: Wir diskutieren die Vernehmlassung betreffend LQS (Lohnwirksames Lehrerqualifikationssystem) und Schulleitung. Wir hätten schon Antworten, aber sie passen schlecht zu den gestellten Fragen. (...) |
Was in Bürglen geleitete Schule genannt wird, haben wir im OZ Remisberg mit unserem Schuhausvorstand Markus Raimann weitgehend verwirklicht.
Unter einem Artikel der Thurgauer Zeitung vom 16.05.2001 der Thurgauer Zeitung: „Gegen Gewalt in der Schule“ notiert Schaad: Selten geworden in den gegenwärtigen Schlagzeilen: Der Begriff „Gewalt“. Bei uns kommt er noch vor, in unserem Theaterstück „Eins auf die Fresse“, das wir Ende Juni nochmals aufnehmen werden.
Mehrere Seiten sind mit Zeitungsausschnitten zu den vermutlichen Gründen des Lehrermangels gefüllt.
Ein Teil des Teams, die Englischlehrkräfte, besuchen seit einem Jahr am Mittwoch Nachmittag einen Sprachkurs um das Cambridge First Certificate zu erreichen. Dafür zahlen sie einige tausend Franken aus dem eigenen Sack. So attraktiv kann unser Beruf sein.
Zum Abschluss der Schulzeit fährt Schaads Klasse für drei Tage nach Paris!
Herbst: Der „Bericht zur Entwicklung der Volksschule“ zeigt die Stossrichtung der anstehenden Reformen. Prioritär angegangen werden
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Einführung der Schulleitungen zur Verbesserung von Personalführung und Qualitätsmanagement der Schulen
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Schulaufsicht: Trennung zwischen Beratung und Beurteilung
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Einführung der Schulberatung ab Sommer 2002
-
Aufbau der durchmischten Oberstufe
-
Aufnahme des Betriebs der Pädagogischen Hochschule ab 2003
Mit der neuen Klasse unternimmt Schaad eine Fahrradtour. Sie verläuft ohne grössere Zwischenfälle. (...) Das nächste Mal können wir eine etwas grössere Reise wagen.
2002
Diese grössere zweitägige Reise nach Basel wurde Schülern und Eltern als Probeübernachtung im Hinblick auf ein Klassenlager angekündigt.
In einem ausführlichen Brief legt Schaad nach der Klassenfahrt dar, dass eine kleine Gruppe von Buben die Nachtruhe in der Jugendherberge so konsequent und übel gestört hätten, dass er diese von einem allfälligen Lager ausschliessen müsste.
Von einem der Übeltäter findet sich zum Schluss des Schuljahres ein Brief. Einige Auszüge daraus: Ich habe in der Schule Material gestolen. ... ist dabei gewesen und ... ist auch dabei gewesen. (...) ... hat gesagt, dass er immer material holen geht wen nimand zu sehen ist. (...) ... ist mal schauen gegangen und hat einen kleinen Block geklaut. (...) Ich habe zuerst gedach nein weil es ja aus dem Geld von unseren Eltern bezahlt wird (Steuer) aber ich gin mit und holte mir 2 kleine Winkelmessermasstab, 1 Bleistift 2 Radirgummis, 1 Stift und 1 Wasserfestenstift. (...) Ein Mitschüler erzählt dem Lehrer davon. Wir haben einen Klassenrad gemacht und haben dabei auch alles geklaute Schulmaterial mitgebracht. Ich und ... sind bereit jede Strafe anzunehmen. Ich werde meinen Eltern im Garten und im Haushalt helfen. Und der Schule will ich als Entschuldigung Herrn... im Garten oder Schulhaus Puten helfen.
Und 10 Fr. kommen von uns 4 Jungs ins Klassenkasse.
Zu Beginn des neuen Schuljahres führt Schaad ein „Administrationsheft“ ein. Grundsätzlich gehört alles in dieses Heft, was die Eltern interessiert: Rundschreiben, Einladungen, Absenzenmeldungen, Bemerkungen zur Arbeitshaltung u. ä.
Als Kontaktheft findet diese Form des Inormationsaustauschs zwischen Lehrkraft und Eltern ab dem Schuljahr 2004/05 im ganzen Schulzentrum Remisberg Verwendung.
Mitte Dezember besucht der Konvent das Oberstufenzentrum in Bürglen. Wir informieren uns über die zu installierende Schulleitung und über den Schülerrat.
2003
März: Offizieller „Gewaltpräventionstag“. Solche angeordneten Aktionen können mich nicht begeistern. Was machen wir denn, zusammen mit Christian Delforth, unserem Schulberater, tagtäglich? Trotzdem machen wir ein Programm: Diskussionsrunde – Spiele in der Turnhalle (fairplay) – Gesprächsrunde. Ein Ergebnis immerhin: Wir fühlen uns stark genug, ein Klassenlager zu planen. A und B werde ich allerdings mitteilen, dass ich sie mit ihrem Betragen nicht mitnehmen werde. – Einer der Knaben darf auf Beschluss der Klasse dann doch mitfahren, ein Entscheid, der sich als richtig erweisen sollte. Der andere wird im folgenden Sommer die Vergewaltigung eines Mädchens gestehen...

Die teilnehmenden Oberstufenlehrkräfte lehnen die Strukturreform (integrative oder durchmischte Sekundarschule) ab.
2004
Die Schlussreise im Juni führt nach Amsterdam und scheint recht anstrengend gewesen zu sein:

2005
Mit der neuen Klasse gelingt die zweitägige Exkursion nach Basel tadellos: Störungsfreies Übernachten. Preis: Sommerlager noch im 7. Schuljahr (letztes Mal um ein Jahr verschoben)! Besonderes: Jan verpasst am Morgen die Zugsabfahrt. Er erreicht uns gegen Mittag dank Eigeninitiative (Handy sei Dank).
Juni: Elternabend, Thema: Bevorstehendes Lager in Mathon. Unerwartetes Interesse an Elterngesprächen: 19 Gespräche in 6 Tagen! Es zeigt sich wieder: Wo Eltern sich für die Schule interessieren, finden sich auch die Kinder besser zurecht.
[Anm. d. Verf.: Im Journal findet sich kein Wort zum Verlauf der Klassenverlegung, doch belegen rund drei Dutzend Fotos, dass diese vorzüglich gelungen ist.]
Im August notiert Schaad zum Bericht „Lehrerbildung in der Schweiz“ unter andrem: 300 Stunden arbeitet die durchschnittliche Lehrkraft ausserhalb der benötigten Zeit für den Unterricht in ihrem Beruf.
2006
Das Amt des Schulleiters hat sich etabliert. Die klare „Gewaltentrennung“ gibt Sicherheit.
Im September führen Schaads ihr letztes Klassenlager in Moscia durch, wieder eine gelungene Woche, obwohl...:

2007
Mit einer Reise ins Berner Oberland schliessen Schaads und ihre Klasse die Schulzeit ab:
Sang-, klang- und schmerzlos war der Abschied. Die meisten zog es förmlich hinaus ins Leben.
Und dann war ich allein.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Schule entsteht
Mittelalter - 20. Jh.
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.

Das Kloster, das später Kreuzlingen den Namen geben sollte, lag (wohl ab 1123) wenig ausserhalb der Stadt, im Gebiet zwischen der heutigen Freie- und der Zollstrasse.
Die klösterlichen Dienstleute siedelten sich zwischen der Stadtmauer (Schnetztor) und dem Kloster an; es entstand die Vorstadt Stadelhofen. Weit ausserhalb der Stadtmauern, beim heutigen Hirschenplatz, richtete Konstanz ein Asyl für die Aussätzigen ein.
Nach 1650 wurde in dessen Nähe das 1633 zum zweitenmal zerstörte Kloster wieder aufgebaut.

Noch 1838 bestand Kreuzlingen aus lediglich 13 Häusern und war bis 1874 ein Ortsteil von Egelshofen. Erst der Bau der Eisenbahn leitete die rasante Entwicklung des Ortsteils Kreuzlingen ein, und 1874 wechselte der Ortsname Egelshofen in Kreuzlingen, das gleichzeitig an Stelle von Gottlieben Bezirkshauptort wurde.
Ursprünglich dienten die Schulen fast ausschliesslich der Heranbildung von Geistlichen. Erst die Reformation um 1524 ermöglichte auch Bürgerkindern eine gewisse Schulbildung. So wurden 1527 Spital und Rat der Stadt Konstanz angewiesen, einen geschickten und gelehrten Schulmeister zu halten, der die Kinder in christlicher Zucht und ehrsamen Künsten zu unterrichten hatte, und 1547 gab es in der Stadt eine lateinische und zwei deutsche Schulen. Erst 1774 jedoch wurde die sogenannte Normalschule eingeführt, für deren Besuch kein Schulgeld mehr zu entrichten war. Im folgenden Jahr richtete das Zoffinger Frauenkloster am Rhein eine Schule für Mädchen ein, die bis heute besteht.
Während Gottlieben seinen ersten Schulbau bereits 1580 erhielt, besuchten Kinder aus dem Gebiet des späteren Kreuzlingens noch lange Zeit die Schulen in Konstanz... oder in Scherzingen, siehe auch Schulbesuch Konstanz
Im Oktober 1632 erhielten die Thurgauer Kapitel-Dekane (Katholische Kirche) und Pfarrer (evangelisch) Anleitung zur Einrichtung und Führung von Schulen. In rein evangelischen Gemeinden sollten weltliche (und tugendhafte!) Schulmeister angestellt werden, welche regelmässig zu inspizieren waren. Der Schulbesuch war nach wie vor freiwillig, und der Unterricht wohl in der Regel wenig attraktiv. Als Schulmeister amteten nämlich oft Taglöhner, Handwerker oder ehemalige Söldner. Nicht selten war eine Bedingung für deren Anstellung als Lehrer, dass sie über eine Stube als Unterrichtsraum verfügten. Zudem sah die Schule ihre Hauptaufgabe in der religiösen Unterweisung ihrer Zöglinge.
Bis 1730 verfügte Egelshofen über keine eigene Schule. 1647 gründete Pfarrer Collin (Sein Grossvater hiess noch Büelmann; doch klingt „Colline“ wesentlich eleganter als „Büel“.) im Pfarrhaus Scherzingen eine Schule, die nicht nur aus dem eigenen Dorf sondern auch aus den Gemeinden Bottighofen (Kurz-)Rickenbach und eben Egelshofen Kinder anzog. In seinen besten Zeiten brachte es der Pfarrer damit auf ein komfortables Jahresgehalt von 60 bis 80 Gulden, die damals üblichen Geschenke nicht eingerechnet.
Konkurrenz liess nicht lange auf sich warten: 1651 begann Konrad Bollmann in Bottighofen zu unterrichten, 1655 der St. Galler Achilles Meyer in Rickenbach.
Pfarrer Collins vielseitiger Einsatz als Lehrer wurde zwar lang geduldet aber nicht überall gern gesehen und er musste 1676 den Schuldienst aufgeben. Seine Nachfolge trat Jakob Muggensturm-Beusch an, der jedoch vorerst nicht mehr in Rickenbach sondern in der Römerburg an der Remisbergstrasse unterrichtete.
Egelshofen und Kurzrickenbach machten sich einige Jahre später mit der Gründung einer eigenen Schule von Scherzingen unabhängig. Um das Zusammengehen nicht durch Rivalitäten zwischen den beiden Dörfern zu gefährden fand der Unterricht im Sommerhalbjahr in Kurzrickenbach mit etwa dreissig Schülern statt, im Winter mit über 60 Schülern in Egelshofen. Damit führten die beiden Gemeinden eine der ersten Ganzjahresschulen im Thurgau!
Um 1730 richteten die beiden Gemeinden je eine eigene Schule ein.
Kurzrickenbach
Als eine der ersten Gemeinden im Thurgau richtete Kurzrickenbach 1828 eine Freischule ein: Die Kinder der Gemeindebürger waren von der Bezahlung eines Schulgeldes befreit. Bis 1843 führten die Lehrer den Unterricht in einer Stube ihres eigenen Hauses durch. Im Februar 1842 dann verpachtete die politische Gemeinde Rickenbach der evangelischen Schulgemeinde Schulstube und Lehrerwohnung im Gemeindehaus an der Romanshornerstrasse 65.

Bald zeigte sich, dass dies keine glückliche Lösung war, und 1844 wurde der Neubau eines Schulsaales hinter dem Gemeindehaus in die Wege geleitet. Er bot bis hundert Kindern (wohl wenig) Platz, diente über sechzig Jahre lang und wurde 1913 abgerissen, nachdem das neue Schulhaus mit 4 Klassenzimmern und einer Hauswartwohnung erbaut worden war, das heutige Schulhaus KURIBA.
Die Verfassung von 1869 bedeutete das Ende der konfessionellen und ortsbürgerlichen Schulen. 1870 übernahm die Einwohnergemeinde die Dorfschule.
Egelshofen
Auch Egelshofen bekam 1730 seine eigene Schule, die auch von evangelischen Kindern aus Emmishofen besucht wurde. Die Schulmeister unterrichteten in der eigenen Wohnstube, bis Hans Georg Bächler-Neuweiler 1769 dieses Amt übernahm.
Da er noch im elterlichen Haus wohnte, verfügte er über keinen geeigneten Raum und ersuchte darum die Gemeinde, ihm einen solchen zur Verfügung zu stellen. Vorübergehend wurde ihm ein Raum im Gemeinde haus zugewiesen, bis das elterliche Haus in seinen Besitz überging und er in dessen Erdgeschoss unterrichten konnte.

Die katholische Schule im Schoderschulhäuschen wurde 1799 aufgehoben.
1830 schloss sich Bätershausen an die Egelshofer Schule an. Neben der Alltagsschule führte der Lehrer die Repetierschule, eine Nachtsingschule und eine Nachtschule. In dieser wurden die Kinder unterrichtet, die Tags über in Konstanzer Fabriken arbeiteten und darum die reguläre Repetierschule nicht besuchen konnten. Von 1835 an hatte auch Egelshofen seine Freischule.

1845 war die Schulklasse hoffnungslos überfüllt und Egelshofen ersuchte die katholische Schule im Felsenschlössli, einige evangelische Kinder zu übernehmen. Gesuch abgelehnt! So blieb Egelshofen nichts anderes übrig, als eine zweite Abteilung einzurichten, nun wieder im Gemeindehaus. Als die Schule im Felsenschlössli 1859 schliessen musste, wurden deren Schüler, Ironie der Geschichte, in Egelshofen aufgenommen.
Wiederholt ersuchte Egelshofen um Vereinigung seiner Schulgemeinde mit jener von Kreuzlingen, doch auch 1784, anlässlich der Umbenennung in „Kreuzlingen“, lehnte die mittlerweile finanziell wesentlich besser gestellte Gemeinde einen Zusammenschluss ab. Kreuzlingen selber verfügte bis zur Jahrhundertwende ausser der Seminarübungsschule im Felsenschlössli lediglich über eine Ober- und eine Unterschule im Schulhaus an der Bahnhofstrasse (heute Pestalozzistrasse, altes Sekundarschulhaus).
Felsenschlössli
Das Fehlen einer eigenen Schule schmerzte die katholische Gemeinde. Nach einer Kollekte für die Äufnung eines Schulfonds konnte 1811 das Felsenschlössli, das dem Kloster gehörte, erworben und darin ein Schullokal und eine Lehrerwohnung eingerichtet werden. 43 Jahre lang versah Jakob Gagg-Gäng hier den Schuldienst. Wegen Schülermangels und Diffenzen zwischen seinem Nachfolger und dem Schulpräsidenten, wurde die katholische Schule aufgehoben. Damit existierte die „Schulgemeinde Kreuzlingen“ nicht mehr, und für mehrere Jahre blieb die Schulgemeinde Egelshofen für alle Kinder der Ortsgemeinde zuständig. Damit das Lehrerseminar sich eine eigene „Musterschule“ angliedern konnte, entschied der Regierungsrat im Herbst 1861 eine selbständige Schulgemeinde Kreuzlingen einzurichten. Wieder wurde das Schullokal im Felsenschlössli bezogen und seither dient es der Lehrerbildung als Muster- oder Übungsschule.
1895 kaufte die Schulgemeinde Egelshofen das Patrizierhaus Rosenegg und richtete darin vorerst einen Schulraum für die Oberschule ein, dem einige Jahre später ein zweites Schulzimmer folgte.
Es sollte bis 1906 dauern, bis der Regierungsrat die Vereinigung von Egelshofen mit Kreuzlingen verfügte. Doch erst nachdem das Bundesgericht die Beschwerde gegen diesen Entscheid abgewiesen hatte, konnte die Planung eines gemeinsamen Schulhauses in Angriff genommen werden: 1909 wurde es eingeweiht: das Schreiberschulhaus.

Emmishofen bildete seit 1460 eine eigene Gerichtsherrschaft der eidgenössischen sieben Alten Orte. Kirchlich gehörte das Dorf zur Stiftskirche St. Stephan in Konstanz und wurde erst 1831 zu einer selbständigen Pfarrei erhoben. Die Beziehungen zu Konstanz blieben eng, und viele Kinder gingen in die Stadt zur Schule. Dabei besass Emmishofen schon früh eine eigene katholische Schule. Diese findet erstmals Erwähnung, als Schulmeister Josef Burkart am 9. Februar 1765 starb. Das erste Schulhaus an der Esslenstrasse 28 war von einem Bürger gestiftet worden. Haus und Garten konnten vom Lehrer zinsfrei genutzt werden. 1818 zog die Schule in das grössere Haus an der Lohstrasse 1 um.
1825 entstand das Esslenschulhaus an der Esslenstrasse 33, das bis 1917 der Schule diente.
Um der zunehmenden Platznot zu begegnen, wurde anfangs des 20. Jh. schräg gegenüber und oberhalb der 1903 geweihten Kirche St. Stephan das Schulhaus Emmishofen errichtet und im Juli 1917 eingeweiht.
Damit nicht genug, verfügte Emmishofen während 12 Jahren auch über eine Sekundarschule: Auf das Schuljahr 1863/64 hin wurde nämlich die Sekundarschule Tägerwilen nach Emmishofen verlegt, da dieses zentraler lag. Die Gemeinde mietete dafür das Wohnhaus an der Bernrainstrasse 5, das sie dann 1869 für 15‘000 Franken kaufen konnte.
Kreuzlingen wurde 1874 Bezirkshauptort. Als solcher wünschte er eine eigene Sekundarschule. Diese wurde 1875 gegründet, ebenso jene von Tägerwilen, und 1882 konnte das Schulhaus an der Pestalozzistrasse eingeweiht werden, das zunächst sowohl der Sekundar- als auch der Primarschule diente.
Das Sekundarschulhaus in Emmishofen aber wurde zum katholischen Pfarrhaus.
Literatur:
Vereinigung Heimatmuseum Kreuzlingen: Beiträge zur Ortsgeschichte:
- Hermann Strauss: Kreuzlinger Häuser; Heft. IV, 1951
- Hermann Strauss: Die Schulen in Kreuzlingen; Heft. VI, 1952
- Emil Heeb: 50 Jahre Einheitsgemeinde Kreuzlingen; Heft XIX, 1978
- Anton Hopp: Das Chorherrenstift St. Ulrich und Afra zu Kreuzlingen; Heft XXV, 1990
- H.-U. Wepfer: Das Revolutionsjahr 1798 im Kloster Kreuzlingen – Thurgauische Lehrerbildung 1798 – 1848
- Kreuzlinger Mosaik. Ein Quellenbuch der Grenzstadt Kreuzlingen bis ca. 1960, Bodan AG, 1991
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Sage von Bernrain
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.

Im Jahr 1388 wurde die Heiligkreuz-Kapelle Bernrain als Wallfahrtskirche erbaut. Später versah dort ein Kaplan von St. Stefan Konstanz seinen Dienst.
Als sich 1819 die Emmishofer Katholiken von der Mutterpfarrei St. Stefan Konstanz lösten, wurde Bernrain Pfarrkirche.
In der Kirche Bernrain befindet sich das Gemälde mit der Legende vom Wunderkreuz:

Die Legende erzählt:
Im Jahr 1384 giengen drey knaben auf der vorstadt Stadelhofen, nächst Constantz holz zu hollen im Wald bey Bernrain. Da selbe das holtz heim dragen wollten, kamen sie zu dem Crucifix bild unsers Herren auf Bernrain, und ruheten allda.
Da stuhnde auf ain frecher Bub, genannt Schappeler, der greift dem Crucifix an seine Nase und sprach: Herr Gott, lass dir schneutzen, so küss ich dich desto lieber. Darauf blieb die Hand an der Nasen des Crucifix.
Da solches die andere zwey sahen, eilten sie zur Statt und sagten es seiner Mutter. Hierauf kam dise und vil Ehrbare Leuth mit der Procession, sahen das zeichen, rufften Gott den Allmächtigen mit andacht an, und versprechen ein Wallfahrt auf Maria Einsidlen. Da war der Knab ledig.
Zu ehren Jesu Christi, und gedächtnuss dises Wunderzeichens, hat der Löbl. Magistrat zu Constantz dise Tafel machen lassen im Jahr 1598.

Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Schulbesuch Konstanz
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Auch heute besuchen Kinder aus Kreuzlingen und umliegenden Gemeinden Schulen in Konstanz. Laut DIE ZEIT N° 38 vom 15. September 2011 wohnen 350 der 8000 Konstanzer Schüler in der Schweiz, 200 davon aus Kreuzlingen. Dies führt in Konstanz, seltener auch auf Schweizer Seite, immer wieder zu Diskussionen. So schreibt der Südkurier vom 08.10.2009:
Die Anzahl der in der Schweiz lebenden Schüler an Konstanzer Schulen hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Vor allem an den Gymnasien kommt es dabei zu Engpässen. Für das laufende Schuljahr sind zwar alle Kinder untergebracht, doch dafür mussten einige Eltern Widerspruch einreichen: Humboldt- und Ellenrieder-Gymnasium haben in der Schweiz lebende Kinder aufgenommen, dafür aber zunächst Konstanzer Kinder abgewiesen (...).
(...) weder der Ausschuss noch der Gemeinderat können bestimmen, wie die Schulleiter ihre Schüler auswählen. Diese Vorgaben macht das Kultusministerium, das nochmals klargestellt hat: Der Schulleiter muss bei knapper Kapazität vorrangig Schüler aus Baden-Württemberg aufnehmen.
(...) "Es wäre schon wünschenswert, wenn Geld aus dem Thurgau käme." Der Kreuzlinger Schulpräsident und die Thurgauer Regierungsrätin haben die Anfragen von Oberbürgermeister Horst Frank jedoch abgelehnt, weil im Thurgau genügend Schulplätze für alle Kinder vorhanden sind - auch für die deutschen Kinder, die dort leben.
Text von Kirsten Schlüter
Die Stadt hat den benötigten Schulraum zur Verfügung zu stellen. Dies verursacht natürlich Kosten, die durch die Landeszuschüsse für Schüler an weiterführenden Schulen nur zu einem geringen Teil gedeckt werden.
Zudem sind es entgegen weit verbreiteter Meinung nicht nur in der Schweiz wohnende Deutsche, die ihre Kinder nach Konstanz zur Schule schicken. Häufig ist nur die Mutter oder der Vater Deutsche(r), doch nehmen Konstanzer Schulen auch Kinder von Schweizer Eltern auf ... kostenlos, denn das Gesetz schreibt vor, dass der Besuch öffentlicher Schulen unentgeltlich zu sein habe.
Was bewegt Eltern dazu, ihre Kinder nach Konstanz zur Schule zu schicken?
In Gesprächen wurden mir genannt:
- Der Schultag wird nicht durch eine lange Mittagspause unterbrochen.
- Englischunterricht erfolgt ab der 1. Klasse.
- Transparente Lehrpläne: Die in den einzelnen Fächern zu erreichenden Ziele sind konkret ausformuliert und den Eltern bekannt, was es ihnen erleichtert, die Lernfortschritte ihrer Kinder zu begleiten und nötigen Falls einzugreifen.
- Die einzelnen Schulen bemühen sich um ein klares eigenes Profil.
- Nachbarkinder gehen auch nach Konstanz; so dass der Hol- und Bringdienst unter den Eltern, meist den Müttern, aufgeteilt werden kann.
- Die schweizerische Matura gilt Vielen als anspruchsvoller als das deutsche Abitur, ...
- ...doch biete das Abitur bessere Voraussetzungen für den Zugang zu einer europäischen Hochschule.
Dabei sind die Klassen in Konstanz fast durchwegs wesentlich grösser: Gegenwärtig (Schuljahr 1012/2013) werden die Klassen in Baden-Württemberg in der Grundschule (1. bis 4. Kl.) und der Gemeinschaftsschule bei über 28 Kindern aufgeteilt; bei den weiterführenden Schulen ab dem 5. Schuljahr ist der Teiler 31. Die auf das Schuljahr 2013/2014 vorgesehene Senkung um ein Kind wurde aus Kostengründen zurückgestellt.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Schulordnung 1695
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Kurzrickenbach und Egelshofen bildeten im 17. Jahrhundert eine gemeinsame Kirchgemeinde. Zusammen gründeten sie eine eigene Schule, die je während eines halben Jahres in Egelshofen und Kurzrickenbach angesiedelt war. Hermann Strauss zitiert die Schulordnung vom 25. November 1695 wie folgt:
Gleich wie die Gemeinden Egelschoven und Rigkenbach dem Schuolmeister Hoürissen jährlich 20 fl. (Gulden) zu besserer durchbringung versprochen, Also und hingegen soll der Schuolmeister sich obligiren und underwerfig machen folgender Schuolordnung Punkten:
- Mit den Kindern Morgen, Mitag, Abendt das Gebet fleißig verrichten, sie dahin allen Ernstes anhalten und ermahnen, dass selbe auff dem Schuolweg sein Züchtig und in sonderheit die Knaben mit ab ziehung der hüeten gegen Menglich sich verhalten Thügen.
- Soll die Schuol den Anfang Sommers Zeit Umb 7 Uhren und zu Winters Zeit Morgen Umb 8 Uhren, Mittags Umb Elffe Ende, Und nachmittag Umb eins bis vier wiederumb fortsetzen.
- Wan ein feyrtag in der wochen einfalth, solle Sambstag den ganzten tag, gleich wie zu Andern tagen, die Schuol gehalten werden.
- Für Schneidung der federen und Vorschreibung Kleiner vor Zedlen, sol den Kinder neben dem Schuollohn nit weiteres abgenommen werden/: ausgenommen die grossen forschrifften:/ Alß 2 kr (Kreuzer).
- Der Schuollohn sol ordinary sein ein Groschen und zu Winters Zeit Täglich ein Scheith, in Mangel dessen alle Wochen ein Batzen und das ohne abbruch der Feyertagen.
- Würt der Schuolmeister von selbsten wüssen vor allen Dingen die Schuol also unverdrossen zu halten und die Kinder zu unterrichten, das die ehr Gottes beförderrt, und Also die Eltern mit der lehr mögendt erfreuwt werden, auch von unanstendiger Gesellschaft, und was dem Schuolmeisterlichen Standt nit enlich. Zu bemüssigen, wie dan dessenwegen von dem H. Pfarrer und vorgesetzten die Schuol zu gewüssen Zeit besucht und Allem fleißig nach geforschet werden solle.
[Anm. d. Verf.: Vergleiche mit der heutigen Zeit sind nicht ohne Reiz...]
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Lehrerlohn 18.-19- Jh.
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Den Egelshofer Lehrer Hans Georg Bächler-Neuweiler (1740 – 1814) zitiert der Historiker Hermann Strauss in seinem Aufsatz „Die Schulen von Kreuzlingen“ (Vereinigung Heimatmuseum Kreuzlingen: Beiträge zur Ortsgeschichte, S. 16 im Heft VI, 1952) unter anderem so:
Das väterliche Haus gehöre nun ihm und es stehe im untern Stock eine Schulstube zur Verfügung, wofür er aber keinen Hauszins erhalte; auch müsse er das Lokal selbst unterhalten. Er stehe jetzt im 59. Altersjahr (1799) und habe 6 Söhne. Im Nebenberuf besorge er den Mesmerdienst und auch das Vorsingen in der Kirche.
Die Schule bestand aus drei Klassen, und der Unterricht dauerte von 8 bis 11 und von 1 bis 4 Uhr. Zur Sommerszeit kamen 25 bis 30, im Winter 64 Kinder. Dazu hielt er von Martini bis Ende Februar die Winternachtschule, die von 30 Kindern besucht wurde.
Jedes Kind hatte wöchentlich drei Kreuzer Schulgeld zu zahlen und im Winter das übliche Scheit Holz mitzubringen, oder an dessen Stelle für den ganzen Winter vier Kreuzer zu entrichten. Ein Rechner* zahlte sechs Kreuzer und jeder Nachtschüler für den ganzen Winter 20 Kreuzer. Unvermöglichen Kindern wurde der Schullohn schon seit 1716 aus dem Armenfonds bezahlt. Rechnet man Bächlers Verdienst als Lehrer und Mesmer zusammen, so ersieht man bald, dass er mit achtzig Gulden Jahresverdienst ein recht spärliches Einkommen hatte. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn der Egelshofer Lehrer damals aus dem Armengut Unterstützung bezog (...).
(* In der Regel wurde in den Schulen kein Rechnen-Unterricht erteilt.)
(und S. 11):
(Das von den Kindern entrichtete) Schulgeld war die einzige Entlöhnung an den Lehrer. (...) Nicht umsonst schrieb Lehrer Bär am Schlusse seines Berichtes vom 20. Februar 1799: „Ich wünsche von Herzen, dass daran gearbeitet werde, dass für die Schulwohnung, wie auch für das Schulgeld möchte gesorgt werden, weilen selbige sehr gering und schlecht sind, wie sie es selbstern werden einsehen können.“
Da wundert es denn nicht, dass viele Schulmeister ihr mageres Einkommen anderweitig aufbesserten:
-
Anton Rentzemeyer in Götighofen arbeitete als Schreiner
-
Joseph Fridolin Ott, Bischofszell, war auch Chirurgus
-
Hans Ulrich Gsell, Schocherswil, „hat die Freiheit, den Gemeindsbürgern alle Mittage in die Runde zu Mittag zu essen“
-
Johann Huber (ab 1848), Kurzrickenbach, war daneben Photograph, und seine Frau betrieb einen Geschirrladen.
-
Geschenke, welche die (Bauers-)Kinder mitbrachten, waren hoch willkommen.
Walter Greuter, von 1920 bis 1966 Lehrer in Kurzrickenbach, schreibt dazu im Thurgauer Volksfreund vom 4. September 1970: Zu den guten Zeiten zählten die Lehrer die Einladung zum Wurstmahl. Ja, es war eine Ehre für eine Familie, dass sie den Dorflehrer zum Mittagstisch einladen durfte. Diese Sitte herrschte in Kurzrickenbach bis zum Jahre 1925. Wenn man bedenkt, mit welch kargem Lohn eine Lehrersfamilie auszukommen hatte, so zeigten doch solche Einladungen, dass der Schulbürger die Not erkannte, aber für Abhilfe an der Gemeindeversammlung nie sorgte. Ich mag mich noch gut erinnern, dass mein Vater, der Landwirt und Sticker war, einmal sagte, er verdiene den Taglohn des Lehrers bis zum Morgenessen. Es war ein Glück für die damaligen Lehrer, dass sie im Herbst von den Bauern mit Früchten reich bedacht wurden. Aber das arme Dorfschulmeisterlein stand dafür in hohen Ehren: Er war immerhin der Herr Lehrer.
Aus der Rechnung der Kleinkinderschule Emmishofen (gegründet 1894) geht hervor, dass die Lehrerin 900 Franken Jahresgehalt bezog. Die weiteren Kosten für den Betrieb des Kindergartens summierten sich auf Fr. 491.-
Das Schulgeld der 30 bis 40 Kinder belief sich, Beiträge für Spiele u. Beschäftigungsgegenstände inbegriffen, auf Fr. 342.85. Dazu kamen Jahresbeiträge, Geschenke, Legate und andere Einnahmen von insgesamt Fr. 1187.78.
Die Jahresrechnung 1907, dem Jahr des Zusammenschlusses der beiden Schulgemeinden Egelshofen und Kreuzlingen, gibt Auskunft über die Gehälter der Lehrpersone

Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Schultypen im 19. Jh.
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Bis 1874 bestand in der Schweiz keine allgemeine Schulpflicht. Daher erhielt eine grosse Anzahl der Kinder keine oder nur eine geringe Schulbildung. Viele Eltern hielten eine solche für überflüssig, wollten oder konnten nicht auf die Arbeitskraft der Kinder verzichten; manchen erschien der Schulweg zu lang und zu beschwerlich, oder welche Gründe auch immer den Verzicht begründen mochten. Die genannten Zahlen zeigen auch deutlich, dass generell weniger Mädchen als Knaben der Schulbesuch erlaubt wurde...
Alltagsschule
Sommer- und Winterkurse

Singschule
Die Schule wurde von der Kirche betreut. Alle Kinder, die aus der Alltagsschule entlassen, also um die 12 Jahre alt waren, mussten bis zu ihrer Konfirmation die obligatorische Singschule besuchen.Diese hatte den christlichen Lobgesang zu fördern und die Choräle für den Gottesdienst einzuüben, denn an diesem mussten die Singschülerinnen und -schüler ebenfalls teilnehmen.
Repetierschule
Im Sommer wurde die Schule nur spärlich besucht, denn die Kinder mussten zu Hause mitarbeiten, oder die älteren arbeiteten in der Fabrik. Nach Martini, also im November begann die Winterschule. Diese wurde von mehr Kindern besucht, und meist hatte jedes neben dem Schulgeld wöchentlich ein Holzscheit mitzubringen. Kinder, die das Examen im Frühling erfolgreich bestanden, die also flüssig die Gebete und biblischen Erzählungen hersagen und Fragen aus dem Katechismus „richtig“ beantworten konnten, besuchten im Sommer nur die Repetierschule. Hier wurde während einiger Stunden pro Woche das Gelernte wiederholt. An manchen Orten wurde die Repetierschule auf den Sonntag verlegt, damit ja keine Arbeitskraft verloren ging...
Kreuzlingen führte 1915 an Stelle der Repetierschule das 7. und 8. Ganzschuljahr ein.
Nachtschule
Für Kinder, die Tags über in den Fabriken arbeiteten, bestand die Möglichkeit, am Abend den Unterricht zu besuchen. Meist wurden diese Stunden nur im Winter angeboten.
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Schulpflicht
Schulpflicht seit 1874
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
Das Mittelalter sah das Kind als eine Art Miniaturform des erwachsenen Menschen. Davon zeugen Gemälde, auf denen Kinder wie Erwachsene gekleidet sind, das erklärt auch die Tatsache, dass Kinder wie Erwachsene zur Arbeit (Kinderarbeit in den Fabriken) herangezogen wurden und juristisch belangt werden konnten. Erst das Fabrikgesetz von 1877 verbot in der Schweiz die Kinderarbeit!
Mit dem 17. Jahrhundert veränderte sich die Sichtweise: Die Kindheit wurde nun als eigenwertige Entwicklungsphase im Leben des Menschen erkannt.
Im 18. Jahrhundert setzte sich die Überzeugung durch, Kinder sollten weniger entsprechend ihrer Schichtzugehörigkeit erzogen sondern gemäss ihrer Anlagen und Begabungen gefördert werden. Mit Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) erwachte der Gedanke der bewussten und zielgerichteten Erziehung. Er sah diese als „natürliches Wachsen lassen“, während dem die Erziehenden das Kind von diesem unbemerkt so beeinflussen, dass es den Willen der Erwachsenen als seinen eigenen übernimmt. (Übrigens: Mit Kind waren stets Knaben gemeint. Mädchen wurden nicht anders denn als zukünftige Gattin, Mutter und Hausfrau wahrgenommen, deren Heranbildung offenbar keiner besonderen Erziehungsgedanken bedurfte.)
Im 19. Jahrhundert dann entstand der Wunsch nach einer gezielten und relativ breiten Bildung des ganzen Volkes; in ganz Europa wurden Volksschulen eingerichtet. Diese vermittelten nicht nur Lesen und Schreiben, sondern hatten insbesondere die Vermittlung bürgerlicher Werte zum Ziel: Ehrerbietung gegenüber höher Gestellten, Fleiss, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Sparsamkeit... Werte, die mit zunehmender Industrialisierung an Bedeutung gewannen.
Die Bundesverfassung von 1874 führte in der Schweiz die allgemeine Schulpflicht ein. Der unentgeltliche (!) Schulbesuch während acht Jahren wurde obligatorisch.
Das thurgauische Unterrichtsgesetz von 1875 führte die sechsjährige Primarschule als Alltagsschule ein. Für die Mädchen folgten zwei, für die Knaben drei Jahre Sommerrepetier- und Winteralltagsschule. Kreuzlingen führte 1914 das Ganzschuljahr für die Oberschule, also die siebte und achte Klasse ein, nachdem eine Volksabstimmung es den Schulgemeinden ermöglichte, diese beiden Schuljahre für obligatorisch zu erklären. Damit war wohl für Mädchen, nicht aber für die Jungen die Schulpflicht erfüllt: Letztere mussten bis zu ihrem vollendeten 18. Altersjahr Winters über jede Woche während vier Unterrichtsstunden die Fortbildungsschule besuchen. Zwei bemerkenswerte Neuerungen des Unterrichtsgesetzes sind die Einführung des Sportunterrichts und des Faches Biblische Geschichte, das nun konfessionsunabhängig erteilt wurde.
Der Unterricht fand an den sechs Werktagen jeden Vormittag und in der Regel an vier Nachmittagen statt. Die Lehrkräfte unterrichteten alle Fächer, oft in mehreren Klassenstufen im selben Schulzimmer. Dabei umfasste der Unterricht Sprache (Lesen, Schreiben, Grammatik), Schönschreiben, Rechnen, Realien (Natur- und Sachunterricht), Singen, Turnen, Biblische Geschichte.
Die wachsende Bevölkerungszahl schlug sich auch in den Klassengrössen nieder. Anfangs des 20. Jahrhunderts zählten die Schulklassen oft 80 bis 90 Schülerinnen und Schüler mehrerer Jahrgänge, was einen effizienten Unterricht doch sehr erschwerte. Der Bau des Schreiberschulhauses 1908 ermöglichte eine Reduktion der Klassengrössen auf rund 60 Kinder.
Nicht nur die Dauer der Schulpflicht widerspiegelte die unterschiedliche Zuteilung der Geschlechterrollen: Mädchen besuchten vom 9. bis zum 15. Altersjahr die Arbeitsschule, wo sie ausführlich in Textilem Werken ausgebildet wurden. Noch in meiner Schulzeit (1953 – 1962) war es selbstverständlich, dass wir Knaben auf den Nachmittag uns am See verabredeten, während die Mädchen „i d Schnurpf“ gingen. Während eines Teils nur der „Mädchenhandarbeit“-Stunden wurden die Knaben in Geometrie unterrichtet. Unser Werkenunterricht umfasste nur zwei Wochenstunden, nicht vier wie jener der Mädchen. Viele Schulen boten, meist im Winterhalbjahr, solche freiwillige (!) Holzbearbeitungskurse für die Jungen an, die Knaben gingen dann anschliessend an den Nachmittagsunterricht „i d Hobli“. [Anm. d. Verf.: Die Wortwahl für die Bezeichnung der beiden Fächer weist wohl auch auf den Grad der Wertschätzung hin.]

Im Zeugnis für Mädchen fehlte die Note für Geometrie, dafür wurde die Mädchenhandarbeit bewertet.
Das Angebot einer weiter führenden Schulbildung durch die Sekundarschule im damaligen Bezirkshauptort Gottlieben bestand nur von 1833 bis 1839. Zu gross waren die Konkurrenz durch die Stiftschule des Klosters Kreuzlingen, die Hörnlischule von Seminardirektor Wehrli und die Konstanzer Schulen, zu gering war die Nachfrage. 1853 führte Wehrlis Wegzug zur Schliessung der Hörnlischule, worauf im folgenden Jahr eine Sekundarschule in Tägerwilen öffnete, die 1863 nach Emmishofen verlegt wurde. Erst Kreuzlingens „Aufstieg“ zum Bezirkshauptort 1874 weckte den Wunsch nach einer eigenen Sekundarschule. Diese begann ihr Wirken 1885 im Pestalozzischulhaus.
Doch besuchten anfangs nur wenige Kinder die Sekundarschule: Da Schulbücher und -materialien selber bezahlt werden mussten, erschienen die Kosten wohl mancher Familie zu hoch, auch hatte die Bildung nicht überall einen hohen Stellenwert.
Es dauerte lange, bis sich die Meinung durchsetzte, eine gute Schulbildung sei für Mädchen ebenso wichtig wie für Knaben: 1885 besuchten neben 51 Knaben nur 15 Mädchen die Sekundarschule. Erst 100 Jahre später war, mit dem Verhältnis von 179 zu 178, der Ausgleich erreicht.
Für Kreuzlinger Jugendliche, die nach der obligatorischen Schulzeit keine Lehre antraten, sahen die ersten Jahre im Erwerbsleben etwa so aus:
| Männlich | Weiblich |
|---|---|
| ab 1875 | Erst ab 1907 |
| einmal wöchentlich | einmal wöchentlich |
| obligatorische Fortbildungsschule:
Vaterlandskunde (neuere Schweizer Geschichte, Staats- und Verfassungskunde), Lesen, Rechnen, Aufsatz. |
freiwillige Töchter-Fortbildungsschule: Weibliche Handarbeiten, Kochen, Haushaltführung, Bügeln, Nähen, Gesundheitslehre, Briefe schreiben. |
|
Viele Schüler liessen sich nur durch Zwang zum Besuch der Fortbildungsschule bewegen und verhielten sich im Unterricht bestenfalls desinteressiert. |
Das Angebot stiess auf so grosses Interesse, dass einzelne Kurse auch am Abend angeboten wurden, um den in der Fabrik arbeitenden jungen Frauen den Besuch zu ermöglichen. |
Eine besondere Stellung nahm der Sportunterricht ein: Hatte, der erste Seminardirektor Johann Jakob Wehrli noch die „natürliche Landarbeit“ dem „künstlichen“ Turnen vorgezogen, wurde 1861 der Turnunterricht doch als unverbindliches Fach für die Sekundarschulen zugelassen. Erst das Unterrichtsgesetz von 1875 schrieb zwei Wochenstunden Turnen vor, was bei vielen auf dem Land wohnenden Eltern übel ankam: Oft hatten deren Kinder lange Schulwege zurückzulegen und in Haus und Feld harte körperliche Arbeit zu verrichten. Sie sahen darum die Notwendigkeit zusätzlicher „Körperertüchtigung“ während der Schulzeit nicht ein.
Durch den Turnunterricht sollte aber die „männliche Jugend vom 10. Altersjahr bis zum Austritt aus der Primarschule auf den Militärdienst vorbereitet“ werden; konsequenter Weise war er dem Militärdepartement unterstellt und dies bis 1983! [Anm. d. Verf.: Während meiner Sekundarschulzeit besuchte ich regelmässig den „Vorunterricht“, eine während der Freizeit angebotene Sportstunde für Knaben, die, wie der Name verrät, ebenfalls als Vorbereitung für die Rekrutenschule gedacht war.]
Diese Zielsetzung des Sportunterrichts hatte zur Folge, dass die Turnstunden manches militärische Element enthielten. Auch war sie wohl mit dafür verantwortlich, dass Bedenken gegen den Sportunterricht für Mädchen geäussert wurden; diese bedurften ja keiner Vorbereitung auf den Militärdienst, und sie sollten bitte nicht zu männlich werden!
Im 20. Jahrhundert wichen die Vorbehalte rasch der Hoffnung, mit Hilfe regelmässiger sportlicher Betätigung die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen und damit später der Erwachsenen zu fördern und zu verbessern. Mehr und mehr wurden die Laufübungen, Freiübungen und Übungen an den Geräten ergänzt durch Spiele, Wanderungen aber auch Schwimmen und Eislaufen.
Quelle:
M.Bürgi et al. (Hrsg.): Kreuzlingen, 2001
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Bildungssystem TG

Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Lehrerausbildung Kreuzlingen
Im Folgenden erscheinen wortgetreue Auszüge aus den Quellen in Schrägschrift.
1831
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Einrichtung und Führung von Schulen Sache der Gemeinden. Die Gemeindeversammlung entschied über die Besetzung der Lehrstellen und damit über die Qualität ihrer Schule. Meist waren es die Pfarrherren, die je nach ihrer Überzeugung die Schule mehr oder weniger wirkungsvoll förderten. Besonders zu erwähnen ist hier Pater Meinrad Kerler, der 1806 im Kloster Kreuzlingen ein Lehrerseminar eröffnete, das aber mangels Zuspruch nach drei Jahren bereits wieder schliessen musste.
Die Verfassung von 1831 erst verpflichtet den Staat für „die Vervollkommnung des öffentlichen Unterrichts“ zu sorgen. Damit wurden gute Schulen nicht neu erfunden aber sie wurden verbindlich. Es dauerte noch Jahre, bis alle Bevölkerungsschichten die Verpflichtung zum regelmässigen ganzjährigen Schulbesuch ihrer Kinder akzeptierten.
1833 Der Kanton Thurgau gründet sein Lehrerseminar.
Dieses fand seinen Standort nicht in Frauenfeld oder Weinfelden, einer der beiden Hauptstädte des Kantons, sondern in Kreuzlingen. Hier konnte der Kanton die Seeburg, die ehemalige Sommerresidenz der Äbte des Augustinerstifts, günstig erwerben. Der erste Seminardirektor, Johann Jakob Wehrli, verfolgte Pestalozzis Ansatz einer ganzheitlichen Bildung von „Kopf, Herz und Hand“, weshalb er verlangte, dass für die landwirtschaftliche Betätigung der zu Beginn 27 Seminaristen Pflanzland zur Verfügung stünde. Im nahen Wirtshaus Hörnli (östlich des heutigen Seemuseums, 1894 abgebrochen) führte er eine Privatschule, die dem Seminar auch als Übungsschule diente. Nach dem Rücktritt Wehrlis 1853 wurde neben der evangelischen Schule Egelshofen auch die katholische in Emmishofen zur „Musterschule“ bestimmt.

Die heutige Seeburg beherbergte von 1833 bis 1850 das Seminar. Noch reicht der See bis ans Grundstück.
1850 Die Lehrerbildung wird von zwei auf drei Jahre verlängert.
Damit stieg der Platzbedarf des Seminars. Da nach der Säkularisierung das Kloster Kreuzlingen leer stand, lag es nahe, dass das Seminar ins Klostergebäude umzog. Für über 150 Jahre wurde das Kloster das Zentrum der Thurgauer Lehrerbildung. Die Seeburg gelangte 1958 nach einer mit 22 Stimmen gewonnen Abstimmung in den Besitz der Stadt Kreuzlingen und diente viele Jahre lang als Didaktisches Zentrum.
1862 Der Erziehungsrat beschliesst den paritätischen Schulkreis Kreuzlingen.
Die Musterschule zog nun ins Felsenschlössli, wo sie bis 1875 als ungeteilte Schule geführt wurde.
1904 Das Seminar nimmt die ersten Töchter auf,
„versuchsweise“... und ab sofort wurden alle Studierenden gesiezt! Doch galt für Mädchen lange eine Zulassungsbeschränkung: Der Lehrermangel führte 1947 lediglich dazu, dass diese von 4 auf 6 Töchter pro Klasse angehoben wurde!
1962 meldeten sich zum ersten Mal mehr Mädchen als Knaben zur Aufnahmeprüfung an; die „Verweiblichung“ des Lehrerberufs nahm ihren unabänderlichen Lauf.
1911 Ausdehnung der Lehrerausbildung auf 4 Jahre.

Westflügel des Seminars.
Den Kirchturm krönt der Helm von 1899.
Nach 1963 wurde wieder die ursprüngliche Form gewählt.
Dass mit der vom Volk beschlossenen Verlängerung auch das Bemühen um eine entscheidende Verbesserung der Ausbildungsqualität sich verband, beweisen die allgemeinen Bestimmungen des Lehrplans von 1912, die ihrer Zeit weit voraus, bei der Lehrplanrevision im Jahr 1921 wörtlich übernommen wurden: Der Unterricht ist in allen Fächern so zu erteilen, dass er dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft entspricht und die Schüler zu selbständigem Denken und Arbeiten befähigt. Es handelt sich nicht darum, ein Stoffgebiet lückenlos zu behandeln, wohl aber darum, auf anregende Weise in dasselbe einzuführen und das Interesse an seinen Problemen und ihrer Lösung zu wecken. Für die Stoffauswahl im einzelnen ist die geistige Entwicklung der Schüler in erster Linie massgebend. Das blosse Mitteilen von Wissensstoff und die gedächtnismässige Aneignung desselben muss auf das wirklich Notwendige beschränkt bleiben. Umso ausgiebiger soll die Selbstbetätigung der Lernenden zu ihrem Rechte kommen. Es ist daher den Schülern so viel als mögliche Gelegenheit zu geben, dass sie das, was ihr Wissen zu bereichern geeignet ist, durch praktische Versuche erproben, durch eigene Tätigkeit sich erarbeiten oder durch Lektüre sich aneignen. Das Recht der Selbstbestimmung, auf dem die Selbsterziehung beruht, ist den Seminaristen auch im Unterricht in geeigneter Weise einzuräumen durch eine gewisse Freiheit in der Stoffauswahl, durch die frei gewählten Fächer und durch die Gewährung hinreichenden Masses verfügbarer Zeit.
(Zitat aus der Festschrift von Rudolf Isler)
1932 Im Felsenschlössli wird ein zweiter Schulraum eingerichtet.
Nun fand hier auch die Unterstufe Platz, die seit 1875 im Ostflügel des Seminars geführt worden war.
1934 Erweiterung des Seminars
Der Ostflügel des Seminars wird durch den „Neubau“ mit Labor- und Sammlungsräumen für den naturwissenschaftlichen Unterricht ergänzt.
1942 Der Turnschopf im Innenhof des Seminars brennt ab.
Von nun an turnten Seminaristinnen und Seminaristen während 30 Jahren in den Turnhallen der Kreuzlinger Schulen ... und im Freien.
1963 Verheerender Grossbrand am 20. Juli 1963.
Es darf wohl als Liebe des Thurgauer Volkes zu seinem Seminar gedeutet werden, dass es nach der Zerstörung vom 20. Juli 1963 die Zustimmung gab, Seminar und Klosterkirche in der ursprünglichen Form wieder aufzubauen.

1974 Nördlich der Klosteranlage wird der moderne Erweiterungsbau eingeweiht.
Er umfasst einen Naturwissenschaftstrakt und je einen Trakt für Sport und Musik und verfügt über eine grosse, vielfältig nutzbare Aula.
2003 Eröffnung der Pädagogischen Hochschule PHTG.
In der ganzen Schweiz wird die Primarlehrerausbildung an Pädagogischen Hochschulen absolviert. Der Thurgau erfüllt diese Vorgabe auf eigene Weise:
Im Seminar ist heute die Pädagogische Maturitätsschule PMS untergebracht. Diese bereitet ihre Studierenden bereits während der vierjährigen Maturitätsausbildung nicht nur auf die Matur vor, sondern vermittelt ihnen gleichzeitig eine berufliche Grundausbildung. Diese kann nach dem Übertritt an die Pädagogische Hochschule PH durch ein zweijähriges Primarlehrerstudium ergänzt werden, womit nun die gesamte Primarlehrerausbildung 6 Jahre dauert.
Der ursprüngliche Auftrag der PHTG war die Ausbildung der Vorstufen- (Kindergarten-) und Primarlehrkräfte. Bald setzte die Zusammenarbeit mit der Universität Konstanz ein, mit der nun sowohl die Gymnasiallehrerausbildung als auch die Ausbildung der Lehrkräfte für die Sekundarstufe 1 (7. – 9. Schuljahr) durchgeführt wird. Das Gymnasiallehrerdiplom der PHTG wird heute sowohl im Thurgau als auch in Baden-Württemberg anerkannt.
2008 Zwischen Sekundarschule und Sportplatz entsteht der letzte Neubau.
Dieser ist heute Teil des Bildungs-Campus Kreuzlingen. Unter Miteinbezug der Universität Konstanz stellt die PHTG die Aus- und Weiterbildung der Thurgauer Lehrkräfte sicher, und beschäftigt sich mit Forschung und Entwicklung im Bereich Schule.
Das Lehrerseminar selbst hat sich zur pädagogischen Maturitätsschule gemausert.
2011 Zusammengehen mit der Universität Konstanz
Mit Beginn des neuen Schuljahres bietet die PHTG den Masterstudiengang „Frühe Kindheit“ an, der es Studentinnen und Studenten aus der Schweiz und Deutschland erlaubt, gemeinsam an beiden Hochschulen zu studieren.
| Seminardirektoren | |
|---|---|
| 1833 – 1853 | Johann Jakob Wehrli |
| 1854 – 1897 | Johann Ulrich Rebsamen, siehe auch Enrique C. Rebsamen |
| 1897 – 1904 | Jakob Frey |
| 1904 – 1909 | Dr. Paul Häberlin |
| 1909 – 1928 | Eduard Schuster |
| 1928 – 1962 | Dr. Willi Schohaus |
| 1962 – 1964 | Dr. Marcel Müller-Wieland |
| 1964 – 1972 | Dr. Ulrich Bühler |
| 1972 – 1982 | Dr. Hannes Maeder |
| 1982 – 2003 | Armin Kuratle |
| ab 2003 | Pädagogische Mittelschule PMS: Lorenz Zubler |
| 2003 - 2012 | Pädagogische Hochschule PH: Professor Ernst Preisig |
| ab 2012 | Professor Dr. Priska Sieber |
[Anm. d. Verf.: 1904 hatte das Seminar „versuchsweise“ erste Seminaristinnen aufgenommen. Es sollte also mehr als ein Jahrhundert dauern, bis der ersten Frau die Leitung der Lehrerbildung anvertraut wurde ... immerhin nicht „versuchsweise“.]
In der verhältnismässig kurzen Zeit seit 1833 hat die Lehrerbildung eine schier unglaubliche Entwicklung durchgemacht... und damit der Lehrerberuf, die Stellung der Lehrkräfte und die Qualität der Schulbildung insgesamt.
Einige Beispiele:
-
Verdreifachung der Ausbildungsdauer
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Vervielfachung der investierten Mittel in die Ausbildung
(Allein von 1900 bis 1930 stiegen die Ausgaben für Primar- und Fortbildungsschule von 800 000 auf 4,5 Millionen Franken.) -
Errichtung von Schulräumen
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Ausbau von Bildungs- und Weiterbildungsangeboten
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Senkung der Klassengrössen
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Diversifizierung der Ausbildungswege
(Ausbildungsgang für Maturanden aus Kantonsschulen, Berufsleuteseminar) -
Anpassung an pädagogische und gesellschaftliche Entwicklungen
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zunehmend aktive Aussenbeziehungen
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u.v.a.m.
[Anm. d. Verf.: Vergleiche mit der Entwicklung in anderen Berufen sind reizvoll und empfehlenswert.]
Rudolf Isler schliesst seine Ausführungen zum Campus mit folgenden Überlegungen:
Für die angehenden Lehrerinnen und Lehrer geht es in ihrer pädagogischen Ausbildung um das genau gleiche wie für ihre künftigen Schülerinnen und Schüler im Leben – um Orientierungsfähigkeit. Wir alle müssen uns in einer Welt ohne archimedischen Punkt zurechtfinden können. Deshalb kann es in der Lehrerbildung nicht darum gehen, nur Orientierungen zu vermitteln, sondern es muss vor allem darum gehen, die Fähigkeit aufzubauen, sich selbst zu orientieren. Dazu braucht es einen Raum, der nicht so eng abgesteckt ist, dass er keine Orientierungsbewegungen erlaubt – und er muss Wegweiser haben. Genau diesen Raum brauchen die angehenden Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Ausbildung – und sie haben ihn nun. Er bildet die passende Umgebung, sich mit ganz unterschiedlichen pädagogischen Strömungen auseinanderzusetzen, sich zu positionieren und die eigene Position argumentativ zu vertreten. Die Offenheit des Gebäudes bildet das Pendant zur Offenheit, welche die Lehrerbildung von ihren Studierenden in der Auseinandersetzung mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen, mit Weltanschauungen und mit pädagogischen Überzeugungen von Eltern fordert, mit denen sie es später zu tun haben.
Literatur:
- Hermann Alfred Schmid: 150 Jahre Thurgauisches Lehrerseminar Kreuzlingen (1983)
- Armin Kuratle / Hanspeter Züst: Das Seminar Kreuzlingen von 1983 bis 2003 (Pädagogische Maturitätsschule Kreuzlingen, 2008)
- Rudolf Isler: 175 Jahre Stabilität und Innovation – die Thurgauer Lehrerbildung und ihre Gebäude (Festschrift der PH Thurgau vom November 2008)
- Hermann Strauss: Kreuzlinger Häuser; Beiträge zur Ortsgeschichte Heft. IV (Vereinigung Heimatmuseum Kreuzlingen, 1951)
Autor:
Kurt Fillinger, Kreuzlingen 2013
Kontakt
Kurt Fillinger, ehemaliger Lehrer und Schulleiter der Primarschule Kreuzlingen, wurde von der Schulgemeinde Kreuzlingen beauftragt, in den Schularchiven nach alten Dokumenten und Wissenswertem über die Schule Kreuzlingen zu forschen.
Nach über einjähriger intensiver Recherche liegen nun viele spannende und aufschlussreiche Details aus der Geschichte der Schule Kreuzlingen vom Mittelalter bis heute vor. Wir danken Kurt Fillinger ganz herzlich für seine unermüdliche Arbeit und die eingebrachten wertvollen Ideen.
Damit die Schulgeschichte laufend erweitert werden kann, sind auch Sie herzlich eingeladen, uns weitere Beiträge aus der Geschichte der Schule Kreuzlingen zuzustellen. Nach redaktioneller Prüfung werden wir Ihren Beitrag auf unserer Homepage unter Quellnachweis des Autors/der Autorin gerne aufschalten. Beiträge werden finanziell allerdings nicht entschädigt.
Bei mehreren Autoren und Autorinnen und entsprechendem Interesse könnten wir uns vorstellen, ein jährliches gemeinsames Treffen durch die Schulgemeinde zu organisieren.
Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Beiträge.
Kontaktadresse:
Schulgemeinde Kreuzlingen
sekretariat@schulekreuzlingen.ch
Tel. +41 (0)71 677 10 00








